Dalmatien (, , ) ist eine geographische und historische Region an der Ostküste des Adriatischen Meeres. Sie erstreckt sich von der Insel Pag im Norden bis über die Bucht von Kotor im Süden und grenzt im Nordosten großteils an Bosnien und Herzegowina. Die räumliche Ausdehnung Dalmatiens hat sich im Lauf der Zeit wesentlich verändert: Die historische Region Dalmatia erstreckte sich zeitweilig auch auf Teile der heutigen Staaten Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Serbien und Kosovo. Das überwiegend in Kroatien liegende Küstenland umfasst eine Fläche von 11.960 km². Die wichtigsten Städte sind Split, Zadar, Šibenik und Dubrovnik, das Gebiet hatte 2023 insgesamt 850.000 Einwohner.Marta Kapić: Entwicklung des dalmatinischen traditionellen Hauses, Diplomarbeit, Technische Universität Wien, 2023, S. 11 (online).
Die Bezeichnung Dalmatien besteht seit dem 1. Jahrhundert und geht auf den Namen der Delmaten (Dalmaten), eines Stammes der Illyrer, zurück. Die historische Region hat seit Anfang des 20. Jahrhunderts keinen offiziellen Status mehr.
Geographie Geologie mini|Ungefährer Grenzverlauf der Apulischen Platte Dalmatien gehört zum östlichen Rand der Adriatischen Platte, die nach heutigem Kenntnisstand keine eigenständige Platte, sondern ein spornartig nach Norden ragender Teil der größeren Apulischen Platte war. Die Adriatische Platte umfasst einen erheblichen Teil Oberitaliens einschließlich der nördlichen Adria, einen Großteil der Ostalpen sowie der Südalpen, schließlich im Osten den Westteil des Dinarischen Gebirges. Die Kollision dieses Kontinents mit dem Kontinent Eurasien führte zur Bildung der Alpen im Norden, des Apennin im Westen und der Dinariden im Osten.Nikolaus Froitzheim: Geologie der Alpen, archive.org, 8. Februar 2023. (PDF 5,1 MB auf hoststar.ch, zuletzt abgerufen am 3. September 2025).
Durch die anhaltende Schließung der Tethys, eines Ozeans, wurde die Apulische Platte im Tertiär zum Teil auf den Rand der Eurasischen Platte überschoben (Alpen), zum Teil unter sie subduziert (Dinariden). Diese letztere Subduktion unter die Eurasische Platte begann vor 100 bis 120 Millionen Jahren, verunklärt durch Seiten- und Rücküberschiebungen. Insgesamt wurde ein Großteil des ehemaligen Kontinents „Groß Adria“ bis 1500 km tief unter die Erdkruste subduziert. Sie bildet dabei in den Ost-Alpen die obere, im Apennin und den Dinariden die untere Platte.Eline Le Breton, Mark R. Handy, Giancarlo Molli, Kamil Ustaszewski: Post-20 Ma Motion of the Adriatic Plate: New Constraints From Surrounding Orogens and Implications for Crust-Mantle Decoupling, in: Tectonics 36 (2017) 3135–3154. doi:10.1002/2016TC004443. Die fortbestehende, gegen den Uhrzeigersinn gerichtete Rotation der Adriatischen gegen den europäischen Teil der Eurasischen Platte ist Ursache zahlreicher Erdbeben.
Relief, naturräumliche Gliederung Die dalmatinische Landschaft ist eine zerklüftete und verkarstete Küstenlandschaft. Wichtigstes Merkmal der Region sind die etwa 942 Inseln, Holme, Klippen und Felsen. 78 % aller kroatischen Inseln liegen in dieser Region. Die Gesamtfläche der Inseln beträgt 2070 km², was etwa 4 % der Fläche Kroatiens entspricht. Der Ursprung der Inseln liegt im dinarischen Festland, die Inseln sind die über den Meeresspiegel herausragenden Teile dieser bergigen Landschaft. Die Inseln im Norden des Landes sind zahlreicher, aber auch kleiner. Ihre Form ist länglich und verläuft parallel zur Küste. Dazu gehören Pag, Ugljan, Pašman, Dugi otok, Kornati und Žirje.
Die offene Küste auf Höhe des Kap Planka (Rt Ploča) ist die unsichtbare Grenze zwischen Nord- und Mitteldalmatien. Die mitteldalmatinischen Inseln Hvar, Brač, Šolta, Korčula, Vis, Lastovo und Čiovo sind größer und haben eine östlich-westliche Ausrichtung im Gegensatz zu den Inseln im Norden, die nordwestlich-südöstlich ausgerichtet sind. Nordwestlich von Vis befinden sich Jabuka und Brusnik – diese Inseln sind vulkanischen Ursprungs.L. Rutten: Geologische Untersuchungen in Mitteldalmatien und Herzegowina. Die südlichsten Inseln Dalmatiens sind Mljet und die Elaphiten sowie die Halbinsel Pelješac. Die meisten Inseln (vor allem die Erhebungen) bestehen aus Kreidegestein, während die Täler und Einsenkungen aus weniger durchlässigem Dolomit bestehen. Es gibt auf manchen Inseln in den Niederungen Moore. Durch die Korrasion entstanden an den Rändern der Niederungen Kiesstrände.
Die Küste ist etwa 1200 km lang. Der südliche Teil der Velebit-Küste ist sehr steil und unzugänglich, die Verbindung zum Hinterland nur spärlich ausgebaut. Die Küstenregion um Zadar, Biograd und Trogir ist sehr fruchtbar. Die letztere liegt am Neretva-Delta, eine aus Flysch bestehende Landschaft. Südlich von Dubrovnik ist die Küste offen und somit am meisten von der Korrasion betroffen.
Klima Das Mittelmeerklima zeichnet sich durch milde, feuchte Winter und sonnige, trockene Sommer aus. Der Niederschlag ist an der Küste Dalmatiens mit bis zu 3000 mm im Süden und 1800 mm im Norden wesentlich höher als im Landesinneren. Die Durchschnittstemperaturen betragen im Juli 24,8 °C und im Januar 5,1 °C. Für die Region ist der Scirocco typisch, ein heißer Wind aus südlicher bis südöstlicher Richtung. Der gelegentlich auftretende kalte Fallwind Bora kann eine Geschwindigkeit bis 250 km/h erreichen und zählt zu den stärksten Winden der Welt.Roger P. Frey: Donnerwetter – Flugmeteorologie von A bis Z, 7. Aufl., Bern / La Palma 2021, S. 53 f.
Allerdings sind die Sommer durch verhältnismäßig lange Trockenperioden gekennzeichnet, was insbesondere für den Küstensaum und die Inseln nördlich von Lošinj gilt. Die nördlichen Inseln bis hin zur Westküste Istriens, aber auch das Gebiet unterhalb der Gebirgsgruppe Velebit, ist von dieser bisweilen extremen Trockenheit weniger betroffen. Mit Blick auf die Bewaldung werden dabei üblicherweise drei Zonen unterschieden, nämlich die submediterrane Vegetationszone (kältester Monat unter 2 °C, über 1200 mm Jahresniederschlag) mit ihren Beständen der Flaumeiche (Quercus pubescens Willd.) als dominierende Waldbaumart, dann die eu-mediterrane Vegetationszone (4–6 °C, über 1000 mm, eher Norddalmatiens Küste, Teile der Westseiten der Inseln) vornehmlich mit der Steineiche sowie die steno-mediterrane Vegetationszone (über 6 °C, weniger als 1000 mm, eher südliche Küstensäume) mit der Aleppo-Kiefer (Pinus halepensis Mill.) als dominierende Baumart in Waldbeständen. Der ganz überwiegende Teil des Hinterlands gehört ersterer Zone an. Dabei bestehen wesentliche Übereinstimmungen mit den jeweiligen Pflanzengesellschaften, wobei die Frage der Windgeschwindigkeiten und -temperaturen zusätzliche Variabilität einträgt.Damir Ugarkoviċ, Vinko Pauliċ, Irena Šapiċ, Igor Poljak, Mario Ančiċ, Ivica Tikviċ, Igor Stankiċ: Climatic Relationship of Vegetation in Forest Stands in the Mediterranean Vegetation Belt of the Eastern Adriatic, in: Atmosphere 13 (2022) 1709 (online). Das Verhältnis zwischen Klima und Vegetation ist nur partiell geklärt.
Flora und Fauna Die Ostseite der Adria gilt als Hotspot der Biodiversität.F. Medail, P. Quézel: Hot-Spots analysis for conservation of plant biodiversity in the Mediterranean Basin, in: Ann. Mo. Bot. Gard. 84 (1997) 112–127.
Bevölkerung mini|Die Insel Lavsa im Nationalpark Kornaten
Die Bevölkerung Dalmatiens konzentriert sich entlang der Küste, wo auch fast alle größeren Städte liegen. Das Landesinnere ist hingegen nur dünn besiedelt.
Aufgrund seiner wirtschaftlichen Rückständigkeit war Dalmatien lange Zeit ein Auswanderungsland. Ein großer Teil der kroatischen Diaspora stammt von hier.
Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts lagen die bevorzugten Ziele der Auswanderer in Übersee: Nordamerika, Südamerika (vor allem Chile und Argentinien), Australien und Neuseeland.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hingegen gingen viele Bewohner Dalmatiens als Gastarbeiter nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz.
Ethnien Die Bevölkerung Dalmatiens besteht zur großen Mehrheit aus ethnischen Kroaten.
+ Bevölkerung nach kroatischer Gespanschaft Gespanschaft Einwohnerzahl(Volkszählung 2011) davon Kroaten sonstige Volksgruppen rand|23px Gespanschaft Zadar (Zadarska županija) 170.017 (PDF; 3,6 MB) Seiten 42 bis 43, Staatliches Statistikamt Kroatiens, dzs.hr, abgerufen am 27. September 2019 157.389 (92,57 %) 12.628 (7,34 %): davon 8.184 Serben (4,81 %) rand|23px Gespanschaft Šibenik-Knin (Šibensko-kninska županija) 109.375 (PDF; 3,6 MB) Seiten 46 bis 47, Staatliches Statistikamt Kroatiens, dzs.hr, abgerufen am 27. September 2019 95.582 (87,39 %) 13.793 (12,61 %): davon 11.518 Serben (10,53 %) rand|23px Gespanschaft Split-Dalmatien (Splitsko-dalmatinska županija) 454.798 (PDF; 3,6 MB) Seiten 50 bis 51, Staatliches Statistikamt Kroatiens, dzs.hr, abgerufen am 27. September 2019 441.526 (97,08 %) 13.272 (2,92 %): davon 4.797 Serben (1,05 %), 1.389 Bosniaken (0,31 %) und 1.025 Albaner (0,23 %) rand|23px Gespanschaft Dubrovnik-Neretva (Dubrovačko-neretvanska županija) 122.568 (PDF; 3,6 MB) Seiten 56 bis 57, Staatliches Statistikamt Kroatiens, dzs.hr, abgerufen am 27. September 2019 115.668 (94,37 %) 6.900 (5,63 %): davon 2.095 Serben (1,71 %) und 1.978 Bosniaken (1,61 %)
Historisch Die zahlenmäßig größte Minderheit bilden Krajina-Serben, die vor dem Krieg 1990–1995 in einem Teil des Hinterlandes Norddalmatiens (um die Stadt Knin) die Bevölkerungsmehrheit stellten. Auch in einigen Küstenstädten, vor allem Zadar und Šibenik, lebte bis zum Krieg eine serbische Minderheit. Während der Operation Oluja, mit der dieses Gebiet 1995 in den kroatischen Staat wiedereingegliedert wurde, flüchteten die meisten Serben. Im Laufe der letzten Jahre ist ein Teil von ihnen zurückgekehrt.
In Zadar gab es eine kleine italienische Minderheit. Laut Volkszählung im Jahr 2011 lebten 90 Italiener in der Stadt Zadar. Dies entspricht 0,12 % der Gesamtbevölkerung. Die Mehrzahl der ehemaligen italienischen Einwohner Dalmatiens ist jedoch teilweise schon nach dem Ersten, teilweise nach dem Zweiten Weltkrieg nach Italien übersiedelt bzw. geflüchtet. Der Ort Arbanasi, ehemals ein selbstständiges Dorf, heute ein Stadtteil von Zadar, geht auf Albaner zurück, die zu venezianischer Zeit als Flüchtlinge dort angesiedelt wurden; heute sind ihre Nachkommen jedoch weitgehend assimiliert.
Außerdem gibt es Einwohner, die in der jugoslawischen Zeit zugewandert sind: Bosniaken bzw. slawische Muslime, kosovarische Albaner und Mazedonier.
Größte Städte Die größten Städte Dalmatiens (Kroatien) sind (Einwohnerzahlen gemäß der Volkszählung von 2021): mini|Die Altstadt von Dubrovnik Split 159.020Volkszählung von 2021 Zadar 70.131 Šibenik 42.055 Dubrovnik 41.175 Kaštela 37.536 Solin 24.766 Sinj 23.328 Metković 15.155 Omiš 14.129 Makarska 13.240 Trogir 12.273 Knin 11.535 Imotski 9.140 Ploče 8.216 Trilj 8.145 Im heute montenegrinischen Teil des bis 1918 bestehenden k. u. k. Kronlandes Dalmatien befinden sich die Städte (Stand: 2011): Kotor 22.601 Herceg Novi 19.536 Anmerkung:
Verwaltungsgliederung Das kroatische Dalmatien ist heute in vier Gespanschaften (kroatisch, plural: županije) gegliedert. Das sind von Norden nach Süden: