mini|Will Vesper, 1932 mini|Will Vesper in Der Bücherwurm 18.1933, S. 182 mini|Porzellan, Novellen. Leipzig 1922, Originalausgabe. Bucheinband von Käte Vesper-Waentig Karl Wilhelm „Will“ Vesper (* 11. Oktober 1882 in Barmen; † 11. März 1962 auf Gut Triangel bei Gifhorn) war ein deutscher Schriftsteller, Literaturkritiker und Nationalsozialist.

Leben Will Vesper wurde als Sohn des aus Münden (Waldeck) stammenden Landwirts Karl Wilhelm Vesper (1856–1937) und dessen Frau Anna, geb. Schlotzhauer, in Barmen geboren, wo er Volksschule und Gymnasium besuchte und 1904 das Abitur ablegte. Anschließend studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München Geschichte und Germanistik. Ab 1906 war er beim Verlag C. H. Beck als literarischer Beirat und Übersetzer tätig. Im selben Jahr heiratete er Käte Waentig (* 1879 in Zittau), die ältere Schwester des späteren Höri-Künstlers Walter Waentig. Sie illustrierte einige seiner Werke, zum Beispiel Die Ernte aus acht Jahrhunderten deutscher Lyrik (1906–1908). 1913/14 war er in Florenz. Am Ersten Weltkrieg nahm Vesper von 1915 bis 1918 zuerst als Infanterist und gegen Kriegsende als „wissenschaftlicher Hilfsarbeiter“ im Generalstab teil. 1919 zog er mit seiner ersten Frau nach Meißen. Im Januar 1921 unternahm er eine Reise durch das faschistische Italien, die ihn über Südtirol nach Neapel führte, und teilte seine anerkennenden Eindrücke in der Tagespresse mit.Bilder von einer italienischen Reise, in: Bozner Nachrichten, Ausgabe vom 22. Januar 1923, S. 6 (Digitalisat).

Nach einer zweijährigen Tätigkeit als Leiter des Kulturteils der Deutschen Allgemeinen Zeitung von 1918 bis 1920 betätigte Vesper sich von 1923 bis 1943 als Herausgeber der Zeitschrift Die schöne Literatur (ab 1931Jahresangabe siehe Gisela Berglund: Der Kampf um den Leser im Dritten Reich. Die Literaturpolitik der „Neuen Literatur“ (Will Vesper) und der „Nationalsozialistischen Monatshefte“ (= Deutsches Exil 1933–45; 11). Heintz, Worms 1980, ISBN 3-921333-11-3, S. 1. unter dem Titel Die Neue Literatur), die zur führenden NS-Literaturzeitschrift wurde. Seine eigenen Rezensionen schrieb er unter dem Pseudonym „Jörn Oven“. Im Gau Sachsen wurde Vesper zudem Landesleiter der Reichsschrifttumskammer.Victor Klemperer: LTI – Notizbuch eines Philologen, Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-15-020520-4. Daneben veröffentlichte er eigene Romane, Erzählungen und Gedichte. Seine Werke befassten sich überwiegend mit der deutschen Vergangenheit und vor allem der germanischen Urzeit. In ihnen vertrat er eine dezidiert nationalistische Auffassung, die ihn, zusammen mit einer Glorifizierung und Verherrlichung der Liebe zu Scholle, Mutterschaft und Krieg, als Repräsentanten der NS-Ideologie prädestinierten. Sein bekanntestes Werk, Das harte Geschlecht, über die Christianisierung Islands erschien 1931 und wurde im Mai 1933 im Völkischen Beobachter als „blutsatt durchtränkter Nordlandroman“ gefeiert.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 630.

Bereits Anfang der 1930er Jahre konnte Vesper vom Bertelsmann-Verlag als Autor gewonnen werden.

Zum 1. Dezember 1931 trat Vesper, der laut Thomas Mann schon „immer einer der ärgsten nationalistischen Narren“Thomas Mann: Brief an Hermann Hesse vom 16. Februar 1936. In: Hermann Hesse / Thomas Mann: Briefwechsel. Frankfurt am Main 1968, S. 64 f, hier S. 65. gewesen war, in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 767.969).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/45830180 Nach dem Ausschluss missliebiger Schriftsteller aus der Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste, wie Thomas Mann, Leonhard Frank und Alfred Döblin, rückte Vesper am 5. Mai 1933 neben Hans Friedrich Blunck, Hans Carossa, Hans Grimm und anderen in die Dichterakademie ein, wo er aktiv an den Vorbereitungen zu den Bücherverbrennungen teilnahm.vgl. Hildegard Brenner: Ende einer bürgerlichen Kunst-Institution. Die politische Formierung der Preußischen Akademie der Künste ab 1933. Hrsg.: Institut für Zeitgeschichte, Stuttgart (dva) 1972, S. 22, 81 f., 93, 97 f., 100 f., 104, 109, 114 f. Bei der Verbrennung als „undeutsch“ verhöhnter Literatur am 10. Mai 1933 in Dresden hielt Vesper die Festrede. Er gehörte auch zu den 88 Schriftstellern, die im Oktober 1933 das „Gelöbnis treuester Gefolgschaft“ für Adolf Hitler unterzeichneten.

Ebenfalls ab Oktober 1933 schrieb er regelmäßig Artikel für die nationale, die Stellung des starken Staates betonende Wochenzeitschrift Deutsche Zukunft.Thomas Dietzel, Hans-Otto Hügel: Deutsche literarische Zeitschriften 1880–1945. Ein Repertorium. Walter de Gruyter, 2012, S. 315. In seiner Literaturzeitschrift Die Neue Literatur übte Vesper eine Art private Nachzensur aus, indem er Schriftsteller und Verlage, die nicht seinen persönlichen Vorstellungen entsprachen, regelrechten Diffamierungskampagnen aussetzte. Im Februar 1937 erschien beispielsweise ein vom nationalsozialistischen Rassismus geprägtes Pamphlet, in dem Vesper gegen „jüdische“ Verleger wetterte: „Wenn ein deutsches Mädchen ein Verhältnis mit einem Juden hat, so werden beide wegen Rassenschande mit Recht verurteilt. Wenn ein deutscher Schriftsteller und ein deutscher Buchhändler ein Verhältnis mit jüdischen Verlegern eingeht – ist das nicht eine weit schlimmere und gefährlichere Rassenschande?“

Da Vesper auch vor Angriffen auf die staatliche Schrifttumslenkung nicht zurückschreckte, verlor er zunehmend an Rückhalt, sodass er sich 1936 von seinen Ämtern auf das Gut seiner zweiten Frau Rose Vesper (verwitwete Rimpau) in Triangel bei Gifhorn zurückzog. Hier betätigte er sich als Landwirt, gab aber bis zum Jahre 1943 weiterhin seine Literaturzeitschrift heraus. Vesper stellte sich wie kaum ein anderer Schriftsteller in den Dienst der NS-Propaganda und polemisierte, neben reiner Parteidichtung und zahlreichen „Führergedichten“, besonders aggressiv gegen nicht genehme Schriftstellerkollegen, vor allem gegen Exilanten. Ein Beispiel dafür: Vesper hetzte im Februar 1937 gegen

Bereits 1935 hatte Vesper in einem Alleingang versucht, auf die „national“ gesinnten Autoren des österreichischen Zsolnay Verlags einzuwirken, da dieser ein „Judenverlag“ sei.

Nach dem Krieg war Vesper als Herausgeber im Bertelsmann-Verlag tätig. Er engagierte sich weiterhin in rechtslastigen Kreisen durch Lesungen auf Dichtertagen bei Hans Grimm („Volk ohne Raum“) in Lippoldsberg sowie auf dem Gut seiner Frau in Triangel bei Gifhorn. Im Park des Gutes ließ er Katzen als „die Juden unter den Tieren“ erschießen.Zitat bei Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 630. Am 11. März 1962 starb er auf dem Gutshof.

In der Sowjetischen Besatzungszone wurden mehrere Werke von Vesper auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literatur. Zentralverlag, Berlin 1946, Transkript Buchstabe V, S. 426–433, in der „Datenbank Schrift und Bild 1900–1960“, abgerufen am 30. August 2017.Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literatur: Erster Nachtrag. Zentralverlag, Berlin 1947, Transkript Buchstabe V, S. 155–160, in der „Datenbank Schrift und Bild 1900–1960“, abgerufen am 30. August 2017. Dies gilt auch für die österreichische Liste der gesperrten Autoren und Bücher.Österreichisches Bundesministerium für Unterricht (Hrsg.): Liste der gesperrten Autoren und Bücher. Maßgeblich für Buchhandel und Büchereien. Ueberreuter, Wien 1946, S. 60.

Vespers Sohn Bernward wurde als Schriftsteller und als Verlobter der Terroristin Gudrun Ensslin bekannt. In seinem Roman Die Reise (1977) hat er unter anderem das Verhältnis zu seinem Vater aufgearbeitet.

Werke Romane, Erzählungen, Märchen Der Segen, 1905 Hartmann von Aue: Lieder, Der arme Heinrich (Nachdichtung), 1906 Tristan und Isolde (Nacherzählung), 1911 Parzival (Nacherzählung), 1911 Martin Luthers Jugendjahre, 1918 Der Balte, 1919 Annemarie, 1920 Traumgewalten, 1920 Das Buch vom lieben Weihnachtsmann, 1920 Gute Geister, 1921 Die Nibelungensage (Nacherzählung), 1921 Daniel Defoe. Leben und Abenteuer des Robinson Crusoe (Bearbeitung), 1922 Die Gudrunsage (Nacherzählung), 1922 Fröhliche Märchen (Neuerzählung), 1922 Porzellan, 1922 Die Wanderung des Herrn Ulrich von Hutten, 1922 Die ewige Wiederkehr, 1922 Der arme Konrad, 1924 Der Pfeifer von Niclashausen, 1924 (Erzählung über den fränkischen Prediger Hans Böhm) Der Bundschuh zu Lehen, 1925 Jonathan Swift: Lemuel Gullivers vier Reisen (Nacherzählung), 1927 Der Heilige und der Papst, 1928 Die Historie von Reinecke dem Fuchs (Nacherzählung), 1928 Das Mutterbüchlein, 1928 Tiermärchen aus aller Welt (Nacherzählung), 1928 Das harte Geschlecht, 1931 Sam in Schnabelweide, Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg/Berlin/Leipzig 1931, Bilderschmuck von Adalbert Roth (Hamburg), 241 S., Drei Erzählungen, 1933 Ein Tag aus dem Leben Goethes, 1933 Der entfesselte Säugling, 1935 Geschichten von Liebe, Traum und Tod, 1937 Kämpfer Gottes, 1938 Im Flug nach Spanien, 1943 Der unzufriedene Igel, 1943 Seltsame Flöte, 1958 Zauber der Heide, 1960 Letzte Ernte, 1962

Dramen, Schwänke Spiele der Liebe, 1913 Die Liebesmesse, 1913 Wer? Wen?, 1927 Eine deutsche Feier, 1936

Lyrik Die Liebesmesse und andere Gedichte, 1913 Vom großen Krieg 1914, 1915 Der blühende Baum, 1916 Briefe zweier Liebenden, 1916 Schön ist der Sommer, 1918 Das Buch vom lieben Weihnachtsmann, 1920 Mutter und Kind, 1920 Des Wiesenmännchens Brautfahrt, 1920 Inschriften und Gedichte, 1928 Dem Führer, 1933 Kranz des Lebens. Gesamtausgabe meiner Gedichte, 1934 Rufe in die Zeit. Sprüche und Gedichte, 1937 Das Neue Reich, 1939 Bild des Führers, 1942 Dennoch!, 1944 Kleiner Kranz des Lebens. Auswahl, 1960

Essays, Bearbeitungen Friedrich Hölderlin: Hyperion (Nachwort), 1921 Lob der Armut, 1921 Die Jugendbibel (Bearbeitung), 1927 Das Recht der Lebenden, 1927 In den Bergen, auf dem Wasser (Einführung), 1928 Die Weltenuhr, 1932 Rezension von Heinrich Hauser: Im Kraftfeld von Rüsselsheim, in: Die Neue Literatur, 41, 1940, S. 1681Beide Nationalsozialisten einte eine unkritische Technikbegeisterung. Vesper war Herausgeber der Zeitschrift.

Mitgliedschaften (Auswahl) Paul-Ernst-Gesellschaft

Literatur

Gisela Berglund: Der Kampf um den Leser im Dritten Reich. Die Literaturpolitik der „Neuen Literatur“ (Will Vesper) und der „Nationalsozialistischen Monatshefte“ (= Deutsches Exil 1933–45; 11). Heintz, Worms 1980, ISBN 3-921333-11-3. Uwe Day: Hohepriester des Hitlerkults und literarischer Inquisitor. Über Will Vesper. In: Griffel, Hannover, 9, 2000, S. 61–73. Wilhelm Pleyer: Hans Grimm, E. G. Kolbenheyer, Will Vesper. Gedenkrede (am 15. Juli 1962 aus Anlass des Lippoldsberger Dichtertages). Bogen-Verlag, München u. a. 1962. Alexander Reck (Hrsg.): Briefwechsel Paul Ernst – Will Vesper 1919–1933. Einführung – Edition – Kommentar. Königshausen und Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2427-3. Bernward Vesper: Die Reise. Romanessay. März bei Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1977. Böckelmann/Fischler: Bertelsmann. Hinter der Fassade des Medienimperiums. Eichborn, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-8218-5551-7, S. 66, 84f., 92, 110. Reinhard Bein: Hitlers Braunschweiger Personal. DöringDruck, Braunschweig 2017, ISBN 978-3-925268-56-4, S. 284–291. Romeo Felsenreich: Die Journalisten des Völkischen Beobachters – Woher kamen sie? Wohin gingen sie?, Universität Wien, Magisterarbeit, Fachbereich Publizistik und Kommunikationswissenschaften, September 2012, insbesondere S. 112–113. Hartmut Wörner: 'Die Reise' des Schriftstellers Will Vesper. 'Deutscher Dichter', antisemitischer Protestant und NS-Literaturinquisitor. Königshausen und Neumann, Würzburg 2024, ISBN 978-3-8260-8689-2; eISBN 978-3-8260-8690-8.