Die Österreichische Daimler-Motoren-Gesellschaft wurde 1899 als Tochter der deutschen Daimler-Motoren-Gesellschaft gegründet und trug ursprünglich den Namen Oesterreichische Daimler-Motoren-Commanditgesellschaft Bierenz Fischer u. Co. Ab 1909 eigenständig, verwendete man ab dem Jahr 1910 den Markennamen Austro-Daimler. Das Werk war in Wiener Neustadt und stellte neben Verbrennungsmotoren und Kraftfahrzeugen auch leichte Schienenfahrzeuge her. 1928 fusionierte Austro-Daimler mit den Puch-Werken und der Österreichischen Flugzeugfabrik AG zur Austro-Daimler-Puchwerke AG. Diese wurde 1934 mit den Steyr-Werken zu Steyr-Daimler-Puch AG vereinigt. Im Zuge dieser Fusion wurden die Zweiradproduktion in Graz und die Automobilfertigung in Steyr konzentriert. Die Produktion von Schienenfahrzeugen wurde eingestellt und das Austro-Daimler-Werk in Wiener Neustadt geschlossen. Die Marke Austro Daimler wurde von Steyr-Daimler-Puch für Fahrräder verwendet.

Geschichte mini|Austro-Daimler Panzerwagen links|mini|Aktie über 200 Kronen der Oesterreichischen Daimler-Motoren-AG vom 1. August 1913 links|mini|Oesterreichische Daimler-Motoren-Commanditgesellschaft Bierenz Fischer u. Co Fahrzeug Nr.1 mini|Austro-Daimler ADM (1923) mini|Austro-Daimler ADR (1928) mini|Austro-Daimler ADR (1928) mini|Austro-DaimlerZwölfzylinder-V-Flugmotor Typ AD12mit 300 PS (1915/16) Die Oesterreichische Daimler-Motoren-Commanditgesellschaft Bierenz Fischer u. Co in Wiener Neustadt und Wien wurde am 11. August 1899 mit einem gezeichneten Kapital von 200.000 Gulden als Tochtergesellschaft der deutschen Daimler-Motoren-Gesellschaft gegründet. Zusätzlich waren beteiligt: Eduard Bierenz, ein Freund Gottlieb Daimlers, sowie Eduard Fischer, Besitzer einer Eisengießerei. Eduard Fischer war somit Mitbegründer der Daimler-Motoren-Gesellschaft, der er bis zum 1. Juni 1920 angehörte. Danach übernahm er den Posten des Direktors in der „Messing- und Metallwarenfabrik Nadelburg“ bei Lichtenwörth, wo er für Daimler unter anderem auch Kühler produzieren ließ.

Zwischen dem Stammwerk in Cannstatt und dem neuen Werk in Wiener Neustadt wurden Facharbeiter ausgetauscht. Für diese Zeit wird die Zahl der am österreichischen Standort Beschäftigten mit 70 bis 80 angegeben.

Im Jahr 1900 wurde in Wiener Neustadt das erste Automobil hergestellt, ein Viersitzer mit Zweizylindermotor. Die Produktion umfasste darüber hinaus auch Lastwagen, Omnibusse, Schiffsmotoren und Schienenfahrzeuge.

Gottlieb Daimlers Sohn Paul trat 1902 als persönlich haftender Gesellschafter in das Unternehmen ein und übernahm auch dessen technische Leitung; Eduard Bierenz schied als Teilhaber des Unternehmens aus, das nach Umbenennung als Oesterreichische Daimler-Motoren-Commanditgesellschaft firmierte.

Ab 1903 wurde der weltweit erste Panzerwagen entwickelt, der 1906 von Heinrich Graf Schönfeldt Kaiser Franz Joseph I. vorgestellt, welcher das Potential nicht erkannte und aufgrund dessen, dass ein Pferd erschreckt wurde, das Projekt verhinderte.

Erstmals 1905 entstand in der Fabrik ein Wagen mit Allradantrieb. Paul Daimler verließ Wiener Neustadt, um im neuen Daimler-Werk Stuttgart-Untertürkheim den Posten von Wilhelm Maybach zu übernehmen. Durch Vermittlung von Generalkonsul Emil Jellinek wurde im darauffolgenden Jahr Ferdinand Porsche Nachfolger Paul Daimlers. Ebenfalls im Jahr 1906 wurde der Name in Oesterreichische Daimler-Motoren-Gesellschaft geändert; etwa 430 Beschäftigte arbeiteten im Werk.

1907 wurden bereits 700 Arbeiter und 80 Angestellte gezählt, die neben Flugmotoren auch einen Rennwagen bauten.

Das Jahr 1909 markiert die Trennung zwischen den deutschen und österreichischen Daimler-Werken. 1910 wurde unter Mitwirkung des Wiener Bankvereines eine AG zur Übernahme und Fortführung der Oesterreichische Daimler-Motoren-Gesellschaft m.b.H. mit dem Namen Oesterreichische Daimler-Motoren-Aktiengesellschaft gegründet.Compass 1921, Finanzielles Jahrbuch, Österreich, Österreich-Ungarn Seite 582 (Direktlink via ZEDHIA auf S. 582) Bei der Prinz-Heinrich-Fahrt konnten die ersten drei Plätze mit einem speziell konstruierten Rennwagen erzielt werden. Der Mitkonstrukteur Ferdinand Porsche fuhr selbst einen der Wagen und wurde Rennsieger. Er und seine beiden Rennkollegen, Graf Schönfeldt und Eduard Fischer, genannt das „Eiserne Team“, teilten sich bei verschiedensten Rennveranstaltungen immer wieder die vordersten Plätze.

Kaiser Franz Joseph I. erlaubte 1911 dem Unternehmen, den kaiserlichen Doppeladler im Firmenwappen zu verwenden, welcher den Austro-Daimler-Wagen große Bekanntheit verschaffte.

Die deutsche Konzernmutter Daimler verkaufte 1912 die noch in ihrem Besitz befindlichen Aktien der Oesterreichischen Daimler-Motoren A.G. Dies bedeutete die endgültige Aufspaltung beider Unternehmen, die von da an in Konkurrenz zueinander standen.

Ab 1913 erfolgte die Reorganisation des Unternehmens in Interessensgemeinschaft mit den Škoda-Werken (Pilsen). 1914 wurden ca. 900 Beschäftigte gezählt; die Produktion wurde mit Beginn des Ersten Weltkrieges auf die Belange des Militärs umgestellt. Eines der Erzeugnisse des Militärs war der von Ferdinand Porsche konstruierte Landwehr-Train.

1917 wurde auf Betreiben des Unternehmens der Bau des 700 Meter langen Wiener Neustädter Schleppbahnhofs () an der nächst dem Werk nördlich vorbeiführenden Pottendorfer Linie in Angriff genommen. Mit eingeschlossen im Projekt war eine auf die Betriebsliegenschaft führende normalspurige, mit Lokomotiven zu betreibende Schleppgleisanlage (siehe zur Lage: Raxwerke).Vermischtes. (…) Baunachrichten. Eisenbahnbauten und Vorkonzessionen. (…) Das k. k. Eisenbahnministerium hat das namens der Österr. Daimler-Motoren A.-G. in Wiener-Neustadt (…) In: Zeitschrift des Österr(eichischen) Ingenieur- und Architekten-Vereines. Nr. 6/1917, Wien 1917, S. 98. – Volltext online (PDF; 46 MB).

Zum Kriegsende 1918 hatte Austro Daimler mit einer starken Verschuldung zu kämpfen, was auf Inflation und hohe Preise für Rohstoffe zurückzuführen war. Zur finanziellen Konsolidierung mussten die Škoda-Anteile daher wieder abgegeben werden. Die Erfüllung des Friedensvertrags von Saint-Germain verlangte 1919 die Vernichtung aller noch vorhandenen Flugmotoren. Man begann nun wieder mit der Produktion ziviler Kraftwagen.

Schon während des Ersten Weltkrieges tauchte die Idee einer Vereinigung mit den ebenfalls dem Castiglioni-Konzern angehörenden Fiatwerken, Wien, und den Puchwerken, Graz (siehe auch Johann Puch), auf. 1920 wurde der Verwaltungsrat ermächtigt, die Fusion oder die Interessengemeinschaft mit den genannten zwei österreichischen Automobilgesellschaften durchzuführen. Die Verwaltung entschloss sich aus steuerpolitischen Gründen für die Herstellung einer Interessengemeinschaft. Diese war nicht nur finanzieller, sondern auch kommerzieller und technischer Natur. Die Einkaufs- und Verkaufsorganisationen und die Konstruktionsbureaus der drei Gesellschaften sollten zusammengelegt und bei den Daimler Werken vereinigt werden. Die Fabrikation wurde in Folge durch Spezialisierung rationeller gestaltet und die Daimler Werke fabrizierten einen großen, modernen halbrahmenlosen Personenwagen mit Sechszylindermotor und 11/70 PS. Bei den Fiatwerken wurde außer der Erzeugung ihrer Personenwagen-Typen die Erzeugung von Lastfahrzeugen und bei den Puchwerken die Herstellung von Motor- und Fahrrädern konzentriert.

Ab März 1922 befand sich die Aktienmehrheit des Unternehmens im Besitz der Anglo-Austrian Bank.Fritz Weber: Vor dem großen Krach: Österreichs Banken in der Zwischenkriegszeit am Beispiel der Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe. Böhlau Verlag Wien, 2016, S. 296. Im Jahr 1923 verließ Ferdinand Porsche nach 17 Jahren Tätigkeit bei Austro-Daimler das Unternehmen und wurde bei der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart Vorstandsmitglied und Leiter des Konstruktionsbüros.

Etwa um 1927 wurde die markante Kühlerfigur 25px eingeführt: Die von einem Ring umschlossene Armbrust mit Pfeil. 1927 erfolgte die Auflösung der Interessengemeinschaft mit den Fiatwerken durch Abstoßung des Besitzes an Fiat-Aktien. 1928 erfolgte über Aktientausch die Fusion mit der Puchwerke AG und mit der Österreichischen Flugzeugfabrik AG zur Austro-Daimler-Puchwerke AG.Compass 1929, Finanzielles Jahrbuch, Österreich, Österreich-Ungarn Seite 761 (Direktlink via ZEDHIA auf S. 761)

Ende 1929 wurde mit der Steyr-Werke AG eine Arbeitsgemeinschaft geschlossen, welche eine Zusammenlegung der administrativen Geschäftsführung des Materialeinkaufes und des Verkaufes bezweckte. Die Niederlassungen der Steyr-Werke AG in Deutschland, Ungarn und der Schweiz hatten den Vertrieb der Erzeugnisse der Austro Daimler-Puchwerke übernommen. In Berlin war dies die „Austro Daimler-Steyr-Vertriebsges. m.b.H.“, in Budapest die „Austro Daimler-Puch-Steyrwerke Ungarische Handels A.-G.“, in Zürich die „Vertriebs-Aktiengesellschaft der Austro-Daimler-Puchwerke A.-G. und Steyr-Werke A.-G.“.Compass 1931, Finanzielles Jahrbuch, Österreich, Österreich-Ungarn Seite 731 (Direktlink via ZEDHIA auf S. 731)

1933 wurde das Austro-Daimler-Werk in Wiener Neustadt teilweise stillgelegt, am 30. Juni 1934 die Pkw-Fertigung endgültig eingestellt und die Maschinen nach Steyr und Graz abgegeben. Am 12. Oktober 1934 erfolgte der Zusammenschluss mit der Steyr AG zur Steyr-Daimler-Puch A.G. Der Bau von Pkw der Marke Austro-Daimler wurde völlig eingestellt und die Produktion auf Militär- und Schienenfahrzeuge beschränkt. Zur Fortsetzung der Unternehmensgeschichte siehe Artikel Steyr Daimler Puch, der auch die ehemalige Steyr AG behandelt.

Kraftfahrzeuge Pkw-Modelle 1920–1934 Typ Bauzeitraum Zylinder Hubraum Leistung Vmax Luxuswagen AD 25 PS 1909–1922 4 Reihe 2250 cm³ 25 PS (18,4 kW) 75 km/h Luxuswagen AD 35 PS 1912–1922 4 Reihe 3560 cm³ 35 PS (25,7 kW) 90 km/h AD 6-17 (AD 17/60 PS) 1921–1924 6 Reihe 4424 cm³ 60 PS (44 kW) 100 km/h Austro Daimler ADS R „Sascha“ 1922 4 Reihe 1089 cm³ 45 PS (33 kW) 144 km/h ADM II (10/40 PS) 1923–1924 6 Reihe 2540 cm³ 40 PS (29 kW) 100 km/h ADM II (10/45 PS) 1924–1927 6 Reihe 2613 cm³ 45 PS (33 kW) 100 km/h ADV (17/60 PS) 1924–1927 6 Reihe 4424 cm³ 60 PS (44 kW) 100 km/h ADM – 3 Liter (12/100 PS) 1926–1928 6 Reihe 2994 cm³ 100 PS (74 kW) 130 km/h ADR (12/70 PS) 1927–1931 6 Reihe 2994 cm³ 70 PS (51 kW) 105 km/h ADR Sport (12/100 PS) 1929–1931 6 Reihe 2994 cm³ 100 PS (74 kW) 130 km/h ADR 8 (18/100 PS) 1930–1934 8 Reihe 4624 cm³ 100 PS (74 kW) 125 km/h Bergmeister (14/120 PS) 1931–1934 6 Reihe 3614 cm³ 120 PS (88 kW) 145 km/h

LKW-Modelle 1920–1934 Typ Bauzeitraum Zylinder Hubraum Leistung Vmax ADG 2,5 t bis 3 t um 1933 6 Reihe 3915 cm³ PS ( kW) km/h Quelle:

Feuerwehrfahrzeuge 1912 entwickelte Ferdinand Porsche für die firmeneigene Betriebsfeuerwehr ein, als Motorspritze bezeichnetes Fahrzeug. Erstmals wurden Personentransport, Pumpe und Schlauch in einem Fahrzeug vereint. Das Fahrzeug war nach 20 Jahren im Werk weitere 36 Jahre in einer Gemeinde im Burgenland im Einsatz.

Baujahr: 1912 Motor: Vierzylinderreihenmotor Hubraum: 2010 cm3 Leistung: 20 PS (15 kW) Höchstgeschwindigkeit 55 km/h

Militärfahrzeuge Die Fertigung von Militärfahrzeugen wurde zeitweise von Austro-Daimler betrieben. Bekannt ist der Austro-Daimler Panzerwagen von 1903, Artilleriezugmaschinen, der zweiwegefähige Landwehr-Train und ab 1939 das Modell Austro-Daimler ADMK Motorkarette (Varianten MK 8 und MK 4) mit einer Fahrwerkskombinations als Räder-Raupenfahrzeug. Zur weiteren Nomenklatur der Fahrzeuge von Austro-Daimler sind bekannt: ADG (Austro-Daimler-Puch Geländewagen), ADGZ (Austro-Daimler-Steyr Geländewagen) ADMK (Austro-Daimler Motorkarette), ADTK (Austro-Daimler Troßkarette), ADGP (Austro-Daimler geländegängiger Panzerwagen), ADSK (Austro-Daimler Späh-Karette), ADFK (Austro-Daimler Feuerwehr-Karette), ADZK (Austro-Daimler Zug-Karette).

Schienenfahrzeuge