Die MLP SE (bis 22. September 2017 MLP AG) mit Sitz in Wiesloch (Baden-Württemberg) ist ein Allfinanz-Konzern, der heute als Holding für verschiedene Tochterunternehmen dient, die alle im Bereich der Finanzen tätig sind. Zum Unternehmen gehören mittlerweile mehrere Marken, die Finanzdienstleistungen für Privat-, Firmen- und institutionelle Kunden anbieten: Die Tochtergesellschaft MLP Banking AG (bis 30. November 2017 MLP Finanzdienstleistungen AG) verfügt über eine Banklizenz, ist als Kreditinstitut tätig und ist das Haftungsdach für die Vermittlung von Finanzdienstleistungen. Eine weitere Tochtergesellschaft, die MLP Finanzberatung SE, vermittelt als Makler nach § 93 HGB Finanzprodukte wie Versicherungen, Vermögensanlagen und Finanzierungen für Akademiker und anspruchsvolle Privatkunden. Die Vermittlungs- und Werbepraktiken des Unternehmens stehen wiederkehrend in der Kritik.
Unternehmen Die Gesellschaft vertrieb im Jahr 2008 Angebote von rund 100 Partnerunternehmen in den Bereichen Geldanlage-, Vermögensverwaltung und Risikomanagement. Das Unternehmen hatte sich dabei laut CIO auf die Kernzielgruppe der Akademiker (insbesondere Mediziner, Juristen, Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure) spezialisiert.
Der Großteil der von MLP vermittelten Angebote bestand im Jahr 2000 aus Lebens- und Rentenversicherungen der Schichten 1, 2 und 3, also der Altersvorsorge, der Berufsunfähigkeitsversicherung, Krankenversicherungen, alle Sparten der Sachversicherung, Geldanlageprodukte sowie Immobilien- und Praxisfinanzierungen. Darüber hinaus bietet MLP über ihre Tochter MLP Banking AG Bankdienstleistungen wie Girokonten und Kreditkarten sowie den Handel mit Kryptowährungen an.
Handelsvertreter Die Kunden werden von selbstständigen MLP-Handelsvertretern betreut. Neue Handelsvertreter durchlaufen laut Unternehmensangaben zuerst eine dreimonatige Basisausbildung, welche mit einer Sachkundeprüfung im Sinne des § 34d GewO abgeschlossen wird. Nach dieser Prüfung zum Versicherungsfachmann (IHK) wird in weiteren drei Monaten das erlernte Wissen praktisch angewandt und es folgt die Abschlussprüfung zum MLP Financial Consultant. Im Anschluss folgt die berufsbegleitende Ausbildung zum Senior Financial Consultant. Diese dauert weitere 18 Monate und besteht aus zielgruppenspezifischen Seminaren und Trainings. Nach insgesamt 24 Monaten ist die Ausbildung abgeschlossen.
Anteilseigner (Stand: 23. August 2023) Anteil Anteilseigner 29,93 % Christiane Lautenschläger, Markus Lautenschläger, Matthias Lautenschläger,<br/ > Catharina Seegelken, Maximilian Lautenschläger, Manfred Lautenschläger<br/ > (teilweise indirekt) (teilweise über Stiftungen) (1) 10,03 % HanseMerkur Krankenversicherung a. G. 9,39 % Barmenia Krankenversicherung a. G. 9,19 % Universal-Investment-Gesellschaft mbH 6,18 % Allianz SE 5,10 % Helaba Invest Kapitalanlagegesellschaft mbH 30,18 % Freefloat
(1) Anteile durch zwei Stimmbindungs- und Poolverträge gemäß § 34 Abs. 2 WpHG verbunden
Kritik Im Jahr 2008 wies die FAZ darauf hin, dass die MLP-Berater vor allem bei Studenten und Akademikern mit unabhängiger Beratung werben, die Realität aber anders sei. Die Berater würden wegen der lukrativen Provision vor allem Versicherungen verkaufen.
Wiederholt wurden Klagen eingereicht um festzustellen, ob MLP-Handelsvertreter als sozialversicherungspflichtige Angestellte einzustufen seien und damit scheinselbständig sind. Dies wurde unter anderem im Mai 2014 vom Landessozialgericht Baden-Württemberg in einem konkreten Fall bestätigt.
Der Spiegel berichtete im Jahr 2020 in ähnlicher Weise über die Methoden des Finanzdienstleisters, der Studenten als Neukunden anwirbt. Dabei geriet insbesondere ein Verein mit dem Namen „Hochschulinitiative e. V.“ in die Kritik, da dieser Finanzseminare als gemeinnützig bewirbt, tatsächlich aber in enger Kooperation mit dem Unternehmen MLP agiert. Diesen Umstand kritisiert dabei auch Hartmut Walz, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Ludwigshafen am Rhein. Er sieht in den Methoden des Unternehmens ein gezieltes Vorgehen gegenüber unerfahrenen Studierenden und warnt, dass durch die Präsenz derartiger Unternehmen auf Hochschulveranstaltungen eine Vertrauenswürdigkeit suggeriert würde, welche nicht gerechtfertigt sei.
Im Jahr 2024 wies ebenfalls die Verbraucherzentrale Hamburg auf das Gebaren des Finanzdienstleisters MLP hin. Über fachliche Seminare zu Steuererklärungen und gängigen Softwareprogrammen werde oft ein erster Kontakt zu Studierenden hergestellt. Erst später heiße es dann, dass eine kostenlose Beratung zu den eigenen Finanzen zum Angebot dazugehöre. Auch bauten die Anlageberater Info-Stände auf dem Uni-Campus auf. Die Verbraucherschützer warnten vor den dort beworbenen Anlageprodukten, da die Verträge meist unflexibel und intransparent seien. Sie würden wenig Rendite erwirtschaften und hätten unverhältnismäßig hohe Abschluss- und Verwaltungskosten. Kritik kam auch von der Bürgerbewegung Finanzwende mit der Kampagne „Finanzvermittler MLP – Runter vom Campus!“.https://www.finanzwende.de/themen/verbraucherschutz/finanzvertrieb-und-finanzberatung/mlp-viel-nebel-wenig-kerzen/finanzvermittler-mlp-runter-vom-campus
Im Jahr 2026 veröffentlichte das ZDF-Magazin „WISO“ eine investigativ-Reportage über das Agieren von MLP an deutschen Universitäten. Dabei wurde festgestellt, dass das Unternehmen gezielt an den Hochschulen Workshops bzw. Weiterbildungen mit allgemein gehaltenen Themen wie beispielsweise „Karriere-Tipps“ anbietet, um im Nachgang dieser Veranstaltungen mit den Studierenden Einzeltermine zu vereinbaren, welche sich als Finanzberatung herausstellten. Die dort angebrachten Versicherungen und Anlagen werden laut Verbraucherzentrale nicht empfohlen. Der Betriebswirtschaftler Hartmut Walz kritisiert dabei insbesondere, dass die Veranstaltungen im „geschützten Raum“ der Universitäten stattfinden und somit den Eindruck erwecken, dass sie qualitätsgeprüft wären, was sie demnach nicht sind. Auf eine Anfrage des ZDF zeigte sich, dass mehr als 37 Prozent der 100 größten Hochschulen in Deutschland mit Finanzvertrieben kooperiert und MLP dabei mit 31 Prozent den mit Abstand größten Anteil bildet. An der Universität Mannheim gibt es sogar einen „Manfred-Lautenschläger-Hörsaal“. MLP zahlt den Hochschulen für Kooperationen in Form von Werbemaßnahmen auf dem Campus, der Teilnahme an Uni-Jobmessen sowie der Nutzung von Räumlichkeiten teilweise hohe fünfstellige Summen. Hartmut Walz resümiert dazu, dass Universitäten keine Notwendigkeit haben sollten, derartige Kooperationen einzugehen. Die Einnahme von Drittmitteln sollte niemals dazu führen, dass dies zu Lasten von Studierenden geht.
Geschichte Gründung Eicke Marschollek und Manfred Lautenschläger gründeten das Unternehmen als Marschollek Lautenschläger und Partner GbR am 1. Januar 1971 in Heidelberg. Die Geschäftsidee bestand zunächst darin, als lokaler Versicherungsmakler Jura-Studenten bereits vor ihrem Hochschulabschluss als Kunden zu gewinnen. Später erweiterte MLP seine Zielgruppe auf weitere akademische Zielgruppen. Durch die Spezialisierung auf die akademische Klientel bediente das Unternehmen eine Marktlücke und partizipierte am steigenden Beratungs-, Anlage- und Vorsorgebedarf der Kunden im Laufe ihrer Berufskarriere – und an deren steigendem Vermögen. Seit 1972 betreut das Unternehmen neben Juristen auch Mediziner und Zahnmediziner. Im selben Jahr folgte die Umfirmierung zur Kommanditgesellschaft. 1974 wurde die KG in eine GmbH umgewandelt und eröffnete Geschäftsstellen in Düsseldorf, Wiesbaden, Stuttgart und Bonn. Mit der Umwandlung 1984 in eine Aktiengesellschaft wurden die Voraussetzungen für eine Börsennotierung geschaffen. Nachdem neue Zielgruppen wie Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure hinzukamen, wurde die Gesellschaft erstmals am 15. Juni 1988 am geregelten Markt der Stuttgarter Wertpapierbörse gehandelt.
Börsengang mini|MLP-SE-Zentrale in Wiesloch Nach dem Börsengang 1988 gründete MLP 1991 die MLP Versicherung AG sowie die MLP Lebensversicherung AG und wandelte sich 1993 in eine Holding. 1994 kam die MLP Vermögensverwaltungs AG hinzu, im folgenden Jahr gab es 50 MLP Geschäftsstellen in Deutschland. Erste Erfahrungen im Ausland sammelte das Unternehmen mit der Eröffnung der ersten Geschäftsstelle in Österreich im Jahr 1995. 1997 folgte die Aufnahme in den MDAX. 1998 hatte das Unternehmen 101 Geschäftsstellen, wovon sich sieben im Ausland befanden. Neben Österreich war MLP damit auch in der Schweiz aktiv. Im Jahr 2000 eröffnete MLP die erste Geschäftsstelle in den Niederlanden. 2001 zog die Konzernzentrale von Heidelberg nach Wiesloch um, wo nach Planung von Michael Weindel ein neuer Bürokomplex entstand. Zudem eröffnete sie die erste Geschäftsstelle in Großbritannien und expandierte im folgenden Jahr nach Spanien. In der Zeit der starken Expansion unter Bernhard Termühlen, der seit 1999 Vorstandsvorsitzender war, stieg die MLP-Aktie von umgerechnet 55 Cent in der Erstnotierung bis auf über 170 Euro in der Spitze. Am 30. Juli 2001 folgte die Aufnahme der Aktie in den DAX.
Bilanzskandal im Jahr 2002 Mit der Bilanzkrise 2002 erlebte das Unternehmen nach 31 Jahren ununterbrochener Expansion eine schwere Krise. Den Bilanzen zufolge erzielte Termühlen stets die von ihm vorgegebenen Wachstumsvorgaben von jährlich 20 bis 30 Prozent. 2002 zweifelte die Fachpresse infolge des am 16. Mai 2002 in der Börsenzeitschrift Börse Online erschienenen Artikels „Die wahre MLP-Story“ an der Rechtmäßigkeit der Bilanzen. Die Zeitschrift behauptete, dass Darlehen von Rückversicherern als Unternehmensgewinne ausgewiesen worden seien. MLP gab daraufhin mehrere Gutachten in Auftrag, die den Konzerntöchtern eine streitbare, aber ordnungsgemäße Bilanzierung attestierten. Eine von der SdK geforderte Gesamtbilanzierung („Konzernbilanz“) lehnte der Konzern ab.
Die Aussagen des Artikels wurden in der Fachpresse später als „Fehlinterpretation“ bezeichnet, die durch die defensive Kommunikation des Unternehmens nicht entkräftet wurden. Aufgrund der Anschuldigungen und des Vertrauensverlustes der Anleger brach der Aktienkurs des Unternehmens um knapp 90 Prozent ein. 2004 wurde gegen Termühlen und zwei Mitarbeiter Anklage erhoben. Im Mai 2007 wurden die Verfahren gegen Auflage von Geldzahlungen eingestellt. Zudem äußerte das Landgericht Mannheim rechtliche Bedenken sowie Zweifel an der Verhältnismäßigkeit zwischen zu erwartender Strafe und Verfahrenslänge.
Konsolidierung ab 2003 Im Januar 2003 übernahm Uwe Schroeder-Wildberg zunächst das Amt des Finanzvorstands, das bis dahin vom MLP-Vorstandsvorsitzenden Bernhard Termühlen in Personalunion ausgeübt worden war. Ende Oktober 2003 trat der stark in die Kritik geratene Termühlen als Vorstandsvorsitzender der MLP AG zurück. Am 17. Dezember ernannte der Aufsichtsrat Schroeder-Wildberg mit Wirkung zum 1. Januar 2004 offiziell zum Vorstandsvorsitzenden. Im September 2003 verließ die Aktie des Unternehmens den DAX und wurde bis zum 18. Juni 2010 im MDAX und bis zum 20. März 2016 im SDAX gelistet. Anschließend befand sich die MLP-Aktie in keinem Index mehr,n-tv.de: Indexänderungen sorgen für Kritik, 4. März 2016. Abgerufen am 14. Juni 2016. bis sie zwischen dem 22. März 2017 und dem 19. März 2018 und zwischen dem 29. Mai und 22. Juni 2020 erneut in den SDAX aufgenommen wurde.
2005 wurde die MLP Lebensversicherung AG an die zur Halifax Bank of Scotland gehörende Clerical Medical International Holdings BV veräußert und firmiert seither als Heidelberger Lebensversicherung AG. Die MLP Versicherung AG wurde an die Gothaer verkauft und heißt nun Janitos.