Der Egelsee ist ein künstlicher See, eingebettet in eine „Kunst-Garten-Landschaft“ am Wartberg in Stuttgart.#Stuttgart 2013.2. Die Wasserspiele des Sees wurden von dem Bildhauer Hans Dieter Bohnet entworfen, die landschaftsarchitektonische Ausgestaltung des Geländes erfolgte nach den Plänen des Landschaftsarchitekten Hans Luz.
See Am Hang des Wartbergs entspringen im Westen zwei Bäche, die zur östlich gelegenen Talmulde des Wartbergs hinabfließen und sich bei der Kunststation Grottenloch zu einem Bach vereinigen. Dieser mündet in den „Krebsschwanz“, eine Kaskade von vier Teichen, die in den Egelsee einmündet. Der See besteht aus einem langen, rechteckigen Becken, das sich in die Talmulde schmiegt, und endet an den Schmalseiten in zwei kreisrunden Seen, dem Kugelsee mit einem Kugelspringbrunnen im Westen und dem Fontänensee mit einer Wasserorgel im Osten.
Ufer Während das Südufer des Sees durch Wildstauden und einen Felsenbrunnen eine naturnahe Prägung erhielt, wurde das Nordufer künstlich gestaltet. Der teilweise modellierte Boden ist von Rasen bedeckt, und in einem stilisierten Lindenhain im Osten entspringt eine durchlaufende Wasserrinne, die von einer Abfolge quirliger und verspielter Springbrunnen, Sprudler, Wasserbatterien und Wasserkanonen gesäumt wird. Sie werden ebenso wie der Kugelsee und die Wasserorgel durch eine computergesteuerte Choreografie synchronisiert. Den nördlichen Randbereich des Ufers gliedern Hainbuchenbosketten, die Ruhebereiche und Brunnenanlagen einschließen.
Kunststation Die Kunststation Egelsee (auch: Rund um den Egelsee) ist eine der Kunststationen, die zur Internationalen Gartenbauausstellung 1993 (IGA '93) in der Parklandschaft des Grünen U in Stuttgart errichtet wurden und nach der Ausstellung erhalten blieben.
Siehe auch: Navigationsleiste Kunststationen in Stuttgart.
Hans Dieter Bohnet schuf außer der Kunststation Egelsee die Kunststationen Unter den Stangen und Im Keuper, beide am Hang des Wartbergs.
Hinweise: Ziffern in Klammern, z. B. (12), verweisen auf die entsprechenden Nummern im Plan des Wartberggeländes. Buchstabenkürzel in Klammern, z. B. (Ku), verweisen auf die entsprechenden Stellen im Plan des Egelsees.
Lage mini|hochkant=1.2|links| Plan des Wartberggeländes.Der Plan basiert auf einer OpenStreetMap-Karte.
Die Kunststation Egelsee (7) liegt in der östlich gelegenen Talmulde des Wartbergs.
Der Wartberg liegt im Stuttgarter Stadtbezirk Stuttgart-Nord und fungiert innerhalb des Grünen U, einer geschlossenen Grünanlage von acht Kilometern Länge, als Bindeglied zwischen dem Leibfriedschen Garten und dem Rosensteinpark im Osten und dem Höhenpark Killesberg im Westen.
Hinweis: Keuperbach (12), Stangenbach (13) und Egelbach (14) sind keine offiziellen Bezeichnungen, sondern dienen hier zur Unterscheidung namenloser Bäche am Wartberg.
Zugang Das Kunststation kann man u. a. auf den folgenden Wegen erreichen (beide Wege sind auch für Behinderte geeignet): Direkter Weg: Von der Stadtbahnhaltestelle Löwentorbrücke (20) aus folgt man der Rampe hinauf zu den Bombaystegen (21). Über den linken Zweig der Stege gelangt man zu der Aussichtsbastion (B) am Egelsee. Von den Quellbächen zum Egelsee: Mit der Buslinie 57 gelangt man von der Haltestelle Killesberg (Richtung Robert-Bosch-Krankenhaus) oder von der Haltestelle Pragsattel (Richtung Killesberg) zur Haltestelle Höhenfreibad. Bei der Fußgängerampel, an der Ecke zwischen Stresemannstraße und Gunterstraße, biegt man rechts in den St.-Helens-Weg (19) ein und folgt diesem bis zum Straßburger Weg (23). Dieser führt parallel zum Keuperbach (12) zur Kunststation Grottenloch (6), wo sich die beiden Quellbäche, Keuperbach und Stangenbach (13), zum Egelbach (14) vereinigen. Man folgt dem Menzel-Bourgiba-Weg (22), der den Egelbach begleitet, und gelangt am Krebsschwanz (Kr) vorbei zum Kugelsee (Ku).
Vorgeschichte Nachdem die Stadt Stuttgart 1984 den Zuschlag zur Veranstaltung der IGA '93 erhalten hatte, wurde 1986 ein Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgeschrieben mit dem Ziel, „zwischen den »erprobten«, denkmalgeschützten Anlagen Rosensteinpark und Höhenpark Killesberg eine durchgehende Erholungslandschaft mit sicheren Gehwegbeziehungen zu den benachbarten Wohngebieten und Stationen der öffentlichen Nahverkehrslinien zu schaffen“.#Arbogast 1993, S. 84.
Den ersten Preis erhielt die Planungsgruppe um den Landschaftsarchitekten Hans Luz. Den Beifall der Jury fand auch die Idee, in der Wartbergmulde einen künstlichen See anzulegen: „Gut ist die Überleitung in die Mulde mit dem im Schwerpunkt angelegten See, bei dem die Rückgratbildung vor der Volkertstraße hervorzuheben ist.“#Schiel 1987, S. 28. Die Planungsgruppe um Hans Luz wurde 1988 mit der weiteren Planung und später mit Realisierung des Egelseebereichs beauftragt.#Schiel 1993, S. 11. So wurde das „früher kaum zugängliche Gelände“ mit der ehemaligen Gärtnerei Nirk ein „Naherholungsgebiet“.#Kurz 2005.
„Die ursprüngliche Idee und wesentlicher Baustein des Gesamtkonzeptes, auch die Dachwässer der in der Nähe liegenden Messehallen in einer Binsenkläranlage zu reinigen und in das System einzuleiten, konnte leider nicht realisiert werden.“#Christof Luz 1993.1, S. 23. Die Messehallen wurden jedoch im Jahr 2007 abgerissen, so dass sich dieser Punkt der ursprünglichen Planung nachträglich erledigte.
„Ein weiterer wichtiger Aspekt, die Aerifizierung“ konnte jedoch „einigermaßen“ umgesetzt werden durch die Anlage des Krebsschwanzes, eine kaskadierende Abfolge von Teichen im Vorfeld des Sees, und die umfangreichen Wasserspiele, die das Wasser in ständiger Bewegung halten, und damit dem See auch einen „wichtigen gewässerökologischen und kleinklimatologischen Sinn“ verleihen.#Christof Luz 1993.1, S. 23–24.
Gelände mini|hochkant=1.7|Plan des Grünen U, westlicher Teil vom Höhenpark Killesberg bis zum Rosensteinpark.
Der Egelsee liegt in einer Mulde, in die das Wartberggelände nach Osten hin ausläuft. Der Wartberg ist ein Teil der Parklandschaft des Grünen U und liegt zwischen dem Höhenpark Killesberg im Westen und dem Rosensteinpark im Osten, der zur IGA '93 über den Leibfriedschen Garten mit dem Wartberg verbunden wurde. Vor der IGA trennte die vielbefahrene Stresemannstraße den Höhenpark wie ein Damm vom Wartberg, zur IGA wurden die beiden Parks durch zwei Stege miteinander verbunden. Der Wartberg fällt von der Stresemannstraße etwa 60 m nach Osten zur Wartbergmulde hin ab, die mit dem Egelsee endet. Die Mulde setzt sich bis zur Heilbronner Straße fort, die als Barriere zum Leibfriedschen Garten wirkt, aber zur IGA ebenfalls durch Stege überbrückt wurde.
See Die 4.500 m² große Wasserfläche des Egelsees „ist von besonderer Bedeutung für den Park. Sie ist Vorflut für sämtliche Oberflächenwässer und deshalb als Retentionsfläche mit schwankendem Wasserspiegel ausgelegt, die auch starke Niederschläge aufnehmen kann.“ „Einem wichtigen Belüftungsaspekt der Gewässer dienen einerseits der sogenannte ‚Krebsschwanz‘, eine gestaffelte Abfolge von Teichen mit entsprechenden kleinen Abstürzen und andererseits umfangreiche Wasserspiele, die im und am See konzipiert sind. Durch eine Vielzahl von Düsen, Speiern, Sprudlern und Fontänen, die ‚eine akustische und optische Wassersymphonie‘ bilden,#Stuttgart 2013.1. ist das Wasser in ständiger Bewegung und erhält damit neben der räumlichen, gestalterischen Funktion zusammen mit der Wasserfläche auch seinen gewässerökologischen und kleinklimatologischen Sinn.“#Christof Luz 1993.3, S. 14.
Das Nordufer wurde mit Wasserspielen, künstlichen Rasen, Alleen und Bosketten neu gestaltet, das Südufer mit Felsenbrunnen, Röhricht und Uferrandstauden wurde naturnah umgestaltet. Den Egelsee und seine Ufer bevölkern Stockenten, Graureiher, Grünfüßige Teichhühner und bisweilen auch Schwäne, und im Schutz von Gitterkäfigen wachsen und blühen Seerosen im See.
Rundgang mini|hochkant=2.5|Plan des Egelsees.
Dieser Abschnitt beschreibt das Gelände und die Wasserspiele rund um den Egelsee. Der Rundgang beginnt bei der Bastion (B), auf die man von den Bombaystegen (21) aus gelangt, umrundet das Nordufer mit seinen Wasserspielen, biegt am Kugelsee (Ku) ab und läuft am Südufer entlang bis zum Fontänensee (Fo) unterhalb der Bastion.
Bastion Von der Stadtbahnhaltestelle Löwentorbrücke (20) aus gelangt man über eine Rampe hinauf zu den Bombaystegen (21). Der linke Arm der Bombaystege führt durch ein „Tor“ von je drei Pförtnerpappeln zur Aussichtsbastion (B) am Egelsee (siehe auch: Zugang, Weg 1). Die kleine Aussichtsplattform wird von einer abgerundeten Bastionsmauer gestützt. Sie liegt einige Meter über dem Niveau des Egelseegeländes und gestattet einen Panoramablick auf den See und das umgebende Gelände.
Nach den ursprünglichen Plänen der IGA-Planungsgruppe um Hans Luz sollte „die Achse der Brücke [Löwentorbrücke] … über eine lang gezogene, abwechslungsreiche, unterschiedlich breite Wiese auf die Blutbuche ausgerichtet“ werden. Diese Sichtachse hätte den direkten Blick von der Bastion auf die Kunststation Bei der Buche ermöglicht. Der Plan scheiterte am Einspruch der Ökologen, gegen den sich die Planungsgruppe nicht durchsetzen konnte: „Aber für uns Planer war und ist der Wegfall einer optisch wahrnehmbaren großen Wiese zur Blutbuche und ein kompliziertes Wegesystem … immer noch ein betrüblicher Abstrich an unserer Grundkonzeption.“#Hans Luz2012, S. 67.
Lindenhain Der Kairoweg säumt das nördliche Ufer des Egelsees. Er beginnt bei der Bastion (B), umrundet zuerst die rechte Hälfte des Fontänensees (Fo), stößt dann an eine Ecke des Lindenhains und setzt sich nach links geradlinig fort entlang dem Nordufer des Egelsees.
Das Karree des Lindenhains gliedert sich in drei streifenförmige Plateaus, die quer zur Längsachse des Egelsees verlaufen und über die ganze Breite mit fünfstufigen Treppen verbunden sind. Auf den Plateaus reihen sich hochstämmige Kugellinden zu einer vierspurigen Allee, in der hockerartige Betonzylinder hie und da zum Ausruhen im Schatten der Bäume einladen.
Wasserrinne Am rechten Rand des Lindenhains entspringt aus einer schnabelförmigen Edelstahlplatte eine künstliche Quelle, die sich in ein kreisrundes Becken ergießt und dann in einer Rinne bis zum Ende des Lindenhains weiterfließt und dort auf den Kairoweg trifft. Die Wasserrinne (W) wird zu beiden Seiten von einem breiten Fußweg flankiert. Edelstahlwände mit amöbenförmigem Umriss überbrücken wie Geländer die Übergänge an den Treppen.
Die Wände sind durch ein in den Boden eingelassenes Edelstahlband miteinander verbunden, das sich am Ende der Wasserrinne auf dem Kairoweg bis zum Kugelsee (Ku) fortsetzt und den Weg in zwei Streifen teilt. Das Band markiert den Verlauf der unterirdisch weitergeführten Wasserrinne und gleichzeitig einen Teil der Sichtachse, die an der Quelle der Wasserrinne ihren Anfang nimmt und sich im Kugelsee mit einer zweiten Sichtachse schneidet, die mit der Längsachse der Bombaystege (21) und der Bastion (B) beginnt und der Länge nach über den See hinweg verläuft.#Werner 1993.3, S. .
Unterwasserbatterie An der Schmalseite des Egelsees, die dem Kugelsee gegenüberliegt, ist eine Unterwasserbatterie (Uuw) mit 13 Wasserkanonen installiert, die ihre Wasser in hohem Bogen in Richtung Kugelsee (Ku) verschießen. Zurzeit sind nur fünf der 13 Kanonen funktionsfähig (Stand: August 2016).
Rasenpyramide Im Anschluss an den Lindenhain trifft man rechts vom Kairoweg auf die Rasenpyramide (Rp), eine fünfstufige, mit Rasen bedeckte Stufenpyramide mit einer Seitenlänge von ca. 11 m. Sie besteht aus fünf aufeinandergesetzten quadratischen Kästen, die mit Erde gefüllt sind und deren Seitenlänge von Stufe zu Stufe abnimmt. Jeder Kasten wird von rostbraunen Stahlblechen gerahmt und ist mit Rasen bepflanzt, so dass sich die Pyramide aus der Vogelperspektive kaum von der Umgebung unterscheidet.