mini|Münze des Diodotos Tryphon

Diodotos Tryphon (; * Kasiane bei Apameia am Orontes; † 137 v. Chr.Zur Datierung des Todes: Kay Ehling: Untersuchungen zur Geschichte der späten Seleukiden (164–63 v. Chr.). 2008, S. 191. in Apameia am Orontes) war ein König des Seleukidenreichs in Syrien. Er fungierte zuerst als Regent für den unmündigen Antiochos VI., ließ diesen aber wohl 142/141 v. Chr. ermorden und sich selbst zum König proklamieren. Dem Einfall des Antiochos VII. in Syrien 138 v. Chr. konnte der Usurpator militärisch nicht standhalten, wurde in Apameia eingeschlossen und kam dort 137 v. Chr. entweder durch Selbstmord oder Hinrichtung ums Leben.

Leben Abstammung; frühe Militärkarriere Diototos stammte aus dem Ort Kasiane nahe Apameia am OrontesStrabon, Geographika 16,2,10,752; vgl. Poseidonios, FGrH 87 F 29; Flavius Josephus, Jüdische Altertümer 13,131 Da dort makedonische Soldaten wohnten und Diodotos eine erfolgreiche Militärkarriere als Führer solcher Krieger einschlug, ferner den makedonischen Helm als Emblem auf von ihm geschlagene Münzen prägen ließ, war er wohl makedonischer Abkunft. Sein Beiname Tryphon bedeutet „Schwelger“; diesen nahm er erst nach der Usurpation des Königtums an und führte ihn nach Ausweis seiner Münzen offiziell. Der Beiname bezieht sich wohl auf sein politisches Programm, das besonders in Form der Tryphe als glanzvoller Selbstinszenierung Wohlstand propagierte.

Zuerst fungierte Diototos als Stratege des Seleukidenherrschers Demetrios I. Soter, wechselte dann aber um 150 v. Chr. mit einem Hierax, der wohl ein hoher Beamter oder Militär war, auf die Seite des Thronprätendenten Alexander I. Balas.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 32,9c In der Folge dürfte er einer der bedeutendsten Vertrauten von Alexander Balas gewesen sein.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 33,4a; Strabon, Geographika 16,2,10,752 Als dieser die Herrschaft errungen hatte, bekleidete Diodotos zusammen mit Hierax den bedeutenden Posten eines Kommandanten der seleukidischen Hauptstadt Antiochia am Orontes.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 33,3 Auch hatte er den Rang eines Strategen inne.1. Buch der Makkabäer 11,39; Josephus, Jüdische Altertümer 13,131

Demetrios II. Nikator bekämpfte aber ab 147 v. Chr. Alexander Balas und sicherte sich die Unterstützung des ägyptischen Königs Ptolemaios VI, Philometor. Da Diodotos nun die Aussichten von Alexander Balas als hoffnungslos erachtete, überredete er gemeinsam mit Hierax die Einwohner Antiochias zum Abfall von ihm, und beide übergaben die Hauptstadt an Ptolemaios VI. Indessen fürchteten Diodotos und Hierax, dass Demetrios II. Rache an ihnen wegen ihres früheren Abfalls von seinem Vater nehmen würde. Daher bewogen sie die Soldaten und Bürger Antiochias, Ptolemaios VI. die Herrschaft über das Seleukidenreich anzubieten.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 32,9c; Josephus, Jüdische Altertümer 13,111ff. Unter Bedachtnahme auf die mögliche Reaktion Roms lehnte der ägyptische Herrscher den ihm angetragenen Königstitel abJosephus, Jüdische Altertümer 13,114 f. und starb bald danach etwa im Juli 145 v. Chr. in Syrien. So vermochte Demetrios II. die Regierung anzutreten und ging gegen die einstigen Anhänger des Alexander Balas vor. Diodotos flüchtete an den Rand der arabischen Wüste im östlichen Syrien. Dort lebte er vermutlich kurzzeitig als Räuberhauptmann.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 33,4a; dazu

Regent für Antiochos VI.; Kampf gegen Demetrios II. Da Demetrios II. die makedonischen Soldaten entließ, die wahrscheinlich im Dienst von Alexander Balas gestanden waren, und hauptsächlich nur seinen loyalen kretischen Söldnern vertraute, und da er auch harte Maßnahmen gegen die ihm abgeneigte Bürgerschaft Antiochias ergriff, schuf er sich immer mehr Gegner. Diodotos stellte sich an die Spitze der Aufständischen und Unzufriedenen und erlangte dadurch eine so starke Position, dass er das strategisch bedeutsame Apameia am Orontes unter seine Kontrolle bringen konnte. In dieser Stadt lagerten zahlreiche seleukidische Arsenale; auch wohnten dort viele makedonische Krieger.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 33,4a; Strabon, Geographika 16,2,10,752 Daraufhin wandte sich Diodotos an den arabischen Fürsten Iamblichos und bat,Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 33,4a; 1. Buch der Makkabäer 11,39; laut Josephus (Jüdische Altertümer 13,131) habe der arabische Machthaber hingegen Malchos geheißen. dass dieser ihm den in dessen Obhut befindlichen, etwa zweijährigen Antiochos, Sohn des Alexander Balas, übergeben möge. Zur Begründung seines Wunsches gab Diodotos an, dass er den kleinen Antiochos zum syrischen Thron verhelfen wolle. Iamblichos, der eventuell über Emesa regierte, hatte zunächst Bedenken, stimmte aber letztlich zu.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 33,4a; 1. Buch der Makkabäer 11,39 ff.; Josephus, Jüdische Altertümer 13,131 f. Diodotos rief Balas’ Sohn als Antiochos VI. zum König und sich selbst zum Regenten während dessen Minderjährigkeit aus. So rechtfertigte er seinen Krieg gegen Demetrios II. als legitimen Kampf für die Thronrechte des kleinen Antiochos.1. Buch der Makkabäer 11,54; Josephus, Jüdische Altertümer 13,144

In der Folge gelang Diodotos die Eroberung des nördlich Apameias gelegenen Chalkis.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 33,4a Da er auch auf das verbündete Emesa zählen konnte, kontrollierte er nun das Hinterland Nordsyriens. Dieses Territorium, das sein Kerngebiet war, vermochte er bis zu seinem Tod zu behaupten.Strabon, Geographika 16,752 Einer auf Befehl von Demetrios II. gegen ihn gezogenen Armee brachte Diodotos in einer Feldschlacht eine Niederlage bei, woraufhin er Elefanten erbeutete. Seine Truppen besetzen außerdem die syrische Metropole Antiochia.Titus Livius, Ab urbe condita periocha 52; 1. Buch der Makkabäer 11,55 f.; Josephus, Jüdische Altertümer 13,144 Nach dem numismatischen Befund war Diodotos Anfang 144 v. Chr. in den Besitz Apameias gelangt und hatte sich Ende 144 oder Anfang 143 v. Chr. Antiochias bemächtigt.Boris Chrubasik: Kings and Usurpers in the Seleukid Empire: The Men who would be King. Oxford 2016, ISBN 978-0-19-878692-4, S. 136 f. Demetrios II. wich in das stark befestigte Seleukeia Pieria aus.Livius, Ab urbe condita periocha 52

Zur weiteren Stärkung seiner Stellung ging Diodotos – wie bereits früher Alexander Balas – eine Allianz mit dem Makkabäer Jonatan ein.1. Buch der Makkabäer 11,57 ff.; Josephus, Jüdische Altertümer 13,145 ff. Ferner ernannt er Jonatans Bruder Simon zum Strategen über die Küstenregion von Tyros bis Gaza. In dieser Funktion durfte Simon die von Demetrios II. okkupierten Städte Palästinas in seinen Besitz bringen. Simon unternahm die entsprechenden Eroberungszüge nur nominell im Auftrag von Diodotos, strebte jedoch die Autonomie Judäas an. Aufgrund des einstweiligen Bündnisses von Diodotos und Jonatan ging Demetrios II. seiner Besitzungen in Südsyrien verlustig, doch war Diodotos an den dortigen Gefechten nicht selbst beteiligt. Demetrios II. beherrschte damit nur noch die nordsyrische Küste von Tyros bis Seleukeia sowie Kilikien und im Osten Mesopotamien. Diodotos bekriegte nun Demetrios’ Streitkräfte an der nordsyrischen Küste und brachte allmählich die Städte Berytos, Arados, Byblos, Orthosia, Ptolemais, Dora und Askalon in seine Gewalt. Wie die damaligen Kampfhandlungen im Einzelnen abliefen, ist aufgrund der lückenhaften Überlieferung nicht feststellbar.

Wahrscheinlich gehört zu diesen um den Besitz der nordsyrischen Küste ausgetragenen Kämpfen auch die in einem erhaltenen Fragment des Poseidonios überlieferte Nachricht von einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Diodotos und einem Feldherrn Demetrios’ II. namens Sarpedon. Demzufolge fand dieses Gefecht an der Küste zwischen Ptolemais und Tyros statt, und obwohl Diodotos’ Verbände zuerst erfolgreich gewesen seien, wären viele ihrer Soldaten beim Rückmarsch aufgrund einer Flut umgekommen.Poseidonios, FGrH 87 F 29 bei Athenaios, Deipnosophistai 8,7,333b–d Offenbar blieb der Ausgang des Gefechts weitgehend folgenlos, weil Diodotos den Besitz von Ptolemais bis zu seinem Tod behauptete.Charax von Pergamon, FGrH 103 F 29 Im Grenzgebiet von Kilikien und Pamphylien besaß Diodotos einen wichtigen Stützpunkt in dem Küstenort Korakesion. Er förderte die Unternehmungen kilikischer Seeräuber; laut Strabon war dies der Auslöser für das Überhandnehmen des dortigen Piratenunwesens.Strabon, Geographika 14,5,2,668

Krieg gegen die Makkabäer Die erwähnte Ausdehnung des von ihm beherrschten Gebiets dürfte Diodotos wohl bereits 143 v. Chr. erreicht haben. Er hielt seine Machtstellung nun für ausreichend, um sein Bündnis mit den Makkabäern zu lösen und kriegerisch gegen sie vorzugehen. Seine Vorgehensweise lag in den immer größeren jüdischen Autonomiebestrebungen begründet. Es wurde offensichtlich, dass Jonatan sich nicht als im Auftrag von Diodotos und Antiochos VI. handelnder syrischer Beamter, sondern als Souverän des jüdischen Volks betrachtete und dementsprechend etwa auf eigene Faust ein Bündnis mit Rom einging und in Judäa Festungsbauten errichten ließ. Diodotos war bemüht, als neuer Herr des Seleukidenreichs dessen Einheit wiederherzustellen. Die jüdischen Quellen (1. Buch der Makkabäer, Flavius Josephus), die als einzige erhaltene antike Geschichtswerke über diese Vorgänge berichten, stellen die Gründe für den Bruch zwischen Diodotos und Jonatan völlig einseitig dar. Demetrios II. konnte von den Auseinandersetzungen zwischen Diodotos und den Makkabäern in Palästina nicht profitieren, stellte also keine ernsthafte Bedrohung mehr dar.

Diodotos zog mit einer Armee von Antiochia aus gegen Judäa und erschien mit ihr bei Skythopolis. Dort stellte sich ihm Jonatan mit einer Armee von angeblich 40.000 Soldaten entgegen, so dass Diodotos ihn nicht anzugreifen wagte. Nach der Darstellung der jüdischen Autoren verlegte er sich daher auf eine List, um Jonatan in seine Gewalt zu bringen. Er behauptete, dass er in friedlicher Absicht gekommen sei und Jonatan die Stadt Ptolemaïs und weitere Städte übergeben wolle, wenn Jonatan sich mit ihm nach Ptolemaïs begeben würde. Dazu brauche der Makkabäer-Führer kein großes Heer, sondern es reiche, wenn er mit wenigen Begleitern erschiene. Jonatan kam daraufhin mit tausend Mann nach Ptolemaïs, wo ihn Diodotos sogleich gefangen nehmen und dessen Begleiter niedermachen ließ.1. Buch der Makkabäer 12,39–48; Josephus, Jüdische Altertümer 13,187–193

Jonatans Bruder Simon wurde zum neuen jüdischen Anführer bestimmt, zog alle verfügbaren Streitkräfte zusammen und ließ die Befestigungsanlagen Jerusalems weiter verstärken. Diodotos brach von Ptolemaïs gegen Judäa auf und führte Jonatan mit sich mit. Einen militärischen Zusammenstoß mit Simon wollte er vermeiden, und so suchte er mit Jonatan als Geisel seine Forderungen gegenüber den Juden durchzusetzen. Zunächst verlangte er von Simon für die Freilassung von dessen Bruder die Zahlung von 100 Talenten Silber und die Auslieferung von zwei Kindern des Jonatan. Trotz der Erfüllung seiner Bedingungen hielt Diodotos nicht sein Wort, den Gefangenen freizugeben, sondern zog mit ihm nach Idumäa, um von dort nach Jerusalem zu gelangen. Ihn hatte nämlich von der Besatzung der Burg Jerusalems die Bitte um baldige Verproviantierung erreicht. Sein Zug gegen Judäa scheiterte aber, woraufhin er Jonatan in Baskama in der Landschaft Gilead im Ostjordanland etwa im Winter 143/142 v. Chr. hinrichten ließ. Dann kehrte er nach Antiochia zurück.1. Buch der Makkabäer 13,1–24; Josephus, Jüdische Altertümer 13,194–209

Simon schloss einen Friedensvertrag mit Demetrios II., der eine weitgehende Autonomie Judäas bewilligte. Ferner vermochte der Makkabäer etwa Anfang 141 v. Chr. Diodotos’ letzten Stützpunkt in Judäa, die Burg von Jerusalem, in seine Gewalt zu bringen.1. Buch der Makkabäer 13,34–40 und 13,49 ff.; Josephus, Jüdische Altertümer 13,215 Diodotos dürfte wenigstens die Küstengegend – mit Ausnahme von Joppe – weiterhin beherrscht haben.

Ausrufung zum König