Calbe (Saale) ist eine Stadt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt (Deutschland).
Geographie Calbe liegt am Rande eines Endmoränenzugs am linken Ufer der Saale, die bis Calbe für Europaschiffe ausgebaut ist. Die Kleinstadt liegt nahe dem geographischen Mittelpunkt Sachsen-Anhalts, der sich im 5 km entfernten Ort Tornitz befindet.
Calbe (Saale) ist von einer Reihe geschützter Biotope umgeben: im Norden liegen die schilfbestandenen Gribehner Teiche, östlich die Niederungen des Saalebogens und im Westen die Endmoränenhügel des bewaldeten Wartenberges. mini|Calbe (Saale), Luftaufnahme (2019)
Stadtgliederung
Zu Calbe (Saale) gehören die Ortsteile
Ortsteil Einwohner (2018) Calbe 8.354 Schwarz 401 Trabitz 104
Dialektgrenze Calbe (Saale) liegt unmittelbar südlich der Benrather Linie und somit am Übergang von den hochdeutschen – genauer: den ostmitteldeutschen Dialekten zur niederdeutschen Sprache.Karl Bischoff: Die Mundart des Kreises Calbe. In: Werner Wickel, Otto Thinius (Hrsg.): Der Kreis Calbe. Ein Heimatbuch. Ein Sammelwerk der heimatlichen Arbeitsgemeinschaft des Kreises Calbe im Regierungsbezirk Magdeburg. Hesse & Becker, Leipzig 1938, S. 211–226.
Geschichte
mini|hochkant=0.6|links|Rolandstatue auf dem Marktplatz Mittelalter Die Stadt Calbe (Saale) wurde laut einer Urkunde des Königs Otto I. vom 13. September 936 unter dem Namen Calvo erstmals erwähnt.Regesta imperii, Teil II: Sächsisches Haus (919–1024), Abteilung 1: Die Regesten des Kaiserreichs unter Heinrich I. und Otto I. 919–973. Bearbeitet von Emil von Ottenthal. Innsbruck 1893, S. 35, Nr. 57. Man geht heute aber davon aus, dass Calbe älter ist: Eine Ansiedlung gab es vermutlich schon im 8. oder zu Beginn des 9. Jahrhunderts. Als Kristallisationspunkt der Marktsiedlung gilt der ottonische, vielleicht sogar karolingische Königshof (curtis regia) bzw. die Burganlage.
mini|Karte von Calbe um 1750 mini|Schloss Calbe um 1700 mini|Blick von Osten über die Saale (links der „Hexenturm“, rechts die Stephani-Kirche) mini|Loewestraße Calbe bekam 1160 das Marktrecht verliehen. Die Saale bildete damals die Ostgrenze der deutschen Gebiete, sodass Calbe eine gute Ausgangslage für den Handel mit den benachbarten kolonisierten Slawen hatte (siehe Hochmittelalterliche Ostsiedlung). Von der Existenz einer Ratsverfassung darf im Spätmittelalter ausgegangen werden. Von 968 bis 1680 gehörte Calbe zum Erzbistum Magdeburg; die Magdeburger Erzbischöfe hatten ihren Sommer- und Zweitsitz auf dem Schloss Calbe. Die Rechtsprechung des Calber Schöffengerichts im 14. Jahrhundert (fast ausschließlich das Privatrecht betreffend) ist im so genannten Wetebuch von Calbe auch heute noch greifbar.
Frühe Neuzeit An den Erzbischof Albrecht IV. schickte Martin Luther 1517 und 1520 Briefe mit der Erläuterung seiner 95 Thesen. Da Kurfürst Albrecht sich damals in seiner kurmainzischen Residenz Aschaffenburg aufhielt, nahmen die Magdeburger erzbischöflichen Räte im Schloss Calbe am 17. November 1517 Luthers Brief vom 31. Oktober 1517 entgegen, eine Wegscheide der Reformation.Dieter Horst Steinmetz: Keine Antwort aus Schloss Calbe auf Luthers Thesenbrief. Wie die Reformation in die Erzbischofs- und Handelsstadt Calbe an der Saale kam. In: Sachsen-Anhalt-Journal, Jg. 27 (2017), Heft 3, S. 8–11.
1634 wurde in Calbe die Hospital-Schwester Ursula Wurm als Hexe verbrannt. Seit der Zeit der Hexenverfolgungen wird der Wach- und Gefängnisturm hinter dem Rathaus der Hexenturm genannt.
1680 wurde Calbe als sogenannte Immediatstadt direkt dem brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg unterstellt und lag bis 1807 im Holzkreis. In der Folge erlebte die Stadt als Tuch-Manufaktur-, später als Tuch-Industrie-Zentrum eine zweite wirtschaftliche, politische und kulturelle Blütezeit.
19. und 20. Jahrhundert Von 1816 bis 1950 war Calbe Kreisstadt und Verwaltungssitz des preußischen Kreises Calbe a./S. Von 1849 bis 1879 bestand das Kreisgericht Calbe a.d. Saale, von 1879 bis 1951 das Amtsgericht Calbe (Saale). Das Ende des Aufschwungs kam mit dem Ersten Weltkrieg.
In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs brannte bei Kampfhandlungen das Schloss Calbe aus, die Ruinen wurden 1951 beseitigt.
Eine dritte, nur wenige Jahre anhaltende wirtschaftliche und soziale Blüte brachte die Zeit Calbes als DDR-Industriestadt: 1950 entstand in Calbe das erste und einzige Niederschachtofenwerk der Welt. Der Betrieb wurde aber bereits 1968 wegen mangelnder Rentabilität eingestellt.Werner Claus und andere: Das „Eiserne Wunder“ von Calbe. 15. Oktober 1951 – 50. Jahrestag des ersten Roheisenabstriches am Niederschachtofen in Calbe. Interessengemeinschaft „Niederschachtofenwerk Calbe“, Calbe 2001, ISBN 3-935971-02-8.
Von 1952 bis 2007 lag Calbe im Kreis Schönebeck (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 2007 gehört die Stadt zum Salzlandkreis.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 13.653 2005 11.161 2010 9.914 2015 8.994 2020 8.299 Jahr Einwohner 2021 8.179 2022 8.351 2023 8.207 2024 8.030 2025 7.933
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Calbe besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 54,7 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 CDU 24,4 % 5 25,7 % 5 AfD 14,8 % 3 24,1 % 2 Alternative Liste Calbe . . 15,6 % 3 Freie Wählergemeinschaft Calbe . . 14,6 % 3 Die Linke 13,8 % 3 8,1 % 2 SPD 8,7 % 2 6,7 % 1 FDP 7,0 % 1 4,1 % 1 Bündnis 90/Die Grünen – – 1,0 % – Insgesamt 100 % 20 100 % 17
Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD fünf Sitze, von denen drei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur zwei Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister 2007–2014: Dieter Tischmeyer (parteilos) seit 2014: Sven Hause (parteilos)
Hause wurde in der Bürgermeisterwahl am 28. Mai 2014 mit 56,1 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl 28. Mai 2014 Am 6. Juni 2021 wurde er mit 69,4 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 6. Juni 2021 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen
Flagge Die Flagge ist blau - weiß (1:1) gestreift (Hissflagge: Streifen von oben nach unten, Querflagge: Streifen von links nach rechts verlaufend) mit dem aufgelegten Stadtwappen.
Städtepartnerschaft Burgdorf (Region Hannover) ist seit 1990 Partnerstadt von Calbe.
Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Rathaus
Evangelische St.-Stephani-Kirche Evangelische St.-Laurentii-Kirche Katholische Pfarrkirche St. Norbert Neuapostolische Heilig-Geist-Kirche Schleuse Calbe Rathaus Calbe mit Rolandstatue Hexenturm, Wachturm der früheren Stadtbefestigung, deren Überreste noch erkennbar sind. Er diente als Ratsarchiv und Gefängnis für Schwerverbrecher. Heute wird er als Stadtarchiv verwendet und beherbergt neben Dokumenten aus der Stadtgeschichte auch Schriften von Johann Heinrich Hävecker und Friedrich Schiller. Blauer Turm, ursprünglich mit blauem Schiefer gedeckt, gehörte ebenfalls einst zur Befestigung der Stadt. In seiner jetzigen Form wurde er im 19. Jahrhundert im Garten der Landratswohnung wieder aufgebaut. Steinkreuz in der Nienburger Straße Papierfabrik, östlich hinter den Häusern des Marktplatzes am Wehr
Gedenkstätten mini|Kriegerdenkmal Bismarckturm auf dem Wartenberg bei Calbe, errichtet in Erinnerung an den als Einiger des Deutschen Reichs verehrten Reichskanzler Otto von Bismarck. Der Turm wurde am 22. März 1904, am 107. Geburtstag Kaiser Wilhelms I., feierlich eingeweiht. Kriegerdenkmal zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Calbener; mit einer umgebenden, halbrunden Pergola am 24. Juni 1929 im Beisein zahlreicher Krieger- und Veteranenvereine enthüllt.Über die Feierlichkeiten berichtete die Magdeburgische Zeitung ausführlich in ihrer Ausgabe vom 25. Juni 1929. Nach 1945 wurde die Widmung des Denkmals auf die Gefallenen und Opfer des Zweiten Weltkriegs erweitert. Gedenkwand am Eingang des Städtischen Friedhofs für 24 Frauen, Männer und ein Kleinkind aus verschiedenen Nationen, die während des Zweiten Weltkriegs Opfer von Zwangsarbeit wurden, sowie Gedenkwand für die deutschen OdF-Ausschüsse und nach 1945 verstorbene Antifaschisten Grabstätte auf dem Friedhof des Ortsteils Trabitz für einen unbekannten Polen, der während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland verschleppt und ein Opfer von Zwangsarbeit wurde Gedenkstein am stillgelegten Karl-Schröter-Schacht auf dem Hof der Agrargenossenschaft zur Erinnerung an den Bergmann und kommunistischen Stadtverordneten Karl Schröter, der 1940 an den Folgen einer erlittenen Zuchthaushaft starb.
Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Auf Grund des sehr guten Ackerbodens wurde in Calbe schon immer Landwirtschaft betrieben. 1591 wurde der Zwiebelanbau erstmals erwähnt, der auch heute noch betrieben wird. Dies brachte der Stadt den Spitznamen Bollencalbe (Bolle = Zwiebel) ein. Weiterhin wurde zu damaliger Zeit Weidehaltung von Schafen betrieben. Die gewonnene Wolle legte den Grundstein für ein florierendes Tuchmachergewerbe, das später unter anderem die preußische Armee belieferte.
Bis zum Ersten Weltkrieg entwickelten oder gründeten sich unter anderem: Ziegeleien, Braunkohlegruben, Tuchfabriken, die Seifenfabrik Rudolf Imroth und die Papierfabrik Brückner. Die metallverarbeitende Industrie ist nach der Landwirtschaft der zweitgrößte Wirtschaftsfaktor der Stadt.
Bei Calbe befindet sich das leistungsstärkste deutsche Pflanzenölkraftwerk, mit 10 Megawatt Leistung.
Niederschachtofenwerk
Einen industriellen Aufschwung erlangte Calbe mit der Inbetriebnahme des ersten Niederschachtofenwerkes der Welt 1951. So genannte Armerze (Siderit und Hämatit) aus den Harzer Gruben Büchenberg und Braunesumpf kamen hier zur Verhüttung.
Verkehr Eisenbahn mini|Bahnhof Calbe (Saale) Ost Calbe verfügt über den Bahnhof Calbe (Saale) Ost an der zweigleisigen, elektrifizierten Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig. Dort zweigt auch die eingleisige Verbindung der Bahnstrecke Bernburg–Calbe (Saale) nach Bernburg über den Bahnhof Calbe (Saale) West und den Haltepunkt Calbe (Saale) Stadt ab. Diese Haltepunkte liegen auch an der seit 2005 teilweise stillgelegten Bahnstrecke Berlin–Blankenheim.
Straßen Calbe liegt direkt an der L 65, die von Magdeburg nach Bernburg führt. Die Stadt liegt auch an der L 63, die von Förderstedt über Calbe nach Dessau verläuft. Dann führt noch die L 68 von Calbe nach Barby.
Schifffahrt Calbe liegt am schiffbaren Teil der Saale (bis Klasse IV). Bei Gottesgnaden liegt eine Schleuse.
Bildung mini|Friedrich-Schiller-Gymnasium mini|hochkant|Grundschule Johann Wolfgang von Goethe Friedrich-Schiller-Gymnasium (offenes Ganztags-Gymnasium) Heinrich-Heine-Schule (ehemals) Herder-Schule (Real-, Sekundar- und Hauptschule) Gotthold-Ephraim-Lessing-Schule (Grundschule)
Bibliothek Die Stadtbibliothek wurde 1911 gegründet.Thomas Linßner: Zum Bibliotheks-Jubiläum kamen die „Ehemaligen“. 90 Jahre Stadtbibliothek Calbe. In: Schönebecker Volksstimme, 26. Oktober 2001, Teil II, S. 3. Überregionale Schlagzeilen machte die Stadt Calbe, als sie ihre Stadtbibliothek, die auf der Roten Liste Kultur stand, Ende 2012 schloss.Deutscher Kulturrat: Rote Liste der bedrohten Kultureinrichtungen, , abgerufen am 30. September 2014.
Sport mini|Heger-Sporthalle TSG Calbe
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt Sebastian Langhans (ca. 1477–ca. 1545), Jurist, Möllenvogt in Magdeburg