Beetzendorf ist eine Gemeinde in der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.

Geographie Lage Das Dorf ist Sitz der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf und liegt in der Jeetzeniederung rund 10 Kilometer nordnordöstlich von Klötze und 18 Kilometer südlich der Kreisstadt Salzwedel in der Altmark.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören die Ortsteile (mit Wohnplätzen):

Geschichte Herkunft des Ortsnamens Jürgen Udolph meint die Erwähnung 1316 BetzendorpSiehe Literatur: Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellschriften. Haupttheil 2, Band 1, Berlin 1843, S. 388. könnte auf die mundartliche Form von „Beke“ für „Bach“ im Sinne von „Dorf an den Bächen“ zurückgehen oder auf einen Personenanem „Baki“ oder „Bako“. Es könnte sich auch um eine Übertragung des Ortsnamens von Betzendorf bei Lüneburg handeln.

Mittelalter bis 20. Jahrhundert mini|hochkant|Bergfried der Burg Beetzendorf

Beetzendorf entstand mit hoher Wahrscheinlichkeit im Schutz einer im Sumpf gelegenen Burg, der Burg Beetzendorf (Becendorf). Die erste Erwähnung erfolgt nach Angaben von Beckmann um 1204, wonach die Burganlage von der Familie von Kröcher pfandweise in die Hände der Familie von der Schulenburg gelangte. Seit 1340 ist die Burg im Besitz des Geschlechts derer von der Schulenburg, nachdem sie ihren Stammsitz, die Schulenburg bei Stappenbeck nahe Salzwedel verlassen hatten. Beetzendorf wurde in den folgenden Jahrhunderten zum Familienhauptsitz des Geschlechts. Die Besitzungen hier und in Apenburg waren ihre Stammgüter, die den Kern ihrer Grundherrschaft bis ins 19. Jahrhundert sicherten. Lange Phasen gab es im Ort die Besitzungen und Gutsbezirke Beetzendorf I und Beetzendorf II.Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen: Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. 1888. Öffentliche Bekanntmachungen. Band VII: Provinz Sachsen, Regierungsbezirk Merseburg, Nr. Kreis Salzwedel. c. Gutsbezirke, Eigenverlag des Königlich Statistischen Bureaus, Berlin 1888, S. 20. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Werner von der Schulenburg Besitzer auf Beetzendorff II. Ab 1913 folgte der Sohn, Oberleutnant Hans-Joachim von der Schulenburg. Er begann seine Karriere auf der Ritterakademie Brandenburg und erlernte Land- und Forstwirtschaft,von der Schulenburg, Friedrich Wilhelm Hans-Joachim-Zögling-RA-No. 1605, In: Walter von Leers: Die Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H. 1705–1913. Hrsg. Verein der ehemaligen Zöglinge der Ritterakademie zu Brandenburg a. H., Buchdruckerei P. Riemann, Selbstverlag, Belzig / Ludwigslust 1913, S. 368. war Gutsbesitzer von Beetzendorff II, bezeichnet als Lieberoser Hof, mit 477 ha. Beetzendorf I, auch Großer Hof genannt, mit Vorwerk Klein-Wohlgemuth, zusammen 542 haOskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch Provinz Sachsen. . Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band V, 3. Auflage, (Kreis Salzwedel), Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 72–73. Digitalisat leitete Adolf Friedrich von der Schulenburg, königlich preußischer Oberförster. Diese beiden von der Schulenburg-Beetzendorf-Güter waren 1922 verpachtet. Des Weiteren gab es als Begüterung derer von der Schulenburg den Apenburger Hof. Letzter Gutsbesitzer auf Beetzendorf und Gerbstedt war Job Werner von der Schulenburg (1909–1998), später TrägerChristina von Flotow-Stuer: Deutsches Adelsblatt. Mitteilungsblatt der Deutschen Adelsverbände. Siebenunddreißigster Jahrgang, Nummer 11, Ernst Knoth Melle, Selbstverlag, Westerbrak/Kirchbrak, 15. November 1998, S. 313. des Bundesverdienstkreuzes.

Bis um 1600 erhielt die Burg Beetzendorf einen festungsartigen Ausbau mit Wassergräben. Die Burganlage wertete das Geschlecht auf, das von da an als schlossgesessen, zur oberen Stufe des altmärkischen Adels gehörte. Im 17. Jahrhundert siedelten sich die Mitglieder der adligen Familie im Dorf Beetzendorf und der Umgebung an, sodass die Befestigungsanlagen nutzlos wurden. Im Dreißigjährigen Krieg war die Burg nicht mehr verteidigungsfähig. Die letzte Kanone wurde 1642 verkauft; 1780 wurden weitere Teile der Burganlage abgerissen. Heute sind von der Burg nur noch Ruinen übrig, die im Hochwald des Beetzendorfer Parkes liegen. Es handelt sich um das nördliche Burgtor, das im 19. Jahrhundert rekonstruiert und an das im 20. Jahrhundert eine Freilichtbühne angebaut wurde. Unweit davon befindet sich der etwa 20 Meter hohe Bergfried aus rotem Backstein. Am Rande des Parks wurde eine Sumpfzypressenallee angelegt.

1967 wurde das Gebäude für die damalige Polytechnische Oberschule errichtet, vor der eine Plastik mit zwei flötenspielenden Mädchen von Dieter Borchhardt aufgestellt wurde.

Von 1952 bis 1994 lag Beetzendorf im Kreis Klötze (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 1994 gehört die Gemeinde zum Altmarkkreis Salzwedel.

Wüstung Drenik

Die Wüstung liegt etwa 1,6 Kilometer östlich des Dorfes RohrbergFundstelle Nr. 59 Drenik, In: Vgl. Wilhelm Zahn: Die Wüstungen der Altmark. In: Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete. Band 43, Verlag Hendel, Halle a.S. 1909, S. 60–61. und 1,5 Kilometer nordwestlich von Beetzendorf im Laubwald Dränick. Johann Christoph Bekmann berichtete im 17. Jahrhundert von Überresten des Dorfes. Er schreibt „Dremik ist ein nach Bezendorf gehöriges Gehölze, in welchem ein Schloss gelegen namens Nichau.“

Eingemeindungen Am 30. September 1928 wurden die Hauptteile der Gutsbezirke Beetzendorf I und Beetzendorf II mit der Landgemeinde Beetzendorf vereinigt. Am 20. Juli 1950 wurde Käcklitz in die Gemeinde Beetzendorf eingemeindet. Am 22. März 1970 folgte Audorf. Am 1. Januar 2004 wurde Gischau mit seinen Ortsteilen Klein Gischau und Groß Gischau nach Beetzendorf eingegliedert.Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, Hrsg. StBA Wiesbaden. Am 1. Januar 2009 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Bandau (mit Ortsteilen Peertz und Poppau), Jeeben (mit Ortsteil Darnebeck), Hohentramm (mit Ortsteilen Siedengrieben und Stapen), Mellin und Tangeln (mit Ortsteil Neumühle) nach Beetzendorf eingemeindet.Gebietsänderungen am 01.01.2009., Hrsg. StBA Wiesbaden. Das Gemeindegebiet vergrößerte sich seit 2003 von 25,46 km² auf 97,17 km².

Bevölkerung Gemeinde Jahr Einwohner 1730 226 1733 225 1740 259 1750 338 1770 547 1774 535 Jahr Einwohner 1780 568 1800 579 1801 474 1818 649 1840 971 1848 971 Jahr Einwohner 1864 864 1871 855 1885 784 1895 1.006 1905 1.174 1925 1.500 Jahr Einwohner 1939 1.716 1946 2.386 1964 2.344 1971 2.382 1981 2.206 Jahr Einwohner 1990 2.035 2005 1.985 2010 3.365 2015 3.236 2020 3.108 Jahr Einwohner 2021 3.083 2022 2.992 2023 2.962 2024 2.913 2025 2.870

ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Gut I Jahr Einwohner 1864 139 1871 132 1885 112 1895 120 1905 93 Gut II Jahr Einwohner 1864 74 1871 87 1885 97 1895 92 1905 105 Kernort Jahr Einwohner 2015 1.555 2018 1.536Siehe: "EW-2018". 2020 1.502 2021 1.495"EW-2021", In: Anke Pelczarski, 2022. 2022 1.479 2023 1.459

Quelle, wenn nicht angegeben, bis 2006

Religion Laut Volkszählung in der Europäischen Union 2011 gehörten von den Einwohnern der Gemeinde Beetzendorf rund 30 % der evangelischen und rund 3 % der katholischen Kirche an.

Die evangelische Kirchengemeinde Beetzendorf, die früher zur Pfarrei Beetzendorf gehörte, wird heute betreut vom Pfarrbereich Beetzendorf des Kirchenkreises Salzwedel im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Beetzendorf stammen aus dem Jahre 1597.

Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Hildegard in Gardelegen im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Beetzendorf besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 16 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 62,9 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Wählergemeinschaft . . 30,8 % 5 AfD – – 16,0 % 1 CDU 18,3 % 3 15,2 % 2 Liste Tangeln . . 7,4 % 1 Gemeinsam 38489 . . 7,2 % 1 Bürgerforum Bandau . . 6,8 % 1 Bürgerstimme Beetzendorf . . 5,5 % 1 Wählergemeinschaft Mellin . . 4,3 % 1 Bürgerliste Hohentramm, Siedengrieben, Stapen, Gischau . . 3,7 % 1 Freie Liste Jeeben-Darnebeck . . 3,1 % – SPD 11,1 % 2 – – Die Linke 3,5 % – – – Insgesamt 100 % 16 100 % 14

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD drei Sitze, von denen zwei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister 1992–2015: Heinrich Schmauch 2015–2022: Lothar Köppe (CDU) seit 2022: Enrico Lehnemann

Köppe wurde bei der Bürgermeisterwahl am 22. Februar 2015 ohne Gegenkandidat mit 100 % der gültigen Stimmen gewählt.

Lehnemann wurde bei der Bürgermeisterwahl am 6. März 2022 mit 60,2 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 6. März 2022 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61

Wappen Das Wappen wurde am 1. März 1938 durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verliehen.

Blasonierung: „In Silber über blauen Wellen eine dreitürmige rote Burg mit blauen Dächern. Im offenen Tore 3 (2 : 1) rote Adlerbeine.“Siehe: "Hauptsatzung".

Die Burg Beetzendorf an der Jeetze (daher die Wellen) ist seit dem 14. Jahrhundert im Besitz derer von der Schulenburg, deren Wappen die drei Adlerbeine entnommen sind. Der Ort führt das Bild des Wappens nachweisbar seit über 50 Jahren im bisherigen Siegel.

Das Wappen wurde vom Staatsarchivrat Otto Korn gestaltet.

Sehenswürdigkeiten

Evangelische Marien-Kirche, 1736 als barocker ZentralbauPorträt bei Beetzendorf-Diesdorf.de, abgerufen am 5. März 2013. nach dem Vorbild der Potsdamer Garnisonkirche erbaut, ihr Fachwerkturm wurde 1926 durch einen massiven Turm ersetzt. Auch die Orgel wurde später erneuert. Die Kirche befindet sich an der Straße Beverhol, ihre Kirchengemeinde gehört zum Kirchenkreis Salzwedel. Weitere evangelische Kirchen befinden sich in den Ortsteilen der Gemeinde. Katholische Kirche Mariä Himmelfahrt am Steinweg, 1937/38 erbaut, gehört heute zur Pfarrei St. Hildegard mit Sitz in Gardelegen. Zuvor befand sich bereits eine 1911 errichtete katholische Notkapelle in Beetzendorf, sie wurde zwischenzeitlich abgerissen.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Ehemaliger Bahnhof Beetzendorf Beetzendorf liegt an der Landesstraße L 11 zwischen Rohrberg und Apenburg. Die B 248 zwischen Salzwedel und Brome führt rund drei Kilometer westlich am Ort vorbei.

Der öffentliche Personennahverkehr wird unter anderem durch den PlusBus des Landesnetzes Sachsen-Anhalt erbracht. Folgende Verbindung führt durch Beetzendorf: PlusBus-Linie 300: Salzwedel ↔ Beetzendorf ↔ Klötze ↔ Wolfsburg

Den Busverkehr im Altmarkkreis Salzwedel betreibt die Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel.