mini|Hinweisschild - Durchfahrt für das Personal der ausländischen Militärverbindungs-Missionen ist verboten! Eine Militärverbindungsmission (kurz MVM) war eine Armeebehörde, die von den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs zur Kommunikation mit einer der anderen drei Mächte im besetzten Deutschland eingerichtet wurde, wobei gegenseitig Personal in die jeweiligen Besatzungszonen entsandt wurde. In der Realität wurden diese jedoch nur jeweils zwischen der Sowjetunion und den drei Westmächten eingerichtet, nicht zwischen den Westmächten untereinander. Eine Mission durfte in der fremden Besatzungszone einen Amtssitz unterhalten und Überwachungs- sowie Kontrollfahrten durchführen. Diese Rechte blieben auch nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Gründung der DDR bestehen und wurden in der Zeit des Kalten Krieges zur Spionage im jeweils anderen Teil Deutschlands verwendet. Auch für die Militärverbindungsmissionen gab es gesperrte und besonders gekennzeichnete Bereiche.

Die Militärverbindungsmissionen sind nicht zu verwechseln mit den Militärmissionen beim Alliierten Kontrollrat für das besetzte Deutschland, über die insgesamt 15 am Zweiten Weltkrieg beteiligte Staaten in Berlin ihre Belange gegenüber den Siegermächten vertraten.

Geschichte Früheste Grundlage für die Militärverbindungsmissionen war das Londoner Abkommen über die Kontrolleinrichtungen in Deutschland zwischen Großbritannien, den USA und der Sowjetunion vom 14. November 1944, dem Frankreich im März 1945 beitrat. Darin kamen die Alliierten überein, in den späteren Besatzungszonen Deutschlands gegenseitige Verbindungsmissionen bei den Oberbefehlshabern der jeweiligen anderen Besatzungszonen zu akkreditieren. Nach dem Krieg existierten jedoch zunächst nur Erkundungsteams der Vier Mächte, die im Englischen als FIATs (Field Information Agency, Technical) bezeichnet wurden. Diese hatten die Aufgabe, die verbliebene technische Infrastruktur Deutschlands zu erfassen, insbesondere um das Land zu demilitarisieren, technische Entwicklungen und Fachpersonal zu übernehmen und Reparationsleistungen festzulegen. Zudem suchten sie nach Kriegsverbrechern sowie eigenen Vermissten, Kriegsgefangenen, Überläufern und Deserteuren. Um diese Aufgaben angesichts zunehmender Spannungen zwischen der Sowjetunion und den Westmächten auf sicherer rechtlicher Grundlage auch im jeweils anderen Teil Deutschlands wahrnehmen zu können, kam es schließlich zu Abkommen über die Militärverbindungsmissionen.Tony Geraghty: BRIXMIS. The untold exploits of Britain’s most daring Cold War spy mission. London 1996, S. 5–9.

The British Commanders’-in-Chief Mission to the Soviet Forces in Germany (BRIXMIS) Die erste der drei westlichen Missionen war die britische, die durch ein Abkommen der jeweiligen Oberbefehlshaber General Brian Robertson und Generaloberst Michail Sergejewitsch Malinin am 16. September 1946 zustande kam. Darin räumten sich beide Seiten gegenseitig das Recht ein, einen Missionschef und zehn weitere Offiziere sowie 20 Mannschaftsdienstgrade in der Nähe des Hauptquartiers der jeweils anderen Seite zu stationieren. Diese genossen Bewegungsfreiheit mit einer Beschränkung für vorab mitgeteilte Bereiche. Weiterhin wurde der ungestörte Nachrichtenverkehr garantiert sowie die Immunität der Gebäude zugesichert. Anfragen zum Besuch des Hauptquartiers oder anderer Militäreinrichtungen der Gastmacht mussten innerhalb von 72 Stunden beantwortet werden. Die Versorgung der Mission musste jeweils von der gastgebenden Seite gewährleistet werden.Text des Robertson-Malinin-Abkommens, zitiert nach: Tony Geraghty: BRIXMIS. Anhang VIII.

Die Hauptaufgabe der Mitarbeiter war zwar die Kommunikation, aber sie konnten auch als Repräsentanten ihrer Staatsbürger innerhalb der Besatzungszone fungieren. Bis Ende der 1950er Jahre hatte auch die Royal Navy Offiziere in der Verbindungsmission, danach nur noch die Royal Air Force und die British Army. Die britische Mission war mit einem Umfang von 31 akkreditierten Militärpersonen, der später durch in West-Berlin stationiertes Unterstützungspersonal auf über 90 stieg, mit Abstand die größte in der sowjetischen Besatzungszone.

Zunächst hatte die Mission ihr Gebäude in der Nähe des Kaiserbahnhofs in Potsdam. Am 18. Juli 1958 wurde dieses von einer Menschenmenge angegriffen. Die sowjetische Seite zahlte 1.200 britische Pfund Entschädigung und stellte ein neues Gebäude in der Seestraße 35/37 (Heiliger See) in Potsdam zur Verfügung, bei dem es sich um ein Haus von 1890 handelte, das bis 1945 wahrscheinlich ein Privathaus war.Tony Geraghty: BRIXMIS. S. 73–75.

Die britische Mission beendete ihre Arbeit am 2. Oktober 1990.

US Military Liaison Mission (USMLM) Das Abkommen zur Einrichtung einer US-amerikanischen Militärverbindungsmission wurde im März 1947 von dem US-Generalleutnant Clarence R. Huebner und dem sowjetischen Generaloberst Malinin unterzeichnet. Dieses entsprach im Wesentlichen dem Robertson-Malinin-Abkommen. Die Größe der gegenseitigen Missionen wurde jedoch auf 14 Militärpersonen beschränkt, womit diese die kleinsten waren. Hinzu kam Hilfspersonal, zu dem jedoch keine politischen Repräsentanten gehören durften. Archiv der US Army Europe; abgerufen am 10. Dezember 2011.

Der US-amerikanischen Mission wurde die Villa von Diringshofen im Potsdamer Ortsteil Neu Fahrland zur Verfügung gestellt. Sie beendete ihre Arbeit am 1. Oktober 1990. Neben der offiziellen Potsdamer Villa wurde in Berlin, Ortsteil Dahlem die sogenannte Keitel-Villa genutzt.

La Mission Militaire Française de Liaison (MMFL) Zuletzt schloss Frankreich im April 1947 ein solches Abkommen ab, welches von den Oberbefehlshabern Charles Jean Roger Noiret und Michail Sergejewitsch Malinin unterzeichnet wurde. Die Missionen waren auf 18 Militärpersonen, darunter 6 Offiziere, beschränkt. Zunächst war man in fünf von den Sowjets beschlagnahmten Villen untergebracht, wobei die Lebensverhältnisse aber sehr spartanisch waren. Später zog die französische Mission in das Landhaus Prölls am Potsdamer Heiligen See (Seestraße 41/42) um und befand sich damit in unmittelbarer Nähe der britischen Mission.

Die Mission stellte ihre Aktivitäten am 30. Juni 1990 ein.Klaus Behling: Spione in Uniform. S. 288 f.

Sowjetische Militärverbindungsmissionen (SMM) mini|Permanente Sperrgebiete für die SMM im Bereich der ehemaligen britischen Besatzungszone (1970). mini|Ehemals britisch besetzter Wachposten in Bünde, wo SOXMIS inmitten einer britischen Offizierssiedlung ihren Stützpunkt unterhielt. mini|Tafel für NATO-Soldaten zur Identifikation von SOXMIS-Agenten Sowjetische Militärverbindungsmissionen waren nach dem Gegenseitigkeitsprinzip bei allen drei Oberkommandierenden der West-Alliierten akkreditiert:

in der britischen Zone als „Soviet Military Mission BAOR“ (SMM BAOR; umgangssprachlich auch SOXMIS), Missionsgebäude zunächst bis Ende 1956 in Bad Salzuflen, später kurzzeitig in Lübbecke und ab Mitte 1957 in Bünde/Westfalen;, abgerufen am 11. Dezember 2011.

in der amerikanischen Zone als „Soviet Military Mission USAREUR“ (SMM USAREUR), Missionsgebäude in Frankfurt-Niederrad, zunächst in der Neuwiesenstraße, später in der Gerauer Straße und schließlich in der Goldammerstraße;

in der französischen Zone als „Mission militaire sovietique CCFA“ (MMS CCFA), Missionsgebäude in Baden-Baden, 1957 zwischenzeitlich in Baden-Oos und schließlich wieder in der Zeppelinstraße in Baden-Baden.Klaus Behling: Spione in Uniform. S. 13.

Die SMM unterstanden direkt dem Oberkommandierenden der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD), dessen Hauptquartier in Potsdam-Babelsberg, später in Wünsdorf, lag. Das Personal der SMM bestand aus Offizieren und Unteroffizieren, die ausnahmslos dem militärischen Geheimdienst der Sowjetunion (GRU) angehörten.

Wie die westlichen Missionen hatten die SMM de facto diplomatischen Status. Sie durften sich jedoch nur in der jeweiligen Zone der Akkreditierung frei bewegen (militärische Sperrgebiete ausgenommen). Nur mit spezieller Genehmigung der anderen Oberkommandierenden konnten SMM-Fahrzeuge die anderen Zonen befahren, beispielsweise für Dienstreisen. SMM-Kuriere, die zwischen dem Hauptquartier der GSSD in Wünsdorf und den sowjetischen Missionen in der Bundesrepublik unterwegs waren, hatten spezielle Durchreisekarten aller drei Zonen. Der Grenzübertritt zwischen Bundesrepublik und DDR (und umgekehrt) erfolgte für die SMM über den Kontrollpunkt der Alliierten in Helmstedt/Marienborn. SMM-Fahrzeuge durften sich in der DDR und Ost-Berlin frei bewegen, aber nicht in die Westsektoren Berlins ein- oder durchreisen.

Sowjetische Militärinspektionen (MI) machten von ihren alliierten Rechten zum Aufenthalt in den drei Westsektoren Berlins (amerikanischer, französischer, britischer Sektor) Gebrauch und klärten dort Militärobjekte auf. Es waren täglich sowjetische Fahrzeuge auf Patrouille in West-Berlin. Sie benutzten zum Grenzübertritt in die Westsektoren den Checkpoint Charlie.

Die letzte sowjetische Mission verließ am 1. Januar 1991 Baden-Baden.Klaus Behling: Spione in Uniform. S. 289.

Tätigkeit Die Militärverbindungsmissionen betrieben zunächst weiterhin vorwiegend wirtschaftliche Überwachung einschließlich der landwirtschaftlichen Produktion. Mit der Verschärfung des Ost-West-Konflikts änderte sich auch der Auftrag der Missionen. Da sich deren Mitglieder – von besonderen gesperrten Bereichen abgesehen – frei bewegen konnten, konnten die früheren Verbündeten militärische Aufklärung direkt in den Besatzungszonen der Gegenseite und später in den beiden deutschen Staaten betreiben. Dabei traten sie in Uniform und offiziell markierten Fahrzeugen, unbewaffnet und ohne Funkausrüstung auf. Sie versuchten insbesondere Truppenbewegungen und neues Militärgerät fotografisch zu dokumentieren und elektronisch aufzuklären. Zudem bargen sie liegen gebliebene Ausrüstung und Munition von Übungsplätzen, erkundeten die Transportkapazitäten von Straßen und Bahnstrecken, vermaßen Fahrzeuge und montierten gelegentlich Teile davon ab. Auch führten sie Informanten;Steve Gibson: The Last Mission. Behind the Iron Curtain. S. 98. die sowjetischen Missionen betrieben darüber hinaus weitere nachrichtendienstliche Methoden wie den Austausch mit Agenten über tote Briefkästen.Christopher Winkler: Die Westmächte und ihre militärischen Verbindungsmissionen in Potsdam. In: Mission erfüllt. Die militärischen Verbindungsmissionen der Westmächte in Potsdam von 1946 bis 1990. Berlin 2004, S. 28.

Die Teams der westlichen Missionen durchsuchten regelmäßig Müllkippen in der Nähe sowjetischer Militärstandorte. Bei diesen Operationen, von den Briten „Tamarisk“, später „Tomahawk“ genannt, von den Amerikanern „Sand Dune“,James M. Warford: The U.S. Military Liaison Mission, Its Tri-Mission-Partners and the Quest for the ‘Holy Grail’. In: Armor Magazine. November–Dezember 2011, S. 37–40 (erweiterte Online-Fassung des Artikels). wurden unter anderem zahlreiche Geheimunterlagen gefunden, die von den Truppen teilweise als Ersatz für unzureichend vorhandenes Toilettenpapier verwendet worden waren. Krankenhausabfälle lieferten zudem Erkenntnisse über die Gesundheitssituation in der GSSD und Verwundungen – einschließlich durch chemische Waffen – sowjetischer Soldaten in Afghanistan, die zur Behandlung in die DDR verlegt worden waren.Steve Gibson: The Last Mission. Behind the Iron Curtain. S. 65–84.