mini|Deutsches Nachschublager mit Trainfahrzeugen in der Etappe in Belgien (vermutlich Herbst 1914) alternativtext=Königlich bayrische Trainabteilung auf einem Denkmal in München|mini|Königlich bayrische Trainabteilung auf einem Denkmal in München Train (gesprochen [ˈtʀɛ̃ː]; von franz. train „Wagenzug, Tross, Fuhrwesen“) war in der deutschen und französischen Militärsprache zwischen dem 18. und dem frühen 20. Jahrhundert die Bezeichnung für das militärische Transportwesen. Das Wort „Train“ bezeichnet eine Kolonne von Fahrzeugen oder Packtieren, die Material für die Truppen transportiert, oder eine militärische Einheit, die auf den Transport bestimmter Militärgüter wie z. B. Proviant, Munition, Brückengerät, Sanitätsmaterial oder Belagerungsgerät spezialisiert ist.Militärgeschichtliches Institut der DDR (Hrsg.): Wörterbuch zur deutschen Militärgeschichte. 1985, s. v. MilitärtransportwesenBernhard von Poten: Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften. 1879, s. v. Train Dabei unterschied man außerdem noch zwischen dem Train der taktischen Einheiten wie etwa Regimentern, Brigaden oder Divisionen und der Heeresadministration, die verschieden ausgerüstet und organisiert waren. Die verschiedenen Aufgaben des Trains übernahmen ab 1920 in der Reichswehr bzw. Wehrmacht und zunächst auch in der Bundeswehr die Nachschubtruppen. Sie werden heute von den Logistiktruppen erledigt. mini|Maultier- oder Trainkolonne der Schweizer Armee In der Schweizer und österreichischen Armee finden sich heute noch „Train“ genannte Einheiten. Darunter versteht man heute aber ausschließlich Einheiten, die Transportdienste mit Tragtieren, insbesondere Pferden und Maultieren, zur Verfügung stellen. In der Gebirgstruppe der Bundeswehr geschieht dies durch das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen 230 in der Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall. In der Französischen Armee heißen die Versorgungstruppen immer noch Train.
Zur Entwicklung des Trains mini|hochkant=0.7|Kurhannoverscher Trainknecht um 1760
Bereits die Heere des Altertums und des Mittelalters wurden während der Kriege von Fuhrwerken des Trosses begleitet, welche die Soldaten mit allen Gütern zu versorgen hatten, die diese zum Kampf brauchten und zum Leben benötigten. Die Fahrzeuge und die Fuhrknechte hatte damals in der Regel die Landbevölkerung der Region zu stellen, durch welche die Armee gerade zog. Dieses Verfahren änderte sich erst allmählich mit dem Aufkommen stehender Heere, als man zumindest ansatzweise begann, den Tross und das Lagerleben militärisch zu organisieren. Trotzdem wurde auch nach dem Dreißigjährigen Krieg noch immer der Tross nach jedem Krieg vollständig aufgelöst, was nicht nur den Aufbau einer inneren Organisation verhinderte, sondern auch die Weitergabe von Erfahrungswerten.Hermann Meynert: Geschichte des Kriegswesens und der Heerverfassungen. 1869, Bd. 3, S. 41ff
Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Fuhrwesen in den größeren Armeen jener Zeit straffer organisiert und erstmals auch spezialisierte Transporteinheiten aufgestellt. Zur Zeit von König Friedrich II. von Preußen wurde auch das Wort „Train“ in die deutsche Militärsprache übernommen. In Österreich sprach man damals – und noch lange Zeit danach – von der „Roßpartei“, wenn man über die Nachschubfahrzeuge und Munitionswagen der Artillerie redete. Während des Krieges mit Preußen wurde in Österreich zwischen 1746 und 1749 das Verpflegungswesen des Heeres durch mehrere neue Gesetze reglementiert. Die Requirierungen von Lebensmitteln auf dem Land sollten durch die verstärkte Anlage von Magazinen und die Maßgabe, den Proviant zum marktüblichen Preis zu kaufen, gemildert werden. Die „Spannpflicht“ für die Landbevölkerung, also die zwangsweise Stellung von Zugtieren, wurde dadurch abgeschwächt, dass die Heeresverwaltung während des Krieges eigene Bespannungsabteilungen für Fuhrwerke aufstellen ließ.Hermann Meynert: Geschichte des Kriegswesens und der Heerverfassungen. 1869, Bd. 3, S. 177–182. Allerdings wurde bis Mitte des 18. Jahrhunderts noch die Roßpartei nach jedem Feldzug wieder aufgelöst. Erst Kaiser Joseph II. schuf 1782 dann mit dem „Militärverpflegsfuhrwesenkorps“ eine dauerhafte Nachschuborganisation und war damit allen anderen Armeen seiner Zeit weit voraus. Das „Militärverpflegsfuhrwesenkorps“ umfasste im Frieden zunächst 18 „Divisionen“, die jeweils rund 150 Mann stark waren und 25 vierspännige Transportwagen sowie 320 Pferde besaßen. Die „Division“ entsprach somit einer Kompanie oder Eskadron des 19. Jahrhunderts. Bei einer Mobilmachung sollten diese Divisionen verstärkt und in ihrer Anzahl vermehrt werden. Zu Beginn der Koalitionskriege im Jahre 1792 wurde die Anzahl der Divisionen auf 96 vermehrt und deren Stärke auf mehr als 200 Mann angehoben.Geschichte des österreichischen Trains im 18. Jahrhundert in: k.u.k. Kriegsarchiv (Hrsg.): Krieg gegen die französische Revolution 1792–1797. Bd. 1, 1906, S. 248–252.
Allerdings wurde die Entwicklung zur besseren Versorgung der Truppen mit der Umwandlung des Trains in reguläre militärische Einheiten wieder unterbrochen, als die französische Revolutionsarmee den Tross und die Nachschubmagazine kurzerhand abschaffte. Die Soldaten waren damit wieder auf die Requirierung ihres Lebensunterhaltes angewiesen, was in der Praxis jedoch in unkontrollierbare Plünderungen ausartete. Auch die anderen mitteleuropäischen Heere ahmten damals diese Methode nach und schafften zumindest zeitweise ebenfalls Tross und Magazinwesen ab, um die Mobilität der Truppen zu verbessern. Da dies letztlich nur kurzfristig von Vorteil war, reorganisierte der französische Kaiser Napoleon bereits nach 1805 das Nachschubwesen in seiner Grande Armée wieder und schuf bis 1812, also bis zum Beginn des Feldzuges gegen Russland, als dauerhafte Organisation 26 Equipagen-Bataillone (d. h. Train-Bataillone) mit über 6000 Pferde- und Ochsenfuhrwerken, die allerdings für eine Armee von etwa 600.000 Mann unzureichend war. Während der Befreiungskriege wurde jeder preußischen Brigade eine Train-Kompanie zugeteilt.
Im Allgemeinen bestanden die Trains der meisten europäischen Heere auch nach 1815 in Friedenszeiten nur aus kleinen Einheiten, die als sogenannte „Traincadres“ dienten. Sie führten in Preußen den Namen „Trainbataillon“, hießen in Österreich „Trainregiment“ und „Trainescadron“ in Frankreich. Diese „Traincadres“ waren im Frieden, wenn die Armeen nur einen kleinen Train benötigten, vor allem zuständig für die einheitliche Ausbildung von Wehrpflichtigen für den Dienst bei den Trains im Kriegsfall. Zum Train gehörten während des 19. Jahrhunderts auch die Feldpost, der Transport von Kriegskassen und speziell in Frankreich auch der „Armeepark“ oder „Große Park“, welcher der Armee nachfolgte und der unter anderem die Reserveartillerie und diverse Handwerkerkolonnen mit ihren mobilen Werkstätten mit sich führte.Wilhelm Rüstow: Militärisches Hand-Wörterbuch. 1859, s. v. Train
Das Fuhrwesen in Österreich während des 19. Jahrhunderts Das bereits von Kaiser Joseph II. ursprünglich unter der Bezeichnung Militärverpflegsfuhrwesenkorps errichtete Militärfuhrwesen-Korps besaß Vorbildcharakter für die Errichtung des preußischen und französischen Trainwesens, auch wenn es danach eine eigene Entwicklung nahm.
Das österreichische Militärfuhrwesen-Korps teilte sich nach dem Ende der napoleonischen Kriege grundsätzlich in eine Bespannungsdivision für die Zugtiere, die Fuhrknechte, das Geschirr, die Hilfsfahrzeuge und alle dafür notwendigen Einrichtungen, wie zum Beispiel die Schmiede und eine Transportdivision, wobei in jedem der Kronländer mindestens jeweils eine Bespannungsdivision und eine Transportdivision stationiert waren. Das gesamte Fuhrwesen unterstand einem Fuhrwesen-Korpskommando in Wien. Im Jahr 1850 wurden die Bespannungsdivisionen allerdings wieder vom Militärfuhrwesen-Korps getrennt und die Bespannungen den einzelnen Waffengattungen zugewiesen.
Nach der Niederlage im Deutschen Krieg 1866 und dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich 1867 umfasste das Militärfuhrwesen-Korps um 1878 als Friedensetat: 36 Fuhrwagen-Feld-Eskadronen, 6 Fuhrwagen-Ergänzungs-Eskadronen, 6 Fuhrwesen-Material-Depots sowie 7 Fuhrwerksdetachements. Diese sollten im Kriegsfall für jedes Armeekorps auf je ein Armeekorps-Fuhrwesen-Kommando erweitert werden. Außerdem sollten jeder Truppendivision, jedem Armeekorps, jedem Armeeoberkommando und jeder Armee-Intendanz eine Fuhrwagen-Feld-Eskadron zugewiesen werden. Darüber hinaus sollte noch jedes Armeekorps eine Kriegsbrücken-Equipagen-Eskadron samt Bespannung erhalten. Die Fuhrwagen-Feld-Eskadron entsprach in etwa einer Kompanie von der Infanterie.Bernhard von Poten: Handwörterbuch der gesamten Militärwissenschaften. 1879, s. v. Fuhrwesen, s. v. Österreich-Ungarn, s. v. Train
Mit der Aufstellung von je einem Trainbataillon pro (Friedens-)Armeekorps organisierte Österreich-Ungarn 1910 sein Trainwesen schließlich ähnlich wie das Deutsche Heer. Weitere Entwicklung des Militär-Fuhrwesens in Österreich-Ungarn im frühen 20. Jahrhundert:
Preußen und Deutsches Reich im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Bagagen und Train Bei den Bagagen, abgeleitet vom französischen Wort Bagage für Gepäck, des Heeres handelte es sich ursprünglich um die Gepäckwagen mit der persönlichen Habe der Soldaten. Später wurde mit der Bagage auch die gesamte Ausrüstung für die Handwerker wie Sattler, Schmiede, Schneider und Schuster, die Kompanieschreibstube sowie die Lebensmittel und das Futter für den unmittelbaren Bedarf mitgeführt.
Auch im Heer des Kaiserreichs nach 1871 unterschied man noch immer grundsätzlich zwischen der Bagage und dem Train. Nach der Dienstanweisung von 1908 dienten die Bagagen „dem engeren Wirtschaftsbetrieb der Truppe“. Die Fuhrwerke der Bagagen hatten danach alles zu transportieren, was die Truppen in den Ruhephasen oder während eines Gefechtes für den ersten Bedarf benötigen, wie dem persönlichen Gepäck, der Ausrüstung, Geräte, Lebensmittel, dem Futter für die Pferde und der Munition. Weiter führten sie auch die notwendigen Mittel für die Erstversorgung von Verwundeten und Kranken mit sich. Die Bagage, welche die Truppen begleitete, machte diese für kurze Zeit, in der Regel drei Tage, vom Nachschub unabhängig. Zu diesem Zweck besaß 1914 beispielsweise jedes Infanteriebataillon 19 Wagen und aus diesem Grund gehörten die Munitionskolonnen der Artillerie, die Munition für den unmittelbaren Bedarf für größeres Gefecht mit sich führten, einschließlich der mobilen Feldküchen, nicht zum Train, sondern zu den entsprechenden Einheiten.Hermann Cron: Geschichte des Deutschen Heeres im Weltkriege 1914 – 1918. Berlin 1937, passim.
Im Gegensatz zur Bagage brachte der Train alles heran, was die Armee für die längerfristige Versorgung und Unterhalt benötigte. Daher hatten die Wagen der Bagage die Truppen aufs Gefechtsfeld zu begleiten, während der Train der Armee nur bis zu einem rückwärtigen Versorgungspunkt folgte.Dienstanweisung für Bagagen, Munitionskolonnen und Trains. Berlin 1908, S. 1–20. Die Bagage diente folglich als Transportmittel der Truppen, der Train war für den Nachschub und die längerfristige Versorgung der Armee zuständig. Für die Eigenversorgung besaßen jedoch nicht nur die eigentlichen Feldeinheiten Infanterie, Kavallerie oder Artillerie, sondern auch die Kolonnen bzw. im Frieden die Kompanien des Trains zusätzlich über vier oder fünf Bagagewagen zum Transport ihres alltäglichen Bedarfs.
Friedensorganisation des Trains vor 1914 mini|upright=0.85|Sächsischer Trainsoldat 1901