Tor ist ein Overlay-Netzwerk zur Anonymisierung von Verbindungsdaten. Es wird für TCP-Verbindungen eingesetzt und kann beispielsweise im Internet für Browsing, Instant Messaging, IRC, SSH, E-Mail oder P2P benutzt werden. Tor schützt seine Nutzer vor der Analyse des Datenverkehrs. Es basiert auf der Idee des Onion-Routings. „TOR“ war ursprünglich ein Akronym für The Onion RoutingRe: OSI 1-3 attack on Tor? in it.wikipedia (englisch) – Erklärung von einem der Entwickler auf der Tor-Diskussionsliste, vom 13. Februar 2008 (abgerufen am: 2. Januar 2014) oder The Onion Router ( für Zwiebel). Da das Projekt den Namen nicht mehr als Akronym verwendet, schreibt sich „Tor“ nicht mehr in Versalien. Im Oktober 2022 nutzten täglich ca. 2 bis 2,5 Millionen Nutzer das Tor-Netzwerk.

Geschichte

Die ersten Ideen für Tor stammen aus dem Jahr 2000. Zwei Jahre später wurde die Arbeit an Tor durch Matej Pfajfar an der University of Cambridge begonnen. Darauf folgte am 20. September 2002 die Veröffentlichung der ersten Alpha-Version. In der Anfangszeit von 2001 bis 2006 wurde Tor durch das United States Naval Research Laboratory mit Unterstützung des Office of Naval Research (ONR) und der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), vertreten durch Paul Syverson, unterstützt.

Die weitere Entwicklung wurde vom Freehaven-Projekt unterstützt. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) unterstützte die Entwicklung von Tor zwischen dem letzten Quartal 2004 bis ins späte Jahr 2005 hinein. Im Dezember 2006 gründeten Dingledine, Mathewson und andere das Tor-Projekt, die The Tor Project, Inc, eine Non-Profit-Organisation für Forschung und Bildung, verantwortlich für die Aufrechterhaltung von Tor.Tor’s great rebranding, „The Daily Dot“ 26. März 2015 Abruf 12. 2015

Im März 2011 wurde das Tor-Projekt von der Free Software Foundation mit dem Preis für gesellschaftlichen Nutzen (englisch „social benefit“) ausgezeichnet. Als Grund wurde angegeben, dass Tor weltweit ca. 36 Millionen Menschen unzensierten Zugang zum Internet mit der Kontrolle über Privatsphäre und Anonymität ermögliche. Tor habe sich als sehr wichtig für die Oppositionsbewegungen im Iran und in Ägypten erwiesen. Im Jahr 2011 finanzierte sich das Projekt zu etwa 60 % aus Zuwendungen der US-Regierung und zu 40 % aus privaten Spenden.Tor Annual Report 2012 (PDF; 2,8 MB) S. 6.

Im Juni 2014 machte der Fall des Erlanger Studenten Sebastian HahnHahn unterhält eine Website zur Dokumentation seiner aktuellen diesbezüglichen Kommunikation (die Originalversion auf Deutsch ist hier zu finden). eine größere Öffentlichkeit und insbesondere den damals tagenden NSA-Untersuchungsausschuss darauf aufmerksam, dass die NSA neben der Bundeskanzlerin auch den Betreiber eines Tor-Knotens überwacht.Vgl. zum Beispiel Ole Reißmann: Tor-Netzwerk. Aktivisten trotzen der NSA. In: Spiegel Online vom 3. Juli 17, 2014, S. 23 Uhr oder , Tagesschau, 3. Juli 2014.

Seit Ende Oktober 2014 ist Facebook über eine eigene Adresse im Tor-Netzwerk erreichbar,facebookwkhpilnemxj7asaniu7vnjjbiltxjqhye3mhbshg7kx5tfyd.onion um damit den Zugang für Menschen zu erleichtern, in deren Ländern der Zugang zu Facebook durch Zensur erschwert wird.Facebook geht ins Tor-Netz. In: Heise onlineTor-Nutzer können nun leichter auf Facebook zugreifen. In: zeit.de DigiCert hat für Facebook eines der ersten TLS-Zertifikate für eine .onion-Adresse ausgestellt.

Die bisherige Tor-Führungsspitze, der Verwaltungsrat, hat im Juli 2016 sechs neue Mitglieder gewählt und ist gleichzeitig selbst zurückgetreten. Zu den zurückgetretenen zählen auch die Projektmitgründer Roger Dingledine und Nick Matthewson, die jedoch weiterhin die technische Entwicklung des Dienstes leiten. Zum neuen Aufsichtsgremium gehören unter anderem der prominente Kryptologe Bruce Schneier und die Leiterin der Electronic Frontier Foundation, Cindy Cohn.Tor-Projekt tauscht Aufsichtsgremium aus, Axel Kannenberg, Heise online, 14. Juli 2016, Abruf 2. Juni 2017.

2019 stellten die British Broadcasting Corporation und die Deutsche Welle ihre Internetseiten über das Tor-Netzwerk bereit, um Zensurmaßnahmen von antidemokratischen Staaten zu umgehen. Twitter ging diesen Schritt 2022 in Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine.

Browser und Hilfsprogramme Tor-Browser

Der Tor-Browser (früher: ) enthält eine vorkonfigurierte Kombination aus Tor (Client) und einer modifizierten Version des Browsers Mozilla Firefox ESR mit dem Add-on NoScript. Dank der auf Einfachheit ausgelegten Software ist auch Laien ein schneller Einstieg in das Tor-Netzwerk möglich.What is Tor Browser? In: torproject.org, abgerufen am 24. Mai 2019 (englisch).

Die Standardsuchmaschine ist DuckDuckGo. Der Tor-Browser kann dabei wirksam sein, Filterblasen und Canvas Fingerprinting zu verhindern.

Tor-Browser für Android Der Tor-Browser für Android ist der einzige offizielle mobile Browser, der vom Tor-Projekt unterstützt wird. Am 21. Mai 2019 wurde die erste stabile Version für Android veröffentlicht. Noch im selben Jahr wurde der Browser Orfox offiziell durch den Tor-Browser für Android abgelöst. Orfox war ein speziell für das Tor-Netzwerk optimierter, quelloffener Browser für Android des Guardian Projects.

Onion Browser (Apple iOS) Der Onion Browser ist ein Browser für Apple iOS ab Version 5.1, der die Seitenaufrufe über das Tor-Netzwerk durchführt. Er ist kostenlos im iOS App Store erhältlich, die Quelldateien sind auf GitHub offen verfügbar.

Orbot Orbot ist ein quelloffener Tor-Proxy für Android, der bei Android-Geräten ab Version 2.0 den TCP-Internetverkehr durch das Tor-Netzwerk leiten kann. Alternativ können Apps einen SOCKS- oder HTTP(S)-Proxy nutzen. Die Portnummer kann in Orbot eingestellt werden. Einige Apps, zum Beispiel ChatSecure, F-Droid oder Xabber, bieten eine Option an, die es dem Nutzer erlaubt, den Traffic über Orbot zu leiten, ohne das genutzte Protokoll des Proxys und die Portnummer einstellen zu müssen. Eine weitere App namens OrWall kann sämtlichen Datenverkehr, der nicht durch Orbot geleitet wird, blockieren (siehe auch Firewall und Weiße Liste). Orbot kann die VPN-API von Android nutzen und den TCP-Traffic ausgewählter Apps über das Tor-Netzwerk leiten. Es sollte darauf geachtet werden, dass der Nutzer über eindeutige Gerätekennungen und Tracking-IDs trotzdem identifiziert werden kann.

Snowflake Snowflake stellt zensierten Internetnutzern den Zugang zum Tor-Netzwerk als Tor-Brücke über temporäre Proxys mittels WebRTC zur Verfügung. Diese Proxies werden über die Installation von Firefox- und Chrome-Plugins oder einer Browser- bzw. Standalone-Instanz von Freiwilligen ermöglicht. Nutzer der Snowflake-Brücke stellen dann über eine WebRTC-Verbindung zu dem Browser-Plugin oder der Proxy-Instanz her, der dann zwischen dem Snowflake-Proxy und der Snowflake-Brücke vermittelt. Dabei dient das Plugin nur als Vermittler zu der Snowflake-Brücke. Derzeit (Stand: Juli 2021) sind ungefähr 8.000 Snowflake-Proxies pro Tag verfügbar. Der Einzug als Standardbrücke in den Tor-Browser erfolgte in der Version 10.5. Im Zuge der Proteste im Iran 2022 und dem russischen Krieg gegen die Ukraine 2022 gab es viele Medienbeiträge, welche die Menschen im deutschsprachigen Raum darüber aufklärten, wie ein solcher Snowflake-Proxy den Menschen im Iran und Russland dabei helfen kann, die staatliche Internet-Zensur zu umgehen.

Integration von Tor in Betriebssystemen Tails

Tails () ist eine Debian-basierende Linux-Distribution und ein Betriebssystem. Sein Ziel ist es, den Datenschutz und die Anonymität im Internet für den Nutzer sicherzustellen. Um dies zu erreichen, setzt Tails auf die standardmäßige Nutzung des Tor-Netzwerks. Das System kann direkt als Live-System von einem USB-Speichermedium gebootet werden und hinterlässt dann keine Spuren auf dem genutzten Computer. Tails bietet eine vorkonfigurierte Arbeitsumgebung mit Programmen zur sicheren Kommunikation und dem sicheren Umgang mit Dateien. Als Desktop-Umgebung nutzt Tails Gnome. Als gedächtnisloses („amnesic“) Betriebssystem verwirft Tails standardmäßig alle Daten beim Herunterfahren. Ein verschlüsselter persistenter Speicher kann bei Bedarf eingerichtet werden, um Einstellungen und Dateien auf dem genutzten USB-Speichermedium dauerhaft zu sichern. Edward Snowden verwendete Tails, um im Juni 2013 Informationen über den NSA-Skandal an The Washington Post und The Guardian zu senden.

Whonix

Whonix ist eine Debian-basierende Linux-Distribution und ein Betriebssystem, das auf Privatsphäre, Sicherheit und Anonymität im Internet Wert legt. Das Betriebssystem besteht aus zwei virtuellen Maschinen, einer Workstation und einem Gateway für das Tor-Netzwerk. Die virtuelle Maschine Whonix Gateway ist verantwortlich für die Verbindung zum Tor-Netzwerk und stellt sicher, dass der Netzwerkverkehr ausschließlich über das Tor-Netzwerk stattfindet. Updates werden via Tor mit dem Debian apt-get-Paketmanager eingespielt. VirtualBox, Qubes OS und KVM werden als Virtualisierungssoftware unterstützt. Die Desktop-Umgebung ist Xfce. Installer werden für Windows, Linux, macOS und Qubes OS angeboten. Weiterhin ist der Betrieb als nichtpermanentes Live-System von einem USB-Speichermedium möglich.

Arbeitsweise mini|hochkant=2|Alice erzeugt eine anonyme Verbindung zu Bob durch das Tor-Netzwerk

Anonymes Surfen Die Software basiert auf dem Prinzip des Onion-Routings und wurde mit einigen Abwandlungen implementiert: Der Nutzer installiert auf seinem Computer einen Client, den sogenannten Onion-Proxy. Dieses Programm verbindet sich mit dem Tor-Netzwerk. In der Startphase lädt sich das Programm eine Liste aller vorhandenen und verwendbaren Tor-Server (englisch relays) herunter. Diese mit einer digitalen Signatur versehene Liste wird von Verzeichnisservern (englisch bzw. ) aufbewahrt. Deren öffentliche Schlüssel werden mit dem Tor-Quellcode geliefert. Das soll sicherstellen, dass der Onion-Proxy authentische Verzeichnisdaten erhält. Wenn die Liste empfangen wurde, wählt der Onion-Proxy eine zufällige Route über die Tor-Server. Der Client verhandelt mit dem ersten Tor-Server eine verschlüsselte Verbindung. Wenn diese aufgebaut ist, wird sie um einen weiteren Server verlängert. Diese Prozedur wiederholt sich, so dass eine Verbindungskette immer mindestens drei Tor-Server enthält. Jeder Server kennt seinen Vorgänger und seinen Nachfolger. Die Entwickler des Projektes wählten die Zahl Drei, um möglichst große Anonymität bei noch akzeptabler Verzögerungszeit zu erreichen. Der Erfolg hängt dabei davon ab, dass mindestens einer der Server vertrauenswürdig ist und ein Angreifer nicht schon den Anfangs- und Endpunkt der Kommunikation überwacht. Nachdem eine Verbindung aufgebaut worden ist, werden über diese Server die Daten versandt. Der letzte Server tritt dabei als Endpunkt der Kommunikation auf. Er wird als Exit- oder Austritts-Server oder -Knoten (englisch ) bezeichnet.

Der oben beschriebene Verbindungsaufbau wird in regelmäßigen Abständen wiederholt, und die Verbindungsstrecken werden nach etwa zehn Minuten gewechselt. Der erste Server („Guard“-Node) wechselt innerhalb von 2–3 Monaten nicht.

Die Pakete innerhalb des Tor-Netzwerkes werden immer verschlüsselt weitergegeben. Erst wenn der Exit-Knoten die Pakete weitergibt, können diese unter Umständen unverschlüsselt sein. Daher ist es weiterhin wichtig, Transportverschlüsselung und -Integritätsschutz einzusetzen, da der Betreiber eines Exit-Knotens ansonsten den gesamten Datenverkehr mitlesen und manipulieren kann.

Tor Onion Services

Tor ermöglicht, dass beide Seiten einer Kommunikation anonym bleiben. Der Abrufer von Informationen nutzt hierzu die vorgestellten Funktionen von Tor. Ein Anbieter von Informationen verwendet dabei , die früher versteckte Dienste (englisch ) genannt wurden: