rechts|420px|Montage wichtiger Ereignisse der 2010er Montage wichtiger Ereignisse der 2010er (zeilenweise von links nach rechts): Feierlichkeiten in Kairo nach dem Rücktritt Husni Mubaraks 2011 im Rahmen des Arabischen Frühlings; US-Präsident Barack Obama mit seinem Stab während der Operation zur Tötung Osama bin Ladens; Das Higgs-Boson wird 2012 vom CERN experimentell nachgewiesen; Die Internetnutzung über Smartphones verbreitet sich rasant; Bootsflüchtlinge im Mittelmeer während der Flüchtlingskrise 2015; Inauguration von Donald Trump 2017; Brexit-Referendum 2016; Die LGBT-Bewegung erreicht weltweit Erfolge wie das Recht auf Eheschließung __FORCETOC__ Die 2010er-Jahre umfassen die Jahre von 2010 bis 2019.
Der Beginn des Jahrzehnts liegt im Schein der verschärften Staatsschuldenkrise im Euroraum. Länder wie Griechenland, Spanien oder Italien haben mit schwerwiegenden Haushaltsdefiziten und daraus folgender hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Mithilfe von sogenannten Rettungsschirmen sollen diese Mitgliedsländer vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt werden. Aus diesem Grund beschließen die Staats- und Regierungschefs der gemeinsamen Währungszone im Dezember 2011 den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), der den betroffenen Staaten Notkredite und Bürgschaften zusichern soll.
Der Tod des Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi, der durch eine Selbstverbrennung seinen Protest gegen die demütigende Praxis der Regierung zum Ausdruck bringen wollte, entfacht am 17. Dezember 2010 wochenlange Massenunruhen in Tunesien, infolge derer der Präsident Zine el-Abidine Ben Ali entmachtet und zur Flucht gezwungen wird. In den anschließenden Monaten breiten sich die Aufstände in weiten Regionen Nordafrikas sowie Vorderasiens aus, was auch als Arabischer Frühling bezeichnet wird. So kommt es auch in Ägypten, Libyen und im Jemen zu Umstürzen bzw. Rücktritten der dortigen Staatsoberhäupter, während die Unruhen in Syrien in einen Bürgerkrieg mündeten.
Vor diesem Hintergrund und nicht zuletzt hinsichtlich der wachsenden Bedrohungslage durch den Islamischen Staat machen sich immer mehr Menschen auf den Weg über das Mittelmeer nach Europa, was zur Mitte des Jahrzehnts zu einer europaweiten Flüchtlingskrise und damit einhergehend in vielen EU-Mitgliedstaaten zu einer Erstarkung rechtspopulistischer sowie -extremistischer Parteien und gesellschaftspolitischen Spannungen führt. Auch in anderen Teilen der Welt kommt es zu einem Erstarken des Rechtspopulismus, was sich insbesondere in der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und der Wahl von Jair Bolsonaro zum Präsidenten von Brasilien ausdrückt.
Weitere Entwicklungen, die dieses Jahrzehnt die Weltpolitik beschäftigen, sind der anhaltende Korea-Konflikt, die massive Wirtschaftskrise in Venezuela, der Krieg in der Ukraine seit 2014, der Atomstreit mit dem Iran, die neuerlich angespannten Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten, der Brexit und der weltwirtschaftliche Aufstieg der Volksrepublik China mit chinesischem Infrastrukturausbau der Neuen Seidenstraße.
In europäischen Städten kommt es in der zweiten Hälfte vermehrt zu islamistisch motivierten Terroranschlägen, von denen Frankreich, Großbritannien, Belgien, Spanien, Dänemark, Schweden, Finnland, die Niederlande und Deutschland betroffen sind. In anderen Teilen der Welt fällt die Gefahr durch islamistischen Terrorismus jedoch weiterhin höher aus, so beherrscht der Islamische Staat ab 2014 weite Teile Syriens und des Irak, im Norden Nigerias verübt Boko Haram zahlreiche brutale Terrorakte, in Somalia Al-Shaabab, in Afghanistan die Taliban. Andererseits erschüttern auch rechtsextrem und islamophob motivierte Anschläge die westliche Welt, wie etwa 2011 in Norwegen, 2016 in München oder 2019 in Christchurch, Neuseeland.
In den Gesellschaften vieler Länder wird im Laufe des Jahrzehnts der Gebrauch von Smartphones und Tablets in allen sozialen Schichten und Altersstufen üblich und erübrigt zunehmend die Notwendigkeit stationärer Computer. Der Einfluss der neuen Medien, insbesondere der sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter, hat zu einer Veränderung der politischen Meinungsbildung geführt. Anbieter von Streaming-Diensten traten in den TV-Markt ein und wurden durch ihr alternatives Konsummodell, das sich durch jederzeitiges Abrufen (Stream) von digitalen Medien gegenüber dem klassischen Fernsehen und seinen Sendern auszeichnet, zu Konkurrenten derselben.
Die letzten beiden Jahre des Jahrzehnts waren in weiten Teilen Europas durch Supersommer mit extremer Hitze und Dürre geprägt, was zum Aufkommen der Gruppierung „Fridays for Future“ führte, welche jeden Freitag zum Fernbleiben des Schulunterrichts aufrief, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.
Das Jahrzehnt gilt bis dato als heißestes Jahrzehnt der Aufzeichnungen und war laut Weltorganisation für Meteorologie (WMO) von „außerordentlicher Hitze, Gletscherschmelze und einem weltweiten Anstieg des Meeresspiegels“ geprägt. Die Klimawissenschaftlerin Kate Marvel fasste zum Jahreswechsel 2019/2020 die Situation wie folgt zusammen: „Dies ist das Jahrzehnt, in dem wir wussten, dass wir Recht hatten. Es begann mit dem wärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen; mindestens fünf Mal wurde dieser Rekord danach gebrochen. Kohlendioxid in der Atmosphäre erreichte ein noch nie dagewesenes Niveau seit Menschen Hominine waren. Es gab Dürren und Überschwemmungen und brutale Hitzewellen. Korallenriffe wurden weiß und gaben auf. Australien ist der Dürre unterworfen. Der Amazonas brennt.“
In den letzten Wochen des Jahrzehnts traten weltweit, aber gehäuft in China, die ersten Fälle der Krankheit COVID-19 auf, jedoch ohne größere Beachtung außerhalb von China zu finden.
Benennung Die heute am häufigsten anzutreffende Bezeichnung sind die 2010er oder auch die Zehnerjahre.
Vorsätze Dekade zur Bekämpfung der Desertifikation (UNO), 2010–2020 Dekade zur Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit (UNO), 2011–2020 Dritte Internationale Dekade für die Beseitigung des Kolonialismus (UNO), 2011–2020 Dekade für die Erhaltung der natürlichen Artenvielfalt (UNO), 2011–2020
Ereignisse Politik
mini|hochkant=1|alt=Picture of a Greek demonstration in May 2011|In Athen protestieren 100.000 Menschen gegen das Spardiktat ihrer Regierung, 29. Mai 2011 mini|hochkant=1|Die Demonstration vom Occupy Wall Street, 2011 mini|Französische Truppen beginnen in Mali den Angriff gegen militante Islamisten
2010: Am 11. Februar kippt das EU-Parlament das SWIFT-Abkommen, das US-amerikanischen Terrorfahndern gestattet hätte, auf europäische Bankdaten zuzugreifen. 2010: Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten verabschiedet am 21. März mit knapper Mehrheit die Gesundheitsreform von Barack Obama. 2010: Infolge der Eurokrise, einer Haushaltskrise mehrerer Staaten der Eurozone (PIIGS), wurde von der EU bzw. den an der dritten Stufe der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion teilnehmenden Staaten ein Europäischer Stabilisierungsmechanismus eingeführt mit dem Ziel, akut drohende Folgen abzumildern, die durch Haushaltskrisen einzelner Mitgliedstaaten der Eurozone verursacht werden können. 2010: Im Niger kommt es am 18. Februar zu einem Militärputsch. 2010: Im Zuge des im Dezember beginnenden Arabischen Frühlings kommt es zum Sturz der Staatsoberhäupter von Tunesien, Libyen und Ägypten. Außerdem kommt es in Libyen und Syrien zu Bürgerkriegen mit jeweils mehreren zehntausend Toten. 2011: Nach einem Referendum von 2011 spaltet sich der Südsudan vom Sudan ab. Die sudanesische Regierung unter Umar al-Baschir hat dieses Ergebnis anerkannt. 2011: Im Zuge der Operation Neptune’s Spear am 2. Mai wird Osama bin Laden, Anführer der Terrororganisation Al-Qaida, getötet. 2011: Am 17. September finden erste Proteste der Occupy-Wall-Street-Bewegung statt, die bereits einen Monat später die größte Protestbewegung Nordamerikas ist. Konkrete Forderungen werden nicht genannt, jedoch richten sich die meisten Aktionen gegen soziale Ungleichheiten, Spekulationsgeschäfte von Banken sowie den Einfluss der Wirtschaft auf die Politik. In der Folge kommt es auch in anderen Ländern, darunter Deutschland, zu Protestaktionen mit ähnlichen Zielen. 2011: Ende 2011 verlassen die US-Streitkräfte das Land Irak. 2012: 4. Juli das ACTA-Abkommen wird im Europäischen Parlament mit großer Mehrheit abgelehnt. 2013: Am 1. Juli wird Kroatien das 28. Mitglied der Europäischen Union. 2013: Proteste in der Türkei richten sich gegen Recep Tayyip Erdoğans Politik. 2013: Am 3. Juli kommt es in Ägypten nach langen Protesten zu einem Militärputsch, bei dem der Machthaber Mohammed Mursi entmachtet wurde. 2013: Die Nordkorea-Krise spitzt sich von Februar bis Mai zu, entspannt sich aber schließlich wieder. 2013: Im Konflikt in Nordmali führen französische Streitkräfte die Opération Serval gegen militante Islamisten aus. 2014: Am 1. Januar tritt Lettland als 18. Land der Eurozone bei. 2014: Nach mehrtägigen Unruhen mit zahlreichen Todesopfern erklärt das ukrainische Parlament Präsident Wiktor Janukowytsch am 22. Februar für abgesetzt. Daraufhin kommt es im Osten und Süden des Landes zu gewalttätigen Konflikten zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen wird Russland von Kiew und den westlichen Regierungen beschuldigt, die Gefechte mutwillig anzuheizen, was zu diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Spannungen führt. 2014: Im März erfolgt die Annexion der Krim durch Russland. 2014: Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) erobert innerhalb kürzester Zeit weite Gebiete in den Bürgerkriegsländern Syrien und Irak. Eine globale Allianz verschiedener Länder versucht den Vormarsch des IS mit Luftschlägen zu verhindern. 2014: Bei einem Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands am 18. September entscheidet sich die Mehrheit für einen Verbleib im Vereinigten Königreich. 2014: Am 31. Dezember 2014: Teil-Abzug der Internationalen Schutztruppen (ISAF) aus Afghanistan. 2015: Litauen wird am 1. Januar das 19. Mitgliedsland der Eurozone. 2015: Die Griechische Staatsschuldenkrise verschärft sich, es wird ein drittes Hilfspaket geschnürt; es gibt am 25. Januar und am 20. September jeweils vorgezogene Parlamentswahlen. 2015: Im Zuge der Flüchtlingskrise in Europa beschließt Bundeskanzlerin Angela Merkel am 4. September in Absprache mit dem ungarischen Regierungschef Viktor Orbán, die deutsche Grenze für tausende Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien und Afghanistan zu öffnen. Diese Entscheidung löst sowohl in der EU als auch im Inland Diskussionen aus. 2016: Sexuelle Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16 führen deutschlandweit und über die Landesgrenzen hinaus zu Debatten. 2016: Am 23. Juni stimmen 52 % der Briten für einen EU-Austritt des Vereinigten Königreichs. 2016: Nach einem Putschversuch in der Türkei im Juli werden unter Präsident Erdoğan zahlreiche Maßnahmen getroffen, die nach westlichen Beobachtern stark autokratische Züge haben. 2017: Am 5. Juni wird Montenegro 29. Mitglied der NATO. 2017: In der autonomen Region Kurdistan findet am 25. September ein Unabhängigkeitsreferendum statt. Die Mehrheit spricht sich für einen unabhängigen Staat aus. 2017: In Katalonien findet am 1. Oktober ein Unabhängigkeitsreferendum statt. Dieses führt in Spanien zur Katalonien-Krise. 2018: Am 12. Juni treffen sich in Singapur US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zu gemeinsamen Gesprächen. 2019: Am 1. Februar wird der 1987 geschlossene INF-Vertrag vonseiten der USA aufgekündigt, einen Tag später wird dieser Schritt auch von Russland bekanntgegeben. 2019: Bei einem erneuten Gipfeltreffen in Hanoi Ende Februar treffen wieder Donald Trump und Kim Jong-un zusammen, allerdings ohne konkretes Ergebnis. Regierungswechsel
2010: David Cameron wird am 11. Mai Premierminister im Vereinigten Königreich. 2010: Am 31. Mai tritt Horst Köhler als Bundespräsident von Deutschland zurück.