Johann IV. von Gützkow, auch Henning von Gützkow († vor 27. Mai 1372), war der letzte Graf von Gützkow.

Forschungsgeschichte Die Abgrenzung der einzelnen Gützkower Grafen mit Namen Johann ist ebenso schwierig, wie dies bei ihren Verwandten namens Jaczo der Fall ist. Von der ursprünglichen Annahme, es gebe vier gleichnamige Gützkower Grafen Jaczo, konnte die Forschung auf dreiJohannes Hoffmann: Studien zur Geschichte der Grafen von Gützkow. Dissertation, Universität Greifswald 1946. oder ggf. zwei Personen reduzieren.Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln, Band III, Teil I, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1984, Tafel 7A (nach einem Manuskript von Edward Rymar). Bei den Gützkower Grafen Johann ist Theodor Pyl von fünf gleichnamigen ausgegangen, Roderich Schmidt hat zumindest in seiner knappen Abhandlung nur drei erwähnt, während Detlev Schwennicke von sechs zu unterscheidenden Grafen Johann von Gützkow ausging. Hinzu kommt, dass auch die gleichnamigen Burgmannen von Wieck vor Gützkow zumindest einen Angehörigen namens Johann von Gützkow hatten, der zu Beginn des 14. Jahrhunderts urkundlich auftrat.Ein solcher Ritter Johann von Gützkow trat 1300 bis 1304 urkundlich in Erscheinung und ist vielleicht mit den urkundlichen Nennungen eines Johannes de Gutcekowe im Pommerschen Urkundenbuch (PUB), Nrn.: 1606, 1642 und 1643 in den Jahren 1292 und 1293 gleichzusetzen.

Als gesichert und unstrittig gilt, dass Johann IV. von Gützkow ein Sohn Johanns II. von Gützkow und der jüngere Bruder des Grafen Johann III. († 1334) war.

Der Auffassung, dass Johann IV. derjenige war, welcher zwischen dem 16. Januar und 18. Juni 1334 wohl seinen in der Schlacht am Kremmer Damm erhaltenen Wunden erlag,Erwin Assmann (Hrsg.): Pommersches Urkundenbuch, Bd. 8, Köln 1961, Nr. 5656.Albert Georg Schwartz: Diplomatische Geschichte der Pommersch-Rügischen Städte Schwedischer Hoheit: Nebst angehängter Historie der Grafschaft Gützkow. Hieronymus Johann Struck, Greifswald 1755, S. 766. wurde zuerst von Johannes Hoffmann widersprochen, dem sich später Rymar und Schwennicke anschlossen. Die jüngere Forschung sieht also Johann III. als den 1334 verstorbenen und Johann IV. als denjenigen Grafen von Gützkow, welcher zwischen 1359 und 1372 den Mannesstamm seines Geschlechts beschließt. Eine eindeutige urkundliche Beweislage, welcher der beiden gräflichen Brüder das Jahr 1334 überlebte, existiert nicht.

Urkundliches Auftreten Die Grafen Nikolaus, Johann III. und Johann IV. von Gützkow überließen am 21. April 1320 der Greifswalder Bürgerfamilie von Krebsow für 640 Mark Wendisch die Hälfte des Dorfes Hanshagen, nebst den beiden Untermühlen, 15 Landhufen und einige Katen als Deckung der Schuld ihres kürzlich verstorbenen Vetters Graf Bernhard von Gützkow. Auch Bernhards Schwester Margarete von Gützkow setzte ihr Siegel unter die Urkunde.PUB Nr. 3356.

Die Grafen Johann III. und Johann IV. von Gützkow (Johannes et Johannes, fratres, Dei gracia comites de Gutzekow) verpfändeten am 27. März 1323 dem Greifswalder Bürger Martin von Münster drei Mark Bede aus drei Hufen ihres Gutes in Diedrichshagen für 30 Mark.PUB Nr. 3670. Ebenfalls 1323 verliehen beide Grafen dem Kloster Eldena 5 Mark Bede in Weitenhagen.PUB Nr. 3739.

Im ersten rügischen Erbfolgekrieg waren die Grafen von Gützkow zunächst Parteigänger der Mecklenburger. Nachdem die Städte Demmin und Greifswald Mitte August 1326 einen Waffenstillstand verweigerten, erklärte auch Graf Johann III. von Gützkow den Städten die offene Fehde.PUB Nr. 4221. Am 13. Juni 1327 jedoch gelobten Johannes et Henninghus, Dei gracia comites de Gutzecowe in Greifswald mit ihren Vasallen der Herzogin Elisabeth von Pommern, Witwe Wartislaws IV., und deren unmündigen Kindern die Treue zu Pommern.PUB Nr. 4211, 4212, 4320. Als Herzog Heinrich II. von Mecklenburg und die Herren Johann II. und Johann III. von Werle 1328 auf Treptow zogen, warfen sich ihnen die Pommern unter der Führung des Gützkower Grafen Johann III. entgegen und bezwangen die Mecklenburger bei Völschow. In der Folge kam es am 27. Juni 1328 zum Frieden von Brudersdorf, an dem die Grafen von Gützkow (de greven van Gutzcowe) maßgeblichen Anteil hatten und den sie auch mitzeichneten.PUB Nr. 4395.

Die Grafen Johann III. und Johann IV. von Gützkow (Johannes et Hennyngus, Dei gracia comes in Ghutzecow) setzten am 26. Juni 1330 Mechtild von Schwerin, der Gattin Johanns IV. von Gützkow, ein Leibgedinge von 300 Mark und ein Erbgut im Dorf Vorwerk bei Loitz aus für den Fall, dass dieser stirbt.PUB Nr. 4577.

Am 15. Juli 1331 versöhnten sich die Grafen Johann III. und Johann IV. von Gützkow (Johannes und Johanes de Gutzkouwe comites) erneut mit Herzog Barnim III. und versprachen ihm Heeresfolge auch außerhalb des Landes.PUB Nr. 4889.

Im pommersch-brandenburgischen Krieg kam es am 1. August 1332 zur Schlacht auf dem Kremmer Damm. Hier soll sich einer der gräflichen Brüder vor den Brandenburgern schwere Verletzungen zugezogen haben, denen er später erlag.

Als die Herzöge Otto I. und Barnim III. von Pommern am 28. Juni 1333 in Lippehne in der Neumark mit dem Markgrafen Ludwig von Brandenburg einen Landfrieden auf drei Jahre vereinbarten, war auch ein Graf Johann von Gützkow (greve Johannes van Gutzecowe) beteiligt.PUB Nr. 5073.

Die Grafen Johann III. von Gützkow (Johannes senior comes de Gutzecowe) und Johann IV. von Gützkow (Johannes junior Dei gracia comes de Gutzecow) bestätigten am 16. Januar 1334 in Gützkow die in ihrer Gegenwart geschehene Auflassung von 11 ½ Hufen in Sanz an die Brüder Heinrich und Ludekin Lange in Greifswald als Käufer durch die Gebrüder Behr und belehnten die Käufer. Unter den Urkundenzeugen in Gützkow war auch ein Rudolfo de Gutzecow, civibus in Gripeswold.PUB Nr. 5134, 5135.

Graf Johann IV. von Gützkow (Johannes Dei gracia comes de Gutzecow) wiederholte und bekräftigte am 18. Juni 1334 in Gützkow die letztwillige Schenkung von Hebungen aus dem Dorfe Weitenhagen an das Kloster Eldena durch seinen verstorbenen Bruder Johann III. (frater noster Johannes bone memorie comes eciam in Gützecow) zur Errichtung einer ewigen Vikarie. Demnach starb Johann III. vor dem 18. Juni 1334.PUB Nr. 5169. Am 18. Juni 1334 wiederholte und bekräftigte Graf Johann IV. von Gützkow (Johannes Dei gracia comes de Gutzecow) in Gützkow die letztwillige Schenkung von Hebungen aus dem Dorf Weitenhagen an das Kloster Eldena durch seinen verstorbenen Bruder Johann III. zur Errichtung einer ewigen Vikarie. Ebenfalls im Jahre 1334 am 18. November verkauften Lüdeke, Heinrich und Vicko von Behr mit Zustimmung von domicello Johanne comite de Gutsekow sieben Hufen in Sanz an die Greifswalder Brüder Lange für 385 Mark.PUB Nr. 5210. Am 17. Dezember 1334 einigte sich Herzog Bogislaw V. von Pommern-Wolgast mit der Stadt Greifenhagen wegen hinterlassener Schulden seines Vaters Herzog Wartislaw IV., de greve van Ghutzecowe trat hierbei als erster unter den Urkundenzeugen auf.PUB Nr. 5217.

Als sich am 25. Februar 1335 die Herzogin Elisabeth von Pommern-Wolgast und ihre Söhne Bogislaw V., Barnim IV. und Wartislaw V. in Treptow an der Rega mit Bischof Friedrich von Cammin verbündeten, war Johann IV. (nobilis vir Johannes comes de Gutzekow) erneut der erste unter den Zeugen, was seine wichtige Stellung am Herzoghof unterstrich.PUB Nr. 5249.

mini|Großes Siegel von 1336S' Iohannis Dei gratia Comitis de Gutzecowe Auch als das Domkapitel von Cammin am 11. März 1336 in Greifswald einen Streit mit dem Knappen Arnold von Rahmel beilegte, war Johannes comes in Guczekowe erster Zeuge.PUB Nr. 5348. Als Johann IV. (Johannes Dei gracia comes de Guetzecow) am 21. Dezember 1336 erneut den Verkauf von sechs Hufen in Sanz durch die Geschwister Ludeke, Heinrich, Vicko und Heseke von Behr an die Greifswalder Bürger Heinrich und Ludeke Lange bestätigte und die Käufer damit belehnte, waren auch Henrico et Rodolfo dictis de Gutzecow fratribus civibus in Gripeswald wieder unter den Zeugen.PUB Nr. 5436. Aus diesem Jahr stammt auch das sogenannte große Siegel (Abb.).

1337 bestätigte Graf Johann IV. (Johannes Dei gracia comes de Gutzecow) am 14. März den Verkauf durch die Brüder Behr an die Familien Schuppellenburg und Witte in Greifswald 33 Mark jährliche Hebungen von sechs Hufen in Groß Kiesow und belehnt diese mit der Hebung.PUB Nr. 5486. Am 4. Oktober bezeugte und besiegelte er eine Bestätigung Herzog Barnims III. an das Kloster Jasenitz mit Bezugnahme auf eine frühere Urkunde vom 9. Mai 1331.PUB Nr. 5542.

Bischof Ludolf von Schwerin, die Herzöge Erich und Albrecht von Sachsen, Herzog Barnim III. von Pommern-Stettin, Herzog Waldemar von Schleswig, Graf Heinrich von Schwerin, die Grafen Gerhard und Johann von Holstein, Fürst Albrecht von Mecklenburg, Graf Johann von Gützkow, die Fürsten Johann und Nikolaus von Werle, Graf Adolf von Schauenburg und Graf Nikolaus von Schwerin, schlossen am 11. Januar 1338 in Lübeck einen sechsjährigen Landfrieden, in den sie auch die Städte Lübeck, Hamburg, Rostock und Wismar einbezogen. Johann, greve van Gutzecowe hatte im Kriegsfall dem Bündnis 10 Mann zu Pferde mit Rüstung und 5 Schützen, sowie eine kleine und eine große Kanone mit einem Geschützmeister zu stellen. Seine Stellung in der Aufzählung der Koalitionäre lässt erneut auf sein hohes Ansehen schließen.PUB Nr. 5590. Als die Pommernherzöge 14. August 1338 nach 100 Jahren Kampf, in dem letztlich auch Graf Johann III. von Gützkow auf dem Kremmer Damm sein Leben verwirkt hatte, gegen Brandenburg deren Lehnsoberhoheit abgeschüttelten, fand in der in Frankfurt am Main für Markgraf Ludwig von Brandenburg gefertigten Urkunde auch hern Johansen grafen ze Guezzgow Erwähnung. In der Ausfertigung der Pommernherzöge fehlt dieser Satz.PUB Nr. 5655, 5656.

Herzog Barnim III. von Pommern-Stettin bestätigte in Lübeck am 2. Juni 1340 dem Kloster Reinfeld alle von seinen Vorgängern verliehenen Privilegien und schenkte dem Stift die Mühle in Treptow an der Rega. Erster Urkundenzeuge ist erneut generoso viri Johanne comite Guscowen.PUB Nr. 5858.

Die Brüder von Behr verkaufen vorbehaltlich der Zustimmung ihres Herren, des Grafen Johann IV. von Gützkow (domino Nostro Johanne comite de Gutzekowe) am 3. März 1342 dem Greifswalder Bürger Heinrich Lange drei Katen in Sanz.PUB Nr. 6014.

1346 verpfändete Graf Johann der Ältere von Gützkow an den Magister Eberhard Rubenow 40 Mark Pacht von 9 Hufen und einigen Katen des Dorfes Kartzin für 365 Mark.Regest 1572 Staatsarchiv Stettin, Rep. 40 V 6 Bl. 45, bzw. 1603, Rep. 40 V 10 Bl. 69; vergl. Hoffmann (1946), Regesten Nr. 33.