mini|Maharishi Mahesh Yogi (2007) Transzendentale Meditation (TM) ist der Name einer 1957 von dem Inder Maharishi Mahesh Yogi gegründeten „Geistigen Erneuerungsbewegung“ (Spiritual Regeneration Movement), die im Westen besonders durch ihre Flugversuche, das sogenannte „Yogische Fliegen“, Aufmerksamkeit erregte. Der Name TM steht zudem für eine von Maharishi zum Leben erweckte leicht abgewandelte Form des traditionellen Yoga, der eine bestimmte Reihe meditativer Übungen umfasst. Die Meditationstechnik (TM) wird kostenpflichtig gelehrt und ist markenrechtlich geschützt. Die oft als „TM-Bewegung“ bezeichnete Organisation wurde mehrmals umbenannt. Seit 2000 tritt sie als „Globales Land des Weltfriedens“ auf. Nach Maharishi Mahesh Yogi basiert die Technik auf Ideen der Veden und mündlichen Überlieferungen seines Lehrers Brahmananda Saraswati. Umfassende wirtschaftliche Aktivitäten gibt es zudem im Bereich Ayurveda. Verbunden mit den Techniken ist ein von Maharishi und seiner Organisation verbreitetes esoterisches Lehrsystem, die so genannte „Maharishi Vedische Wissenschaft“, die unter anderem Lehren zu Architektur, Astrologie, Musik und Bildung enthält. Ziel der Bewegung ist es, die Gesellschaft nach ihren Prinzipien umzubauen, was zu einer Verringerung von Leiden und zu mehr Glück für alle Menschen führen soll. Neben wirtschaftlichen Aktivitäten ist die Organisation in verschiedenen Ländern im Bildungsbereich aktiv. Zur Verfolgung politischer Ziele wurden 1992 mehrere Naturgesetzparteien gegründet, die 2004 wieder aufgelöst wurden.Gerald Willms: Die wunderbare Welt der Sekten: Von Paulus bis Scientology. Vandenhoeck & Ruprecht; Auflage: 1. Auflage 2012, S. 194–196.

Geschichte 1957–1969 1957 gründete Maharishi in Madras während einer Gedenkveranstaltung zu Ehren seines verstorbenen Lehrers Swami Brahmananda Saraswati das Spiritual Regeneration Movement (SRM) mit dem Ziel einer weltweiten „geistigen Erneuerung“.Maharishi Mahesh Yogi: Thirty Years Around the World, Dawn of the Age of Enlightenment. ISBN 90-71750-02-7, S. 200. Ausgedehnte Reisen führten ihn nach Südostasien, USA und Europa. Westdeutschland besuchte Maharishi zum ersten Mal im Jahr 1960. Zwei Jahre später verzeichnete die Organisation in der damaligen Bundesrepublik bereits 18 Meditationszentren.Hansjörg Hemminger: Transzendentale Meditation: Struktur und Ideologie 1961 entstand im nordindischen Rishikesh, Uttar Pradesh, die erste TM-Meditationsakademie, in der noch im gleichen Jahr die ersten internationalen TM-Lehrer-Ausbildungskurse durchgeführt wurden. Zwei Bücher schrieb Maharishi in dieser Zeit: Die Wissenschaft vom Sein und die Kunst des Lebens (engl.: The Science of Being and the Art of Living) und eine kommentierte Neuübersetzung der ersten sechs Kapitel der Bhagavad Gita, eines Schlüsseltextes der vedischen Literatur.Maharishi Mahesh Yogi: Thirty Years Around the World, Dawn of the Age of Enlightenment. ISBN 90-71750-02-7, S. 494.

Erlernten in den Anfangsjahren vorwiegend spirituell interessierte Erwachsene der Mittelschicht die TM, wuchs mit Gründung der Students’ International Meditation Society (SIMS) im Jahr 1965 auch in der jüngeren Generation das Interesse an TM. 1968 hatten in den USA schon 12.000 Studenten TM erlernt, 1970 waren es 32.000.Hank Johnston: The Marketed Social Movement: A Case Study of the Rapid Growth of TM. In: Pacific Sociological Review. Vol. 23, No. 3, Juli 1980, S. 333–354. In Konsequenz dieser Entwicklung begann Maharishi, seine Botschaft in wissenschaftlich anmutende Terminologie zu kleiden. Es entstand die Science of Creative Intelligence (Wissenschaft der Kreativen Intelligenz, WKI), bis heute Teil des Kursangebotes. Parallel zur neuen Terminologie drang Maharishi auf eine wissenschaftliche Untermauerung der Wirkungen der Transzendentalen Meditation. Für den damaligen Erfolg der TM-Organisation sieht der Sozialwissenschaftler Hank Johnston zwei Gründe: die Universalität ihrer Meditationstechnik und die Fähigkeit der Organisation, ihre Botschaft verschiedenen Zielgruppen anzupassen.

1968 sorgte im Westen die Hinwendung von Pop- und Filmgrößen – The Beatles, The Rolling Stones, Mike Love (The Beach Boys), Donovan, Mia Farrow, Shirley MacLaine – für wachsende mediale Präsenz und einen Boom der Kursteilnehmerzahlen. Die Bilder, die die Beatles und ihre Frauen, Donovan und Mia Farrow zu Füßen Maharishi in seiner damaligen Meditationsakademie in Rishikesh, Indien, zeigten (1968), gingen um die Welt und waren wichtiger Anstoßgeber für die einsetzende Flower-Power-Bewegung. Parallel wuchs das Interesse des Westens an östlicher Philosophie und trug ein Weiteres zu dieser Entwicklung bei. Aufgrund von Gerüchten über Annäherungsversuche gegenüber einer Kursteilnehmerin wandten sich die Beatles vorübergehend von Maharishi ab. John Lennon schrieb sein wütendes, auf Maharishi gemünztes Sexy Sadie, das auf dem Weißen Album veröffentlicht wurde (1968). Später dementierten Paul McCartney, George Harrison und der Harrison-Freund Deepak Chopra, dass es je zu Übergriffen gekommen sei, und bekannten sich wieder zu ihm und seiner Meditation.David Felton: Die Heilung von Brother Bri. In: Kingsley Abbot (Hrsg.): Die Beach Boys und Brian Wilson. Hannibal-Verlag, St. Andrä-Wördern 1998, ISBN 3-85445-160-1Mystic who inspired the Beatles: the town that lost its guru. In: The Independent. 7. Februar 2008.

Gründung der „Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung“

Sein am 12. Januar 1975 auf dem Vierwaldstättersee, Schweiz, ausgerufenes „Zeitalter der Erleuchtung“ und die 1976 gegründete „Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung“ mit zehn „Ministerien“ (darunter ein „Ministerium zur Gesundheit und Unsterblichkeit“) – damals war der Hauptsitz der Bewegung im schweizerischen Bergdorf SeelisbergManda Beck: Von Indien in die Schweiz Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 25. Februar 2025 – irritierte nicht nur Skeptiker. Anlass waren Statistiken, nach denen in einem knappen Dutzend kleinerer und mittlerer US-Städte die Zahl der TM-Meditierenden den Schwellenwert von 1 Prozent überschritten hatte und gleichzeitig ein Rückgang der Kriminalität zu beobachten gewesen war. Die TM-Organisation setzte beides zueinander in Bezug und sprach seither vom „Maharishi-Effekt“, mit dessen Hilfe es möglich sei, die ganze Welt in einen Zustand des Friedens und des Wohlstands zu überführen. Die plakativ-provozierende Ausrufung dieser „neuen Ära“ in Metropolen wie New York, London, Paris, Hamburg und Berlin rief zunehmend Kritiker auf den Plan, die in der Bewegung eine „gefährliche Jugendsekte“ sahen.

Für weiteren Diskussionsstoff sorgte 1976 Maharishis Lancierung von ergänzenden Meditationstechniken. Das aus einer Schrift des vedischen Gelehrten Patanjali abgeleitete TM-Sidhi-Programm will übernatürliche Fähigkeiten und „höhere Bewusstseinszustände“ fördern. Insbesondere das „Yogische Fliegen“ sorgt seither für heftigen Disput und setzt die TM-Bewegung immer wieder dem Ruch der Scharlatanerie aus.

Unbeirrt von solcher Kritik verlautbarte die TM-Organisation 1978 aufgrund neuer Statistiken, dass mit Hilfe des TM-Sidhi-Programms nunmehr nur noch ein Bruchteil jenes „1 Prozents der Bevölkerung“ genüge, um den angestrebten Maharishi-Effekt auszulösen: vorausgesetzt, das Programm wird zeitgleich von großen Gruppen praktiziert. Dieser „erweiterte Maharishi-Effekt“ wirke wie eine stille „Regierung“: als „Weltregierung des Zeitalters der Erleuchtung“, wie Maharishi die Organisation nunmehr nannte.

1975 wurde im niedersächsischen Schledehausen bei Osnabrück die „Residenz des Zeitalters der Erleuchtung“ eröffnet. Die Einrichtung weiterer Akademien u. a. in Boppard, Bad Urach, Wachendorf und Maharishi-Ayurveda-Kliniken stießen in der Öffentlichkeit auf Kritik und Ablehnung.

TM-Schulverbot und Religionsnachweis 1977

1977 klagte eine kleine Koalition von TM-Gegnern vor einem US-Gericht in New Jersey, um ein Verbot von TM-Kursen an einer öffentlichen Schule zu erwirken. Dazu hatten die TM-Gegner dem Gericht plausibel nachzuweisen, dass TM eine Religion ist, was die TM-Anwälte vehement bestritten. Der Nachweis gelang, die TM-Gegner gewannen den Prozess und da die amerikanische Verfassung die staatliche Unterstützung einer bestimmten Religion verbietet, entschied das Gericht, dass TM „religious in nature“ ist und die Durchführung von TM-Kursen an öffentlichen Schulen gegen die Verfassung der Vereinigten Staaten verstößt. Dieses Gerichtsurteil wurde 1979 bestätigt und ist bis heute rechtskräftig.Gerald Willms: Die wunderbare Welt der Sekten: Von Paulus bis Scientology. Vandenhoeck & Ruprecht; Auflage: 1. Auflage 2012, S. 194.

Maharishi-Ayurveda, politische Parteien und Unbesiegbarkeitsschulen

1980 verlegte Maharishi seinen Sitz nach Neu-Delhi, Indien, und begann, sich auch für eine Erneuerung und Neugliederung der altindischen Gesundheitslehre Ayurveda einzusetzen. Eine Reihe namhafter Vertreter dieser Lehre konnte er für das Vorhaben gewinnen: unter anderem den damaligen Präsidenten des All India Ayurveda Congress, Brihaspati Triguna. Unter Bezug auf alte Textbücher des Ayurveda wurde TM als unverzichtbare Schlüsseltechnik des Ayurveda definiert und 1986 ein „Weltplan für vollkommene Gesundheit“, auf Basis des nun so genannten Maharishi-Ayurveda, ins Leben gerufen. Die Etablierung zahlreicher Maharishi-Ayurveda-Kliniken waren die Folge.

mini|Gebäude des TM-Hauptsitzes in Vlodrop, Niederlande

Ab 1991 wurden auf Vorschlag Maharishis in mehreren Staaten politische Parteien gegründet, um die Postulate und Programme der Bewegung zu fördern. Im deutschsprachigen Raum nannte sich die Partei Naturgesetzpartei bzw. Österreichische Naturgesetzpartei (ÖNP). In der Bundesrepublik konnte sie nach Eigenangaben 1.500 Mitglieder gewinnen. Bei Wahlen, zu denen sie antrat, blieb sie bedeutungslos. Die 1992 in Deutschland gegründete Naturgesetzpartei wurde mangels Erfolg 2004 aufgelöst; die meisten anderen Parteien wurden ebenfalls aufgelöst. Daraufhin wurde mit dem Aufbau sogenannter Unbesiegbarkeitsschulen begonnen (als Regelschulen in privater Trägerschaft). Dieses Projekt scheint seit 2009 zu stagnieren.

Siedlungen, Mäzen und TM-Währung

Am 7. Oktober 2000 benannte Maharishi seine Dachorganisation um in „Globales Land des Weltfriedens“: ein virtuelles, grenzenloses Land „für alle friedliebenden Bürger der Welt“. Als erster „Regent“ wurde Tony Nader gekrönt, ein libanesischer Neurophysiologe und jahrelang enger Mitarbeiter Maharishis. Nader hatte 1998 in seinem Buch „Menschlicher Körper: Ausdruck des Veda und der Vedischen Literatur“ Übereinstimmungen aufgezeigt, die zwischen der Struktur vedischer Literatur und dem menschlichen Körper bestehen. Als Anerkennung für diese Arbeit wurde er am 12. Oktober 2000 von Maharishi in Gold aufgewogen.Homepage des „Global Country of World Peace“

Eine eigene Währung wurde eingeführt, der Raam, der in begrenztem Umfang in den Niederlanden und den USA im Umlauf war.Weltfrieden gratis. Spiegel Online, 13. Februar 2003

Im Jahr 2001 gründete die Organisation nördlich der nordamerikanischen Kleinstadt Fairfield, Iowa, Maharishi Vedic City, eine als Mustersiedlung zu verstehende Kleinstadt mit wenigen hundert Einwohnern. Innerhalb der Gemeindegrenzen müssen Gebäude gemäß altindischer (sthapatya-vedischer) Architekturprinzipien gebaut werden und ist der Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger verboten. The Jerusalem Post, 6. Februar 2008Homepage von Maharishi Vedic City