Der Krakatau (auch Krakatoa) ist ein Vulkan unter dem Krakatau-Archipel in der Sundastraße zwischen den indonesischen Inseln Sumatra und Java. Der Vulkan brach im Laufe der letzten Jahrhunderte mehrmals aus.
Der bekannteste Ausbruch ereignete sich am 27. August 1883. Die Insel Krakatau, damals Teil Niederländisch-Indiens, die aus den drei Vulkankegeln Perboewatan, Danan und Rakata bestand, wurde dabei durch eine phreatomagmatische Eruption nahezu vollkommen vernichtet. Durch die Katastrophe und den dadurch ausgelösten Tsunami kamen mehr als 36.000 Menschen ums Leben.Anak Krakatau spuckt Lava und Gas. In: Spiegel Online, 8. November 2007. Die Druckwelle der Explosion umrundete die Erdkugel siebenmal und der Knall war noch in über 4.800 km Entfernung zu hören. Weite Teile von Java und Sumatra wurden durch die Eruption verwüstet, deren Sprengkraft 10.000 bis 100.000 mal so stark war wie die der 1945 auf Hiroshima abgeworfenen Atombombe.Anak Krakatau – Pulverfaß in der Sundastrasse vulkane.net, aufgerufen am 31. Oktober 2021.
Derzeit aktiver Schlot ist der Anak Krakatau (indonesisch, dt.: Kind des Krakatau), der seit 1927 im Zentrum des Archipels – ungefähr dort, wo sich bis zum Ausbruch 1883 der Vulkankegel Danan befand – als neue Insel aus der untermeerischen Caldera des Vulkans aus dem Wasser emporwächst, allerdings durch eine Eruption im Jahr 2018 zu einem großen Teil einstürzte und dadurch stark an Höhe verlor. Anfang September 2026 ereigneten sich mehrere Eruptionen, deren Eruptionssäulen bis zu 15 km Höhe erreichten und zur zeitweiligen Schließung des Flughafens von Jakarta führten.
Der Name des Vulkans mini|Sundastraße, Meeresenge zwischen Sumatra und Java, in der sich Krakatau befindet mini|Lage des Krakatau in der Sundastraße mini|Umformungen des Archipels
Die ältesten Erwähnungen der Vulkaninsel in der westlichen Welt findet man auf einer Landkarte von Lucas Janszoon Waghenaer (etwa 1533/34–1605/06). Er nannte die Insel Pulo Carcata. Pulo ist dabei offenbar von pulau abgeleitet, einem indonesischen bzw. malaiischen Wort für Insel. Die heute gebräuchlichen Bezeichnungen sind Krakatoa oder Krakatau. Der Name Krakatoa wird vor allem in der englischsprachigen Welt häufig verwendet; die Bezeichnung Krakatau wird dagegen häufig von Indonesiern gebraucht.
Geologische Geschichte Der Krakatau gilt als einer der explosivsten und gefährlichsten Vulkane. Seine besondere explosive Kraft wird durch zwei geologische Besonderheiten erklärt. Zum einen durch die geografische Lage des Krakatau, der wie alle Vulkane Indonesiens zum Subduktionsvulkanismus gehört. Dort stoßen zwei Erdplatten zusammen. Dabei schiebt sich die schwerere indo-australische Platte stetig unter die leichtere Burma-Platte, einen Teil der Eurasischen Platte. Schwerer Meeresboden wird unter leichteres Gestein des Kontinents gedrückt. Zum anderen ändert die Subduktionszone gerade im Bereich des Krakatau abrupt ihre Verlaufsrichtung, wobei große Risse in der Erdkruste und zusätzliche geologische Spannungen entstehen.
Frühe Geschichte Für die frühe Geschichte gibt es die Theorie, dass sich an der Stelle des heutigen Archipels eine einzige, große Insel befand. Der Proto-Krakatau soll im Jahre 535 n. Chr. explodiert sein. Dieser Ausbruch könnte zur Klimaanomalie 536–550 geführt haben. Spätestens seit diesem Ereignis gab es einen Archipel, bestehend aus den Inseln Sertung, Panjang und einer großen, Krakatau genannten Insel mit den drei Vulkankegeln Perboewetan, Danan und Rakata. Der Vulkan schlief viele Jahrhunderte lang. Erst 1530 brach der kleinste der drei Kegel, der Perboewatan, aus und vernichtete alles Leben auf der Insel. Wieder folgte eine lange Zeit der Ruhe, und Urwald breitete sich auf der Insel aus. Die Bewohner glaubten schon, der Vulkan wäre endgültig erloschen.
Der große Ausbruch von 1883 Das erste dokumentierte Anzeichen für die bevorstehende und zugleich bekannteste Eruption des Krakatau zeigte sich am 9. Mai 1883: Ein Erdbeben kurz vor Mitternacht erschütterte die Region um den Leuchtturm Vierde Punt bei Anyer, der Krakatau am nächsten lag. Zu diesem Zeitpunkt sprengte der hohe Druck im Erdinneren die Bruchlinie direkt unter dem Vulkan. Magma stieg nach oben und zerriss die Kruste. Der Leuchtturmwärter beobachtete in dieser Nacht, wie sich das Wasser der Sundastraße für einen Moment spiegelglatt zeigte, um danach wieder die normale Dünung zu zeigen.
Am 20. Mai 1883 erwachte die Insel Krakatau, die aus den drei Kegeln Rakata (820 m), Danan (450 m) und Perboewatan (120 m) bestand, endgültig aus ihrer vulkanischen Ruhephase, die über 200 Jahre angedauert und in der sich der enorme Explosionsdruck aufgebaut hatte. Dieser erste Ausbruch am Perboewatan bildete den Auftakt für eine Reihe weit gewaltigerer Eruptionen in den Folgetagen.
mini|Krakatau vor dem Ausbruch, 19. Jahrhundert
mini|Die Veränderungen des Vulkans Krakatau beim Ausbruch 1883.Nach den Aufnahmen von Verbeek zusammengestellt von T. Metzger
Aufgrund dieser ersten kleineren Eruptionen entsandte die niederländische Kolonialverwaltung hintereinander zwei Expeditionen zum Vulkan. Die erste kehrte beim Anblick der Schäden auf der Insel zurück. Die Teilnehmer der zweiten hingegen – in teilweiser Unkenntnis der Gefahren – bestiegen den Vulkan noch einmal und sahen als letzte Menschen in das Innere des bereits aktiven, aber kurzzeitig ruhenden Vulkans, bevor er kurze Zeit später in einer gewaltigen Calderaexplosion verschwand.
Am Mittwoch, 22. August 1883, erfolgte die erste Eruption der finalen Serie. Am Sonntag, 26. August, um 13:06 Uhr (jeweils Ortszeit) folgte eine weitere. Am 27. August 1883 um 5:30 Uhr brach der Krakatau zum dritten, um 6:44 Uhr zum vierten und um 8:20 Uhr zum fünften Mal aus. Um 10:02 Uhr fand die gewaltigste Eruption statt. Die Explosionen waren derart heftig, dass die dadurch ausgelösten Luftdruckschwankungen noch im 130 km entfernten Batavia (heute Jakarta) Fensterscheiben erzittern ließen und Gegenstände in den Häusern zu Boden fielen. Der Knall dieses finalen Ausbruchs gilt als das lauteste Geräusch, das der Mensch je gehört hat, und die Schalldruckwelle hatte die größte je gemessene Reichweite; die Lautstärke vor Ort wird auf 300 Dezibel geschätzt.https://www.spektrum.de/news/artemis-i-start-der-mondrakete-war-kilometerweit-zu-hoeren/2109249 Das Geräusch war sowohl im 3100 Kilometer entfernten Perth als auch auf der etwa 4800 Kilometer entfernt liegenden Insel Rodrigues nahe Mauritius zu hören. Atmosphärische Druckwellen wurden rund um die Erde registriert. Die Luftdruckwelle war auch noch nach fünf Tagen und sieben Erdumläufen messbar.Anak Krakatau – Pulverfaß in der Sundastrasse www.vulkane.net, 2008, aktualisiert 2018.
Alle drei Kegel der Insel waren gleichzeitig aktiv. Der Krakatau schleuderte 18Reiselexikon Sundainseln, abgerufen am 12. Oktober 2018. bis 20 km³Stefan Schmitt: Vor Publikum. In: ZEIT Online, abgerufen am 12. Oktober 2018. Asche und Gestein bis in eine Höhe von 25 km in die Erdatmosphäre. Damit erreichte der Ausbruch den Vulkanexplosivitätsindex VEI = 6.
Die Energie des Ausbruchs betrug je nach Quelle 130 Megatonnen oder zwischen 200 und 2000 Megatonnen TNT-Äquivalent.
Die unterirdische Magmakammer entleerte sich rasch und stürzte dann unter dem Gewicht der Deckenformation ein, woraufhin die Wassermassen des umgebenden Meeres nachströmten. Der Einsturz verursachte an den umliegenden Küsten einen stellenweise bis zu 40 Meter hohen Tsunami. Auf die Flutwelle folgten Ascheregen und pyroklastische Ströme – glühend heiße Gemische aus Gestein, Gas und Asche, die Geschwindigkeiten bis zu 400 km/h und Temperaturen von 300 bis 800 °C erreichen können. Sie zerstörten auf den umliegenden Inseln 165 Städte und Dörfer und töteten insgesamt mindestens 36.417 Menschen. Selbst ein Dampfschiff wurde vier Kilometer weit landeinwärts geschoben. Es war das niederländische Schiff Berouw, das im Hafen von Telok-Betong vor Anker lag. Von der Vulkaninsel versanken zwei Drittel im Meer.
Der Leuchtturm Vierde Punt bei Anyer wurde von einem großen, vom Meeresgrund losgerissenen Korallenblock getroffen, der Schätzungen zufolge etwa 600 t wog. Der Turm zerbrach und wurde ins Meer gespült. An die Naturkatastrophe erinnern bis heute das zwei Meter dicke Ziegelsteinfundament des alten Leuchtturms und ein Denkmal. Der Kegel des Perboewatan und der Kegel des Danan verschwanden bei der Eruption am 27. August 1883 komplett. Vom Kegel des Rakata, der heute selbst den Rest der Insel Krakatau bildet, blieben etwa 50 % übrig.
Der Ausbruch des Krakatau mit seiner Auswurfmenge von bis zu 20 km³ ist nach dem Ausbruch des Samalas 1257 und des Tambora 1815 einer der sechs größten Vulkanausbrüche des letzten Jahrtausends. Seine Stärke erreichte einen Vulkanexplosivitätsindex von 6 (VEI, mögliche Werte 0 bis 8). Bei den heftigen Ausbrüchen des Mount St. Helens im Mai 1980 betrug die Auswurfmenge etwa 1 km³ und beim Pinatubo 1991, ebenfalls VEI 6, etwa 10 km³. Der stärkste Ausbruch der letzten 10.000 Jahre war zwischen dem 10. und 15. April 1815 der des Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa. Dieser Ausbruch hatte einen VEI von 7 und schleuderte etwa 160 km³ Material in die Atmosphäre. Einen VEI von 8 erreichte keine Eruption in den letzten 10.000 Jahren.
Auswirkungen weltweit
mini|hochkant=1.7|Vulkane in Indonesien
Die Flutwelle wurde selbst in Europa registriert. An Pegeln im Golf von Biskaya, 17.000 Kilometer von ihrem Ursprung entfernt, und entlang des Ärmelkanals wurde sie als Ausschlag von 2 cm aufgezeichnet.
Größere Partikel, wie zum Beispiel Bimsstein, der nach zeitgenössischen Berichten europäischer Seefahrer große Meeresflächen im Umkreis bedeckte, gingen in einem Gebiet von beinahe 4 Millionen km² nieder – einem Areal von der doppelten Größe des gesamten indonesischen Archipels. Die feine Vulkanasche und Aerosole stiegen in die obere Atmosphäre auf und verteilten sich dort in wenigen Tagen weltweit in über 70 % dieser Luftschicht.
Rund um die Erde wurden aufgrund der Partikel in der Atmosphäre, an denen es zu Lichtbrechungen kam, spektakuläre Sonnenuntergänge beobachtet. So soll einer Untersuchung US-amerikanischer Wissenschaftler zufolge die auffallende rötliche Färbung des Himmels in Edvard Munchs berühmtem Gemälde „Der Schrei“ auf die nach der Eruption weltweit veränderte Färbung des Himmels zurückzuführen sein. Munch schrieb in seinem Tagebuch: „Plötzlich färbte sich der Himmel blutrot, die Wolken aus Blut und Flammen hingen über dem blau-schwarzen Fjord und der Stadt.“aps.org Olson, Donald W.; Russell L. Doescher and Marilynn S. Olson (May 2004). „The Blood-Red Sky of the Scream“. APS News (American Physical Society) 13 (5). Abgerufen am 22. Dezember 2007.
Ein Astronom berichtete über die totale Mondfinsternis am 4. Oktober 1884 an Nature, dass „… die Verdunkelung des Mondes weit über den Grad hinausgeht, den man bei Finsternissen der letzten Zeit gesehen hat“. Vergleichende Fotos wurden 1888 in der Astronomiezeitschrift SiriusSirius, Zeitschrift für populäre Astronomie, 1888 (Beilagentafel 11), zitiert in , abgerufen am 12. Oktober 2018, nicht mehr abrufbar 26. Dezember 2018. publiziert.
Der zur Charakterisierung der Vulkanausbruchfolgen eingeführte Trübungsindex der Atmosphäre wurde am Krakatau-Ereignis referenziert und für dieses auf 1000 gesetzt. Vor allem durch die das Sonnenlicht reflektierenden Aerosole sank auf der Nordhalbkugel die Durchschnittstemperatur um ca. 0,5–0,8 K.Mark Szeglat: Vulkanischer Winter: Auswirkung von Vulkanausbrüchen auf das Klima. In: vulkane.net, abgerufen am 12. Oktober 2018. Es dauerte einige Jahre, bis diese Partikel wieder aus der Atmosphäre verschwanden.
Der Ausbruch des Krakatau im Jahre 1883 wird in der Medienwissenschaft als eines der frühesten Beispiele für das globale Dorf angeführt. Ohne die telegraphischen Berichte nach Europa wäre beispielsweise die Flutwelle nicht erkannt worden.
Tierwelt und Ökologie mini|links|Rakata, 2013