mini|Das Aachener Rathaus, Verleihungsort des Karlspreises, im Mai 2007 mini|Oberbürgermeister Linden bei der Verleihung 2000 mit Bill Clinton. Im Hintergrund Armin Laschet und weitere Preisträger, darunter Juan Carlos I., Václav Havel und Simone Veil

Der Karlspreis, vollständiger Name seit 1988 Internationaler Karlspreis zu Aachen, wird in Aachen seit 1950 in der Regel jährlich an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verliehen, die sich um Europa und die europäische Einigung verdient gemacht haben.

Der Preis wurde nach dem Kaiser Karl dem Großen benannt, der bereits zu Lebzeiten als „Vater Europas“ (Pater Europae) gelobt wurde und als eine nach wie vor das kollektive europäische Geschichtsbewusstsein prägende Persönlichkeit gilt. Am Ende des 8. Jahrhunderts gründete er die Aachener Königspfalz und machte so Aachen zum politischen, spirituellen und kulturellen Zentrum seines Reiches, welches sich über weite Teile Europas erstreckte. Durch die Namenswahl sollte nach der Vorstellung des Initiators Kurt Pfeiffer eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft geschlagen werden.

Der Preis besteht aus einer von den Mitgliedern des Karlspreisdirektoriums unterzeichneten Urkunde und einer Medaille. Die Vorderseite der Medaille zeigt das Bildnis Karls des Großen auf seinem Thron mit der Inschrift Carolus Magnus Romanorum Imperator Augustus (lat. für „Karl der Große, erhabener Kaiser der Römer“) – eine Darstellung des ältesten erhaltenen Aachener Stadtsiegels aus dem frühen 12. Jahrhundert. Auf der Rückseite stehen der Name des Preisträgers und ein ihm gewidmeter Text. Bis 2007 war der Preis zusätzlich mit einem Geldbetrag von 5000 Euro versehen. Seit 2008 kommt dieses Preisgeld dem Karlspreis für die Jugend zugute. Ab 2025 wurde der Karlspreis mit einer Million Euro dotiert. Mit dem Preisgeld sollen in Abstimmung mit dem Preisträger europäische Projekte finanziert werden.

Geschichte Die Idee des Karlspreises geht auf den Aachener Kaufmann Kurt Pfeiffer zurück, der sie am 19. Dezember 1949 in einem VortragStiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen (Hrsg.): Vortrag von Kurt Pfeiffer. In: karlspreis.de, abgerufen am 28. Oktober 2021. bei der Corona Legentium Aquensis, einem Lese- und Diskussionszirkel, in Aachen vorstellte. In kurzer Zeit versammelte Pfeiffer wichtige Aachener Persönlichkeiten zur Proklamation des Karlspreises der Stadt Aachen. Unterzeichnet wurde diese neben Pfeiffer von Oberbürgermeister Albert Maas, Oberstadtdirektor Albert Servais und Bürgermeister Ludwig Kuhnen, Bischof Johannes Joseph van der Velden, dem RWTH-Rektor Wilhelm Müller sowie den Hochschulprofessoren Peter Mennicken und Franz Krauß, dem Präsidenten der Deutsch-Belgisch-Luxemburgischen Handelskammer in Köln und späteren Oberbürgermeister der Stadt Aachen Hermann Heusch wie auch weiteren Vertretern der Wirtschaft, wie dem niederländischen Direktor der Philips-Werke Carel Nieuwenhuijsen, dem luxemburgischen Generaldirektor der Vereinigten Glaswerke Jean Louis Schrader und dem Tuchfabrikanten Erasmus Schlapp.

Am 14. März 1950 wurde die Gesellschaft zur Verleihung des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen (Karlspreisgesellschaft) gegründet. Die zwölf Unterzeichner der Proklamation bildeten das erste Karlspreisdirektorium. Sie erklärten, der Preis solle fortan jährlich „Persönlichkeiten verliehen“ werden, „die den Gedanken der abendländischen Einigung in politischer, wirtschaftlicher und geistiger Beziehung gefördert haben“. Die Karlspreisgesellschaft ist seit 1987 in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins verfasst und führt den Namen Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen e. V. Seit 1997 existiert daneben die Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen, die den Gedanken der europäischen Einigung fördern soll sowie den Karlspreis ideell und materiell unterstützt.

Verleihungsmodus Die Auswahl des Preisträgers trifft das Direktorium der Karlspreisgesellschaft. Mitglieder kraft Amtes sind der Oberbürgermeister der Stadt Aachen, der Dompropst in Aachen und der Rektor der RWTH Aachen. Weitere Mitglieder sind Vertreter der im Rat der Stadt Aachen vertretenen Fraktionen, vom Direktorium benannte Persönlichkeiten sowie gewählte Mitglieder und Vertreter der Stiftung. Vorschläge für die Preisträger werden nicht nur aus dem Direktorium und der Stiftung, sondern auch von Personen und Institutionen außerhalb dieser Gremien eingebracht. Externe Vorschläge werden genauso behandelt wie interne Vorschläge. Das Direktorium tagt nichtöffentlich. Kommuniziert wird nur die Entscheidung, die Diskussionen im Direktorium sind nicht öffentlich und vertraulich.

Die Verleihung findet traditionell am Feiertag Christi Himmelfahrt im Krönungssaal des Rathauses der Stadt Aachen statt. In einer feierlichen Zeremonie werden Urkunde und Medaille überreicht. Weitere Elemente dieser Zeremonie sind die Laudatio, die Rede des Preisträgers, die Aufführung des Hymnus Urbs Aquensis und der Europahymne. Die Zeremonie wird live im WDR Fernsehen übertragen. Am Tag der Verleihung findet außerdem auf dem Aachener Katschhof ein Bürgerfest statt. Am Vortag der Verleihung findet seit einigen Jahren auch eine Konferenz zu aktuellen Europathemen statt: Der Preisträger besucht die RWTH Aachen und hält dort eine Rede. Im Anschluss gibt es ein feierliches Abendessen mit geladenen Gästen. Eingebettet ist die Verleihung in ein umfangreiches, mehrwöchiges Rahmenprogramm mit Vorträgen, Diskussionen und kulturellen Beiträgen, die die aktuelle Lage Europas, die jeweiligen Preisträger und deren Herkunftsland thematisieren.. In: aachen.de.

Maryja Kalesnikawa, die zusammen mit Swjatlana Zichanouskaja und Weranika Zepkala zu den Karlspreisträgerinnen 2022 gehörte, erhielt die Auszeichnung am 14. März 2026 während einer Feier im Aachener Rathaus aus der Hand ihrer Schwester Tatsiana Khomich. Diese hatte 2022 den Preis stellvertretend in Empfang genommen, da Maryja Kalesnikawa zu dieser Zeit als politische Gefangene in Belarus inhaftiert war.

Im Jahr 2010 setzte sich auf Initiative der ehemaligen Ratsfrau und Bürgermeisterin Meike Thüllen (FDP) ein Bürgerforum dafür ein, dass die unter Verschluss gehaltenen Akten über die Auswahl der Kandidaten und die Entscheidung über die Vergabe des Aachener Karlspreises, die älter als 30 Jahre sind, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um somit auch ihre wissenschaftliche Auswertung ermöglichen zu können. In der Ausgabe der Aachener Nachrichten und Aachener Zeitung vom 29. April 2013 wird der Sprecher des Direktoriums, Jürgen Linden, mit der Aussage zitiert, dass das Direktorium jeweils im Einzelfall über Anträge auf Einsichtnahme entscheidet.

Gremien Karlspreisgesellschaft Die „Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises der Stadt Aachen“ (Karlspreisgesellschaft) wurde 1950 gegründet. Ihre Aufgabe sind entsprechend der Satzung alle mit der Karlspreisverleihung verbundenen Aufgaben. Seit 1987 ist die Karlspreisgesellschaft ins Vereinsregister eingetragen mit der heutigen Bezeichnung „Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen e. V.“.Gesellschaft/ Direktorium. In: karlspreis.de, abgerufen am 28. Oktober 2021 (letzte Änderung: September 2021).

Direktorium Das Direktorium dieser Gesellschaft wählt den jährlichen Karlspreisträger aus. Die Sitzungen des Gremiums sind nicht öffentlich. Es besteht aktuell aus 19 Mitgliedern:Mitglieder des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen e. V. In: karlspreis.de, abgerufen am 16. November 2024 (letzte Änderung: August 2024). mini|Michael Ziemons und Armin Laschet, Verkündung des Karlspreisträgers 2026 Geborene Mitglieder sind: Michael Ziemons, Oberbürgermeister der Stadt Aachen Rolf-Peter Cremer, Dompropst Ulrich Rüdiger, Rektor der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen

Gewählte Mitglieder sind: Jürgen Linden Gisela Kohl-Vogel, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Aachen Astrid Lambrecht Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich Armin Laschet, Ministerpräsident a. D., Sprecher (Vorsitzender) des Direktoriums Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen a. D.; Geschäftsführerin der Carl Friedrich von Siemens Stif Christoph Schmallenbach, ehemaliger CEO von Generali Schweiz Angela Maas, Journalistin und Moderatorin

Von den im Rat der Stadt vertretenen Fraktionen benannte Mitglieder sind: Fabia Kehren, SPD Hermann Josef Pilgram, Bündnis 90/Die Grünen Margrethe Schmeer, CDU

Vom Direktorium benannte Mitglieder sind: Sabine Scholt, Korrespondentin und Büroleiterin des ARD Morgenmagazins im ARD Hauptstadtstudio Berlin Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit a. D., Präsident des Deutschen Roten Kreuzes

Von der Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen entsandte Mitglieder sind: Thomas Prefi Ulrich Hermann

Ehemalige Vorsitzende des Direktoriums Die bisherigen Sprecher (Vorsitzenden) des Karlspreisdirektoriums sind:Die bisherigen Sprecher (Vorsitzenden) des Karlspreisdirektoriums. In: karlspreis.de, abgerufen am 28. Oktober 2021. Kurt Pfeiffer, Initiator des Karlspreises der Stadt Aachen. Bis zur Einführung des Sprecheramtes 1953 bildete er mit Albert Maas und Peter Mennicken den – „Arbeitsausschuss“ genannten – gemeinschaftlichen Vorstand des Direktoriums. Albert Maas, 1953 bis 1970 Jean Louis Schrader, 1970 bis Januar 1981 Hugo Cadenbach, 1981 bis 1997 Walter Eversheim, 1997 bis Ende 2009

Stiftung Die Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen wurde im Dezember 1997 als gemeinnützige Stiftung privaten Rechts gegründet. Ihr Ziel ist, den Karlspreis ideell und materiell zu fördern. Aufgaben der Karlspreisstiftung sind die Organisation eines mehrwöchigen Rahmenprogramms im Vorfeld der jeweiligen Karlspreisverleihung, die Durchführung des Karlspreis-Europa-Forums sowie die Sicherung und Auswertung der Dokumente der Karlspreisverleihungen in einem eigenen Archiv. Weiterhin werden weitere Veranstaltungen, Ausstellungen und Begegnungen zur Förderung des Karlspreises und des Europagedankens gefördert und organisiert.Die Karlspreisstiftung. In: karlspreis.de, abgerufen am 28. Oktober 2021.

Schirmherren Folgende Persönlichkeiten haben die Schirmherrschaft über die Stiftung übernommen:Die Schirmherren. In: karlspreis.de, abgerufen am 28. Oktober 2021. Philippe, König der Belgier Felipe VI., König von Spanien Henri von Luxemburg, Großherzog von Luxemburg

Jugendkarlspreis

Seit 2008 wird von der Karlspreisstiftung, gemeinsam mit dem Europäischen Parlament, auch der Europäische Karlspreis für die Jugend vergeben, der das europäische Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen würdigt und vorbildliche Jugendprojekte auszeichnet. Die Verleihung des Jugendkarlspreis findet in derselben Woche wie die Verleihung des Karlspreises statt. Dazu werden alle Preisträger der nationalen Wettbewerbe nach Aachen eingeladen. Die Wettbewerbe und Preisträger seit 2008 sind auf der Website des Jugendkarlspreises dokumentiert.

Charlemagne Prize Academy 2019 gründete die Karlspreisstiftung als weitere Programmlinie die Charlemagne Prize Academy, die das Ziel hat neben der Honorierungen großer Persönlichkeiten durch den Karlspreis und der Auszeichnung von jungem Engagement durch den Jugendkarlspreis auch die akademische und wissenschaftliche Debatte zu europäischen Themen zu fördern. So vergibt die Academy seit 2019 jährlich drei bis fünf Stipendien in der Form von Fellowships an Nachwuchswissenschaftler oder Berufseinsteiger, die sich schwerpunktmäßig mit einem Thema von europäischer Relevanz beschäftigen möchten. Das Fellowship ist mit 25.000 Euro dotiert und hat eine Laufzeit von je 12 Monaten.

Kritik und Proteste