mini|hochkant=0.7|Verteilung der Fischerdörfer in Norrland
Gävlefischer () wurden Fischer aus der schwedischen Stadt Gävle genannt, die zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert entlang der Küste Norrlands Hering fischten. Von 1557 bis 1776 hatten sie ein vom König ausgestelltes Monopol auf den gesamten Fischfang an der etwa 2000 Kilometer langen Küstenlinie. Die Gävlefischer unterhielten neben ihren Wohnsitzen in Gävle entlang der Küste Fischerdörfer, von denen aus sie den Fischfang betrieben. Jährlich segelten die Fischerfamilien im Frühjahr in ihr Dorf, fischten dort den Sommer über und verkauften den produzierten Salzhering im Herbst auf Märkten in Mittelschweden. Hauptsächlich wegen der Konkurrenz anderer Fischer begann ab dem Ende des 16. Jahrhunderts der Niedergang der Fernfahrten. Die letzte Fahrt unternahmen Erik August Grellson und Erik Wilhelm Högberg im Jahr 1899 nach Trysunda.
Geschichte Anfänge Anfang des 15. Jahrhunderts begannen Fischer aus mittelschwedischen Städten, vor allem aus Gävle, längere Fahrten entlang der Küste von Norrland zu unternehmen, um dort Heringe zu fischen.Jan Moritz: Gävlefiskarna i Ångermanland. 1992, S. 1. Neuerungen in der Verarbeitung des gefangenen Fisches, wovon die wichtigste das Einsalzen war, ermöglichten Fernfahrten. Bis ins 14. Jahrhundert aßen die Menschen Ostseeheringe frisch oder getrocknet; erst als Lübecker Kaufleute begannen, Salz aus der Lüneburger Saline in das salzarme Skandinavien zu exportieren, gewann der Fischfang dort an Bedeutung. Den Salzhering verkaufte die Hanse in ganz Europa als Fastenspeise.Kjell E. G. Söderberg: Ulvöhamn – två bilder ur ett fiskeläges historia. 1995, S. 27–29.
Gävle liegt an der Mündung des Gavleån in den Bottnischen Meerbusen und war ursprünglich ein kleines Fischerdorf,Kjell E. G. Söderberg: Ulvöhamn – två bilder ur ett fiskeläges historia. 1995, S. 35. das 1446 die Stadtrechte von König Christoph III. erhielt.Kjell E. G. Söderberg: Ulvö gamla kapell. 1972, S. 1. Anfangs konkurrierten die Gävler Fischer mit denen aus südlicher gelegenen Städten um die besten Fangplätze. 1557 erhielten sie von König Gustav Wasa das alleinige Recht, entlang der Küste von Norrland zu fischen, und führten dafür jede zehnte Tonne Salzhering als Steuer an die Krone ab. Im Jahr 1559 gab es 149 Fischer in verschiedenen Fischerdörfern, die vor allem an der Küste Ångermanlands fischten. Ihr Gesamtfang belief sich in diesem Jahr auf 340 Fässer Heringe.Johan Nordlander: Gävlebornas fiskefärder till Ångermanlands kust. 1923, S. 1–3.
Konkurrenz durch andere Fischer und Niedergang Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts wurden nördlich von Gävle neue Städte gegründet, deren Bewohner versuchten, die Gävlefischer aus ihren Fischfanggründen zu verdrängen. Bei den Auseinandersetzungen kam es mehrmals zu kleinen Schlägereien zwischen den Konkurrenten.Johan Nordlander: Gävlebornas fiskefärder till Ångermanlands kust. 1923, S. 3. 1623 erhielt die Stadt Sundsvall von der Krone einige der besten Fangplätze in Medelpad. Die Gävlefischer durften die Häfen gegen die Zahlung einer Pacht weiterhin nutzen.Per Vedin: Det forntida fisket vid norrlandskusten: Gävlebohamnar under gångna århundraden. 1930, S. 90. Das Fischerdorf Ulvöhamn war der bedeutendste Stützpunkt der Gävlefischer und ein wichtiger Verbindungspunkt zwischen Stockholm und dem Norden Schwedens. Dort fand ein eigentlich verbotener reger Handel mit den örtlichen Bauern statt, die vor allem Salz kauften. Auf Betreiben der Bürger von Härnösand, die den lukrativen Handel mit den Bauern selber abwickeln wollten, untersagte ihn der Staat 1646. Fischer und Bauern umgingen das Verbot jedoch. 1668 erreichten die Härnösander Bürger bei König Karl XI. eine Anordnung, die die Gävlefischer zwang, im Frühjahr und Herbst nach Härnösand einzulaufen und sich dort visitieren zu lassen. Dadurch konnte verhindert werden, dass sie im Frühjahr andere Produkte als das zum Einsalzen benötigte Salz und im Herbst die entsprechenden Mengen Salzhering mitführten. Die Fischer beschwerten sich ihrerseits beim König über die zeitraubenden Kontrollen. Als Lösung mussten die Kontrolleure ab 1675 aus Härnösand in die Fischerdörfer fahren, um die Fischer dort zu visitieren. Der illegale Handel endete – unter anderem wegen der hohen Geldstrafen für Gesetzesverstöße – um das Jahr 1700.Johan Nordlander: Gävlebornas fiskefärder till Ångermanlands kust. 1923, S. 8–13. Im Jahr 1701 stellten die Fischer aus Gävle ihre Fernfahrten nach Medelpad ein, da die Zahl der konkurrierenden Fischer aus Sundsvall stetig stieg. Teilweise fischten die Gävlefischer nun von anderen, weiter nördlich gelegenen Fischerdörfern aus, teilweise wurden sie in Medelpad sesshaft.Per Vedin: Det forntida fisket vid norrlandskusten: Gävlebohamnar under gångna århundraden. 1930, S. 91. Ihre Anzahl sank bis 1737 auf 71, sie besuchten weniger Fischerdörfer und diese lagen weiter nördlich als zu Beginn des 17. Jahrhunderts.Albert Eskeröd: Gävlebornas strömmingsfiske. 1946, S. 11–12.
Im Jahr 1766 schaffte der König das Wasserregal ab und gab den Landbesitzern ihr Fischereirecht zurück; dadurch verloren die Gävlefischer ihr Vorrecht auf den Fischfang im gesamten Norrland. Sie mussten ihre alten Fischerdörfer pachten, die Fischereifahrten gingen noch gut 100 Jahre lang weiter.Albert Eskeröd: Gävlebornas strömmingsfiske. 1946, S. 6. Im Oktober 1802 geschah eines der größten Unglücke in der Geschichte der Gävlefischer, als drei Fischer mit ihren Familien auf dem Rückweg nach Gävle in einen Sturm gerieten und ihr Boot vor der Küste Ålands kenterte. Alle siebzehn Insassen ertranken.Kjell E. G. Söderberg: Ulvö gamla kapell. 1972, S. 3.mini|Familie Grellson in Trysunda, 1895 Der Niedergang der Fischereifahrten hatte viele Ursachen, einer der Hauptgründe war die stärkere Konkurrenz durch andere Fischer. Viele der Gävlefischer kamen ursprünglich aus Ångermanland, ihre Vorfahren waren nach Gävle gezogen und dort Mitglied der Bürgerschaft geworden. Nun entschieden sich immer mehr Fischer, sesshaft zu werden, oft in ihren alten Fischerdörfern. Gründe waren der Wunsch nach besseren Wohnhäusern sowie der Bau von Eisenbahnlinien von der Westküste Schwedens an die Ostküste. Dort hatten bisher die Gävlefischer ihren Salzhering verkauft, mit der Eisenbahn konnte frischer Fisch in großen Mengen transportiert und billiger als der Salzhering verkauft werden. Die Wirtschaft Gävles richtete sich auch immer stärker auf den Handel ein, zusammen mit der beginnenden Industrialisierung wurden dort viele Arbeitskräfte gebraucht. Die letzten Gävlefischer Ende des 19. Jahrhunderts waren Erik August Grellsons Familie und Erik Wilhelm Högberg. Sie segelten zum letzten Mal im Jahr 1899 nach Trysunda. Högberg fuhr noch bis 1914 jedes Jahr im Frühjahr mit einem Dampfschiff nach Skeppsmalen, fischte dort den Sommer über und fuhr im Herbst wieder heim nach Gävle. Als er Weihnachten 1914 starb, endete die Tradition der Gävlefischer endgültig.Jan Moritz: Gävlefiskarna i Ångermanland. 1992, S. 10–12.
Reise im Frühjahr Die Fischfahrten begannen um den Monatswechsel April/Mai, wenn das Meereseis zu schmelzen begann. Ins Fischerdorf kam die gesamte Familie und das Gesinde, teilweise fuhren mehrere Familien in einem Boot. Das meiste, was sie den Sommer über brauchten, nahmen die Menschen mit: Hausgerätschaften, Lebensmittel (darunter lebende Tiere), Salz zum Einsalzen und Waren zum Tauschen mit der Lokalbevölkerung. Ihre Netze brachten die Fischer aus Gävle mit, andere Werkzeuge ließen sie den Winter über im Fischerdorf. Die Fässer für den Salzhering wurden nicht mitgeführt, sondern jedes Jahr im Sommer neu gefertigt. Die bis zu 350 Kilometer lange Reise dauerte meistens ein bis zwei Wochen, nach der Überlieferung sollen jedoch einzelne Fischer die Strecke bei günstigen Winden in 48 Stunden zurückgelegt haben.Per Vedin: Det forntida fisket vid norrlandskusten: Gävlebohamnar under gångna århundraden. 1930, S. 17–20.
Fischerdörfer mini|Trysunda, eines der ältesten Fischerdörfer der Gävlefischer. mini|Bootshäuser in Bönhamn Liste der Fischerdörfer Fischerdorf Kirchspiel Landskap Långsand Älvkarleby Uppland Limön Gävle Gästrikland Bönan Gävle Gästrikland Utvalnäs Gävle Gästrikland Eggegrund Gävle Gästrikland Lövgrund Gävle Gästrikland Vitgrund Gävle Gästrikland Edsköklabb Hille Gästrikland Iggön Hille Gästrikland Säljemar Hille Gästrikland Gåsholma Hamrånge Gästrikland Axmarby Hamrånge Gästrikland Kusökalv Hamrånge Gästrikland Rävskär Hamrånge Gästrikland Kalvhararna Söderhamn Hälsingland Trollharen Skog Hälsingland Kultebo Söderala Hälsingland Storjungfrun Söderhamn Hälsingland Maråker Söderala Hälsingland Grimshararna Söderhamn Hälsingland Skatön Söderhamn Hälsingland Stålnäs Norrala Hälsingland Prästgrundet Söderhamn Hälsingland Sydosten Norrala Hälsingland Sillören Norrala Hälsingland Skärså Norrala Hälsingland Karskär Enånger Hälsingland Ravelsnäs Enånger Hälsingland Bergön Enånger Hälsingland Sörön Enånger Hälsingland Fjäle Enånger Hälsingland Vätnäs udde Enånger Hälsingland Agön Agö Hälsingland Kråkön Agö Hälsingland Bergön Rogsta Hälsingland Olmen Hudiksvall Hälsingland Hölick Rogsta Hälsingland Kuggörarna Rogsta Hälsingland Arnö Rogsta Hälsingland Bålsön Rogsta Hälsingland Dråsviken Rogsta Hälsingland Lakbäcken Rogsta Hälsingland Rönnskär Rogsta Hälsingland Stensjö Rogsta Hälsingland Stockviken Rogsta Hälsingland Sågtäkten Rogsta Hälsingland Rönnskär Harmånger Hälsingland Lönnånger Jättendal Hälsingland Jättholmarna Jättendal Hälsingland Vitöarna Jättendal Hälsingland Härte Jättendal Hälsingland Sörfjärden Gnarp Hälsingland Vattingen Gnarp Hälsingland Sladdhamn Gnarp Hälsingland Bäcksand Gnarp Hälsingland Fågelharen Gnarp Hälsingland Ravelsnäs Gnarp Hälsingland Skatan Njurunda Medelpad Brämökalv Njurunda Medelpad Brämön Njurunda Medelpad Lörudden Njurunda Medelpad Spikhamn Alnö Medelpad Röhamn Alnö Medelpad Åstaholmsudden Tynderö Medelpad Storhamn Tynderö Medelpad Skeppshamn Tynderö Medelpad Balsviken Häggdånger Ångermanland Svenskär Häggdånger Ångermanland Hemsö Hemsö Ångermanland Storön Nora Ångermanland Berghamn Nora Ångermanland Sörfällsviken Nordingrå Ångermanland Barsta Nordingrå Ångermanland Låssman Nordingrå Ångermanland Bönhamn Nordingrå Ångermanland Rävsön Nordingrå Ångermanland Gnäggen Nätra Ångermanland Norrfällsviken Nordingrå Ångermanland Marviksgrunnan Nätra Ångermanland Ulvöhamn Nätra Ångermanland Sandviken Nätra Ångermanland Trysunda Nätra Ångermanland Grisslan Själevad Ångermanland Skeppsmalen Grundsunda Ångermanland Skagen Grundsunda Ångermanland Långholmarna Grundsunda Ångermanland Granö Grundsunda Ångermanland In ihre Fischerdörfer nahmen die Familien Ziegen und Schafe mit, selten auch Schweine und Kühe.Per Vedin: Det forntida fisket vid norrlandskusten: Gävlebohamnar under gångna århundraden. 1930, S. 21. Ziegen waren für die Gävlefischer als Milchlieferanten wichtig, viele Familien besaßen mehrere davon.Kjell E. G. Söderberg: Ulvöhamn – två bilder ur ett fiskeläges historia. 1995, S. 71. Ziegen konnten einfacher als Kühe transportiert werden und waren für die kargen Verhältnisse auf den Inseln besser geeignet. Schweine konnten sich an den Fischabfällen fett fressen, ihr Fleisch schmeckte dadurch jedoch leicht tranig.Albert Eskeröd: Gävlebornas strömmingsfiske. 1946, S. 21.