Der Parque Nacional Natural Chiribiquete ist ein seit 2018 in seiner heutigen Ausdehnung bestehender kolumbianischer Nationalpark. Der ursprüngliche Park wurde 1989 gegründet. Er erstreckt sich am Äquator auf dem Gebiet der zwei Departamentos Caquetá und Guaviare. Ökologisch verbindet der Nationalpark mit der Orinoco-Savanne, den Anden, dem Bergland von Guayana und dem Amazonas vier sehr unterschiedliche Ökosysteme miteinander. Mit einer Fläche von 42.681 km² ist er der größte Tropennationalpark der Welt. Er wurde 2018 von der UNESCO als Welterbe anerkannt.
Das Klima ist tropisch mit 24 °C Durchschnittstemperatur. Benannt ist der Park nach der Tafelberg-Landschaft Serranía de Chiribiquete, die den Park prägt. Ihr höchster Punkt liegt auf 1000 m über dem Meer. Bewohner des Gebietes haben 75.000 Felszeichnungen an mindestens 60 Orten hinterlassen, die den Park zu einer der bedeutendsten Fundstellen dieser Art auf dem amerikanischen Kontinent machen.
Geschichte Der Nationalpark wurde 1989 gegründet. Um die einzigartigen Naturdenkmäler und Kulturstätten besser zu schützen, wurde der Nationalpark 2012 in die nationale Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe aufgenommen und am 1. Juli 2018 zum kombinierten Weltnatur- und Weltkulturerbe erklärt.
Im August 2013 wurde der 12.990 km² große Nationalpark flächenmäßig mehr als verdoppelt. Er wuchs 14.834 km² auf 27.824 km². Am 2. Juli 2018 gab es mit 14.867 km² eine zweite, flächenmäßig fast identische Erweiterung zum mit 42.681 km² größten Tropennationalpark der Welt. In dieser und in anderen kolumbianischen Quellen steckt in der Addition der zweiten Erweiterung ein Rechenfehler von 10 km², entweder in der Summe oder in einem Summanden Der damalige Präsident Manuel Santos (Partido de la U) sagte: „Wir übergeben den Indigenen die Schlüssel zu dem Park, damit sie ihn schützen mögen. Die indigenen Gemeinschaften sind die besten Verteidiger von Mutter Erde, der Wälder und des Wassers.“
Geographie mini|Karte des Parks Der Nationalpark liegt im westlichsten Teil des Berglands von Guayana am Übergang der Llanos ins Amazonasgebiet. Er erstreckt sich am Äquator zwischen 74° und 71°30' westlicher Länge und 0°20' südlicher und 1°42' nördlicher Breite. Sein Höhenprofil reicht von 200 m bis zu einer Höhe von 1000 m über dem Meer. Bereits bei seiner Einrichtung war er der größte kolumbianische Nationalpark.
Die namensgebende Bergformation, Serranía de Chiribiquete, ist Teil des Berglands von Guayana und setzt sich aus mehreren Tepuis zusammen. Die Bergmassive der Serranía de Chiribiquete teilen sich in das Macizo Norte, das Macizo Central und die Mesas de Iguaje. Teilweise reicht die Serranía über die Grenzen des Parks hinaus. Das Macizo Norte liegt im nördlichen Teil des Parks im Departement Guaviare und beheimatet mit die höchsten Tafelberge. Sie reichen hier um die 800 Meter in die Höhe. Zur Formation gehört auch der Berg Cerro de Chiribiquete, der zwischen den Flüssen Macayá (auch Tunia genannt) und Ajajú liegt. Südlich der Flüsse Ajajú und Apaporis, gänzlich im Department Caquetá gelegen, befindet sich das Macizo Central. Nach Süden hin wird es vom San Jorge-Mesay-Yarí-Flusssystem begrenzt. Die Berge sind hier etwas niedriger und erreichen zwischen 350 Meter und 600 Meter. Schließlich liegen im Südosten des Parks die Mesas de Iguaje. Mit bis zu 400 Meter liegen hier die kleinsten Tafelberge.
Hydrographie Hydrographisch zählt die Region zum Amazonas. Im Parkgebiet dominieren zwei Flusssysteme, die in den Caquetá münden. Während die Wässer des Macizo Norte und aus Teilen des Macizo Central in das Macayá-Ajajú-Apaporis-Flusssystem fließen, erreichen die Wässer des restlichen Parkgebiets das San Jorge-Mesay-Yarí-Flusssystem. Durch die Zusammensetzung des Bodens sind alle Flüsse im Gebiet Schwarzwasserflüsse.
Der Fluss Macayá entspringt nahe der Stadt San Vicente del Caguán. Er streift den Park im Norden entlang der Hänge des Macizo Norte, deren Wässer er aufnimmt, und vereinigt sich schließlich mit dem Ajajú zum Apaporis. Zusammen mit dem Macayá definiert der Apaporis nach der Erweiterung von 2013 die Nord- und Ostgrenze des Parks. Die Quelle des Ajajú liegt im Osten der Savannenlandschaft Sabanas del Yarí. Er durchfließt den Park von Westen nach Osten und begrenzte vor der Erweiterung teilweise den Park im Norden. In den Sabanas del Yarí liegt auch die Quelle des Yarí. Dieser trifft auf die westlichsten Ausläufer des Parks und durchfließt ihn in Richtung Südosten; dabei nimmt er den Caño de los Huitotos und den westlichen Grenzfluss Tajisa auf. Bevor der Yarí knapp außerhalb des Parkgebiets in den Caquetá mündet, nimmt er den im Parkgebiet fast parallel fließende Mesay auf. Die Wasserscheide zwischen beiden Flüssen und ihre gerade Verlängerung bildet das mittlere Drittel der südlichen Parkgrenze. Ein weiteres Drittel verläuft entlang der Wasserscheide zwischen dem Luisa und dem Cuemaní. Das östliche Drittel der Grenze definieren zum einen der Yavillari, zum anderen die jeweiligen Wasserscheiden des Apaporis und des Mesays mit dem Mirití-Paraná-System. Der Mesay selbst entspringt zwischen dem Macizo Central und den Mesas de Iguaje. Kurz vor der Mündung des Mesay in den Yarí strömt der Cuñaré in den Mesay. Der Ursprung des Cuñaré liegt im zentralen Tal des Mazico Norte. Auf seinem Weg nimmt er neben vielen kleineren Flüssen den San Jorge auf, der selbst wiederum im Mazico Central entspringt. Letzterer sammelt vornehmlich die Wässer der östlichen Hänge dieses Massivs ein. Ein weiterer mächtiger Fluss im Parkgebiet ist der Amú. Im nördlichen Teil des Parks dienen neben dem Ajajú noch einige unbenannte Flüsse zur Begrenzung des Parks.
Geologie und Geomorphologie Neben niedrigeren nach Westen hin abgeflachten Tafelbergen prägen den Park bis zu 800 m hohe Tafelberge mit klar definierten, steilen Flanken. Während die flacheren Berge hauptsächlich im Gebiet des Mittellaufs des Mesay und im Bereich der Angostura-Stromschnellen des Caquetá gelegen sind, befinden sich die hohen Tafelberge über das gesamte kolumbianische Amazonasgebiet verstreut. Konzentriert treten die Tepuis im Oberlauf des Apaporis und in den Mittelläufen des Yarí und Caquetá auf. Die präkambrischen und paläozoischen Gesteine der Tepuis sind insbesondere im dichten Kern kristallin; weiter außen, wo die Erosion bereits zur Tafelbergstruktur beigetragen hat, bestehen sie aus Sandstein. Pseudokarstige Strukturen beeinflussen ihr Aussehen stark, beispielsweise durch turmartige Strukturen aus schwer löslichen Gesteinen, die auf einigen der Tafelberge in den Himmel emporragen. Ein weiteres auffälliges Merkmal der Gesteinsformationen des Parks ist ein glänzender, lackartiger, schwarzer oder kaffeebrauner Überzug, der an vielen Stellen präsent ist. Er besteht aus Eisen-Oxid- und -Hydroxid-Verbindungen sowie aus den entsprechenden Magnesium-Verbindungen.
Weitere flache beziehungsweise leicht wellige und abschüssige Teile des Geländes sind mit feinem weißen Sand bedeckt, der sich teilweise ebenfalls auf den Tepuis findet. Dieser Geländetyp herrscht vor allem am Oberlauf des Mesay, in Abschnitten des Yarí-Unterlaufs und Teilen des Oberlaufs des San Jorge sowie zwischen dem Macayá und dem Ajajú vor. Besonders dieser letzte Geländetyp legt die Vermutung nahe, dass das Gebiet ursprünglich einen wüstenähnlichen Charakter besaß.
Insbesondere für die Flora des Parks sehr wichtig sind die Risse in den Flussbetten.
mini|Darstellung der Araracuara-Stromschnellen im Reisebericht von Johann Baptist von Spix und Carl Friedrich Philipp von Martius. Die Falte aus dem Ordovizium bildet teilweise die Felsformation auf der linken Seite. Tektonisch baut sich das Gebiet folgendermaßen auf: eines der frühesten Ereignisse, die noch heute die Landschaft prägen, war eine Faltung im Ordovizium, die einige Hügel zwischen dem Apaporis und dem Mesay formt sowie Teile der westlichen Seite des Araracuara-Stromschnellen-Bettes bildet. Das Gebiet dieser Falte wird als Araracuara-Gebiet bezeichnet, zu dem der Park geologisch gerechnet wird. Später im Mesozoikum entstanden Verwerfungen mit in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Gräben und Horsten. Erst im frühen Tertiär hob sich das Gelände um bis zu einem Kilometer und ermöglichte so das Entstehen der Tafelberge. Seitdem wurde das Gelände hauptsächlich durch Erosion geprägt, geologische Einzelereignisse hatten vergleichsweise nur noch kleinere Einflüsse auf die Landschaft.
Klima mini|Klimadiagramm eines hoch gelegenen () nördlichen Punktes im Park mini|Klimadiagramm eines niedrig gelegenen () südlichen Punktes im Park Im Parkgebiet herrscht tropisches Klima mit circa 4500 mm Niederschlag jährlich bei meist bewölktem Himmel. Die wenigsten Niederschläge fallen dabei zwischen Dezember und Februar, die meisten zwischen April und Juli. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 24 °C mit teils starken tageszeitlichen Schwankungen. So wird es insbesondere in den trockenen Monaten am Tag um die 32 °C warm, während das Thermometer in der Nacht auf circa 20 °C fällt. Auch ist der Temperaturunterschied zwischen den tiefen Parkzonen, in denen es bis zu 35 °C warm wird, und den hohen Parkzonen auf den Tepuis, wo es bis zu 2 °C kalt sein kann, sehr hoch. Die Luftfeuchtigkeit beträgt tagsüber im Mittel 40 %, in der Nacht hingegen steigt sie auf 100 %.
Bioökologie Sowohl die Flora als auch die Fauna der tropischen Regenwälder, der Savannen, an den Wänden der Berge und in den Spalten der Gesteine in den Flussbetten des Parks sind bisher nur lückenhaft erforscht. Insbesondere die Oberflächen einiger Tafelberge sind noch komplett unerforscht. Allein die hohe Artenzahl in den kleinen, bislang erforschten Bereichen deutet auf eine enorme Artenvielfalt hin. So wird vermutet, dass fast 75 % der Pflanzenarten des gesamten kolumbianischen Amazonas- und Guayana-Gebietes auch im Parkgebiet vorkommen.
Vegetation Die botanische Forschung im kolumbianischen Guayana-Bergland begann 1820 mit Carl von Martius, der allerdings nicht bis in das Gebiet der Sierra de Chiribiquete vorstieß. Erstmals im Parkgebiet forschte Richard Evans Schultes zusammen mit Everett L. Vinton, Carl O. Grassl und Gabriel Gutierrez in den Jahren 1943 und 1944 für die Rubber Development Corporation. Er war auf der Suche nach Kautschuk, das unter anderem aus dem in der Region häufigen Balatabaum (Manilkara bidentata) gewonnen wird. Obwohl viele Arten durch diese Expeditionen und die in den darauffolgenden Jahren beschrieben wurden, bekam die botanische Forschung erst mit Errichtung des Nationalparks nennenswerten Schwung. Bereits 1998 waren 549 Pflanzenarten bekannt, die zu 315 verschiedenen Gattungen zählen, welche wiederum in 107 verschiedene Familien gestellt werden. Dabei galten elf Arten als endemisch im Park und 167 als endemisch in Guayana. 2018 waren über 1800 Arten an Samenpflanzen bekannt.UNESCO WHC: Chiribiquete National Park – “The Maloca of the Jaguar”, abgerufen am 23. Dezember 2021 Insgesamt weist die Flora des Parks eine starke Verwandtschaft mit jener der Berge von Araracuara und der Mesa de la Lindosa auf. Große Teile der Vegetation lassen sich entweder Wäldern oder Savannen zuordnen.
Wälder Im Parkgebiet kommen hauptsächlich vier verschiedene Waldvegetationszonen vor: Tieflandregenwälder, Galeriewälder, Bonnetia-Wälder und Wälder auf Böden, die auf Sedimentkörpern entstanden. Zu den häufigsten Baumarten im Parkgebiet zählen Pourouma cecropiaefolia, Qualea paraensis, Inga acrocephala, Iryanthera laevis, Hevea guianensis und Psedolmedia laevis.