mini|Luftbild aus Richtung Rhein mini|Luftbild der dem Rhein abgewandten Eingangsseite des Schlosses mini|Sicht vom Nordturm auf die Westterrasse mit Restaurantbetrieb, den Schlosspark und den Rhein (2019) mini|Ansicht aus Süden

Schloss Drachenburg ist ein Schloss am Drachenfels in Königswinter. Es wurde von 1882 bis 1884 in den historistischen Stilen der Neogotik und der Neorenaissance als repräsentativer Wohnsitz für Stephan von Sarter gebaut, der das Schloss allerdings nicht selbst bewohnte. Nach seinem Tod war das Schloss mehrfachem Nutzungswandel ausgesetzt.

1986 wurde Schloss Drachenburg, das kulturhistorisch in den Kontext der Burgenrenaissance der Rheinromantik fällt, unter Denkmalschutz gestellt und 1990 der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege unterstellt. Von 1995 bis 2010 wurde es in Anlehnung an den ursprünglichen Zustand restauriert und zu einer Art Gründerzeitmuseum mit einem Schwerpunkt auf zeitgenössischer Wohnkultur ausgebaut. Für die Rekonstruktion der Eingangstreppe gewannen die Restaurierungsbetriebe Bachmann & Wille und die Bauhütte Quedlinburg 2011 den Peter-Parler-Preis. Die Innenräume sowie die Wandmalereien und historistischen Glasmalereien wurden so weit wie möglich in der ursprünglichen Gestaltung rekonstruiert. Der Schlosspark gehört als herausragendes Beispiel für das Genre zu den Gründungsmitgliedern der Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas und ist in das European Garden Heritage Network eingebunden.

In der Vorburg ist auch das Museum zur Geschichte des Naturschutzes in Deutschland untergebracht.

Lage Am Übergang von Mittel- und Niederrhein liegt das Schloss auf einem kleinen Plateau am Nordwesthang des Drachenfels, dem Rheintal zugewandt, auf gut und damit 150 Meter über dem Fluss. Östlich führen der Eselsweg genannte Aufstieg zum Drachenfels und die Drachenfelsbahn entlang, die hier ihre Mittelstation Schloss Drachenburg besitzt.

Geschichte Gründerzeitliche Privatvilla mini|hochkant|Der Erbauer Freiherr Stephan von Sarter (1833–1902) um 1880 mini|Schloss Drachenburg, Entwurfszeichnung (1881) Schloss Drachenburg entstand von 1882 bis 1884 als Privatvilla für den aus Bonn gebürtigen Pariser Finanzfachmann Stephan von Sarter. Aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammend, hatte Sarter an der Pariser Börse eine kometenhafte Karriere als Börsenspekulant gemacht und war als Aktieninhaber des Sueskanals und Panamakanals zu Reichtum gekommen. 1881 konnte er sich mittels einer großzügigen Spende in den Freiherrenstand erheben lassen. Als Baron Stephan von Sarter gehörte er fortan zur gehobenen Gesellschaft. Für den Bau einer standesgemäßen Villa wählte Sarter nicht seine Wahlheimat Paris, sondern den vielbesuchten Drachenfels in Sichtweite seiner Geburtsstadt Bonn. Als Architekten wurde das junge Düsseldorfer Architekten-Duo Bernhard Tüshaus und Leo von Abbema verpflichtet. Als eigentlicher Entwerfer des Kernbaus (ohne Kunsthalle und Nordturm) gilt Leo von Abbema, da dessen architektonische Handschrift auf dem Entwurf von Ansichten für eine Rekonstruktion eines Schlosses für Miklós Esterházy de Galántha deutliche Parallelen zu den Planzeichnungen der Drachenburg aufweist. Zur Überarbeitung der Pläne wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt der Bauphase der zeitweilig in Paris lebende, ehemalige Kölner Dombauschüler Wilhelm Hoffmann beauftragt, der die Kunsthalle sowie den Nordturm hinzufügte.Tanja Wagner: Die Architekten der Drachenburg. In: Nordrhein-Westfalen-Stiftung (Hrsg.): Schloss Drachenburg. Historistische Burgenromantik am Rhein. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-422-02241-6, S. 60–63. Die Kunsthistorikerin Angelika Schyma führt auf Hoffmann auch die plastische Durchgestaltung des Kernbaus zurück, sodass sie ihm insgesamt den größeren Anteil am Erscheinungsbild der Drachenburg zuschreibt, Tüshaus & von Abbema hingegen nur die Grundkonzeption des Kernbaus sowie die Vorburg.Landeskonservator Rheinland (Hrsg.); Angelika Leyendecker (Schyma): Schloss Drachenburg (= Arbeitsheft 36). Rheinland-Verlag, Köln 1979, ISBN 3-7927-0513-3, S. 26–28, 33. Als Bauleiter fungierte Gerhard Franz Langenberg, der auch maßgeblich am Entwurf der Innenausstattung beteiligt war.

Mit dem Bau von Schloss Drachenburg schuf Sarter eine sehr selbstbewusste und weithin sichtbare Demonstration seines Ansehens und Reichtums sowie ein auf die Reichsgründung von 1871 Bezug nehmendes Nationaldenkmal.Landeskonservator Rheinland: Bad Honnef – Stadtentwicklung und Stadtstruktur. Rheinland-Verlag, Köln 1979, S. 4. Er lebte bis zu seinem Tod 1902 in Paris und bewohnte das Schloss kaum. Er zahlte für das Gebäude insgesamt 1,8 Mio. Goldmark. Im Schloss findet sich immer noch sein Freiherren-Wappen mit seinem Motto: „Wäge und wage!“ (angelehnt an das Motto des Bankhauses Sal. Oppenheim „Wägen und Wagen“, bei dem er seine Ausbildung gemacht hatte).

1885 zählte der Wohnplatz Drachenburg der Stadt Königswinter 16 Einwohner in zwei Gebäuden.

mini|Drachenburg um 1900 mini|Vorburg (2014) mini|Schloss Drachenburg mit Baukran (links) und Burgruine Drachenfels (rechts) mini|Schloss Drachenburg mit Park, Senkrechtaufnahme

Das prunkvolle Ensemble wurde im Stil des Historismus erbaut, einer architektonischen Stilrichtung im 19. Jahrhundert, die sich an den Baustilen vergangener Epochen orientierte. Mit seiner Fülle von Türmchen, Erkern und Zinnen zitiert das Schloss vor allem mittelalterliche Bauformen. Es knüpft an den Bautyp der Burg an und ist kulturhistorisch eingebettet in die Burgenrenaissance der Rheinromantik. Die reich geschmückte Architektur spiegelt kaiserzeitliche Weltanschauung, Kunst und Kultur wider. Die mittelalterlich historisierende Architektur wurde mit moderner Technik des 19. Jahrhunderts ausgestattet: Gute Beleuchtung durch Gaslampen, eine zentrale Warmluftheizung für gleichmäßige Temperaturen und eine zeitgemäße Küche. Wendeltreppen aus standardisierten Gusseisenteilen, ein Dachstuhl aus genieteten Stahlträgern, Gusseisensäulen u. a. wurden in den Bau integriert, ohne den mittelalterlich-handwerklichen Gesamteindruck zu beeinträchtigen. Die moderne Bauweise sorgte für eine Bauzeit von drei Jahren. Drei Architekten, 20 Fachfirmen und 20 verschiedene Künstler sorgten zusammen mit drei Bauleitern und zahllosen Arbeitern für einen raschen Baufortschritt. Fuhrwerke und eine Eselkarawane transportierten das Baumaterial den Berg hinauf zur Großbaustelle.

Künstlerische Ausstattung In den repräsentativen Räumen wurden unter anderem folgende künstlerische Arbeiten verwirklicht: Haupttreppenhaus mini|Abschluss des Haupt­treppen­hauses mit Historiengemälden 24 monumentale Historiengemälde mit Kaiserbildnissen (davon 13 noch erhalten), darunter Überführung des Grundsteins zum Kölner Dom, Historiengemälde von Friedrich von Keller Begegnung Heinrich des Finklers mit Karl dem Einfältigen, Historiengemälde von Friedrich von Keller Sängerkieg auf Nonnenwerth, Historiengemälde von Heinrich Heim Hochzeit eines Kölner Patriziers mit einer englischen Königstochter im Jahr 1201, Historiengemälde von Heinrich Heim Turnierszene auf dem Neumarkt zu Köln von 1486, Historiengemälde von Carl Rickelt

Empfangssaal Schnitzwerk-Ornamentik auf Türen, Wandtäfelung und Decken nach Entwürfen von Franz Langenberg Buntverglasungen nach Entwürfen von Fritz Birkmeyer, angefertigt 1884 von der königlichen Hofglasmalerei von Franz Xaver Zettler in München

Speisezimmer Verlauf einer Jagd des Ritters der Drachenburg im 14. Jahrhundert, Zyklus mit 5 Jagdmotiven von Friedrich von Keller Aufbruch zur Jagd Höhepunkt der Jagd Wildschweinjagd Rast bei Godesberg Rückkehr von der Jagd Glasgemälde zum Thema „Jagd“ nach 1883/1884 entwickelten Skizzen von Ferdinand Wagner und Zeichnungen von Alois Brunner, ausgeführt von der Franz Xaver Zettler’schen Hofglasmalerei in München angefertigt (gelten seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen) Holzarbeiten für Decke, Täfelungen und Buffet mit aufwändigen Schnitzereien, ausgeführt 1884 von der Firma Rümann, Hannover

Nibelungenzimmer großformatigen Wandgemälde von Frank Kirchbach zur Nibelungensage Glasmalereien mit Darstellungen von Protagonisten und Motiven des Nibelungenliedes Kunsthalle mini|Buntglasfenster in der Kunsthalle mit allegorischer Darstellung von Suez- und Panamakanal – Investitions­projekte, denen Sarter sein Vermögen verdankte Präsentation von Glaskunst mit einem Bildprogramm der Darstellung berühmter Persönlichkeiten aus allen Bereichen des Weltgeschehens, der Kunst und Wissenschaft, angefertigt von der Hofglasmalerei Franz Xaver Zettler

Kneipzimmer großformatige Gemälde von Hermann Schneider Die Kindheit des Bacchus Die Liebe des Bacchus zu Ariadne auf Naxos Der Triumph des Bacchus Träume von Liebe Träume von Ehre und Ruhm Träume von Reichtum Träume von seligem Genießen

Jagd- und Billardzimmer mini|Jagd- und Billardzimmer Holzausstattung nach Entwürfen von Franz Langenberg, ausgeführt 1884/1885 von der Kölner Firma Pallenberg Glasmalereien zum Themenkreis der Jagd, unter anderem mit der Darstellung einer Diana nach einem Entwurf von Claudius Schraudolph, ausgeführt von der Mayer’schen Kgl. Hofkunstanstalt, München Bibliothek Holzausstattung nach Entwürfen von Franz Langenberg, ausgeführt 1884/1885 von der Kölner Firma Pallenberg Glasmalereien zur Geschichte, Rechenkunst, Astronomie und Geographie nach Entwürfen von Anton Nepomuk Seder, ausgeführt von der Mayer’schen Kgl. Hofkunstanstalt, München Die Überführung des Grundsteins zum Kölner Dom, Ölskizze von Friedrich von Keller Musiksaal neogotisches Netzgewölbe und aufwändige Wandvertäfelungen nach Entwürfen von Franz Langenberg, ausgeführt von der Firma Vershoven, Bonn Glockenflügel der Firma Ibach, Schwelm neogotische Orgel Schablonenmalereien des 19. Jahrhunderts Buntverglasung mit dem Motiv der Vogelhochzeit Fensterrosette mit dem Adelswappen von Sarter, umgeben acht Wappen derjenigen Städte, aus denen die wichtigsten Firmen stammten, die am Bau und an der Ausstattung von Schloss Drachenburg beteiligt waren: Bonn, München, Köln, Stuttgart, Paris, Dresden, Düsseldorf und Berlin

Erste touristische Nutzung Baron Stephan von Sarter starb kinderlos, und 1903 erwarb der Neffe Sarters, Jakob Hubert Biesenbach (1870–1947), Schloss Drachenburg für 950.000 Mark. Um seinen Besitz rentabel zu nutzen, machte er das Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Innenräume konnten gegen Entgelt von 0,50 Mark besichtigt werden. In der Kunsthalle wurden Kunstgegenstände zum Kauf ausgestellt. Als Souvenir wurden den Besuchern reich illustrierte Schlossführer, Kunstpostkarten und Bildermappen angeboten. Für die Unterkunft und Verköstigung der Gäste ließ Biesenbach 1904 den nahen, noch aus dem Mittelalter stammenden Burghof abreißen und durch ein Hotel mit Restaurant im Schweizerstil ersetzen. Auch das Schloss wurde den neuen Erfordernissen angepasst, im Souterrain entstanden ein Restaurant und verschiedene Gesellschaftsräume.

In den folgenden Jahren entstanden im Schlosspark „nordische Häuser“, Blockhäuser, die mit zwei bis drei Zimmern den Gästen im Sommer Quartier boten. Ihre Namen erhielten die Häuser aus Richard Wagners Werk: Volker, Wotan, Brunhilde, Siegfried, Chrimhilde, Walküre, Tristan, Parsival und Isolde. Die vier zuletzt genannten Häuser sind nach Renovierungen bis heute erhalten. Rund um diese Häusergruppe wurden Nadelbaumwälder und ein Wildgehege angelegt, die für eine nordische Stimmung sorgen sollten. In 1910 veräußerte Biesenbach das Schloss an den Rittmeister a. D. Egbert von Simon. Ab 1923 war das Schloss im Besitz des Kölner Fabrikanten und Kaufmannes Hermann Flohr. Unter beiden Besitzern blieben Schloss und Park weitgehend unverändert erhalten.

Umnutzung zur katholischen Heimschule St. Michael