mini|hochkant|Das namengebende Symbol des Ordens

Der Ritterorden der Kreuzherren mit dem Roten Stern (, ), kurz Kreuzherren mit dem Roten Stern, ist ein in Tschechien und Österreich tätiger katholischer Orden. Es ist der einzige in den böhmischen Ländern gegründete Kirchenorden und zugleich der einzige von einer Frau gegründete männliche Orden der Welt. Die Grundaufgabe des Ordens besteht aus zwei Säulen. Die erste ist die Seelsorge in den Ordenspfarreien, die zweite ist das Hospitalcharisma, das ihm von seiner Gründerin, der heiligen Agnes von Böhmen, in den Anfängen anvertraut wurde.

Der Orden besteht heute als Gemeinschaft von Regularkanonikern und es ist derzeit ein Priesterorden. Das in der Vergangenheit im Orden vorhandene Institut der Ordensbrüder verschwand im 18. Jahrhundert. Der Generalobere des Ordens trägt den Titel Großmeister und General und ist ein benedizierter Abt. Seinen offiziellen Sitz hat er im Prager Kreuzherrenkloster am Altstädter Fuß der Karlsbrücke. Die Ordensdevise lautet . (Durch Eintracht wachsen die kleinen Dinge. Durch Zwietracht zerfallen die größten.)

Zum 1. Januar 2021 zählte der Orden 18 Mitglieder.CATALOGUS ORDINIS MILITARIS CRUCIGERORUM CUM RUBEA STELLA. A.D. MMXXI.

Geschichte Mittelalter mini|Das Kreuzherrenkloster in der Prager Altstadt, rechts die Kuppel der Kreuzherrenkirche mini|hochkant|Wenzel Friedrich Hlava, Propst der Kreuzherren mit dem roten Stern

1233 gründete die hl. Agnes von Böhmen an ihrem Kloster in Prag „Na Františku“, eine Spitalbruderschaft, die sich der Pflege von Alten, Kranken und anderen Bedürftigen widmete. Einige Jahre später, im Jahre 1237, wurde diese Spitalbruderschaft von Papst Gregor IX. zu einem selbstständigen Orden des päpstlichen Rechts erhöht. Damit entsteht der einzige Männerorden rein tschechischen Ursprungs und der einzige von einer Frau gegründete Männerorden der Welt. An ihren heutigen Standort am Fuß der Prager Brücke (Judithbrücke, Karlsbrücke) zogen die Kreuzherren 1252.Milan Buben: Rytířský řád křižovníků s červenou hvězdou. Vydání první. Praha: Rytířský řád křižovníků s červenou hvězdou, 1996. Hier betrieben sie nicht nur die Spitalpflege, sondern wurden auch zu Verwaltern der Brücke. Nach und nach erweiterten sie ihre Tätigkeit auf weitere Standorte im heutigen Tschechien: Budweis, Eger, Leitmeritz, Trautenau, Mies, Poltenberg u. a. Dank der Initiative von Agnes’ Schwester Anna begann der Orden auch in Breslau, der Hauptstadt des Herzogtums Schlesien zu arbeiten.

Während der Hussitenkriege im 15. Jahrhundert wurde die Tätigkeit vieler Ordensspitäler unterbrochen, wobei einige untergegangen sind. In kritischen Momenten wurde auch der Sitz des Großmeisters vorübergehend nach Eger verlegt.Milan Buben: Rytířský řád křižovníků s červenou hvězdou. Praha, 1996. Das Prager Hospital wurde weiterbetrieben. Nach dem Ende der Hussitenkriege kam es zu organisatorischen Veränderungen des Ordens. Wegen Priestermangels wurden die Mitbrüder in die Seelsorge versetzt, wobei das Hospitalwesen nicht aufgegeben wurde.

Frühe Neuzeit Trotz der Reformation trat der Orden in relativ gutem Zustand in die Frühe Neuzeit ein. 1562 wurde der Großmeister Anton Brus von Müglitz Prager Erzbischof.Václav Bělohlavék, Josef Hradec: Dějiny Českých křižovníků s červenou hvězdou. Prag, Náklad řádu Českých křižovníků, 1930. Mit dieser Ernennung endete die jahrzehntelange Sedisvakanz des Prager Erzbischofssitzes. Die Zusammenlegung des Großmeisters- und des Prager Erzbischofsamtes setzt dann bei seinen Nachfolgern fort. Damit gewann der Orden eine ansehnliche Stellung, war aber zugleich gezwungen, das stark verarmte Erzbistum Prag wirtschaftlich zu unterstützen und Mittel für dessen weitere Entwicklung bereitzustellen.

Von diesem langen Zeitabschnitt sind besonders die letzten beiden Großmeister und Erzbischöfe Ernst Adalbert von Harrach und Johann Friedrich von Waldstein zu erwähnen. Ernst Adalbert von Harrach übernahm 1623 die Leitung des Ordens. 1626 wurde er vom Papst Urban VIII. zum Kardinal ernannt.gcatholic.org Er starb als dienstältester Großmeister des Ordens im Jahre 1667. Sein Nachfolger als Großmeister wurde Johann Friedrich von Waldstein. Er setzte den Klosterumbau an der Karlsbrücke fort und errichtete eine neue Kirche nach Entwurf des Architekten Jean Baptiste Mathey. 1692 wurde von ihm und mit großzügiger Hilfe seines späteren Nachfolgers und Ordenspriors Jiří Ignác Pospíchal der Aufbau des Agnesspitals in Prag vollendet, an der Stelle des heutigen Café Slavia an der Ecke des Smetana-Kai und der Nationalstraße.Svatá Anežka Česká a velké ženy její doby = Die heilige Agnes von Böhmen und die großen Frauengestalten ihrer Zeit, Ausgabe 1, Praha : Univerzita Karlova v Praze, Katolická teologická fakulta, Ústav dějin křesťanského umění v NLN, Nakladatelství Lidové noviny, 2013 ; Band 14, S. 276–284

Die nächste Blütezeit erlebte der Orden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Der Großmeister Johann Franz Franchimont von Frankenfeld empfing vom Papst Clemens XI. für sich und seine Nachfolger das Recht, Pontifikalien zu verwenden (Mitra, Bischofsstab, Bischofsring usw.).Milan Buben: wie vor. Dieses Recht wurde später bis zum II. Vatikanischen Konzil auch dem Propst in der Propstei Pöltenberg zuerkannt. Im 18. Jahrhundert expandierte der Orden auf weitere Standorte außerhalb der Böhmischen Krone. 1723 begann er am St.-Martin-und-Leopold-Spital in Pressburg seine Tätigkeit, 1733 am Spital der Karlskirche. 1770 wurden die Kreuzherren von Erzherzogin Maria Theresia mit der Seelsorge auf der Burgpfarre der Budaer Burg beauftragt. Der Orden stellte in dieser Zeit bedeutende Künstler seiner Zeit an. Kilian Ignaz Dientzenhofer baute die Kirche St. Maria Magdalena (Kostel sv. Máří Magdalény) in Karlsbad, Johann Bernhard Fischer von Erlach die Karlskirche am Karlsplatz in Wien. Für den Orden arbeiten u. a. die Maler Wenzel Lorenz Reiner, Peter Johann Brandl, Karel Škréta, Michael Willmann u. a.

19. Jahrhundert Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts war der Orden von großen Veränderungen geprägt. Durch die Josephinischen Reformen wurden Hospitale in Prag (1785) und in Pressburg (1786) geschlossen. Diese Entwicklung setzte sich im gesamten 19. Jahrhundert fort. Eine neue Form der Spitalpflege kam durch die Initiative des Großmeisters Josef Antonín Köhler (1815–1839) zustande, der in Karolinenthal das erste Kinderbetreuungshaus in Böhmen gegründet hatte.Ders., 1996. Insgesamt kam es nachfolgend zu einer Abschwächung der Spitaltätigkeit, wobei sich der Schwerpunkt in die Seelsorge der anvertrauten Pfarreien verlagerte.

Der Orden war damals aus politischen Gründen gezwungen, die meisten seiner Auslandsniederlassungen aufzugeben (Pressburg 1786, Breslau 1810, Budapest 1882). Diese Verluste werden jedoch hauptsächlich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ersetzt durch Steigerung der Aktivitäten an den bestehenden Standorten oder durch völlig neue Standorte in Böhmen (Rybáře, Věteřov bei Kyjov).

Aus der Ordensgeschichte der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist auch das Schicksal des Ordensbruders P. Karel Postl erwähnenswert. Dieser verließ 1823 während seines Gesundheitsaufenthalts in Karlsbad den Orden heimlich. Erst nach seinem Tod und im Zusammenhang mit dem Nachlassverfahren wurde sein weiterer Lebensweg bekannt. Nach seinem heimlichen Abschied vom Orden wurde er zum erfolgreichen Schriftsteller, der unter dem Pseudonym Charles Sealsfield veröffentlichte.

Bedeutung erlangte in der Ordensgeschichte des 19. Jahrhunderts der 3. Dezember 1874. Damals wurde die Ordensgründerin Agnes von Böhmen von Papst Pius IX. seliggesprochen. Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte der Orden seine umfangreiche Bautätigkeit und künstlerische Aktivitäten fort. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der zum Kreuzherrenplatz führende Gebäudeflügel des Generalats des Prager Klosters umgebaut und um ein Stockwerk erhöht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden neue Kirchen und Pfarrhäuser gebaut: in Rybáře, in Milhostov bei Franzensbad, in Řevnice und in Věteřov bei Kyjov. Dieses fand seinen Höhepunkt in der umfangreichen Renovierung des Klosters an der Karlsbrücke, die nach Plänen des Architekten Josef Sakař 1912 fertiggestellt wurde. Von der ursprünglichen Anlage blieben nur noch die Kirche, der Flügel des Generalats und der wertvolle spätgotische Teil des sog. alten Priorats erhalten.Josef Sakař: Nové klášterní budovy Rytířského řádu Křižovníků s červenou hvězdou v Praze. In: Architektonický obzor 12 (1913) Die anderen meist frühbarocken Bauten wurden durch moderne Jugendstil-Neubarockbauten ersetzt. In dieser Zeit wirkten weitere bedeutende Künstler für den Orden, vor allem aus der Generation des Nationaltheaters: Josef Václav Myslbek, František Ženíšek, und Václav Brožík.

Auch die wirtschaftliche Seite der Ordenstätigkeit darf nicht übersehen werden. Sie bedarf aber noch tiefergehender historischer Forschung. Wir wissen jedoch bereits, dass die Kreuzherrenbrauerei an der Karlsbrücke 1841 mit dem Abfüllen des Biers in Flaschen als erste in Böhmen begann.Stanislav Musil: Sláva a zánik pražských pivovarů, díl 1. – Staré Město. Vyd. 1. Praha: Plot, 2012. S. 205–218

20. und 21. Jahrhundert 1900–1945 Das erste Jahrzehnt, verbunden mit dem Wirken des Großmeisters und Generals Frantz Xaver Marat, war vom umfassenden architektonischen Aufschwung des Ordens geprägt, der im Umbau des Klosters an der Karlsbrücke (1908–1912) seinen Höhepunkt fand. Ganz anderer Natur sind die Aufgaben, die von seinem Nachfolger, dem zweiten dienstältesten Großmeister und General Josef Vlasák vorbereitet wurden. Er trat in sein Amt in den schwierigen Jahren des Ersten Weltkriegs an, setzte es in der Ersten Republik fort, gefolgt von der Zeit der Nazi-Okkupation, um seine Tage in der Zeit des aufkommenden kommunistischen Regimes abzuschließen.

Während des Ersten Weltkriegs hatte bei einem großen Lebensmittelmangel für das Kloster und das Hospital zu kämpfen. Nach 1918, in der neu entstandenen Tschechoslowakischen Republik, gibt es die Rede von der Aufhebung aller Klöster. Das hätte für die Kreuzherren als einem tschechischen und hauptsächlich in den tschechischen Ländern tätigen Ordens fatale Folgen. Mit anderen Orden bereitet er deshalb die mögliche Verlagerung des gesamten Ordens in die USA vor.Gabriel Rijad Muhalič: Pražský Kláštor Rádu križovníkov s červenou hviezdou za prvej ČSR. Košice: Seminár sv. Karola Boromejského, 2008, ISBN 978-80-89138-95-1. Da sich die Lage politisch stabilisierte, konnte der Orden allmählich an seinen traditionellen Standorten weiterarbeiten. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, verursacht durch die Bodenreform und die Weltwirtschaftskrise, setzen die Kreuzherren ihre Spital- und Sozialarbeit fort, finanzierten die Renovierung des Agnesklosters und den Bau neuer Kirchen in der Prager Vorstadt.David Kučerka: Život a dílo velmistra Vlasáka O.Cr. (1867–1958). Praha, 2019. Diplomová práce. Univerzita Karlova, Katolická teologická fakulta, Ústav dějin křesťanského umění. Vedoucí práce Petr Kubín. Dostupné online – dspace.cuni.cz S. 59.

1938, nachdem einige Gebiete des tschechoslowakischen Territoriums durch das Münchner Abkommen an das Großdeutsche Reich abgetreten werden mussten, befinden sich viele wichtige Ordensniederlassungen, insbesondere in Westböhmen, außerhalb der Tschechoslowakei.