312px|mini|Ein dreidimensionales Schweizerkreuz symbolisierte seit April 2006 als FDP-Auftritt die liberalen Zukunftsperspektiven der Schweiz. Das Symbol wurde von der «FDP.Die Liberalen» übernommen. Die Freisinnig-Demokratische Partei der Schweiz (FDP) – , ,  – (kurz auch «der Freisinn» oder «die freisinnige Partei») war eine der beiden Rechtsvorgängerinnen der FDP.Die Liberalen.

Ihr Ziel war die Förderung von Freiheit und Selbstverantwortung in der Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik.

Partei Die Freisinnig-Demokratische Partei hatte 2008 ungefähr 120'000 MitgliederUrs Bloch: Polarisieren und mobilisieren. In: Neue Zürcher Zeitung. 28. Januar 2008. und war in Orts- und Kreisparteien organisiert, in allen Kantonen ausser Appenzell Innerrhoden gab es Kantonalparteien.

Auf Basis der gleichen liberalen Grundüberzeugung wurde 2003 die gemeinsame Bundeshausfraktion der FDP Schweiz und der Liberalen Partei der Schweiz konstituiert, zwei Jahre später gründeten beide Parteien ihren Parteiverbund, die Union der Freisinnigen und Liberalen,. In: SWI swissinfo.ch. 25. Juni 2005. welche insgesamt über 140'000 Mitglieder verfügte.

Nach der Fusion der nationalen Frauen- (2007) und Jugendorganisationen (2008) beider Parteien gründeten FDP und LPS per 1. Januar 2009 die neue gemeinsame liberale Bundespartei «FDP.Die Liberalen».Die Fusion ist besiegelt. In: Neue Zürcher Zeitung. 28. Februar 2009. Die liberalen Parteien der Kantone Genf, Waadt und Basel-Stadt wurden ohne kantonale Fusion mit ihren freisinnigen Schwesterparteien Mitglieder der «FDP.Die Liberalen».

Fraktion Die FDP-Liberale Fraktion der Bundesversammlung bestand 2008 aus 35 Nationalräten und 12 Ständeräten; (es fehlt der 2009 zum Bundesrat gewählte Didier Burkhalter). und vertrat einen Wähleranteil von 17,8 Prozent. Von den 47 Parlamentsmandaten hatte die FDP 31 Sitze im Nationalrat und 12 Sitze im Ständerat,Ständeratratswahlen 2007: Übersicht Schweiz. In: politik-stat.ch. die LPS hat 4 Sitze im Nationalrat.Nationalratswahlen 2007: Übersicht Schweiz. In: politik-stat.ch. Zur FDP-Liberalen Fraktion gehörten 8 Nationalrätinnen und 3 Ständerätinnen (Frauenanteil 22,9 Prozent), im Fraktionspräsidium gab es eine Frauenmehrheit (drei von vier).Gabi Huber ist neue Präsidentin der FDP-Fraktion. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. Februar 2008; . In: fdp.ch (mit Frauenmehrheit).

Regierung Im Bundesrat war die Partei (bzw. ihre Vorgängergruppierung) seit 1848 ununterbrochen vertreten.

Die FDP galt als die staatstragende Partei in der Schweiz, weil sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch ihre damalige Machtfülle die Schweiz massgeblich formte. Zwischen 1848 und 1891 gehörten alle 7 Bundesräte der freisinnigen Bewegung an. Seither regierte sie in Koalitions- oder Konkordanzregierungen. In der Zeit ihres Bestehens stellte die Partei insgesamt 67 Bundesräte und somit über dreimal mehr als jede andere Partei der Schweiz.FDP-Bundesräte (blau); . In: admin.ch. Die FDP gab der Schweiz mit Elisabeth Kopp die erste Bundesrätin (1984–1989) und mit Annemarie Huber-Hotz die erste Bundeskanzlerin (2000–2007).

Ideologie und programmatische Positionen mini|Gabi Huber, Fraktionspräsidentin, 2008

Wichtigstes politisches Anliegen der FDP war die Verteidigung der negativen Freiheiten. Als liberale Partei war sie überzeugt, dass eine freiheitliche Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung einer Ordnung mit einem starken, umverteilenden und regulierenden Staat im Hinblick auf die öffentliche Wohlfahrt und Prosperität überlegen war.

Die Politik der FDP orientierte sich in der Legislaturperiode 2004–2007 an ihrem Thesenpapier Die 7 freisinnig-liberalen Prioritäten 2004–2007.. In: fdp.ch. 30. August 2003 (PDF; 105 kB). Diese Prioritäten umfassten die Beseitigung von wirtschaftshemmenden Regulierungen zur Sicherung von Arbeitsplätzen, die Stärkung des Bildungs- und Forschungssektors, die Verteidigung der individuellen Freiheit, eine ausgewogene – das heisst eine am Monetarismus orientierte – Finanz- und Steuerpolitik, eine Sicherung der Renten und des Gesundheitssystems durch Stabilisierung der Kosten und Bekämpfung des Sozialmissbrauchs, die Durchführung einer parallelen Regierungs- und Verwaltungsreform sowie eine starke Sicherheitspolitik und Armee im Sinne der Armeereform XXI.

Die programmatischen Positionen der FDP sind aus dem Parteiprogramm. In: fdp.ch. 6. Juli 2007 (PDF; 282 kB). und den Positionpapieren. 1994–2008. In: fdp.ch. 26. November 2008. der Partei ersichtlich.

Pelli-Programm / Kernthemen Kernforderungen der FDP für eine erfolgreiche Schweiz:. In: fdp.ch. 2008 (PDF). mehr und bessere Arbeitsplätze stärkerer nationaler Zusammenhalt auch durch sichere Sozialwerke schlankerer, bürgerfreundlicherer Staat

Parteipräsidenten mini|Fulvio Pelli spricht an einem Parteitag, 2007 mini|Christian Friedrich Göttisheim, Gründungspräsident der FDP Schweiz. Seit der Gründung der FDP standen insgesamt 28 Persönlichkeiten der Partei vor. Die längste Amtsdauer absolvierte der Urner Nationalrat Franz Steinegger, der die Partei während 12 Jahren (1989–2001) präsidierte. Fünf Präsidenten wurden während oder nach ihrer Amtszeit in den Bundesrat gewählt. Website der Bundesversammlung.

1894–1896: Christian Friedrich Göttisheim, Basel, Ständeratspräsident 1891/92 1896–1897: Ernst Brenner, Basel, Bundesrat 1897–1911 1897–1898: Johannes Stössel, Zürich 1898–1903: Johann Hirter, Bern 1904–1906: Paul Scherrer, Basel 1907–1910: Joh. Walter Bissegger, Zürich 1911–1912: Camille Decoppet, Waadt, Bundesrat 1912–1919 1912–1913: Félix Bonjour, Waadt 1914–1918: Emil Lohner, Bern 1919–1923: Robert Schöpfer, Solothurn 1923–1929: Albert Meyer, Zürich, Bundesrat 1929–1938 1929–1934: Hermann Schüpbach, Bern 1934–1940: Ernest Béguin, Neuenburg 1940–1948: Max Wey, Luzern 1948–1954: Aleardo Pini, Tessin 1954–1960: Eugen Dietschi, Basel 1960–1964: Nello Celio, Tessin, Bundesrat 1966–1973 1964–1968: Pierre Glasson, Freiburg 1968–1974: Henri Schmitt, Genf 1974–1977: Fritz Honegger, Zürich, Bundesrat 1977–1982 1978–1984: Yann Richter, Neuenburg 1984–1989: Bruno Hunziker, Aargau 1989–2001: Franz Steinegger, Uri 2001–2002: Gerold Bührer, Schaffhausen 2002–2004: Christiane Langenberger, Waadt 2004–2004: Rolf Schweiger, Zug 2004–2005: Marianne Kleiner, ad interim, Appenzell Ausserrhoden 2005–2008: Fulvio Pelli, Tessin, 28. Präsident der FDP-Schweiz, danach Gründungspräsident der «FDP.Die Liberalen»

Wahlergebnisse Wahl%NationalratStänderat 1919 28,9 % 1922 28,3 % 1925 27,8 % 1928 27,4 % 1931 26,9 % 1935 23,7 % 1939 20,7 % 1943 22,5 % 1947 23,0 % 1951 24,0 % 1955 23,3 % 1959 23,7 % 1963 23,9 % 1967 23,2 % 1971 21,8 % 1975 22,2 % 1979 24,0 % 1983 23,3 % 1987 22,9 % 1991 21,0 % 1995 20,3 % 1999 19,9 % 2003 17,3 % 2007 15,8 % Geschichte

mini|350px|Der Bundesrat im Jahre 1901 in einer Zeitungskarikatur Liberale Bewegung Die FDP ist aus der liberalen Bewegung heraus entstanden. Die liberale Bewegung entstand in der aristokratisch, städtisch und oligarchisch regierten Alten Eidgenossenschaft bereits während der Aufklärung im 18. Jahrhundert in Kreisen des benachteiligten Landadels und des Bildungsbürgertums. Nach dem Ende der Helvetik und der Napoleonischen Kriege 1814 kam es auch in der Schweiz zu einer konservativ-aristokratischen Restauration. Insbesondere die Gleichstellung der ländlichen und städtischen Eliten wurde vielerorts widerrufen. Aus diesem Grund war die liberale Bewegung, die sich als Verteidigerin der Errungenschaften der Französischen Revolution sah, vor allem unter den jungen ländlichen Eliten stark vertreten. Die neue liberale Bewegung organisierte sich in Gesangs- und Schützenvereinen sowie Lesegesellschaften. Dabei zerfiel die Bewegung in Liberale (Freisinnige) und Radikale. Letztere forderten ebenfalls die liberalen Freiheitsrechte, wollten aber weitergehend auch das Zensuswahlrecht durch ein allgemeines, freies Männerwahlrecht ersetzen und eine radikale Ablösung der feudalen Grundlasten erreichen. Die Radikalen waren ausserdem auch bereit, ihre Ideen mit Gewalt durchzusetzen.

Regenerationszeit und Gründung des Bundesstaates In verschiedenen Kantonen der Schweiz kam es nach der Julirevolution von 1830 zu radikalen Umstürzen, der sogenannten «Regeneration». Ende 1830 und Anfang 1831 scharten die liberalen Führer, meist Angehörige der ländlichen Oberschicht, ihre Anhänger in grossen Volksversammlungen um sich und erkämpften sich in verschiedenen Kantonen liberale Verfassungen. 1830 gilt als Gründungsjahr des Solothurner Freisinns unter der Führung des späteren Bundesrates Josef Munzinger. 1831 wurde die «Patriotische Assoziation» gegründet, die sich als «Schutzverein für die Freiheit» bezeichnete. Sie kann als ein Vorläufer der FDP betrachtet werden. Gegen den konservativen Kanton Luzern organisierten die Radikalen 1844/45 sogenannte Freischarenzüge. Der Sonderbundskrieg 1847 brachte den Sieg der Liberalen auch auf nationaler Ebene. Die Schweizer Bundesverfassung von 1848 war klar liberal geprägt. Der neu entstandene schweizerische Bundesstaat war in seinen Anfängen politisch völlig von der freisinnigen Bewegung dominiert. Sie stellte die Mehrheit in der Bundesversammlung und den gesamten Bundesrat.

Gruppierungen 1847 wurde der «Schweizerische Volksverein» ins Leben gerufen. Dieser schlief jedoch nach der Gründung des Bundesstaates 1848 wieder ein. Nach 1847 wurden im deutschen Sprachraum die Begriffe «radikal», «freisinnig» und «liberal» weitgehend bedeutungsgleich verwendet. In der Regel standen die Liberalen politisch eher rechts, die Radikalen oder Freisinnigen eher Mitte-links. Im französischen Sprachraum war der Unterschied zwischen libéral und radical tendenziell grösser. Zwischen 1860 und 1870 setzte sich als dritte liberale Kraft die sog. Demokratische Bewegung für die Volkswahl der Behörden und für die Einführung von Initiative und Referendum ein, teilweise gegen die dominierende freisinnige Bewegung. 1873 erwachte der Schweizerische Volksverein zu neuem Leben, als es darum ging, die Bundesverfassung zu revidieren. Die Organisation fiel nach der Annahme der Verfassung wieder auseinander. Sie hatte keine leitende Idee und kein Ziel, für das sie hätte kämpfen können. 1878 wurde die «Radikal-demokratische Gruppe der Bundesversammlung» gegründet, welche mit den Liberalen, Radikalen und Demokraten verschiedene Richtungen der «Freisinnigen» zusammenfasste.

Parteigründung rechts|200px Die verschiedenen Gruppierungen der liberalen Bewegung wurden am 25. Februar 1894 mit der formalen Gründung der Freisinnig-demokratischen Partei im Bahnhofbuffet Olten zum grössten Teil vereinigt. Die Demokraten bildeten zeitweise eine eigenständige Partei. Daneben existierte von 1913 bis 2008 die vor allem in den protestantischen Kantonen der Westschweiz und in Basel verankerte, stark föderalistisch orientierte Liberale Partei der Schweiz (LPS), die aber nie nationale Verbreitung fand (in Basel lebt sie bis heute als Liberal-Demokratische Partei fort). 1917 formierten sich Teile der FDP in der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei, der heutigen SVP.

Mehrparteienregierung und veränderte Positionen mini|140px|Parteiprogramm

Auf die Nationalratswahlen 1919 wurde das Proporzwahlverfahren eingeführt, welches bei 28,8 % Wähleranteil die Nationalratsmandate der Freisinnigen von 105 auf 60 (von insgesamt 189) reduzierte. Im Ständerat konnte die FDP dennoch mit 23 Mandaten ihre absolute Mehrheit für zwei Legislaturperioden noch behalten. Schrittweise wurden andere Parteien in den Bundesrat eingebunden. 1941/42 spalteten sich die Zürcher Demokraten ab. Sie fusionierten aber 30 Jahre später im Jahr 1971 wieder mit der FDP. Die Partei war 1947 Mitbegründer der Liberalen Weltunion, der heutigen Liberalen Internationale.