mini|Hagia Sophia, Hauptkirche der Christen im Byzantinischen Reich (Istanbul) mini|Kaiser Justinian I., Mosaik in der Kirche San Vitale in Ravenna mini|Pantokrator-Mosaik in der Chora-Kirche in Konstantinopel mini|Zeichnung der verloren gegangenen Monumentalstatue vom Augustaion in Konstantinopel mit der Darstellung Kaiser Justinians (Justinian-Säule), Zeichnung von Nymphirios, Universitätsbibliothek Budapest (Ms. 35, fol. 144 v.) mini|Kaiser Justinian I. oder Anastasios I., sog. Barberini-Diptychon, Elfenbeinschnitzerei (Paris, Louvre) mini|Ausschnitt aus Entschlafen Mutter Mariä (ca. 1265) Fresko in Sopoćani (Serbien), dem Hauptwerk spätbyzantinischer Freskomalerei mini|Ausschnitt Engel am Grab Christi (ca. 1235) Fresko in Mileševa (Serbien) links|mini|Dom des Heiligen Sava in Belgrad, modernes Beispiel, das sich der Byzantinischen Tradition verschrieben hat, mit 15 000 m² eines der größten Kirchenmosaike weltweit Die byzantinische Kunst ist im Speziellen die Kunst des byzantinischen Reichs, das vom 4. Jahrhundert bis ins 15. Jahrhundert bestand. Im Weiteren beinhaltet sie aber auch das Kunstschaffen in den byzantinisch geprägten Nachbarländern des ehemaligen Imperiums im vorderen Orient, dem Kaukasus, Balkan sowie den Ländern um das Kaspische Meer und Russland.Helen C. Evans (Hrsg.): Byzantium: Faith and Power (1261–1557). Metropolitan Museum of Art, New York 2004. ISBN 0-300-10278-X, S. 4–63. Damit überdauerte sie den Fall von Konstantinopel. Sie beeinflusste aber auch die Kunst des lateinischen Europas, insbesondere die frühe Architektur der Karolinger und Ottonen und die Kirchenarchitektur des oberen Rheinlandes, sowie die Tafelmalerei des Hoch- und Spätmittelalters in Italien, wie auch die Marienmalerei der Spätgotik und Frührenaissance Nordwesteuropas.Maryan W. Ainsworth: A la facon grèce: The Encounter of Northern Renaissance Artists with Byzantine Icons. In: Helen C. Evans (Hrsg.): Byzantium: Faith and Power (1261–1557). Metropolitan Museum of Art, New York 2004, S. 545–593. Sie ist bekannt für ihre Werke sakraler Architektur, Email-, Textil-, Elfenbein- und Goldschmiede-Kunst und wird im Besonderen mit der Miniatur-, Buch-, Mosaik- und Ikonenmalerei verbunden.

Die Abdeckung der Byzantinischen Archäologie bzw. Kunstgeschichte durch die wissenschaftlichen Disziplinen ist nicht ganz einheitlich. Oft wird sie von den Lehrstühlen der Christlichen Archäologie (mit-)behandelt. Allgemein gilt, dass die Geschichte des byzantinischen Reiches in Deutschland häufig stiefmütterlich behandelt wird.

Einführung Die sich aus der antiken Kunst herausbildende, dem universellen Anspruch christlichen Gedankenguts folgende byzantinische Kunst und Kultur, hat bis heute eine tiefe Verwurzelung bei den Orthodoxen in Europa. Sie bildet seit dem Mittelalter zudem einen zweiten Pol zu der sich in Westeuropa entwickelnden romanischen und gotischen Kunst und führt noch immer auch zu einer ideologischen und psychologischen Abgrenzung der dem byzantinischen Ritus angehörenden Völker zum Westen. Dabei erfährt das byzantinische Geschichts- und Kulturerbe Europas bis heute eine stiefmütterliche Behandlung im Bewusstsein der westlichen Gesellschaften und der Europäischen Identität.Jovan Ćirilov: Vizanija NIN, 2. Dezember 1999 Vizantija Insbesondere ist eine negative Einstellung zur Byzantinischen Kunst in der westlichen Kunstkritik seit Giorgio Vasari durch die Epitome Maniera Greca belegt worden.Gabriele Bickendorf: Maniera Greca. Wahrnehmung und Verdrängung der Byzantinischen Kunst in der italienischen Kunstliteratur seit Vasari. In: Okzident und Orient (= Sanat tarihi defterleri. Nummer 6). Istanbul 2002, S. 113–125 (Digitalisat).

Die Nachwirkung der „vasarischen“ Abwertung von Originalität und Evolution, insbesondere der byzantinischen Tafelmalerei, blieben durch Attribute wie Starre, Verharrung und Schematismus nach wie vor wirksam. Den im Gegensatz hierzu „freien“ westlichen Künstlern und ihrem Kunststil sollte dadurch eine künstlerische Überlegenheit assistiert werden.G. Charles Rump: Eine Überdosis Himmel – Eine Überdosis Himmel-Vom Ikonenmaler zum Manieristen: Der spanische Künstler El Greco im Museum Thyssen-Bornemisza. Welt online, 3. März 1999. Man konnte jedoch die Qualität der vergeistigten Wirkungswelt byzantinischer Ikonen, Fresken und Mosaiken lange nicht richtig deuten. Auch ging vom einflussreichen Werk Edward Gibbons eine diskreditierende Wirkung der byzantinischen Epoche aus, die als „Tausendjähriger Verfall“ des Römischen Imperiums auch im Niedergang antiker Kunst gesehen wurde.I Srbi ce doci na red, Helen C. Evans, Kustorin des Departments Mittelalterlicher Kunst im Metropolitan Museum of Art, New York im Interview mit NIN, 5. April 2001. Erst mit der modernen, auch abstrakten Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wurde die byzantinische Maltradition positiver bewertet und deren Bildaufbau und Bildtypus auch von westlichen Künstlern als Vorlage genutzt, sowie allgemein die Bedeutung der Byzantinischen Kunst und Kultur auf den Westen im Mittelalter und der Renaissance herausgestellt.Claudia Beelitz: Eduard Steinberg. Metaphysische Malerei zwischen Tauwetter und Perestroika Steinberg, Malevič und MorandiHolger A. Klein: Byzanz, der Westen und das „wahre“ KreuzKolloquium an der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln, 2008 (PDF; 122 kB)

Als bekanntester moderner Künstler, dessen Werk unter anderem nicht nur von byzantinischen Quellen inspiriert, sondern teilweise geradezu geprägt wurde,SWR2 Highlights, Radiobericht zur Warhol Ausstellung im Byzantinischen Museum Athen gilt Andy Warhol. So zum Beispiel im Porträt Gold Marilyn Monroe, das im Schema und Typus byzantinischer Ikonographie folgt.Bill Broadway Washington Post Staff Writer, Saturday, September 19, 1998; Page C07 A Look at Andy Warhol’s Spiritual Side

Entwicklungslinien der Byzantinischen Kunst

Frühbyzantinische Kunst und das Zeitalter Justinians Das Frühbyzantinische bzw. Oströmische Reich war in der Spätantike und im Frühmittelalter die dominierende Kultur des Mittelmeerraumes, die durch die Vermittlung der antiken Tradition und Wissenschaft später nachhaltig die europäische Renaissance befruchtete.

Als schwierig erweist sich die Trennung der „byzantinischen“ von der „antiken“ Kunst. Das „goldene Zeitalter“, die Regierungsjahre Kaiser Justinians, ist in seiner der imperialen Monumentalität verpflichteten Interpretation von bildlicher Darstellung und Architektur von den Formen spätantiker Kunst geprägt. Die Verehrung des Kaisers als Statthalter Christi ist dabei nach Ansicht mancher Forscher als Fortführung des römischen Kaiserkultes zu sehen. Sie findet sich durch Monumentalplastiken seit der Zeit Konstantins, z. B. der Konstantinsäule, sowie der dem antiken Kaiserkult anhaftenden Porträtdarstellung in Elfenbein, Münzen und Mosaiken (z. B. San Vitale in Ravenna) wieder. Noch Justinian I. stiftete auf dem Augustaion eine heute verlorene Siegessäule (Justinian-Säule), auf der sich der Monarch in einer überlebensgroßen Reiterdarstellung darstellen ließ. Auch im Neubau der Hagia Sophia als neuer Hauptkirche der Christenheit ist eine für die erste Periode der frühbyzantinischen Kunst charakteristische Vermengung antiker und neuer, christlich-orientalischer Elemente prägend (z. B.: Marmorsäulen antiker Tempel). In den Provinzen folgen Kirchen zumeist noch dem basilikalen Schema, wobei die Kuppelkirche San Vitale in Ravenna einzig hiervon abweicht.

Ikonoklasmus Erst nach Justinian trat Ostrom/Byzanz schrittweise in das Mittelalter ein und entfernte sich zunehmend von seinen spätantiken Wurzeln. Mit der Übergangsphase vom 7. bis zum 9. Jahrhundert (mittelbyzantinische Epoche), die durch die islamische Invasion, also die Beschränkung der Ausdehnung des byzantinischen Reiches auf Kleinasien, den Balkan und Süditalien geprägt war, sowie durch die heftige theologische Auseinandersetzung während des Bilderstreits einerseits und durch den Sieg der Ikonodulen andererseits, welche die bildhafte Darstellung religiöser Szenen befürworteten, erlangte die byzantinische Kunst die grundlegende Festigung. Mit der Adaption der Kreuzkuppelkirche entstand eine bis heute „gültige“ Richtlinie der byzantinischen Kunst. Der Bilderstreit (726–843) zwischen Ikonoklasten und Ikonodulen soll den tendenziösen bilderfreundlichen Quellen zufolge angeblich das ganze Reich erschüttert haben. Dies wird als Hinweis dafür gesehen, welch hohe Bedeutung den Bildern (Ikonen) beigemessen wurde. Danach wurde nach bestimmten Regeln (Kanon) gemalt, die immer wieder in der Diskussion standen und in Malerbüchern niedergeschrieben wurden. Das berühmteste ist das Malerbuch vom Berg Athos des Malermönchs Dionysios von Phourna, kurz Hermeneia genannt. Die Klöster hatten außerdem in der Bilderverehrung eine enorme Einnahmequelle. In der modernen Forschung wird der Bilderstreit allerdings differenzierter betrachtet. So ist es etwa unwahrscheinlich, dass Leo III. je ein regelrechtes Bilderverbot erlassen hat.Ausführlich zum Bilderstreit und den tendenziösen Quellenberichten siehe Leslie Brubaker, John F. Haldon: Byzantium in the Iconoclast era c. 680–850. A History. Cambridge u. a. 2011.

Zeitalter der Makedonen und Komnenen Während der Konsolidierung des byzantinischen Reiches unter den makedonischen Herrschern, in der das Reich wieder die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeerraum erlangte und es zu einer kulturellen Wiederbelebung kam (Makedonische Renaissance), fand insbesondere ein höfischer, schwerer Stil Einzug, der die mittelbyzantinische Kunst (843–1204) prägt.

Mit der Zäsur, bedingt durch die lateinische Eroberung von Konstantinopel (1204), verlagerte sich das Zentrum der byzantinischen Kunst aus der Hauptstadt in periphere Zentren der unter griechischer Verwaltung gebliebenen Reichsteile (Thessaloniki, Trabzon).

Palaiologische Epoche Die Fremdherrschaft führte zu einer völligen Degradierung Konstantinopels als Kulturzentrum. Die Kunst des lateinischen Kaiserreichs (1204–1261) ist durch ein völliges Erlahmen von Bautätigkeit und künstlerischer Entwicklung geprägt. Vor allem blühte, durch Emigration von Künstlern in die orthodoxen slawischen Balkanstaaten und durch den Aufstieg und die Adaption des byzantinischen Herrschaftskults durch die Nemanjiden, Serbien auf. Ihm fiel die führende Weitergabe der byzantinischen Kunst der Epoche zu. Insbesondere sind die der Frührenaissance zuzurechnenden Fresken der Klöster von Mileševa und Sopoćani Beispiele für eine dem antiken Stil verpflichtete und weit vorausgreifende Interpretation. Sie sind geprägt durch natürlichen Realismus und plastische Darstellung der Figuren und bilden für das Zeitalter die höchsten malerischen Leistungen in der Palaiologische Renaissance in Europa. Mit der Zurückerlangung der Hauptstadt durch die Komnenen wurde die Dynastie zu einem neuen Kunstträger im Reich und Konstantinopel das erneute Zentrum der spätbyzantinischen Kunst (1261–1453). Jedoch sind die Hauptwerke dieser Epoche in der Hauptstadt durch die türkischen Eroberungen großteils verloren gegangen.

Die ostkirchliche Kunst Griechenlands nach dem Fall von Konstantinopel wird postbyzantinische Kunst genannt. Die christliche Kunst der anderen orthodoxen Länder, die der byzantinischen und postbyzantinischen Kunst sehr verwandt ist, bezeichnet man gewöhnlich mit den Namen der heutigen Staaten (z. B. altrussische, altbulgarische Kunst), obwohl die heutigen Staatsgrenzen nicht den alten entsprechen und es eine große Mobilität der Künstler zu jeder Zeit gab.

Malerei mini|Ikonen im Kloster Dečani von Zar Dušan, um 1350alternativtext=Christliche Bronze als Öllampe zur Ikonenverehrung|mini|Byzantinische Öllampe zur Ikonenbeleuchtung