E-Book (selten auch: E-Buch; , ) steht für ein elektronisches Buch () und bezeichnet Werke in elektronischer Buchform, die auf E-Book-Readern oder mit spezieller Software auf PCs, Tabletcomputern oder Smartphones gelesen werden können. Mit der Verbreitung von E-Book-Readern werden E-Books zunehmend in einem Format angeboten, das sich automatisch an unterschiedliche Bildschirmgrößen anpasst (reflowable content). Author Earnings; abgerufen am 14. Januar 2016.
Einteilung E-Books mit festem Seitenlayout E-Books mit festem Seitenlayout werden vor allem in den Bereichen Kinderbücher, Sachbücher und Lehrbücher mit komplexem Layout, Animationen oder interaktiven Funktionen eingesetzt. Bis vor wenigen Jahren kam dafür noch das PDF-Format zum Einsatz. Dieses wurde aber mittlerweile fast vollständig vom EPUB-Standard für festes Seitenlayout bzw. dem ebenfalls auf EPUB basierenden Apple Multi-Touch-Format abgelöst. abgerufen am 31. Januar 2016. E-Books mit festem Seitenlayout im EPUB-Format ermöglichen Funktionen wie Zoom auf Vollformat Vollformatdarstellung Integrierte Audio- und Video-Dateien Animationen Interaktive Funktionen Eingebettete Vorlesefunktionen
E-Books mit anpassbarer Bildschirmdarstellung (reflowable content) Die meisten heute produzierten E-Books werden im EPUB-Format oder in darauf basierenden herstellerspezifischen Varianten erstellt, die sich automatisch an verschiedene Bildschirmgrößen anpassen. EPUB selbst baut auf den internationalen Standards XHTML (in EPUB 2 XHTML 1.1, in EPUB 3 die XML-Variante von HTML5), CSS und SVG auf. Ein E-Book im EPUB-Format entspricht daher im Grundsatz archivierten Dokumenten in diesen Formaten, analog zu Projekten im Netz. Ähnlich wie sich die Präsentation von Dokumenten in diesen Formaten an die unterschiedlichen Größen und Auflösungen von Bildschirmen anpassen, ist dies damit auch für E-Books im EPUB-Format der Fall. Sie können auf Smartphones, Tablets, Lesegeräten oder Computern gleichermaßen benutzt werden.
Ein weiteres Format ist FictionBook, welches ein eigenes XML-Format ist. Gängige, herstellerspezifische Formate werden zum Beispiel von Amazon verwendet. Diese sind Mobipocket, KF8 und Kombinationen und Variationen dazu, wobei das neueste Format KF8 technisch letztlich mit dem Programm Kindlegen von EPUB vereinfacht abgeleitet wird. Dies ist unmittelbar erkennbar, wenn ein EPUB mit dem Kindlegen ohne Kompression umgewandelt wird und der Quelltext betrachtet wird. Mobipocket enthält im Wesentlichen als Archivformat eine nicht weiter spezifizierte Variante von HTML. Diese Amazon-Formate sind so angelegt, dass diese Werke nicht mit Darstellungsprogrammen präsentierbar sind, welche EPUB interpretieren können, umgekehrt präsentieren Amazon-Darstellungsprogramme und -Geräte auch keine EPUBs. Einige andere Händler oder Geräte-Anbieter bieten Erweiterungen oder Variationen zum Format EPUB an.
E-Books als PDF In den Anfängen des E-Books wurden diese noch vielfach direkt auf der Basis des Layouts für Druckausgaben als PDF erstellt. Die Seitenansicht der resultierenden PDF-Datei kann zwar vergrößert oder verkleinert werden, um beispielsweise komplett auf einem Tablet- oder Smartphone-Bildschirm dargestellt zu werden. Dabei werden allerdings auch die Inhalte proportional verkleinert, wodurch diese oft nicht mehr lesbar sind. Vor der Einführung von E-Book-Readern, Tablets und Smartphones war dies kein Problem, da E-Books primär auf großen Computerbildschirmen gelesen wurden. Für die Produktion neuer E-Books spielt PDF aber heute keine Rolle mehr. Sein Einsatz in Zusammenhang mit E-Books beschränkt sich in der Hauptsache auf die digitale Archivierung von Druckausgaben, die nicht als E-Book verfügbar sind.Google Books.
Geschichte
Project Gutenberg Die Idee, Literatur in elektronischer Form zugänglich zu machen, wurde erstmals im Rahmen des von dem amerikanischen Schriftsteller und Hochschullehrer Michael Stern Hart gegründeten Project Gutenberg realisiert. Seine 1971 veröffentlichte digitalisierte Version der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung wird oft als das „erste E-Book“ bezeichnet. Aufgrund der begrenzten technischen Möglichkeiten und der einfach gehaltenen Textformatierung kann man allerdings bei den frühen Veröffentlichungen des Project Gutenberg noch nicht von E-Books im heutigen Sinn sprechen. Erst in jüngster Zeit haben dort typische E-Book-Formate wie EPUB oder Mobipocket Einzug gehalten. Im deutschsprachigen Projekt Gutenberg-DE werden einige Texte zudem auch als Handybuch zur Verfügung gestellt.
Literatur auf Disketten Ab 1986 veröffentlichte der deutsche Science-Fiction-Autor Wilfried A. Hary eigene Romane auf Disketten, die er als „Diskromane“ anbot. Anfang 1987 erschien im Göttinger Verlag Immatrix Publications der Band Die Schrift – Hat Schreiben Zukunft? des Philosophen Vilém Flusser in einer gedruckten und einer elektronischen Ausgabe auf Diskette. Die Idee hierzu entstand bereits im Jahr zuvor und umfasste auch den Aspekt des elektronischen Austauschs von Nachrichten und Kommentaren. In einem Brief vom 12. April 1986 beschrieb Andreas Müller-Pohle, Initiator des Projekts und neben Volker Rapsch Verleger der Schriften Flussers, seine Vision von einem vernetzten E-Book: „Wohin wir kommen müssen, ist der elektronische Transport von Informationen, also (im Augenblick) über das Telefonnetz. Das ist zwar unter finanziellen Gesichtspunkten – zurzeit – ein Flop und unter technischen (wegen des Postmonopols) entsetzlich limitiert, aber es ist dennoch das eigentlich Begeisternde. […] Ihre ‚Schrift‘ also nicht nur – leider noch – als Buch und auf Diskette, sondern auch in der Mailbox.“ Herausgegeben wurde das „erste elektronische Nichtmehrbuch“ (Verlagswerbung) auf einer Programm- und einer Textdiskette im 5¼-Zoll-Format mit integriertem Editor und Druckfunktion. Programmiert hat es Wolfgang Freise mit dem Turbo-Pascal-Compiler und der Editor-Toolbox von Borland. Auf der Frankfurter Buchmesser 1987 wurde es der Öffentlichkeit auf einem Commodore PC präsentiert.
1988 wurde mit dem Roman Mona Lisa Overdrive von William Gibson das erste kommerzielle Werk veröffentlicht, das sich vollständig am Computer als elektronisches Buch lesen ließ.
HTML und World Wide Web Die elektronische Verfügbarkeit von Text gehörte auch zur ursprünglichen Konzeption des World Wide Web und seiner Ende der 1980er Jahre von Tim Berners-Lee entwickelten Auszeichnungssprache HTML. Das ursprüngliche Konzept des Hypertextes war rein dokumentenorientiert und auf eine horizontale Vernetzung der Inhalte ausgelegt. Dies stand zunächst im Widerspruch zur linearen Struktur des Mediums Buch, das auf eine fortlaufende Abfolge der Inhalte ausgerichtet ist. Entsprechend handelt es sich bei E-Books im Format HTML oft um eine einzige große Datei, welche den kompletten Inhalt enthält. Die Navigationsmöglichkeiten darin bleiben meist auf die Scroll-Leiste, die Kapitelanwahl und einige Links beschränkt. Heute bietet das moderne HTML5-Format zahlreiche Möglichkeiten zur strukturierten Gliederung von Texten. Es ermöglicht eine klare hierarchische Organisation von Inhalten durch Abschnitte und Überschriften sowie eine einfache Navigation zwischen den verschiedenen Bereichen eines Dokuments.
Entwicklung seit den 1990er Jahren Mitte bis Ende der 1990er Jahre riefen die denkbaren Einsparungen für Herstellung und Vertrieb von (gedruckten) Büchern viele Investoren auf den Plan. Der Begriff „E-Book“ wurde vorübergehend zum Synonym für portierbare Druckdateien.
Ein Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Institut für Technische Mechanik der Universität Karlsruhe (TH) und IBM Deutschland setzte schon früh Vorlesungsskripte elektronisch um. Ein anderes frühes Beispiel war im Jahr 1993 die Anleitung der Spiele Ultima Underworld: The Stygian Abyss und Ultima Underworld 2: Labyrinth of Worlds als PDF-Datei auf der Kompendiums-Compact-Disc. Auf der CD war die Anleitung für die zwei Computerspiele und die DOS-Version des Acrobat Readers enthalten. Mit diesem Programm konnte man die Anleitung betrachten, darin suchen, blättern und sie ausdrucken.
Die Druckindustrie sah in dem E-Book keine ernsthafte Gefahr für das „echte“ Buch als Kulturträgermedium für Literatur, weil beim Printmedium Buch materielle Eigenschaften eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig entwickelten sich auf Bücher spezialisierte Online-Vertriebsfirmen wie Amazon. Sie rationalisierten Logistik und Bestellwesen radikal und erreichten damit in kurzer Zeit eine marktbeherrschende Stellung. Dadurch bescherten sie dem gedruckten Buch nie gekannte Auflagen.
In den folgenden Jahren blieben E-Books wirtschaftlich ein Nischenmarkt. Es bildete sich eine Szene heraus, in der zeitgenössische Literatur gescannt, via OCR in Texte gewandelt, mehrfach korrekturgelesen, untereinander ausgetauscht und schließlich ausgedruckt oder auf PDAs gelesen wurde – meist ohne Einverständnis der Rechteinhaber. Da oft nur vergriffene oder mindestens ein Jahr alte Bücher digitalisiert wurden, gingen die Rechteinhaber wegen des geringen finanziellen Verlustes nicht aktiv dagegen vor.
Mitte der 1990er Jahre brachte Bertelsmann mit dem BEE-Book Nachschlagewerke in einer mit Multimediainhalten angereicherten Fassung auf CD-ROM heraus. Weitere Versuche zum kommerziellen Vertrieb von E-Books kamen 1999–2000 in der New Economy auf. Parallel dazu etablierte sich das Untergrundforum eBookz, welches bis 2003 existierte.
Mehrere Verlage experimentierten mit E-Books, unter anderem O’Reilly mit ihren Bookshelf-CDs. Diese umfassten ein reguläres Buch und auf CD-ROM sieben E-Books zu einem entsprechenden Thema im HTML-Format.
Eine Marktstellung erreichten E-Books als elektronische Buchkopien auf Basis des Portable Document Format (PDF) bei Fachpublikationen. Dort spielen Funktionen wie Volltextsuche eine wichtigere Rolle als buchtypische Kriterien wie Aussehen, Anfühlen, Dramaturgie usw. Daher werden vor allem Fachwerke in elektronischer Buchform verkauft.
Die Fachbuchverlage produzieren elektronische Publikationen, die Auswahl wächst ständig. Auf der Frankfurter Buchmesse 2007 wurde festgestellt, dass bereits 30 % aller Fachwerke als E-Books erhältlich sind.
Kurz vor der Frankfurter Buchmesse 2008 hatten Random House und Penguin „exponentiell wachsende“ E-Book-Umsätze. Auch deutsche Publikumsverlage wie Droemer Knaur kündigten E-Books an, obwohl Lesegeräte noch nicht flächendeckend zu haben waren. Themenbereiche sind vor allem Wirtschaft, Recht, Computer/EDV, Medizin/Gesundheit, Psychologie/Pädagogik und Politik/Zeitgeschichte. Jeden Monat kommen auf diese Weise etwa 100 neue Titel auf den deutschen Buchmarkt.
In der ersten Jahreshälfte 2009 wurden laut GfK rund E-Books heruntergeladen – am häufigsten wie auch bei gedruckten Ausgaben Belletristik und Ratgeber. Sie kosteten zwischen 9 und 25 Euro; durchschnittlich 6 Euro. Im Jahr 2011 stieg der Umsatz bei E-Books laut GfK im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 77 % an. Damit erreichten E-Books erstmals einen Anteil von etwa einem Prozent des Gesamtumsatzes der Buchindustrie., t3n, abgerufen am 15. März 2012.
Im E-Book Bereich entstehen vermehrt unabhängige Verlage, die sich als unabhängig von großen Konzernen halten. Autoren, die bei solchen Verlagen oder auch im Selbstverlag publizieren, werden Indie-Autoren genannt.
Die Studie eines Wirtschaftsprüfungsunternehmens prognostizierte allein für den Bereich der Belletristik, bezogen auf E-Books, für das Jahr 2015 einen Jahresumsatz von über 350 Millionen Euro in Deutschland, was einem Anteil von 6,3 Prozent entspräche. Der Studie zufolge entwickele sich der Markt für E-Books hierzulande schleppender als im angelsächsischen Raum, weil das elektronische Lesegerät in Deutschland nicht so leicht wie anderswo als gleichwertige Alternative zum gedruckten Buch akzeptiert werde.
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