mini|Aldous Huxley, 1947 rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image

Aldous Leonard Huxley [ˈɔːldəs ˈhʌksli] (* 26. Juli 1894 in Godalming, Surrey (England); † 22. November 1963 in Los Angeles) war ein britischer Schriftsteller und Philosoph. Berühmt wurde Huxley vor allem durch Romane und zahlreiche Essays. Sein bekanntestes Werk ist der 1932 erschienene dystopische Roman Schöne neue Welt. Er veröffentlichte aber auch Kurzgeschichten, Gedichte, Reiseberichte und schrieb Drehbücher. Huxley wurde wiederholt als Universalgelehrter bezeichnet und gilt als einer der herausragendsten Intellektuellen seiner Zeit.Philipe Thody: Huxley: A Biographical Introduction. Veröffentlicht 1973. ISBN 978-0-289-70188-1.

Huxley entstammte der prominenten Huxley-Familie. Von 1913 bis 1916 studierte Huxley Englische Literatur am Balliol College der Universität Oxford. Aufgrund seines schlechten Sehvermögens wurde er nicht als Soldat für den Ersten Weltkrieg einberufen. Seit Abschluss seines Studiums mit Bestnote arbeitete er daher zunächst unter anderem als Französischlehrer und in einer Chemiefabrik. Schon früh verdiente er sich sein Geld aber auch mit dem Schreiben, womit er schon während der 1920er Jahre eine gewisse Berühmtheit erlangte. 1937, zu diesem Zeitpunkt bereits weltbekannt, wanderte er in die Vereinigten Staaten aus und verbrachte den Großteil seines übrigen Lebens in Kalifornien. Zeit seines Lebens wurde Huxley insgesamt siebenmal für den Nobelpreis für Literatur nominiert. 1959 lehnte er das Angebot der britischen Regierung ab, in den Ritterstand erhoben zu werden.

In seinen Romanen kritisierte Huxley soziale Normen und verbreitete gesellschaftliche Ideale sowie die möglichen negativen Folgen wissenschaftlicher und technischer Errungenschaften. Sein Gesamtwerk gilt als humanistisch motiviert. Er interessierte sich außerdem sehr für spirituelle Themen, Mystik und Philosophia perennis. Ab 1939 erlangte er tiefgreifendes Wissen über den Vedanta. Gleichzeitig war er Agnostiker und lehnte institutionalisierte Religion ab.

In seinen letzten zehn Lebensjahren beschäftigte er sich eingehend mit psychedelischen Substanzen; den Begriff „psychedelisch“ schuf der britische Psychiater Humphry Osmond im Zuge eines Briefwechsels mit Huxley. In seinem einflussreichen Essay Die Pforten der Wahrnehmung aus dem Jahr 1954 verarbeitete Huxley eine eigene psychedelische Erfahrung mit Meskalin.

Leben mini|hochkant|Aldous Huxley 1927 (Gemälde von John Collier)

Huxley wurde als Sohn des Schriftstellers Leonard Huxley und dessen erster Frau Julia Frances Arnold in Großbritannien geboren. Auf der väterlichen Seite gehörten mehrere Wissenschaftler zu seinen Vorfahren, darunter sein Großvater Thomas Henry Huxley. Zur britischen Intellektuellenfamilie Arnold auf der mütterlichen Seite zählt der Schriftsteller und Kulturkritiker Matthew Arnold, ein Großonkel Huxleys. Der Biologe und Schriftsteller Julian Huxley war der Bruder Aldous Huxleys, der Biologe und Nobelpreisträger Andrew Fielding Huxley ein Halbbruder.

Als Kind wurde Huxley an der Hillside School in Malvern (Worcestershire) unterrichtet, mehrere Jahre lang auch von seiner eigenen Mutter, bis sie schwer erkrankte. Danach besuchte er das Eton College in Berkshire. Seine Mutter starb 1908, als er vierzehn Jahre alt ist. 1911 erkrankte er an Keratitis superficialis punctataBernhard Scheller: Gesichter und Gesichte des Aldous Huxley. Im Anhang zu Schöne neue Welt, Reclam-Verlag, Leipzig 1988 (Reclams Universal-Bibliothek Band 1219, 1. Auflage), ISBN 3-379-00241-0, S. 221 und war danach drei Jahre lang fast blind. Huxley musste daher seine Pläne eines Studiums der Biologie und Medizin aufgeben, aber blieb sein Leben lang an Naturwissenschaften interessiert. Ab Oktober 1913 begann er ein Literaturstudium am Balliol College in Oxford, arbeitete ab 1916 als Herausgeber der Literaturzeitschrift Oxford Poetry und schloss sein Studium im Juni 1916 mit Auszeichnung ab. In diesem Jahr machte er die Schriftstellerei zu seinem Beruf und veröffentlichte sein erstes Buch noch 1916 mit 22 Jahren.

Im Januar 1916 meldete er sich als Freiwilliger zum Dienst im Ersten Weltkrieg, wurde aber nicht angenommen, da sein Sehvermögen noch stark eingeschränkt war. Dennoch war er 1917 einige Monate lang bei der Royal Air Force tätig und dort für die Bestellung von Material zuständig. Ein Jahr lang unterrichtete er dann Französisch am Eton College, wo Eric Blair (besser bekannt als George Orwell) und Steven Runciman zu seinen Schülern zählten: Als Lehrer war er zwar unfähig, für Ordnung im Unterricht zu sorgen, wurde aber wegen seiner brillanten sprachlichen Fähigkeiten bewundert.

Während des Krieges hatte Huxley viel Zeit in Garsington Manor verbracht, dem Wohnsitz von Lady Ottoline Morrell, die ihn formal als Aushilfe beschäftigte, was ihn von anderen Pflichten befreite. Auf dem Landsitz traf er Bekannte aus Oxford und auch neue Mitglieder der zeitkritischen Elite, wie z. B. Lytton Strachey, Clive Bell, Bertrand Russell, D. H. Lawrence, mit dem er eine enge Freundschaft entwickelte, und Mitglieder der Bloomsbury Group.

1919 heiratete er die Belgierin Maria Nys, die er auf Garsington Manor kennengelernt hatte. Im nächsten Jahr wurde sein Sohn Matthew geboren. Huxley arbeitete nun als Journalist und Kunstkritiker. In seinem Roman (1921) karikierte er sogar den Lebensstil von Garsington, was seine Freundschaft mit den Morrells aber nicht beeinträchtigte. In den 1920er Jahren hielt er sich mit seiner Frau und seinem jungen Sohn öfter in Italien auf und besuchte dort seinen Freund D. H. Lawrence.

In den 1920er Jahren lebte Huxley mit seiner Familie hauptsächlich in Italien, unternahm aber auch weite Reisen um die Welt, die ihn zwischen September 1925 und Juni 1926 über Indien in die USA führten. Seine Beobachtungen und Notizen veröffentlichte er unter dem Titel Jesting Pilate (1926) und im Roman Point Counter Point (1928). Unter dem Eindruck des ihn bedrückenden Rahmens des technisch-wissenschaftlichen Fortschritts und der konsumorientierten US-Kultur schrieb er in nur vier Monaten in Sanary-sur-Mer, Südfrankreich, seinen dystopischen Roman Brave New World, deutsch: Schöne Neue Welt, der 1932 erschien. Gleichzeitig schrieb er auch über pazifistische Themen, zum Beispiel in dem Roman Geblendet in Gaza (1936).

1937 zog Huxley nach Kalifornien, wo seine zweite Schaffensphase einsetzte, die geprägt war von einer neuen Hinwendung zum Menschen. Der dezidierte Kritiker, Satiriker und scharfzüngige Realist lernte 1938 Jiddu Krishnamurti kennen. Unter dem Einfluss buddhistischer Lehren wandte er sich verschiedenen Weisheitslehren zu, insbesondere der Mystik und einem religiösen Universalismus. Diese neue Orientierung spiegelt sich in dem Roman (1939) und noch deutlicher in (1944). In der theoretischen Schrift (1946) legte Huxley seinen philosophischen Standpunkt dar.

In den Jahren um 1939 arbeitete Huxley zudem als Hollywood-Drehbuchautor. Christopher Isherwood schrieb in seiner 1980 veröffentlichten Autobiographie My Guru and His Disciple, Huxley soll zu dieser Zeit so mehr als 3.000 US-Dollar pro Woche verdient haben (das entspricht inflationsbereinigt etwa 50.000 US-Dollar pro Woche im Jahr 2020) und seine hohen Gehälter dafür eingesetzt haben, Juden sowie linksgerichteten Schriftstellern und Künstlern die Flucht aus dem deutschen NS-Staat zu ermöglichen.

Eine teils recht enge Verbindung entwickelte sich zu Thomas Mann, der einige Zeit sogar in unmittelbarer Nachbarschaft zu Huxley lebte.

1953 ließ Huxley sich auf ein von Humphry Osmond betreutes Experiment ein, welches die Wirkung von Meskalin auf die menschliche Psyche zum Inhalt hat. In der folgenden Korrespondenz mit dem Autor prägten beide das Wort psychedelic für die Wirkung dieser Substanz. Die Essays The Doors of Perception und Heaven and Hell beschreiben diese Wirkung und das Experiment, welchem er sich bis zu seinem Tod noch etwa zehnmal unterzog.

1955 starb Huxleys Frau Maria an Krebs, 1956 heiratete er die Geigerin, Schriftstellerin und Psychotherapeutin Laura Archera (1911–2007), die später eine Biografie Huxleys schrieb (This Timeless Moment, 1969).

1960 wurde bei Huxley Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Danach verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Er hielt Vorträge über die „Möglichkeiten des Menschen“ (Human Potentialities) am Medical Center der University of California in San Francisco und am Esalen Institute in Big Sur. Diese Vorträge standen im Zusammenhang mit dem Aufkommen des Human Potential Movement in Kalifornien. 1962 erschien Huxleys letzter Roman Island (deutsch Eiland), eine positive Utopie, in der Huxley ein Gegenbild zur Schönen neuen Welt entwirft und dabei auch seine Erfahrungen mit Drogen, aber auch religiös-weltanschauliche Aspekte eingearbeitet hat. Im selben Jahr wurde er zum Mitglied der britischen Royal Society of Literature gewählt. Seit 1960 war er Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters.

Am Nachmittag des 22. November 1963 starb Aldous Huxley im Alter von 69 Jahren. Kurz vor seinem Tod ließ er sich von seiner Ehefrau Laura auf seinen Wunsch hin zwei Mal 100 Mikrogramm LSD verabreichen.Laura Huxley: The most beautiful death vom 8. Dezember 1963 (engl., abgerufen im November 2015) Am Mittag desselben Tages fand das Attentat auf John F. Kennedy statt, von welchem Huxley, der einige Stunden später starb, allerdings nicht mehr erfuhr. Die Berichterstattung über dieses Ereignis überschattete, wie auch die Nachricht über den Tod von C. S. Lewis, der ebenfalls am 22. November 1963 starb, die Meldung über Huxleys Tod.

Im Dezember 1963 fand ein Gedenkgottesdienst in London statt, geleitet von Huxleys älterem Bruder Julian. Die Asche des Verstorbenen wurde im Familiengrab auf dem Friedhof in Compton, einem Dorf bei Guildford in Surrey, beigesetzt. Igor Strawinsky widmete seine letzte Komposition für Orchester seinem Freund Aldous Huxley: die Variations, komponiert zwischen Juli 1963 und Oktober 1964, uraufgeführt vom Chicago Symphony Orchestra in Chicago am 17. April 1965.

Einflüsse Huxley wurde stark von Frederick Matthias Alexander beeinflusst, den er sogar als Romanfigur in Geblendet in Gaza aufnahm.

Huxley war mit dem Biologen J. B. S. Haldane befreundet und parodierte ihn und seinen Vater John Scott Haldane durch Figuren in seinen Werken. Darüber hinaus beeinflusste J. B. S. Haldanes Werk Daedalus über die Entwicklung von Föten in künstlichen Gebärmüttern Huxleys Roman Brave New World.Bill Bryson: Eine kurze Geschichte von fast allem. (A short story of nearly everything). Goldmann-Verlag, München 2005, ISBN 3-442-46071-9, Kapitel 16, S. 307–308.

Werke Romane Crome Yellow. Flamingo, London 1994, ISBN 0-00-654729-X (EA London 1921). Eine Gesellschaft auf dem Lande, 3. Auflage. Piper, München 1991, ISBN 3-492-11297-8 (EA München 1977). Antic Hay. Flamingo, London 1994, ISBN 0-00-654742-7 (EA London 1923). Narrenreigen. Piper, München 1985, ISBN 3-492-00610-8 (EA München 1983). Those Barren Leaves. Flamingo, London 1994, ISBN 0-00-654744-3 (EA London 1925). Parallelen der Liebe. Piper, München 1993, ISBN 3-492-11682-5 (EA Frankfurt/M. 1961). Point Counter Point. Grafton Books, London 1988, ISBN 0-586-04440-X (EA London 1928). Kontrapunkt des Lebens. Piper, München 1989, ISBN 3-492-10946-2 (EA Leipzig 1930). Brave New World. Vintage Books, London 2004, ISBN 0-09-947746-7 (EA London 1932). Schöne neue Welt Fischer, Frankfurt/M. 2013, ISBN 978-3-596-95015-7 (früherer Titel: Welt – Wohin?, 1932 bzw. Wackere neue Welt, 1950). Schöne neue Welt. Hörbuch. Verlag für Hörbuchproduktionen, Marburg 2004, ISBN 3-89614-330-1 (6 CDs, gelesen von Hans Eckardt). Eyeless in Gaza. Vintage Books, London 2004, ISBN 0-09-945817-9 (EA London 1936). Geblendet in Gaza. Piper, München 1987, ISBN 3-492-10794-X (EA Hamburg 1959). After Many a Summer. Flamingo, London 1994, ISBN 0-00-654736-2 (EA London 1939).