Annelie ist ein schweizerisch-deutscher Spielfilm des Regisseurs Antej Farac von 2012. Der Film wurde am 5. Oktober 2012 auf dem Busan International Film Festival uraufgeführt. Es ist der erste Schweizer Film überhaupt, der für diesen offiziellen Wettbewerb ausgewählt wurde.
Handlung ANNELIE ist eine alte Pension in München, die ihre besten Tage schon lange hinter sich hat. Als keine Gäste mehr kamen, wurde sie von der Stadt als provisorische Unterkunft für Obdachlose und Sozialfälle angemietet. Diese „vorübergehende Unterbringung“ dauerte für einige Bewohner über ein Jahrzehnt, und die lange Wartezeit brachte unweigerlich verschiedene sehr eigenwillige Charaktere zusammen. Sie alle gelten als unvermittelbar, sind seit Jahren ohne Arbeit und ANNELIE ist ihr Zuhause.
Der Film zeigt die Bewohner in einer Art Versuchsanordnung, in der sie ihr Zusammenleben zu organisieren haben. Einer von ihnen ist Max, ein ehemaliger Schauspieler und Kinderdarsteller, der als Junkie sein Talent nur noch zum professionellen Schnorren einsetzt. Ein anderer ist der Besitzer eines schlecht laufenden Kiosks, dessen Frau beide durch den Verkauf ihres Körpers über Wasser hält. Für Max gibt es Hoffnung auf einen Neuanfang, als er ein Verhältnis mit der schönen Swingerclub-Besitzerin beginnt. Doch der Vorfall mit einer Leiche stellt alles auf den Kopf: 2012 verordnet die Stadt, die Pension ANNELIE zu schließen und das Haus inklusive Swingerclub abzureißen.
Diese Nachricht versetzt die Bewohner in Ausnahmezustand. Während es Max immer tiefer in den Sog seiner Drogensucht zieht, müssen die restlichen Mitglieder der sonderbaren ANNELIE-Familie – Alkies, Junkies, Kleinkriminelle oder illegale Stadtwildjäger – ein letztes Mal zusammenhalten. Mit der Entschlossenheit jener, die nichts mehr zu verlieren haben, entführen sie eine bekannte Band. Schließlich läuft alles auf ein okkultes Finale zu, wo sich die bittere Realität als ein vorübergehender Traum herausstellt.
Hintergrund Das Haus, das von seinen Bewohnern liebevoll ANNELIE genannt wurde, lag an der Landwehrstraße, einem sozialen Brennpunkt Münchens, wo Junkies, Prostituierte, Künstler und Großstadt-Boheme nebeneinander leben. Das heruntergekommene ehemalige Hotel war viel mehr als nur Idee und Schauplatz dieses Films. Die Pension ANNELIE war ebenso real wie die Menschen und deren Geschichten.
Antej Farac, der Regisseur und Autor des Films, hat jahrelang gegenüber gewohnt und teilte sich den Hinterhof mit den ANNELIEanern. In der direkten Nachbarschaft erlebte er alle Höhen und Tiefen, Todesfälle und Schicksale mit. Geschockt vom Ausmaß der Armut und fasziniert vom Galgenhumor seiner Nachbarn, war für Farac schnell klar, dass er auf die Verhältnisse aufmerksam machen wollte. Am Anfang bestand der Kontakt darin, dass er immer wieder ausrangierte Sachen, die die Nachbarn gut brauchen konnten, hinüberbrachte. Die Pensionsbewohner schätzten diese Initiative und entschieden endgültig, dass er kein Schnösel sei. Nach und nach machten sie bei seinen Projekten mit, und so entstanden Foto- und Kunstarbeiten, ein Dokumentarfilm über die transsexuelle Hausbewohnerin Laura und schließlich der Spielfilm ANNELIE.
Das gewonnene Vertrauen ermöglichte ihm einen tiefen Einblick in die soziale Unterwelt, und so ist mit ANNELIE eine eindrucksvolle und spannende Milieustudie entstanden. Die Figuren wurden überwiegend von den echten Bewohnern gespielt, abgesehen von der Hauptrolle, die der Shootingstar im deutschsprachigen Raum, der Berlinale-Preisträger Georg Friedrich, übernommen hat. Abgesehen vom Ende des Films verwob der Regisseur ausschließlich Fragmente der echten Schicksale in eine berührende und zugleich humorvolle Geschichte. Der Film wirkt bis zur Schmerzgrenze authentisch, und doch reicht er an die wahren Verhältnisse im Haus nicht heran. – Denn kein Film ist so hart wie das Leben selbst.
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Kritik
Weblinks
Annelie auf fbw-filmbewertung.com Annelie auf deutsches-filminstitut.de Annelie auf annelie-derfilm.de
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2012 Kategorie:Obdachlosigkeit im Film Kategorie:Schweizer Film Kategorie:Deutscher Film