mini|Projekt S-Bahn FL.A.CH in der Übersicht Das Projekt S-Bahn Liechtenstein (früher S-Bahn FL.A.CH bzw. auch S-Bahn FL-A-CH genannt) war ein grenzüberschreitendes Eisenbahnkonzept der drei Alpenländer Liechtenstein, Österreich und der Schweiz. Das von der liechtensteinischen Regierung initiierte Projekt sah einen S-Bahn-ähnlichen Betrieb auf der Bahnstrecke Feldkirch–Buchs (1. Etappe) vor und sollte damit ein zentrales Bindeglied zwischen der S-Bahn St. Gallen sowie der S-Bahn Vorarlberg darstellen.
Im Jahr 2020 beschlossen Regierungsvertreter Österreichs und Liechtensteins die gegenseitige Unterzeichnung einer «Absichtserklärung über die Realisierung des Vorhabens der S-Bahn Liechtenstein».
In einer Volksabstimmung am 30. August 2020 lehnte die Liechtensteiner Bevölkerung allerdings die Aufnahme eines Kredites für das Projekt ab. Daher wird das Projekt in absehbarer Zeit nicht mehr weiterverfolgt.
Geschichte des Projekts
Für den österreichischen Teil des Projektes wurde das behördliche Genehmigungsverfahren bereits 2015 mit einem positiven UVP-Bescheid abgeschlossen. Davon unabhängig zu sehen ist die Entscheidung über die Finanzierung des Projektes, die in den betroffenen Staaten vor allem politisch zu klären ist. Im April 2014 sistierte die Liechtensteiner Regierung alle Arbeiten rund um das Projekt FL.A.CH. Zuerst seien Unstimmigkeiten mit Österreich in Finanzfragen zu lösen.Schiffbruch für Liechtensteiner S-Bahn-Projekt? In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 5/2015. Minirex, , S. 238
Am 21. April 2020 wurde im Rahmen eines Arbeitsgesprächs zwischen den Regierungsvertretern Österreichs und Liechtensteins die gegenseitige Unterzeichnung einer «Absichtserklärung über die Realisierung des Vorhabens der S-Bahn Liechtenstein» beschlossen. Zwei Tage später wurden die veranschlagten Kosten sowie die Kostenverteilung bekanntgegeben. Demnach betragen die Kosten für die Infrastrukturmassnahmen in Liechtenstein 122,1 Mio. Franken, wobei das Fürstentum 66,5 Mio. (54,5 %) und die Republik Österreich 55,6 Mio. (45,5 %) übernehmen. In diesem Betrag nicht enthalten sind die Kosten für die Instandhaltung der Eisenbahn-Rheinbrücke Schaan-Buchs und der Eisenbahn-Kanalbrücken in Schaan. Diese baulichen Veränderungen sowie jene in Österreich werden von der Republik Österreich alleine getragen. Die veranschlagten Gesamtkosten belaufen sich auf 197 Mio. Franken, wovon 130,5 Millionen Franken auf Österreich entfallen. Somit ergibt sich bezogen auf die Gesamtkosten eine Kostenquote von 66,25 Prozent für die Republik Österreich und 33,75 Prozent für das Fürstentum Liechtenstein. In einer Volksabstimmung am 30. August 2020 lehnte die Liechtensteiner Bevölkerung allerdings die Aufnahme eines Kredites für das Projekt ab, sodass das Projekt nicht mehr vorangetrieben wird.
Heutiger Betrieb mini|Sonderzug (Orient-Express) in Nendeln Das grenzüberschreitende Bahnangebot zwischen Werdenberg, dem Fürstentum Liechtenstein und Vorarlberg ist heute nur schwach ausgebaut. Auf der Strecke Buchs – Feldkirch führen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) von Montag bis Freitag (wenn Werktag) neun Regionalzugpaare und binden Liechtenstein nur unregelmässig und zu den Hauptverkehrszeiten an Feldkirch und Buchs SG an. Fahrplanmässig bedient werden die Haltepunkte Schaan-Vaduz, Forst Hilti und der Bahnhof Nendeln, nicht jedoch die Haltestelle Schaanwald.S. 55
Die Strecke ist fast durchgehend eingleisig, und die Bahnhofinfrastrukturen sind veraltet. Der öffentliche Verkehr zwischen diesen Regionen wird mehrheitlich durch Buslinien angeboten, die jedoch zu Stosszeiten stark behindert werden.
Der Grossteil des Güter- und Personenverkehrs Österreich–Schweiz benützt diese Strecke, sodass Angebotserweiterungen im Regionalverkehr heute kaum mehr möglich sind. So fuhren hier im Fahrplan 2012 zwei EN-Zugpaare (Budapest Keleti pu. / Graz Hbf – Zürich HB u.u.) und fünf RJ-Zugpaare Budapest Keleti pu. / Wien Westbahnhof – Salzburg Hbf – Innsbruck Hbf – Zürich HB. Im Fahrplan 2022 benutzen sechs RJ-Paare (grundsätzlich Wien Hbf – Zürich HB), ein EC-Paar («Transalpin» Graz Hbf – Zürich HB) und zwei Nachtzugpaare die Strecke.
Ausgangslage Mit der Einführung der S-Bahn Vorarlberg und dem Ausbau des Bahnangebotes im St. Galler Rheintal – insbesondere mit der S-Bahn St. Gallen 2013 – sah sich die Liechtensteiner Regierung veranlasst, die Bahninfrastruktur auch in Liechtenstein auszubauen. Hinzu kommt, dass die Konzession zum Betrieb der Eisenbahnstrecke auf liechtensteinischem Staatsgebiet im Jahr 2017 nach 40-jähriger Laufzeit ausläuft. Entsprechend nahm die Regierung Liechtensteins neue Verhandlungen mit den ÖBB auf und stellte für die zu vergebende Konzession ebenfalls Bedingungen.S. 7–9
Zweck und Ziele Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich Liechtenstein von einem ärmlichen Bauernstaat zu einem der höchstindustrialisierten Länder der Welt entwickelt. Gleichzeitig setzte ein grosses Bevölkerungs- und ein noch stärkeres Wirtschaftswachstum ein: Lag die Zahl der Einwohner im Jahr 1970 noch bei rund 21‘000, stieg diese bis 2010 auf über 36‘000 an. Die Zahl der Arbeitsplätze hat sich in dieser Zeitspanne von ca. 11‘500 auf rund 34‘000 erhöht und somit beinahe verdreifacht. Dieses starke Wirtschaftswachstum hatte zur Folge, dass bereits heute mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze in Liechtenstein von Grenzgängern besetzt sind. Dieser Umstand führte insbesondere in den letzten Jahren zu massiven Verkehrsproblemen im Raum Liechtenstein, sodass die Strasseninfrastruktur immer mehr an ihre Belastungsgrenze stösst. Tiefbauamt, abgerufen am 29. April 2020.
In einem Bericht der Regierung an den Landtag zum Projekt S-Bahn FL.A.CH wurden die wichtigsten Zielsetzungen festgehalten: Einerseits sollte durch den Aufbau eines attraktiven Regionalverkehrs die Anbindung an das St. Galler und Vorarlberger S-Bahn-System ermöglicht werden und so die internationale Erreichbarkeit Liechtensteins verbessert werden. Zudem sollte durch die zunehmende Nutzung des öffentlichen Verkehrs die Belastung durch den Strassenverkehr reduziert werden und so der Lebens- und Wirtschaftsraum Liechtenstein langfristig gestärkt werden.S. 9–11
Projektinhalt erste Etappe Die Realisierung der S-Bahn FL.A.CH sollte in zwei Etappen erfolgen: Die erste Etappe umschloss die eigentliche Bahnstrecke Feldkirch–Buchs. Die zweite Etappe würde die Ausdehnung des Bahnangebotes über Buchs (Richtung Sargans bzw. St. Gallen) oder auch Feldkirch (Richtung Bregenz bzw. Bludenz) hinaus umfassen.S. 8–10
Bahnangebot Laut Planungsberichten war vorgesehen, das Bahnangebot nach den notwendigen Infrastrukturausbauten in drei Schritten auszubauen: In einem ersten Schritt würde ein durchgehender Stundentakt mit einer Verdichtung zum Halbstundentakt zu Hauptverkehrszeiten eingeführt werden. In einem zweiten Schritt sollte dieser Halbstundentakt ausgedehnt werden, sodass in einem dritten und letzten Schritt ein durchgehender Halbstundentakt entstanden wäre.S. 39
+ Bsp. FahrplankonzeptBuchs – FeldkirchS. 7 St. Gallen ab 15.39 17.26 Buchs an 16.44 17.13 Sargans ab 16.35 17.01 Buchs an 16.45 17.12 Buchs ab 16.48 17.18 Schaan 16.51 17.21 Schaan, Forst 16.53 17.23 Nendeln 16.56 17.26 Schaanwald 16.59 17.29 Tisis 17.02 17.32 Tosters 17.04 17.34 Gisingen 17.06 17.36 Altenstadt 17.08 17.38 Feldkirch an 17.11 17.41 Feldkirch ab 17.14 17.44 Bludenz an 17.29 18.02 Feldkirch ab 17.17 17.53 Bregenz an 17.48 18.19
+ Bsp. Fahrplankonzept Feldkirch – BuchsS. 7 Bregenz ab 16.11 16.40 Feldkirch an 16.41 17.12 Bludenz ab 16.30 17.00 Feldkirch an 16.45 17.15 Feldkirch ab 16.48 17.18 Altenstadt 16.50 17.20 Gisingen 16.52 17.22 Tosters 16.54 17.24 Tisis 16.57 17.27 Schaanwald 17.01 17.31 Nendeln 17.03 17.33 Schaan, Forst 17.06 17.36 Schaan 17.09 17.39 Buchs an 17.12 17.42 Buchs ab 17.15 17.46 St. Gallen an 18.20 18.34 Buchs ab 17.15 17.48 Sargans an 17.25 18.29
Laut Planungsgrundlagen sollte die Fahrlage der Regionalzüge so zu liegen kommen, dass sowohl beim Bahnhof Buchs als auch beim Bahnhof Feldkirch direkte Anschlüsse in alle Richtungen ermöglicht worden würden (in Buchs von/nach St. Gallen und von/nach Sargans und in Feldkirch von/nach Bregenz und von/nach Bludenz). Entsprechend hätte sich beispielsweise die Fahrzeit in Verbindung mit der Einführung der S-Bahn St. Gallen 2013 vom Bahnhof Schaan nach Zürich von heute 90 bzw. 93 auf 74 Minuten oder nach St. Gallen von heute 67 auf 55 Minuten reduziert.S. 39
+ Fahrzeitvergleich Strecke ohne S-Bahn FL.A.CHbzw. S-Bahn St. Gallen mit S-Bahn FL.A.CHbzw. S-Bahn St. Gallen Fahrzeitveränderung Schaan – Buchs 6 min 3 min - 3 min Schaan – Sargans 29 min 16 min - 13 min Schaan – St. Gallen 67 min 55 min - 12 min Schaan – Zürich 93 min 74 min - 19 min Schaan – Bregenz 65 min 57 min - 8 min Nendeln – Sevelen 26 min 18 min - 8 min Nendeln – Walenstadt 47 min 38 min - 9 min Nendeln – Dornbirn 50 min 40 min - 10 min Schaanwald – Buchs 18 min 11 min - 7 min Schaanwald – Bludenz 44 min 30 min - 14 min Schaanwald – Chur 60 min 47 min - 13 min
Infrastrukturmassnahmen Um die geplanten Verbesserungen im Bahnverkehr realisieren zu können, aber auch den heutigen Kundenansprüchen gerecht zu werden, waren verschiedene Ausbauten geplant.
Gleisausbau Für die vorgesehene Erweiterung des Bahnangebotes war ein zweigleisiger Ausbau («Doppelspur») zwischen Nendeln und Tisis mit einer Länge von 4,6 Kilometern nötig gewesen. Entsprechend würden die Fernverkehrszüge Wien–Zürich bei Nendeln und die Regionalzüge bei Schaanwald kreuzen.S. 40 Zugleich sollte auch die bestehende Eisenbahntechnik (z. B. Signalsteuerung, Schrankensteuerung) komplett erneuert werden.S. 41
Als erste Etappe des zweispurigen Gleisausbaues samt begleitenden Massnahmen war der Streckenabschnitt Feldkirch bis zur Grenze Liechtenstein (Feldkirch-Tosters, Eisenbahnkilometer 0,000 bis 8,375 / ÖBB-Strecke 303) Gegenstand einer Umweltverträglichkeitsprüfung in Österreich.
Bahnhöfe bzw. Haltestellen Bahnhof Schaan-Vaduz mini|Bereits erneuerte Bahninfrastruktur Der Bahnhof Schaan-Vaduz besitzt aufgrund seiner Lage das grösste Kundenpotential – insbesondere für die zahlreichen Industriebetriebe der Gemeinde, aber auch als Umsteigepunkte auf die diversen Busverbindungen Richtung Vaduz, Triesen, Balzers, Triesenberg und Planken. Entsprechend wird von einer endgültigen Frequenz von 1200 bis 2000 Personen pro Werktag ausgegangen.Geplant war ein behindertengerechter Bahnsteig mit einer Länge von 160 Metern, sowie eine Bike-&-Ride-Anlage mit insgesamt 400 Veloabstellplätzen.S. 51–53 In unmittelbarer Nähe zum Bahnhof wurde in den Jahren 2004 bis 2009 ein zentraler Bushof mit sechs Haltekanten sowie eine Tiefgarage mit 145 Parkplätzen errichtet, sodass keine weiteren Infrastrukturmassnahmen für die Erschliessung des Bahnhofes mehr nötig sind., Amt für Bau und Infrastruktur, abgerufen am 24. April 2020.
Bahnhof Nendeln Beim Bahnhof Nendeln waren umfassende Infrastrukturmassnahmen geplant, er sollte auch zu einem Fernverkehrshalt werden. Im Zuge des Doppelspurausbaues sollte der heutige Bahnübergang aufgehoben und die Hauptstrasse nach Norden verlegt sowie mit einer Unterführung versehen werden. Gleichzeitig sollte diese neue Strassenanbindung die Verlegung des Bahnhofs Nendeln zur bisherigen Eisenbahnkreuzung ermöglichen, die Errichtung einer Park-&-Ride-Anlage sowie eine Verbesserung der Busverbindungen Richtung Eschen und Bendern. Durch die Aufhebung der sogenannten Engelkreuzung sollte zudem das Dorfzentrum vom Individualverkehr entlastet und durch gestalterische Massnahmen aufgewertet werden.S. 48/49
Haltestelle Schaanwald