mini|hochkant=1.5|Avenue Charles de Gaulle in der Cité Foch (Zustand bis 2016) – rechts das Einkaufszentrum Economat.

Die Cité Foch ist ein 47 ha großes Wohngebiet im Berliner Ortsteil Wittenau des Bezirks Reinickendorf. Es ist im Norden begrenzt durch den Packereigraben, westlich durch den Steinbergpark, südlich durch die Gleise der Industriebahn Tegel–Friedrichsfelde und östlich durch die Jean-Jaurès-Straße und die Cyclopstraße.

Die Siedlung entstand im Wesentlichen zwischen 1952 und 1976 als Wohngebiet für die französischen Streitkräfte in Berlin und ihre Angehörigen.

1994 zogen die französischen Bewohner ab. Seit den 2010er Jahren realisiert die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die mit der Abwicklung der hinterlassenen Liegenschaften der Alliierten beauftragt ist, hier ein Wohnungsbauvorhaben mit 600 Wohnungen.

Typisch für die Cité sind die blauen französischen Straßenschilder.

Geschichte Die Cité Foch (angeblich anfangs auch Cité Tucoulou, benannt nach Yves Tucoulou-Tachouères, dem Sohn eines Offiziers der Französischen Streitkräfte in Deutschland, 1948 in Indochina gefallen) hatte sich mit der Zeit zur größten der vier Wohnsiedlungen im französischen Sektor Berlins entwickelt. Auf rund 47 Hektar (vgl. Vatikanstadt: 44 ha) befanden sich 785 Wohnungen (80 Gebäude), die höchste Bewohnerzahl erreichte die Siedlung 1991 mit 2600 Personen.

Vor 1945: Maschinenfabrik, BVG, Militärakademie Ursprünglich befand sich hier die Maschinenfabrik Cyclop, deren Lager im August 1945 von französischen Einheiten als Notbehelf bezogen und „Camp Foch“ (nach Ferdinand Foch, einem französischen Marschall im Ersten Weltkrieg) benannt wurde. Die 1910 gegründete „Cyclop Maschinenfabrik (Mehlis und Behrens)“, wurde später von der „Imperator Motorenwerke Wittenau“ übernommen. 1920 wurde das Gelände zur Hauptwerkstatt und Lager der „Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)“ und der "Großen Berliner Straßenbahn (GBS)". Von den Nationalsozialisten wurde das Gelände als Luftwaffen-Militärakademie und Lazarett genutzt.

1945–1994: Wohnraum für Angehörige der Französischen Streitkräfte in Berlin 1945 entstanden auf dem Gelände zunächst einfache Holzunterkünfte, die ab 1952 durch massive Wohnbauten ersetzt wurden.

mini|Plan der Cité Foch aus dem Geoportal Berlin als Wittenauer Ortslage mit der Bebauung von 2015. Deutlich erkennbar sind noch der Economat, die Kirche und das Schwimmbad, die Lage des Collège Voltaire und des Sportplatzes sowie die Gebäude an der Rue Montesquieu die von Gendarmerie und Geheimdienst genutzt wurden.

Die Cité Foch wurde ständig ausgebaut und erhielt u. a. mehrere Schulen:

École La Fontaine im Jahr 1959, École Voltaire in der Zeit von 1960 bis 1964, École Victor Hugo in den Jahren 1968–1970, École maternelle Saint-Exupéry (Kindergarten, Vorschule) 1974.

Darüber hinaus entstanden

verschiedene Sportanlagen, ein großes Einkaufs- und Mehrzweckgebäude (Economat) mit einem Kino (Le Flambeau, 1977), eine Kirche (Sainte-Geneviève, 1977–1980), eine Festhalle (1981) sowie ein Parkhaus.

Die Cité bot ihren Bewohnern Platz in 785 Wohnungen in 80 Wohnblöcken. Die Wohnungen waren bis zu 200 m² mit sieben Zimmern groß.

Da sich auf dem Gelände auch militärische Einrichtungen befanden, war die Cité Foch nicht öffentlich zugänglich.

Die Residenz des französischen Stadtkommandanten von Berlin lag in unmittelbarer Nähe der Cité in der Villa Bondickstraße 1.

1994 verließen die Franzosen fast zeitgleich mit den drei anderen Besatzungsmächten in Folge der deutschen Wiedervereinigung Berlin und überließen die Cité ihrem Schicksal.

1994–2016: Verfall und Suche nach neuen Nutzungsmöglichkeiten Danach fiel das Grundstück an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Diese ist mit der Abwicklung der Liegenschaften der ehemaligen Alliierten betraut. An der Rue Montesquieu nutzte der Bundesnachrichtendienst nach dem Abzug der Franzosen noch für eine Weile den Antennenmast und ein Verwaltungsgebäude. Die Wohnungen konnten nach 1994 nur schwer vermietet werden: Einerseits waren sie für deutsche Gewohnheiten ungewöhnlich geschnitten (beispielsweise separate Toiletten, dafür keine Toilette im Badezimmer oder große Salons als Kombination von Wohn- und Esszimmer, gerade in „Offizierswohnungen“), andererseits angesichts des Mietzinses für die angestrebte Nutzung zu groß. Eine Vier-Zimmer-Wohnung für eine Familie, die in den nicht weit entfernten Arealen am Zabel-Krüger-Damm bzw. an der Titiseestraße in Waidmannslust oder im Märkischen Viertel zwischen 90 und 100 m² umfasst, kann hier bis zu 130 m² umfassen. Es gab zudem Sanierungsbedarf und es wurden überwiegend nur befristete Mietverträge angeboten.

Erst nach einer Sanierung durch die BImA um 2000 besserte sich die Situation. Zwischen 2007 und 2010 konnte der Leerstand von 33 % auf 7 % gesenkt werden.Ulrich Paul:

Anfang der 2010er Jahre drohte die Cité Foch zu einer Geisterstadt zu werden. Die Gebäude blieben größtenteils leerstehend, die Einrichtungen der Franzosen wurden nicht mehr betrieben. Müll und Vandalismus breiteten sich aus. Das Gelände wurde abgesperrt und war nicht mehr öffentlich zugänglich.

Die Erschließung für eine Neubebauung wurde nicht nur durch die fehlende Katasteraufteilung der Grundstücke erschwert, die einen Verkauf einzelner Teile unmöglich machte: selbst die Straßen in der Cité liefen ausschließlich über privaten Grund. Obwohl viele der Bauten in der Cité vor allem in den 70er und 80er Jahren von der Stadt Berlin errichtet wurden, war bei der Anlage der Cité darüber hinaus offenbar wenig Sorgfalt auf die Verlegung von Leitungen für Strom, Gas und Wasser gelegt worden: „Die Leitungen verlaufen hier wie Kraut und Rüben, das hat mit den deutschen Standards überhaupt nichts zu tun“ sagte ein Angestellter der BImA im Januar 2026 der Berliner Morgenpost. Im Jahr 2016 war zunächst ein Vermessungsauftrag ausgeführt worden, um überhaupt festzustellen, welche Leitungen welche Gebäude versorgen.

Nach 2016: Teilweiser Abriss und Neubebauung 2016 starteten großflächige Abrissarbeiten. Dabei wurden u. a. die Gebäude des Einkaufszentrums (Economat), die Kirche Ste. Géneviève, die Gendarmerie und die Gebäude des Geheimdienstes, das Gymnasium sowie das Schwimmbad beseitigt. Erhalten sind von der ehemaligen Bebauung heute (Stand 2026) noch die Wohnblöcke in der Rue Racine, Gebäude und Wohnblöcke im westlichen Teil der Avenue Charles de Gaulle sowie die Grundschule am Place Molière und das Gebäude der Musikschule.

Leben in der Cité Die Cité war im Wesentlichen Wohnstadt für Angehörige der französischen Streitkräfte, die in den 1970er und 1980er Jahren um Kultureinrichtungen erweitert wurde. Neben Boule und Schwimmmöglichkeiten im Schwimmbad nahmen die Bewohner auch an den Volksfesten, Paraden und dem seit den 1980er Jahren bestehenden 25-km-Berlin-Lauf teil, der von der französischen Kommandantur veranstaltet wurde. Die Versorgung mit Produkten des täglichen Bedarf stellte die Supermarktkette Economat mit einem großen Einkaufszentrum sicher. Bücher und Zeitschriften aus Frankreich erreichten die Bewohner durch aktive Mitglieder der französischen Community schnell und unkompliziert in kürzester Zeit. Religiöse Aktivitäten fanden ihr Zuhause auf dem Gelände ab 1980 in der neu erbauten Kirche Ste. Généviève. Spätestens seit 1974, mit dem Bau der Ecole materielle war ein lückenloses Schulsystem von Vorschule bis Gymnasium auf dem Gelände etabliert.

Ergänzt wurden die Freizeit-Aktivitäten der Bewohner durch Besuche in verschiedenen französischen Einrichtungen außerhalb der Cité in Berlin wie z. B. das Kino "L'Aiglon", das Centre Français in Wedding, die Villa "Centre Bagatelle" in der Zeltinger Straße 6 in Frohnau (Tagungsort der "Deutsch-Französischen Gesellschaft, Gruppe Nord") und die Maison de France am Kurfürstendamm sowie zahlreiche Veranstaltungen rund um das Quartier Napoléon, wo die militärischen Kräfte der Franzosen untergebracht waren.

Straßennamen in der Cité Die folgenden französischen Bezeichnungen von Straßen und Plätzen existieren noch heute auf dem Gelände der Cité. Sie sind – ungewöhnlich für Berlin – mit blauen Straßenschildern gekennzeichnet: Avenue Chales de Gaulle, Place Molière, Rue Diderot, Rue Lamartine, Rue Montesquieu, Rue Racine, Rue Georges Vallery Die Rue Jean-Jaurès und Rue Simone de Beauvoir sind nicht Teil der ursprünglichen Cité.

Ehemalige französische Einrichtungen in der Cité Foch mini|Eingang zur Cité an der Rue Montesquieu mini|Wohnhäuser in der Cité Foch an der Rue Racine mini|Straßenschild in der Cité Foch mit Wohnblock mini|Wohnblock Rue Racine 4 mini|Eingangstür aus den 1970er Jahren in den Wohnhäusern der Cité, Rue Racine

École maternelle Saint-Exupéry Die am Place Molière 1 gelegene Vorschule wurde 1974 eingerichtet. Sie wurde von den Kindern des Viertels vor dem Besuch der École Victor Hugo besucht. Heute ist das Gebäude eine Filiale der Münchhausen-Grundschule.

mini|Ehemalige Ecole materielle an der Place Molière (während der Dachsanierung 2025/2026)

École La Fontaine Die Schule war die erste auf dem Gelände der Cité. Sie wurde 1959 eingerichtet.

École Victor Hugo Am Place Molière 4 wurde zwischen 1968 und 1970 die mit Sporthalle, Sportplatz und Kantine () ausgestattete Grundschule (frz. École élémentaire) errichtet. Das Schulgelände beherbergt heute das 1994 gegründete Romain-Rolland-Gymnasium (frz. Lycée européen Romain-Rolland) mit französischem Schwerpunkt (AbiBac-Schule). Architektonisch bildet das Schulgelände mit dem der École Saint-Exupéry eine Einheit (frz. zusammen École primaire genannt).

Das Ensemble ist erhalten.

Collège Voltaire Die an der Avenue Charles de Gaulle 33 gelegene Sekundarschule für Kinder französischer Militärangehöriger bis zu einem Alter von 15 Jahren wurde 1960 bis 1964 errichtet. Sie zog 2010 nach Tiergarten um und wurde dabei organisatorisch dem Französischen Gymnasium angegliedert. Damit das fortan leerstehende Schulgebäude in der Cité Foch nicht verwahrlost, wurde hier ein Pilotprojekt zur „Bewachung durch Bewohnung“ nach dem niederländischen „Antikraak“-Modell eingerichtet.Christian Bartlau: Zwischenzeitlich wurde der Komplex als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

Das Collège verfügte über einen trapezförmigen Eingang mit einem Glasbausteinrelief.

Nach 2022 wurden die meisten Gebäude des Komplexes abgerissen und zunächst durch kleine Wohnhäuser ersetzt.

Geplant ist mittlerweile (2026) ein Neubau einer Grundschule auf dem Gelände des ehemaligen Colleges.

mini|Eingangsbereich des College Voltaire Berlin-Wittenau an der Rue Racine mit Glasbausteinrelief mini|Ehemalige Gebäude des College Voltaire

Einkaufszentrum / Economat Das große Einkaufszentrum mit Kino „Le Flambeau“ sowie Kultur- und Gesundheitszentrum an der Avenue Charles de Gaulle 9 sowie 10–14 (durch eine Fußgängerüberführung verbunden) entstand zwischen 1975 und 1977 im Stil des Brutalismus. Es wurde 1998 an einen privaten Investor verkauft und zunächst mit zahlreichen Geschäften frei zugänglich weiterbetrieben („famila“).

Der Komplex verfügte über 12.000 m² Verkaufsfläche. Er wurde 2006 nach der Schließung der einzig als Ladenfläche verbliebenen ALDI-Niederlassung und des Restaurants geschlossen, stand dann leer und diente vor allem vielen Hobbyfotografen als Fotomotiv, bis es in völlig verwahrlostem Zustand zusammen mit weiteren verfallenen Bauten in der Nachbarschaft in den 2010er Jahren zu mehr und mehr Missmut und Diskussionsstoff um die Zukunft der Anlage in Reinickendorf und Berlin beitrug. Der Schweizer Besitzer kümmerte sich nicht um die Erhaltung, Bewachung oder Entsorgung. Zahlreiche Presseartikel beschäftigten sich in dieser Zeit immer wieder mit der Perspektive des Areals.