Abū n-Nadschīb as-Suhrawardī (arabisch: أبو النجيب السهروردي, DMG: Abū n-Naǧīb Ẓiyāʾ ad-Dīn ʿAbd al-Qāhir b. ʿAbd Allāh b. Muḥammad b. ʿAmmūya al-Bakrī as-Suhrawardī; geb. um 1097 in Suhraward bei Zandschan, Iran; gest. 1168 in Bagdad) war ein persischer Sufi, Schafiitischer Rechts- und Hadith-Gelehrter und stammt vom ersten Kalifen Abu Bakr ab. Er gilt als Begründer des Suhrawardiya-Ordens und gehörte zu den einflussreichsten islamischen Mystikern des 12. Jahrhunderts.

Zu seinen wichtigsten spirituellen Lehrern gehörten Aḥmad al-Ġazālī, bei dem er als Schüler lebte, sowie Muḥammad b. Muslim ad-Dabbās, der als sein prägendsten Sufi-Meister betrachtet wird. Nach späteren Quellen erhielt er außerdem eine ḫilāfa von ʿAbd al-Qādir al-Ğīlānī.

Leben Seine erste Ausbildung erhielt er wahrscheinlich in seiner Heimat. Später ging er nach Isfahan, wo er Hadith bei Abū ʿAlī al-Ḥaddād studierte. Um 1113 zog er nach Bagdad und studierte an der Nizāmiyya-Madrasa. Dort lernte er schafiitisches Recht, Hadith, Kalām und Usūl al-fiqh bei verschiedenen bekannten Gelehrten seiner Zeit.

Mit etwa 25 Jahren verließ Abū n-Nadschīb die Madrasa. Er ging nach Isfahan und wurde Schüler von Aḥmad al-Ġazālī. Dort widmete er sich sehr strengen spirituellen Übungen und unternahm zudem die Pilgerfahrt nach Mekka. Nach seiner Rückkehr nach Bagdad schloss er sich Muḥammad b. Muslim ad-Dabbās an. Die späteren Quellen betonen besonders dessen Einfluss auf seine spirituelle Entwicklung.

In Bagdad leitete er schließlich selbst eine Tekke und zog zahlreiche Schüler an. Sein bekanntestes Werk ist Ādāb al-murīdīn („Verhaltensregeln für die Suchenden“), das zu den wichtigen klassischen Handbüchern des sunnitischen Sufismus zählt. Besonders über seinen Neffen Abū Ḥafṣ ʿUmar as-Suhrawardī verbreiteten sich seine Lehren weit über den Irak hinaus. Daraus entstand der Suhrawardi-Orden.

Im Mai 1150 wurde Abū n-Nadschīb as-Suhrawardī zum Dekan der Nizāmiyya-Madrasa in Bagdad ernannt. Dort unterrichtete er vor allem schafiitisches Recht und Hadithwissenschaften. Er erhielt Unterricht und Lehrbefugnisse von zahlreichen bekannten Hadithgelerhten und gab sein Wissen an eine große Zahl von Schülern weiter. Zu diesen gehörten unter anderem Ibn ʿAsākir, sein Neffe Abū Ḥafṣ ʿUmar as-Suhrawardī und Faḫr ad-Dīn Ibn Taymiyya, was auf eine hohe Stellung in der Hadith-Überlieferung schließen lässt.

Er starb 1168 (563 H.) in Bagdad.

Ādāb al-murīdīn Das bekannteste Werk von Abū n-Nadschīb as-Suhrawardī ist Ādāb al-Murīdīn (آداب المريدين; „Verhaltensregeln der Suchenden“). Obwohl bereits vor ihm Bücher über die Pflichten und das Verhalten von Sufis geschrieben worden waren, behandelte er dieses Thema erstmals systematisch und in einer klaren Ordnung. Das Werk wurde später zu einer wichtigen Quelle für seinen Neffen Abū Ḥafṣ ʿUmar as-Suhrawardī, der es bei der Abfassung seines berühmten Werkes ʿAwārif al-maʿārif umfangreich nutzte.

Zu Beginn des Buches erläutert as-Suhrawardī die Glaubensvorstellungen der Sufis sowie grundlegende Begriffe wie Armut (faqr), Sufitum, und Wunder (karāmāt). Anschließend behandelt er das Verhältnis zwischen Scharia und Tasawwuf, beschreibt die Eigenschaften, Zustände und spirituellen Stufen der Sufis und geht danach auf praktische Fragen des religiösen Lebens ein. Dazu gehören Wissen, spirituelle Anfänge, der Umgang mit dem eigenen Ego (nafs), Gemeinschaft, Reisen sowie Regeln für Kleidung, Essen, Schlafen und den Umgang mit Krankheit.

Grundlegende Standpunkte Abū n-Nadschīb as-Suhrawardī sah sich selbst in der Tradition der frühen Gelehrten und der Hadith-Gelehrten. Er vertrat die Meinung, dass ein guter islamischer Gelehrter drei Dinge besitzen müsse: die Bindung an Koran und des Propheten Muḥammad sowie die Orientierung an den Gefährten des Propheten. Diese Eigenschaften verwirklichten nach seiner Ansicht drei Gruppen von Gelehrten: die Hadith-Gelehrten, die Rechtsgelehrten (Fuqahāʾ) und die Sufis.

In seinem Werk Ādāb al-murīdīn erklärt er, dass Hadith-Gelehrte die Überlieferungen des Propheten bewahren und seine Aussagen überliefern. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Hören, Weitergeben und Prüfen der Authentizität von Hadithen. Die Rechtsgelehrten gehen einen Schritt weiter, indem sie aus den Hadithen und anderen Quellen Regeln ableiten und Methoden zur Auslegung der Texte entwickeln. In dieser Hinsicht betrachtet as-Suhrawardī die Fuqahāʾ sogar als den Hadithgelehrten überlegen. Die Sufis wiederum verbinden nach seiner Auffassung die Erkenntnisse beider Gruppen mit der spirituellen Praxis. Damit ist gemeint, dass es um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wissen (ʿilm), Handeln (ʿamal), Aufrichtigkeit (iḫlāṣ) und Rechtschaffenheit (iḥsān) geht. Sie orientieren sich in religiösen Fragen an den Hadith- und Rechtsgelehrten, lehnen eigenmächtige Deutungen und die Verfolgung persönlicher Begierden ab und widmen sich stattdessen der Läuterung des Herzens sowie dem Erwerb höherer spiritueller Erkenntnis (maʿrifa) und vorbildlicher Charaktereigenschaften.

Abū n-Nadschīb betonte die Einheit von ẓāhir (äußerem) und bāṭin (innerem) Wissen. Das innere Wissen könne nur auf der Grundlage des äußeren Wissens entstehen; ein „Inneres“, das nicht vom Äußeren getragen werde, sei wertlos. Gleichzeitig betrachtete er beide Wissensformen als gleich wichtig: Das äußere Wissen zeige den Weg, während das innere Wissen die tiefere Wirklichkeit erschließe. Werke

Kitāb ādāb al-murīdīn Šarḥ baʿḍ al-alfāẓ al-muškila fī l-maṣābīḥ (Ġarīb al-maṣābīḥ) Šarḥ al-asmāʾ al-ḥusnā Ṭabaqāt aš-šāfiʿīya

Einzelnachweise

Kategorie:Sufi Kategorie:Iraner Kategorie:Geboren 1097 Kategorie:Gestorben 1168 Kategorie:Mann