Die deutsch-portugiesischen Beziehungen beschreiben das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen Deutschland und Portugal. Beide Länder sind Mitglieder u. a. des Europarats, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, der OECD, der NATO, der Europäischen Weltraumorganisation, der Europäischen Union, der Eurozone und des Schengen-Raums.

Die bilateralen Beziehungen werden durch die Wirtschaftsbeziehungen, den kulturellen Austausch und die Auswanderergemeinden im jeweils anderen Land geprägt.

Mitte 2013 lebten etwa 25.000 deutsche Staatsbürger in Portugal, besonders an der Algarve. in der Zeitung Diário As Beiras, anlässlich der in Portugal versammelten Deutschen zum Wahlabend am 22. September 2013, abgerufen am 30. September 2013. Im Jahr 2015 lebten in Deutschland 133.929 portugiesische StaatsbürgerWebseite zur deutsch-portugiesischen Migration (Tabelle A.2) beim portugiesischen wissenschaftlichen Observatório da Emigração, abgerufen am 5. März 2017, die im Allgemeinen als unauffällig und gut integriert gelten.50 Jahre Portugiesen in Deutschland: Die stillen Nachbarn, Artikel vom 13. September 2014 des Deutschlandfunks, abgerufen am 5. März 2017 Die Stadt mit dem prozentual höchsten Anteil portugiesischstämmiger Bewohner ist Groß-Umstadt (ca. 8 %, etwa 1.500 Personen),Ausländerintegration: Katholisch, fleißig, jung, Artikel vom 5. November 2005 des Spiegels, abgerufen am 25. April 2025 die zahlenmäßig größte portugiesische Gemeinde mit etwa 10.000 Portugiesen lebt in der Hansestadt Hamburg,Ausländische Bevölkerung in Hamburg am 31.12.2021, Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein, abgerufen am 25. April 2025 die in Deutschland die ältesten und vielfältigsten Verbindungen zu Portugal hat, was sich u. a. in der städtischen Ehrenmedaille Portugaleser, der 1903 an der Kornhausbrücke eingeweihten Statue des portugiesischen Entdeckers Vasco da Gama oder dem ehemaligen portugiesischen Schulschiff Rickmer Rickmers zeigt, das seit 1983 als Museumsschiff im Hamburger Hafen liegt. Der deutsch-portugiesischen Professorin Carolina Michaëlis de Vasconcelos wurde sowohl in Hamburg als auch in Freiburg i. Br. die Ehrendoktorwürde verliehen. Zahlreiche Straßen sind in Deutschland nach ihr benannt. In Porto trägt eine Schule und die dazugehörige U-Bahn-Station ihren Namen. Im Oktober 2003 wurde in Hamburg zudem der Amália-Rodrigues-Weg eingeweiht, benannt nach der portugiesischen Sängerin Amália Rodrigues. Auch andere portugiesische Gemeinden in Deutschland haben seit den 1960er Jahren einige Präsenz entwickelt, etwa durch gastronomische Aktivitäten oder durch religiöse Feste mit meist volkstümlichen Einflüssen, etwa die Fátima-Prozession im westfälischen Werl, die seit den 1970er Jahren um den 13. Mai herum stattfindet.„Portugiesen bevölkern Wallfahrtsstadt“, Artikel vom 12. Mai 2013 im Soester Anzeiger, abgerufen am 5. März 2017 In vielen katholischen Kirchengemeinden in Deutschland finden zudem auch portugiesischsprachige Gottesdienste statt, etwa in der Johanneskirche im baden-württembergischen Backnang, in der sich auch eine portugiesische Fátima-Statue befindet. Die Zahl dieser Gottesdienste ist seit den 1990er Jahren allerdings zurückgegangen.

Einige Bauten portugiesischer Architekten befinden sich in Deutschland. Zu nennen sind insbesondere Emanuel Herigoyen, der zur Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert seine Spuren in Aschaffenburg, Regensburg und München hinterließ und Siza Vieira, der eine Vielzahl Bauten in Deutschland entwarf, darunter das Wohnhaus „Bonjour Tristesse“ am Schlesischen Tor in Berlin oder auch die Vitra-Werkshallen in Weil am Rhein. Der deutsche Architekt Andreas Mörschel verwirklichte in Portugal zahlreiche Objekte, darunter die João-Rocha-Sporthalle, das neue Klinikum in Braga und weitere öffentliche Gebäude.

Nach der portugiesischen Titular-Königin Auguste Viktoria von Hohenzollern ist die gleichnamige Schlossanlage Queen-Auguste-Victoria-Park in Umkirch bei Freiburg im Breisgau benannt.

Die Stadt Düsseldorf stellte in ihrer Geschichte mit Marie Sophie von der Pfalz (* 6. August 1666 auf Schloss Benrath in Düsseldorf; † 4. August 1699 in Lissabon) und Stephanie von Hohenzollern-Sigmaringen (* 15. Juli 1837 in Krauchenwies; † 17. Juli 1859 in Lissabon) zwei portugiesische Königinnen.

Das preußische Adelsgeschlecht Oriola ist portugiesischer Abstammung.

Mit dem in Portugal gedrehten, US-amerikanischen Film Willkommen, Mister B. wurde die vom deutschen Bert Kaempfert komponierte Melodie Beddy Bye als Strangers in the Night 1966 zum Welthit.

In der deutschen Sprache sind einige Lehnwörter aus dem Portugiesischen zu finden, etwa Albatros, Marmelade, Barock oder auch das Palavern. In entgegengesetzter Richtung finden sich auch in Portugal linguistische Spuren deutschen Ursprungs, etwa die Worte Kindergarten, Angst oder auch Panzer.

Geschichte mini|hochkant|König Ferdinand II. von Portugal aus der deutschen Adelsfamilie Sachsen-Coburg und Gotha

Bis 1900 Im Zuge des Zerfalls des Römischen Reiches eroberten im frühen 5. Jahrhundert n. Chr. Germanenstämme die Iberische Halbinsel, darunter die Vandalen. So errichteten die Sueben ein Reich auf heutigem portugiesischen Gebiet.

Unter den Kreuzrittern aus dem Rheinland (Teilnehmer am Zweiten Kreuzzug), die Afonso Henriques beim Kampf gegen die Araber unterstützten, ist Heinrich aus Bonn die bekannteste Gestalt. Er spielte 1147 eine entscheidende Rolle bei der Belagerung Lissabons und wurde zum Märtyrer erklärt. Er ist als einzige deutsche Figur in Die Lusiaden von Luís de Camões eingegangen und dient daher als beliebter Ausgangspunkt in der bilateralen diplomatischen Oratorik.

Mit Eleonore Helena von Portugal wurde 1452 eine portugiesische Prinzessin die Frau des deutschen Kaisers Friedrich III.

Als im 16. Jahrhundert die Juden auch aus Portugal vertrieben wurden, gingen die Kaufleute unter ihnen zu einem Teil auch nach Hamburg (siehe hierzu auch Geschichte der Juden in Hamburg). 1652 lebten hier etwa 1250 Portugiesen, die sich weiterhin überwiegend dem Handel widmeten und auf dem 1611 eröffneten Portugiesenfriedhof bestattet wurden. Die Stadt verdankt ihren wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung im 17. und 18. Jahrhundert zu einem großen Teil portugiesischen Kaufmannsfamilien wie den Teixeiras, Curiels, Lurias oder Coutinhos. Bis heute wirkt dieses Erbe in Hamburg nach, wo heute die auch zahlenmäßig bedeutendste portugiesische Gemeinde ansässig ist. Mit dem Portugiesenviertel am Hafen existiert zudem ein portugiesisch geprägtes Café- und Restaurantviertel. Spezialitäten wie das Pastel de Nata oder der Galão sind heute am bekanntesten in Deutschland und gehören in Hamburg z. T. bereits zur Alltagskultur.Michael Studemund-Helévy: Portugal in Hamburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2007, ISBN 978-3-8319-0267-5.

1687 heiratete Marie Sophie von der Pfalz den König von Portugal Peter II. (Portugal) in seiner zweiten Ehe, zunächst am 2. Juli 1687 per procuram in Heidelberg, während die eigentliche Trauung am 30. August im Dom von Lissabon vollzogen wurde.

mini|Hinrichtung in den Ruinen von Lissabon. Ausschnitt aus einem deutschen Kupferstich von 1755 im Museu da Cidade, Lissabon. Das Erdbeben von Lissabon 1755 veränderte das Weltbild in Europa nachhaltig. Auch in Deutschland traf diese unvorhersehbare Naturkatastrophe auf große Anteilnahme. Sie beschäftigte auch viele Gelehrte der Aufklärung, unter anderem von Goethe, Gotthold Ephraim Lessing und Immanuel Kant. Johann Wolfgang von Goethe veröffentlichte Schilderungen zum Erdbeben von Lissabon. In Kleists Erzählung Das Erdbeben in Chili (1807) über Reinhold Schneiders Erzählung Das Erdbeben (1932) bis zur Verwendung in Peter Sloterdijks Roman Der Zauberbaum (1985) und einem Radioessay für Kinder aus der Feder Walter Benjamins wurde das Erdbeben von Lissabon zum Sinnbild für die Frage nach der Rechtfertigung Gottes angesichts des Übels in der Welt.

1762 hatte der Graf Wilhelm (Schaumburg-Lippe) bei Kriegsausbruch in Diensten Portugals maßgeblichen Anteil daran, dass Portugal gegen Spanien militärischen Erfolg hatte. Im darauffolgenden Jahr ließ der König auf sein Anraten vor Elvas das „Fort Graf Lippe“ in das heutige Welterbe UNESCO-Ambiente der größten erhaltenen Bollwerk-Befestigungsanlagen der Welt errichten.

1815 vertrat der deutschstämmige Graf Pedro de Sousa Holstein Portugal beim Wiener Kongress, wo es zu einer Neuordnung Europas kam.

alternativtext=Hochzeit von Amélie von Leuchtenberg und Kaiser Peter I. 1829, Aquarell von Jean Baptiste Debret|mini|Hochzeit von Amélie von Leuchtenberg und Kaiser Peter I. 1829, Aquarell von Jean Baptiste Debret Am 2. August 1829 heiratete Peter I. (1798–1834), Kaiser von Brasilien die deutsche Amélie von Leuchtenberg in München, in der Kapelle des Palais Leuchtenberg Trauung per Stellvertreter. Ihr Onkel Karl von Bayern war der Vertreter Pedros. Am 25. Juli 1829 ratifizierte ihr Ehrenvormund König Ludwig I. (Bayern) den zuvor ausgehandelten Ehevertrag. Ihr Bruder Auguste de Beauharnais und der renommierte Naturforscher und Brasilien-Experte Carl Friedrich Philipp von Martius begleiteten sie auf ihrer Reise von England nach Brasilien, die am 30. August 1829 in Portsmouth begann und am 16. Oktober 1829 im Hafen von Rio de Janeiro endete.

Es war eine sehr unruhige Zeit, da es kurz darauf zum Bürgerkrieg, dem sogenannten Miguelistenkrieg (1832–1834) zwischen den Anhängern des Königs Michael I., den Friedrich Prinz von Hessen und bei Rhein aktiv unterstützte, und den Anhängern seines Bruders, des Exkönigs Peter IV. und dessen Tochter Maria II. kam.

1836 wurde der Herzog von Palmela in Lissabon nach Beendigung des Miguelistenkriegs durch die neuen Cortes zum Premierminister gewählt.

Am 9. April 1836 heiratete die portugiesische Königin Maria II. den deutschen Adeligen Ferdinand von Sachsen-Coburg-Gotha. Dadurch kam der portugiesische Zweig dieser deutschen Adelsfamilie, die sich auf das Haus Wettin und die Markgrafen von Meißen zurückführen lässt, in Portugal auf den Thron.

mini|Ankunft Stephanies von Hohenzollern und Bruder Leopold 1858, im Hintergrund der Torre de Belém. (Gemälde von Joao Pedroso) Deren Schwiegertochter Stephanie von Hohenzollern-Sigmaringen (1837–1859) segelte in Begleitung ihres Bruders Leopold von Hohenzollern und des preußischen Oberzeremonienmeisters Rudolf von Stillfried-Rattonitz nach Lissabon und heiratete dort 1858 ihren ältesten Sohn, König von Portugal Peter V. (1837–1861).

In Düsseldorf und später auch in Lissabon war die karitativ tätige Stephanie den Menschen als „Engel der Armen“ ein Begriff. Bereits ein Jahr nach ihrem Tod wurde ihr in Düsseldorf ein Denkmal errichtet: Die Büste der Königin auf einer schwarzen Marmorsäule wurde durch den Schadowschüler Julius Bayerle geschaffen. Das Denkmal für die Prinzessin Stephanie von Hohenzollern wurde 1890 durch den Bildhauer Josef Tüshaus erneuert. Der Lyriker Wolfgang Müller von Königswinter verfasste 1859 ein Gedicht, das den Tod Stephanies beklagt. Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Mai gedenken die Schützen Düsseldorfs der Königin am Stephanientag. In der Stadtmitte von Düsseldorf erinnert die Stephanienstraße (Klosterstraße bis Leopold-Straße) an die Hohenzollern, ebenso ist nach Stephanie ein Krankenhaus im Zentrum Lissabons benannt. Düsseldorfer und Lissaboner Bürger stifteten eine Büste im heutigen portugiesischen Außenministerium. Eine Gedenkplakette befindet sich an der Gartenfront von Schloss Jägerhof in Düsseldorf.

Leopold von Hohenzollern heiratete 1861 in Lissabon Antonia Maria von Portugal, 1899 ließ der Fürst das Schloss Sigmaringen neu gestalten. Zudem ließ er dort die sogenannte „Portugiesische Galerie“ bauen.