Der Landkreis St. Wendel ist ein Landkreis im Saarland.

Geographie

Lage Der größte Teil des Landkreises gehört zum Nahebergland, der Norden hat noch Anteil an den Ausläufern des Hunsrück.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Landkreise Trier-Saarburg, Birkenfeld und Kusel (alle in Rheinland-Pfalz) sowie an die Landkreise Neunkirchen, Saarlouis und Merzig-Wadern (alle im Saarland).

Geschichte Das Gebiet des Landkreises Sankt Wendel gehörte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zu verschiedenen Herrschaften (Kurtrier, Nassau-Saarbrücken, Pfalz-Zweibrücken, Herzogtum Lothringen bis 1766). Von 1798 bis 1814 war die Region Teil des französischen Départements de la Sarre. Infolge des Wiener Kongresses (1815) errichtete Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld 1816 das Fürstentum Lichtenberg,Friedrich August Lottner: Sammlung der für das Fürstenthum Lichtenberg vom Jahre 1816 bis 1834 ergangenen herzoglich Sachsen-Coburg-Gothaischen Verordnungen, Sander, 1836, S. 1 (Online-Ausgabe bei Google Books) das er 1834 an Preußen verkaufte. Dieses bildete hieraus den Kreis Sankt Wendel innerhalb des Regierungsbezirks Trier in der Rheinprovinz. Die fünfzigjährige Wiederkehr der mit der Erbhuldigung am 22. September 1834 offiziell abgeschlossenen Vereinigung des Kreises St. Wendel mit der Krone Preußens nahm man 1884 zum Anlass für eine großangelegte Feier in der Kreisstadt; im Vorfeld der Veranstaltung hatten die Kreisstände eine Ergebenheitsadresse an Kaiser Wilhelm I. gerichtet, der ihnen für ihre „patriotische Kundgebung“ wiederum seinen „aufrichtigsten landesväterlichen Dank“ aussprach.Max Müller: Die Geschichte der Stadt St. Wendel von ihren Anfängen bis zum Weltkriege. Verlag der Stadt St. Wendel, St. Wendel 1927, S. 276–279. Was die Schulen in diesem Zusammenhang betrifft, hatten „sämmtliche Lehrer den bei der Gelegenheit in der Schule zu haltenden Vortrag“ vorab beim ständigen Schulinspektor für den Kreis St. Wendel (mit Namen KreutzVgl. Centralblatt für die gesammte Unterrichts-Verwaltung in Preußen. Jg. 1881. Hertz, Berlin , S. 39 (online bei Google Books).) einzureichen.Luxemburger Gazette. Jg. 14. Nr. 691 vom 21. Oktober 1884, S. 6 (unter Rheinprovinz) (online bei Chronicling America).

Zu einer Änderung der territorialen Verhältnisse kam es 1920, als infolge des Inkrafttretens des Versailler Vertrags (1919) das Saargebiet einer besonderen Verwaltung des Völkerbundes unterstellt wurde. Zum Saargebiet kam der südwestliche Teil des damaligen Kreises St. Wendel (St. Wendel, Oberthal, Tholey, Marpingen, Namborn, Ostertal ohne Schwarzerden).Saar-Nostalgie - Geografie und Landeskunde, Seitenabruf Mai 2015.

Die nunmehr außerhalb des Saargebiets gelegene Stadt Baumholder und 67 Landgemeinden in dem Gebiet zwischen Glan und Nahe bildeten den Restkreis Sankt Wendel-Baumholder mit Verwaltungssitz in Baumholder, der im Regierungsbezirk Trier der Rheinprovinz verblieb. Der Kreis Sankt Wendel verlor dadurch etwa zwei Drittel seines Gebiets. Nachdem die Völkerbundsverwaltung am 1. März 1935 endete, wurden die alten territorialen Verhältnisse nicht wiederhergestellt. Das „Saarland“, so lautete jetzt die amtliche Bezeichnung des Gebiets, kam unter unmittelbare Reichsverwaltung. Der Restkreis verblieb in der Rheinprovinz und wurde am 1. April 1937 in den Landkreis Birkenfeld im Regierungsbezirk Koblenz eingegliedert.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 im Deutschen Reich lebten die Bürger des (heutigen) Kreisgebietes, obwohl nur wenige Kilometer voneinander entfernt, in zwei vollkommen unterschiedlichen politischen Realitäten: Während der dem Deutschen Reich zugehörige Nordosten im Machtgebiet der Nationalsozialisten lag, blieb der dem Saargebiet zugehörige Südwesten unter internationaler Völkerbund-Verwaltung. Letzterem kam daher, wie dem gesamten Saargebiet, eine Schlüsselrolle als Zufluchtsort für vom Nationalsozialismus verfolgte Deutsche sowie als Knotenpunkt für das Einschleusen antirassistischer Propaganda ins Deutsche Reich zu.Gegen das Vergessen - Orte des NS-Terrors und Widerstandes im Landkreis St. Wendel (PDF; 3,4 MB), Aktion 3. Welt Saar und Wider das Vergessen und gegen Rassismus e. V. Marpingen, Februar 2015. Besonders anschaulich ist dies anhand der Gemeinde Namborn, die direkt an der Grenze auf der Seite des Saargebietes lag. Hier erzählt der Premiumwanderweg „Schmuggler-Pfad“ diesen Teil der Geschichte des Kreises nach.Schmugglerpfad - Homepage der Gemeinde Namborn, Seitenabruf Mai 2015. Nach dem klaren Votum bei der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 für einen Anschluss an das Deutsche Reich wurde dieser am 1. März gleichen Jahres vollzogen. Daraufhin kam es wie in ganz Deutschland auch im südwestlichen Gebiet des heutigen Landkreises St. Wendel zur massiven Verfolgung von Oppositionellen und Bürgern jüdischen Glaubens, jedoch auch zu Widerstand gegen die nationalsozialistischen Verbrechen.

Vom 1. April 1943 bis 1. August 1945 verlor der Kreis St. Wendel vorübergehend seine Selbständigkeit, da die damalige Gauleitung Westmark den Zusammenschluss mit dem Landkreis Ottweiler anordnete.

Der 1946 gebildete Saarstaat war räumlich größer als das Gebiet der Völkerbundsverwaltung (1920–1935); dabei wurde auch der Landkreis St. Wendel vergrößert. Zunächst wurden am 18. Juli 1946 von der französischen Militärregierung die Gemeinden Bosen, Eckelhausen, Eisen, Eiweiler, Gehweiler, Gonnesweiler, Grügelborn, Hirstein, Leitersweiler, Mosberg-Richweiler, Neunkirchen/Nahe, Reitscheid, Schwarzenbach, Selbach, Sötern, Steinberg-Deckenhardt, Türkismühle und Walhausen aus dem Landkreis Birkenfeld in den Landkreis St. Wendel umgegliedert.Amtsblatt des Regierungspräsidiums Saar, Jahrgang 1946, Nr. 32, S. 131: „Anschluß von Gemeinden an die Délégation Supérieure de la Sarre“ vom 18. Juli 1946 (Universität des Saarlandes)

Am 1. Oktober 1946 wurden die Gemeinden Bierfeld, Braunshausen, Buweiler-Rathen, Kastel, Kostenbach, Nonnweiler, Otzenhausen, Primstal und Sitzerath aus dem aufgelösten Kreis Wadern sowie die Gemeinden Bergweiler, Hasborn-Dautweiler, Lindscheid, Neipel, Scheuern, Sotzweiler, Theley, Tholey und Überroth-Niederhofen aus dem Landkreis Ottweiler in den Landkreis St. Wendel umgegliedert. Im Gegenzug wechselten die Gemeinden Steinbach und Wetschhausen aus dem Landkreis St. Wendel in den Landkreis Ottweiler.Amtsblatt des Regierungspräsidiums Saar, Jahrgang 1946, Nr. 47, S. 198: „Anordnung über die verwaltungsmäßige Organisation des Saargebietes“ vom 1. Oktober 1946 (Universität des Saarlandes)

Am 7. Juni 1947 wurden schließlich auch noch die Gemeinden Bubach, Hoof, Niederkirchen, Marth, Osterbrücken und Saal aus dem pfälzischen Landkreis Kusel sowie die Gemeinden Asweiler-Eitzweiler, Freisen, Haupersweiler, Nohfelden, Oberkirchen, Schwarzerden und Wolfersweiler aus dem Landkreis Birkenfeld in den Landkreis St. Wendel umgegliedert.Amtsblatt des französischen Oberkommandos in Deutschland, Jahrgang 1947, Ausgabe 77, S. 768. Verfügung Nr. 215 vom 7. Juni 1947: „Anschluß von Gemeinden an die Kreise Merzig-Wadern und St. Wendel“ ()

Im Rahmen der Gebiets- und Verwaltungsreform im Saarland, die am 1. Januar 1974 in Kraft trat, schieden die Gemeinden Buweiler-Rathen und Kostenbach aus dem Landkreis aus und wurden Teil der Stadt Wadern im Landkreis Merzig-Wadern. Auch die Gemeinde Mainzweiler schied aus dem Kreis aus und wurde Teil der Stadt Ottweiler im Landkreis Neunkirchen. Im Gegenzug wurde die Gemeinde Berschweiler, bis dahin zum Landkreis Ottweiler gehörig, Teil von Marpingen im Landkreis St. Wendel.

Zuletzt wurde das Kreisgebiet 2003 durch einen Staatsvertrag zwischen dem Saarland und Rheinland-Pfalz geändert. Eine zum saarländischen Haupersweiler (Gemeinde Freisen) gehörende Straße, die etwa einen Kilometer vom Dorf entfernt lag und geographisch unmittelbar an das Gebiet der Ortsgemeinde Herchweiler (Landkreis Kusel) grenzte, wurde an das Land Rheinland-Pfalz abgetreten.

Seit dem Abschluss der Gemeindereform 1974 umfasst der Landkreis Sankt Wendel acht Gemeinden, darunter die Kreisstadt Sankt Wendel, die gleichzeitig die einzige Stadt des Kreises ist. Die kleinste Gemeinde ist Oberthal.

Einwohnerstatistik rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis St. Wendel (Datenquelle: Zensus 2011)Datenbank Zensus 2011, Kreis St. Wendel

+ bis 1900 Jahr Einwohner Quelle 1831 34.241 Statistisches. Abschnitt I: Bevölkerung. In: Nahe-Blies-Zeitung. Nr. 87 vom 24. Juli 1862, S. (3) (online bei Zeitungsportal NRW). 1832 34.744 1833 35.108 1834 35.236 1837 35.029 1840 36.499 1843 37.449 1846 37.885 1847 37.503 1849 38.016 1852 38.796 1855 38.289 1858 40.392 1861 41.208 1871 42.876 Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1885 1885 47.202 1900 49.186 + ab 1901 Jahr Einwohner Quelle 1910 55.025 1939 55.025 1960 85.600 1970 93.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1980 93.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1981 1990 93.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1992 2000 95.400 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 2002 2010 90.596 2018 87.397 2023 86.988

Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren 68,3 % (61.512 Einwohner) römisch-katholisch, 19,6 % der Einwohner evangelisch und 12,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Die Zahl Katholiken ist seitdem gesunken. Ende 2019 hatte der Kreis St. Wendel fast 54.000 (62 %) Katholiken.Bistum Trier Statistikatlas 2019, abgerufen am 27. November 2020

Christentum Die katholischen Gemeinden des Landkreises gehören zu den Diözesen Trier und Speyer. Versuche, in den Jahren des autonomen Saarstaates (1947–1956) auch ein eigenständiges Saarbistum zu bilden (als dessen Sitz durchaus St. Wendel in Betracht gekommen wäre), scheiterten.

Die evangelische Bevölkerung des Landkreises gehörte seit 1826 zur Rheinprovinz mit dem Konsistorium in Koblenz in der Evangelischen Kirche in Preußen (EKiP). Nach Auflösung des Staates Preußen wurde diese Kirchenprovinz am 12. November 1948 selbständig und bildet seither die Evangelische Kirche im Rheinland; zur rheinischen Kirche gehören die meisten evangelischen Gemeinden im Landkreis. Die Kirchengemeinden Hoof und Niederkirchen gehören zum Dekanat Kusel in der Evangelischen Kirche der Pfalz.

Politik

Kreistag Der Kreistag ist die kommunale Volksvertretung im Landkreis St. Wendel. Über seine Zusammensetzung entscheiden die Bürger alle fünf Jahre.

Die Kreistagswahl am 9. Juni 2024 führte zu dem rechts dargestellten Ergebnis und der daraus folgenden Sitzverteilung:Ergebnis der Kreistagswahl 2024

Übersicht über die Ergebnisse vergangener KreistagswahlenKreistagswahlen 1984 bis 2019 im Saarland nach Kreis Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014 %2009 Sitze2009 %2004 Sitze2004 %1999 %1994 %1989 %1984 CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands47,41448,31451,41551,61461,01855,748,546,248,9SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands27,1826,6833,4931,6932,2940,142,044,243,6AfDAlternative für Deutschland11,236,014,31--------FREIE WÄHLERFREIE WÄHLER5,814,31----------GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen4,617,823,314,113,902,74,64,74,4FDPFreie Demokratische Partei2,002,401,303,912,901,41,32,62,8DIE LINKEDIE LINKE1,904,614,518,92------PIRATENPiratenpartei Deutschland----1,90--------REPDie Republikaner-----------2,3--NPDNationaldemokratische Partei Deutschlands------------2,3-Gesamt100,027100,027100,027100,027100,0100,0100,0100,0Wahlbeteiligung 73,6 % 65,1 % 69,5 % 67,3 % 73,7 % 82,6 % 87,3 % 84,7 %

Landräte

Die Direktwahl des Landrates 2007 hatte folgendes Ergebnis: Kandidat Partei Wahlergebnis Udo Recktenwald CDU 52,4 % Magnus Jung SPD 38,6 % Kristin Günther Bündnis 90/Die Grünen 9,0 %

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