Chons (altägyptisch Ḫnsw, etwa „Wanderer, Durchwandler [des Himmels]“; auch Chonsu, Khensu, Khons, Khonsu oder Khonshu) ist ein altägyptischer Mondgott und Sohn des Gottes Amun und der Himmelsgöttin Mut.

Bedeutung und Mythologie Im Alten Reich ist er in den Pyramidentexten belegt. Jedoch wird er dort als unheilbringender Gott, Verursacher von Krankheiten und Menschenfresser dargestellt.Eintrag Chons. Auf: mein-altaegypten.de vom 20. Mai 2017. Chons wurde schon früh in Karnak verehrt. Dort erhielt er im Neuen Reich den Beinamen Nefer-hetep (Nfr-Ḥtp „der vollkommenen Frieden Bringende, der vollkommen Zufriedene“).Eintrag Chons. Auf: aegyptologie.com vom 12. Juni 2006. Die Griechen haben Chons mit Herakles gleichgesetzt.Stefan Pfeiffer: Herrscher- und Dynastiekulte im Ptolemäerreich. Systematik und Einordnung der Kultformen (= Münchener Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte. Band 98). 1. Auflage. Beck, München 2008, ISBN 978-3-406-56933-3, S. 57: „Zudem sei angemerkt, daß es sich bei dem betreffenden Herakles höchstwahrscheinlich gar nicht um eine griechische Gottheit handelte, sondern um die Interpretatio Graeca des ägyptischen Kriegsgottes Chons oder des Kindgottes Harpokrates, der Tempel folglich überhaupt kein griechischer war.“

So wie der Mond vier verschiedene Phasen hat, werden Chons auch vier unterschiedliche Aspekte zugeschrieben: den Reisenden (so wie der Mond am Himmel „reist“), den Pfadfinder, den Umarmer und den Verteidiger derjenigen, die nachts reisen.

Rolle in der Unterwelt Die namentlich erste Erwähnung des Gottes befindet sich im sogenannten Kannibalenspruch in den Pyramidentexten. Als Schlächter der anderen Götter soll er ihre Innereien entnehmen und dem verstorbenen König zuführen, sodass dieser ihre magischen Kräfte absorbieren kann. Ein Prozess, der dem verstorbenen König zur Erreichung der Unsterblichkeit und Wiedergewinnung der Vitalität verhelfen sollte.Youmna Adel Zaki Nasr: Apotropaic Roles of Khonsu in the Ancient Egyptian Religion during the Dynastic Period. In: Research Journal of the Faculty of Tourism and Hotels. Nummer 12, Teil 2, Mansoura University, Dezember 2022, S. 288–289 (Volltext als PDF).

Im Kannibalenspruch der Unas-Pyramide wird Chons als Mitglied einer Dämonengruppierung genannt, die sich aus drei unbekannten Gottheiten zusammensetzt, deren Namen sich zu „Der Ergreifer der Scheitel“, „Der mit erhobenem Kopf“ und „Der über der Rötung“ übersetzen lassen, sowie dem Gott Schesmu. Diese fünf blutigen Helfer wurden am Himmel angesiedelt und wahrscheinlich als Sternbilder oder andere Himmelserscheinungen aufgefasst. Sie werden überdies als Todesboten zu betrachten sein, die der Verstorbene aussendete.

Vom Alten bis zum Mittleren Königreich wird Chons in mehreren Grabschriften als Wepwety (Wpwty) bezeichnet, was oftmals als „Bote“ übersetzt wird, aber eine vielschichtige Bedeutung hat. Es handelt sich um eine Bezeichnung für Unterweltsgottheiten, die als Tod bringende Geister verstanden wurden und als Bestrafer der Verstorbenen fungierten. So lässt Osiris beispielsweise im Papyrus Chester Beatty I.4Es gibt mehrere Gruppen von Chester-Beatty-Papyri. Der Text hier bezieht sich auf das Papyrusteil Papyrus Chester Beatty I.4 aus der Ramessidenzeit, auch mit der Kurzbezeichnung Pap 1.4 (online), der von dem Wettstreit zwischen Horus und Seth erzählt (The contendings of Horus and Seth) – Ursula Verhoeven: Ein historischer „Sitz im Leben“ für die Erzählung von Horus und Seth des Papyrus Chester Beatty I. In: M. Schade-Busch (Hrsg.): Wege öffnen, Festschrift für Rolf Gundlach zum 65. Geburtstag. In: Ägypten und Altes Testament. Band 35, 1996, S. 347–363.Herman te Velde: Seth, God of Confusion. A study of his role in Egyptian mythology and religion (= Probleme der Ägyptologie. Band 6). Reprint with come corrections. Brill, Leiden 1977, ISBN 90-04-05402-2, S. 38, 65, 133.E. A. Wallis Budge: From Fetish To God in Ancient Egypt. Routledge, London (UK) 2014, ISBN 978-1-317-79281-9, S. 23, 64, 152, 444. nach den Wpwty rufen, um die Herzen aller Sünder zu ihm zu bringen.Youmna Adel Zaki Nasr: Apotropaic Roles of Khonsu in the Ancient Egyptian Religion during the Dynastic Period. In: Research Journal of the Faculty of Tourism and Hotels. Nummer 12, Teil 2, Mansoura University, Dezember 2022, S. 294–296. Dabei handelt es sich um eine Anspielung auf das Verschlingen des Herzens nach dem Schuldspruch vor dem Totengericht. Weitere Bezüge zu Chons und der Zerstörung der Herzen lässt sich in Spruch 310 des Sargtextes finden, in welchem er als Sohn der Göttin Schesmetet die Herzen mit seiner feurigen Wut verbrennen soll. Spruch 311 des Sargtextes soll dem Verstorbenen dazu verhelfen sich in Chons zu verwandeln, um mit der Stärke des Gottes die magischen Kräfte der Götter zu rauben und sich gegen feindliche Mächten zur Wehr zu setzen. In diesem Kontext wird er als „Chons, der von Herzen lebt“ bezeichnet. Im neuen Königreich wird die Rolle des Verschlingers der Herzen von der Göttin Ammit besetzt.Youmna Adel Zaki Nasr: Apotropaic Roles of Khonsu in the Ancient Egyptian Religion during the Dynastic Period. In: Research Journal of the Faculty of Tourism and Hotels. Nummer 12, Teil 2, Mansoura University, Dezember 2022, S. 300–302.

Rolle als Mondgott Chons' Verbindung zum Mond geht auf die Assoziation der Mondsichel mit dem alt-ägyptischen Sichelschwert zurück, welches er als richtendes Instrument von Gerechtigkeit verkörpert.Gyula Priskin. Bernadette Brandy: The Ancient Egyptian Book of the Moon: Coffin Texts Spells 154-160 (= Archaeopress Egyptology. Band 22). Archaeopress Publishing, Oxford 2019, ISBN 978-1-78969-198-6, S. 4. Die ersten Hinweise auf lunare Attribute Chons' lassen sich in den Sprüchen 197 und 195 der Sargtexte finden, in denen der Verstorbene dem aus Punt kommenden Chons begegnet. Punt ist hier ein Land, das den Osten und den Ort des Sonnen- und Mondaufgangs symbolisiert.G. Priskin. B. Brandy: The Ancient Egyptian Book of the Moon: Coffin Texts Spells 154-160. Oxford 2019, S. 7.

Im neuen Reich wurde der Mondzyklus mit den Lebensphasen in Verbindung gebracht.G. Priskin. B. Brandy: The Ancient Egyptian Book of the Moon: Coffin Texts Spells 154-160. Oxford 2019, S. 16. Die Mondsichel wurde zudem mit den Hörnern eines Bullen assoziiert und zu einem maskulinen Symbol der Fruchtbarkeit. In einem ptolemäischen Schriftzug vom Chons-Tempel in Theben werden Chons und der Sonnengott als Bullen bezeichnet, die den Himmel überqueren und im Osten aufeinandertreffen als „die zwei Erheller des Himmels“. Die Begegnung der zwei Bullen beschreibt hier entweder das Eintreten des Vollmondes oder das gleichzeitige Vorhandensein von Mond und Sonne am Himmel. Der Sichelmond wird hier als junger Bulle bezeichnet, während der Vollmond als kastrierter, alter Bulle erscheint, der kurz vor seinem Tod steht, ehe er sich selbst erneuert.G. Priskin. B. Brandy: The Ancient Egyptian Book of the Moon: Coffin Texts Spells 154-160. Oxford 2019, S. 74. Die bildliche Darstellung von Chons als Kind, beziehungsweise Jungbulle, symbolisierte den Monatsanfang und Neubeginn des Mondzyklus, während die selten vorhandene Darstellung von Chons als zweigesichtiges Kind für die Zeit steht, in der der Mond nachts nicht sichtbar ist.G. Priskin. B. Brandy: The Ancient Egyptian Book of the Moon: Coffin Texts Spells 154-160. Oxford 2019, S. 87. Die Entwicklung Chons' vom Kind bis zum alten Mann wurde ebenfalls auf den Jahreszyklus übertragen, wodurch Chons als Jüngling auch zu einem Gott des Frühlings und der Fruchtbarkeit wurde.Ernest Alfred Wallis Budge: The Gods of the Egyptians: Studies in Egyptian Mythology / Volume 2. E-Book, The Open Court Publishing Company, Chicago 1904, S. 36.

Im Tempel von Edfu befindet sich im „Raumkomplex des Chons“ auch die „Kammer des Beins“, die Chons gewidmet ist. Eine andere Kammer in diesem Komplex ist hingegen dem Osiris gewidmet.Jan Tattko: Der Sanktuarumgang und seine Kapellen in Edfu – Bemerkungen zur Dekoration der Türdurchgänge. In: Stefan Baumann, Holger Kockelmann (Hrsg.): Der ägyptische Tempel als ritueller Raum. Theologie und Kult in ihrer architektonischen und ideellen Dimension. Akten der internationalen Tagung, Haus der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, 9.–12. Juni 2015 (= Studien zur spätägyptischen Religion. Band 17). Harrassowitz, Wiesbaden 2017, ISBN 978-3-447-10794-5, S. 88. Der Bezug zum Bein stammt vom Osirismythos, nach dem das Bein des Osiris in Edfu gefunden und aufgehoben wurde. Daher wird Chons in Edfu auch als „Sohn des Beines“ bezeichnet. Chons und Osiris wurden im Tempel der Göttin Ipet (Opet-Tempel) miteinander gleichgesetzt, der sich direkt neben dem Chons-Tempel in Karnak befindet und vermutlich in kultureller Verbindung mit ihm stand. Im Ipet-Tempel wurde Amun als Sonne verehrt, die jeden Tag sterbend als Osiris in den Körper seiner Mutter Ipet-Nut aufgenommen wird und am nächsten Tagbeginn als Chons wiedergeboren wird. Nach ägyptischen Legenden soll Theben die erste Stadt Ägyptens gewesen sein, die von Osiris gegründet und nach seiner Mutter, der Himmelsgöttin Nut, benannt wurde. Diese Verbindung ist ein Wortspiel mit dem alt-ägyptischen Wort für Stadt („Niwt“). Aus diesem Grund wird in ptolemäischen Schriften Theben als Himmelsdecke bezeichnet, die sowohl die Sonne (Amun-Re) als auch den Mond (Chons) beherbergt.David Klotz: Kneph: The Religion of Roman Thebes. ProQuest LLC, Ann Arbor 2008, , S. 57‐61; zugleich: Dissertation, Yale University, Mai 2008 (Volltext als PDF).

Rolle als Schöpfergott Während der späteren Periode des neuen Reiches wurde Chons auch als Schöpfergott verehrt. Als dieser wurde er bildlich als Mann mit zwei Falkenköpfen, Geierschwingen und auf einem Krokodilrücken stehend dargestellt. Die zwei Köpfe stehen für Sonne und Mond, während das Stehen auf dem Krokodil den Sieg über die chaotischen Urmächte symbolisiert.Youmna Adel Zaki Nasr: Apotropaic Roles of Khonsu in the Ancient Egyptian Religion during the Dynastic Period. In: Research Journal of the Faculty of Tourism and Hotels. Nummer 12, Teil 2, Mansoura University, Dezember 2022, S. 316‐317.

Die Chons-Kosmogonie im Chons-Tempel in Karnak macht den Gott zu einem Hauptakteur in der Schöpfung der Welt. In ihr wird geschildert, wie der Gott Amun als Schlange aus dem Nun entstand und sein Sperma in Form eines Falkeneis ins Urwasser ergoss. Aus diesem entstand Chons, der in diesem Text mit Ptah und Tatennen gleichgesetzt wird. Seine Mutter ist Mut, die die kosmischen Fluten verkörpert. Chons verschlingt in der Form eines Krokodils den Samen Amuns, um die Ogdoade zu empfangen und ins Leben rufen zu können. Danach betritt er das Erdland, um seinen Mund von den Gewässern des Nuns zu reinigen. Dort erschafft und beschläft er die Göttin Hathor-in-Benenet. Durch die körperliche Vereinigung der beiden Götter entsteht die Stadt Theben, in der Chons die acht Götter der Ogdoade gebiert. Die Ogdoade schwimmt hinauf zur Insel der Flammen und erschafft dort den Sonnengott Re. Amun wird in dieser Kosmogonie mit dem Epitheton „Vater der Väter der Ogdoade“ explizit nicht als Teil von der Götterachtheit angesehen, um Amuns Position als höchster Gott zu unterstreichen. Varianten dieses Epithetons, die darüber hinaus in Theben gefunden wurden, sind: „Vater der Väter der Götter der ersten Urzeit“, „Vater der Väter, der die Götter der Urzeit schuf“ und „der Vater der Väter, der machte den, der euch machte“. Statt Amun und Amaunet bilden Niau und Niautsiehe beide Gottheiten unter Liste ägyptischer Götter. das letzte Götterpaar der Achtheit der Chons-Kosmogonie (Achtheit von Hermopolis).

Erscheinungsformen

Chons-Nefer-hotep