Poppenbüttel ist ein Hamburger Stadtteil im Nordwesten des Bezirks Wandsbek. Bei der Eingliederung nach Hamburg (1937) gehörte es zum früheren Ortsamtsbereich Alstertal.
Geografie Poppenbüttel liegt zu beiden Seiten der Oberalster und ist von den benachbarten Stadtteilen durch siedlungsfreie Grünzonen und Landschaftsschutzgebiete, die auf feuchte und teilweise vermoorte Niederungen und Wasserläufe zurückgehen, deutlich abgetrennt: im Westen durch die Susebek-Niederung und das dahinterliegende Raakmoor-Gebiet gegenüber Langenhorn und Hummelsbüttel, im Nordwesten durch die Wiesen am Poppenbütteler Graben gegen das schleswig-holsteinische Norderstedt, im Norden durch Mellingbek und Kupferteich gegenüber Lemsahl-Mellingstedt und im Süden durch das Alstertal gegenüber Wellingsbüttel. Nach Sasel im Osten gehen die Siedlungsgebiete stellenweise ineinander über; teilweise sind sie auch hier durch das Alstertal getrennt.Sozialraumbeschreibung Poppenbüttel und Hummelsbüttel, 2014 (Langversion) Herausgeber Bezirksamt Wandsbek, Fachamt Sozialraummanagement
Der Kupferteich, mit einer Länge von 900 m, entstand, als im 14. Jahrhundert die Mellingbek zum Mühlenteich aufgestaut wurde. Er blieb auch nach dem Verschwinden der Mühlen erhalten. Die ihn umgebende Grünzone dient heute der Naherholung.
Geschichte Nachweise für erste Besiedlungen von Menschen in Poppenbüttel gehen auf Fundstellen von Federmessern aus Feuerstein zurück, die am Kupferteich gefunden wurden und von den Nomaden der Wehlener-Gruppe verwendet wurden. Die Datierungen von Fundstellen der Federmesser liegen zwischen ca. 12.000 und 10.800 v. Chr., Ende der letzten Kaltzeit.Wulf Thieme: 9. Ur- und Frühgeschichte, Geologische Karte von Hamburg 1:25 000 – Erläuterungen zu Blatt Nr. 2326 Fuhlsbüttel. Geologisches Landesamt, Hamburg 2011 (S. 82 und 100).
Erste feste Besiedlungen des Poppenbütteler Raums sind ab der Jungsteinzeit nachweisbar. Darauf weisen die Hügelgräber Kreienhoop und Vaterunserberg aus der Jungsteinzeit (ca. 1.900 v. Chr.) und der Bronzezeit (ca. 1.400 v. Chr.) hin. Sie liegen westlich des Kupferteiches im heutigen Siedlungsgebiet der Straßen Kreienhoop und Ohlendieksredder. Archäologische Grabungen aus dem Jahr 1982 fanden verschiedene Grabbeigaben, wie ein gut erhaltenes Bronzeschwert von 72 cm Länge sowie eine 23 cm hohe Urne aus der älteren Eisenzeit (ca. 750 v. Chr.). Ein weiteres Hügelgrab befindet sich westlich der Poppenbüttler Landstraße und in unmittelbarer Nähe der Parkanlage Restaurant Randel.
Ein im 4. Jahrhundert n. Chr. angelegter Bohlenweg, der quer durch das heutige Wittmoor verlief, gibt ein weiteres Zeugnis über menschliches Leben im Poppenbüttler Raum. Der Bohlenweg war fast 600 Meter lang und bestand aus mindestens 1800 Eichenbohlen, die 1,4 bis 1,8 Meter lang waren und quer zum Weg verlegt wurden. Sie ruhten auf einer gleisartigen Unterlage von längs des Weges verlegten Balken. Die Art der Verlegung zeugt von hochstehenden, handwerklichen Fähigkeiten und einer großen organisatorischen Leistung. Bislang konnten jedoch weder der Anlass zum Bau des Bohlenweges, die Orte oder Plätze, die der Bohlenweg verbunden hat, noch die Güter, die über das Moor befördert wurden, ermittelt werden.
miniatur|Poppenbütteler Schleuse und Schleusenmeisterhaus im Jahre 1856 mini|Ehemaliges Schleusenmeisterhaus Marienhof 6 mini|Burg Henneberg (Nachbau) mini|Alsterwanderweg am Randelpark mini|AEZ-Eingangsportal mit der Skulptur von Zoyt
Das Dorf Poppenbüttel wurde im Mittelalter erstmals namentlich erwähnt. Die erste Urkunde, die die Existenz Poppenbüttels dokumentiert, geht aus dem Kaufvertrag vom 6. Dezember 1336 hervor. Das ehemals zum Amt Trittau (Vogtei Bergstedt) gehörige Dorf wurde von der Familie Stursse (Stürze) und zum Teil von anderen Besitzern an das Hamburger Domkapitel verkauft, wonach der Wechsel der Eigentümerrechte an den Poppenbütteler Ländereien im Kaufvertrag besiegelt wurde.Johannes von Schröder: Topographie des Herzogthums Holstein, des Fürstenthums Lübeck und der freien und Hanse-Städte Hamburg und Lübeck, Band 2, Oldenburg 1841.
Der Name des Ortes wird im Vertrag mit „Poppelenbotle“ angegeben, der sich aus den Wörtern „Poppilo“ und „botle“ zusammensetzt. „Poppilo“ ist die Verkleinerungsform des Namens „Poppo“, den im Mittelalter häufig Priester trugen. „Botle“, aus dem später „Büttel“ wurde, bedeutet Bauwerk, Haus oder Hausgruppe. „Poppelenbotle“ deutet auf das Anwesen des „Poppilo“ hin, der wahrscheinlich das Dorf – deutlich vor 1336 – gegründet hatte.
Laut Urkunde lag das Dorf westlich und oberhalb des Flusses Alster. Es hatte sieben Vollhöfe, vier kleinere Bauernstellen und eine Mühle. Die Vollbauernstellen (Hufen) umfassten jeweils etwa siebeneinhalb Hektar Ackerland, genügend groß, um die Existenz eines Haushaltes zu sichern. Wo die Höfe und die Mühle lagen, ist nicht überliefert. In der Urkunde von 1336 ist auch von Hölzungen und Bau- und Brennholz die Rede. Das die Höfe umgebende Land war lichter Wald, der überwiegend aus Eichen bestand. Das Eichenholz stellte für das Domkapitel einen hohen wirtschaftlichen Wert dar; es wurde für den Bau von Häusern und Schiffen in Hamburg benötigt und über die Alster nach Hamburg geflößt. Die Bauern waren im Mittelalter keine Grundeigentümer, sondern Pächter, die einen Pachtzins an den jeweiligen Grundherren entrichten mussten, in diesem Fall an das Hamburger Domkapitel.
Die grundherrlichen Rechte am Dorf Poppenbüttel lagen von 1336/1389 bis 1803 beim Hamburger Domkapitel, bis es an den dänischen König überging. Unter der Grundherrschaft des Domkapitels gab es im Dorf einen Bauernvogt.
1310 erwarb Hamburg die Rechte und Nutzung über den gesamten Alsterlauf auf Holsteiner Gebiet. Die Nutzung des Alsterlaufes bestand hauptsächlich im Lasttransport, Fischfang und in einem gesicherten Wasserzulauf zum Betrieb der Mühlen. Um eine schiffbare Verbindung mit der nötigen Wassertiefe zwischen Hamburg und Lübeck zu schaffen, wurden um 1526 mehrere Alsterschleusen als Teil einer zu der Zeit gewaltigen Baumaßnahme geschaffen. Die Poppenbütteler Schleuse wurde 1528–29 mit einer Schleusenkammer von 130 Meter Länge errichtet, in dem zur Schleusung mehrere Alsterkähne Platz fanden. Das untere Wehr der Schleusenkammer (s. Bild von 1856) existiert nicht mehr; es befand sich bei der heutigen Bäckerbrücke. Zuständig für den Schleusenbetrieb war allein der Schleusenmeister, der im Dienst des Hamburger Rates stand. 1529 erhielt der Schleusenmeister an der Poppenbütteler Schleuse mit dem Schleusenhaus einen Amtssitz. Das heute noch existierende Gebäude wurde 1824 errichtet und steht unter Denkmalschutz.Angelika Rosenfeld: Alsterschiffe, Silbermünzen und eine „Burg“ – Die Geschichte Poppenbüttels. Dobu Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-934632-17-3, S. 9–23 und 46.
Mit der Übernahme des Dorfes im Jahr 1803 durch Pinneberg und damit unter die Herrschaft des dänischen Königs gab es im Dorf sieben Vollhöfe, zwei Halbhöfe, zehn Viertelhöfe, einen Dreiachtelhof, einen Einachtelhof und sechs Anbauerstellen. 1839 betrug die Anzahl der Einwohner 442 und es gab eine Schule mit 90 Kindern. Etwa von 1750 bis 1850 veränderte sich das Bauerndorf durch eine zunehmende Vergewerblichung: Handwerker ließen sich in steigender Zahl im Dorf nieder, dessen Einwohnerzahl dadurch wuchs. Die Gewerbetätigkeit in den Kupfermühlen an der Mellingbek wurde ab 1765 um eine Silberschmelze und Münzprägeanstalt (bis 1808) erweitert. Die landesherrlichen Rechte lagen zunächst bei der Grafschaft Holstein-Pinneberg, die 1640 an den dänischen König gingen. Infolge des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864 fiel ganz Schleswig-Holstein 1867 an Preußen. 1867 bis 1937 hatte Poppenbüttel eine gewählte Gemeindeverwaltung.
Von etwa 1850 bis zum Ersten Weltkrieg geriet das Dorf zunehmend unter den Einfluss der Großstadt Hamburg. In den 1850er Jahren wurde der größte Teil der Landwirtschaftsfläche aufgekauft und zum Gutsbetrieb der Familie Henneberg zusammengefasst, und in Hohenbuchen entstand ein zweiter Gutsbetrieb. Beide Güter waren ab Ende des 19. Jahrhunderts auf den Absatzmarkt Hamburg u. a. als Milchlieferanten ausgerichtet. Der Mühlenbetrieb wurde 1896 infolge der Konkurrenz durch die moderne Industrie eingestellt. Der Gutsbesitzer Albert Henneberg baute 1887 in seinem Park Marienhof (Arboretum) an der Alster, oberhalb der Poppenbütteler Schleuse, die Burg Henneberg, ein Nachbau der Burg Henneberg in Thüringen im Maßstab 1:4 (Burg und Park existieren heute noch).Die Hennebergs in Poppenbüttel 1855–1955. In: Jahrbuch des Alstervereins e. V. 1955. 34. Jahrgang
Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurde Poppenbüttel wegen der Schönheit des Alstertals zum Ziel von Wochenendausflüglern aus Hamburg. Nach einer Verbesserung der Verkehrsanbindung nach Hamburg (Pflasterung der Landstraßen, S-Bahnanschluss 1918) und der Einbringung des Hennebergschen Gutsbetriebs in die ATAG (Alstertal-Terrain Aktiengesellschaft) wurden in den 1930er Jahren große Teile der Gemeinde planmäßig aufgesiedelt (Villen am Alsterlauf, sonst Einfamilienhäuser städtischen Baustils, Wochenendhäuser und Schrebergärten überwiegend für Arbeiter und Angestellte), womit die Einwohnerzahl stark anstieg. Das Dorf wurde zum Hamburger Vorort und im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes im Jahre 1937 eingemeindet.
Im Zweiten Weltkrieg schnellte die Einwohnerzahl nach oben, als viele Hamburger vor den Flächenbombardements flohen. Die Einwohnerzahl ging auch nach Kriegsende nicht zurück. Im Gegenteil wurde die noch recht dörfliche Infrastruktur im Laufe der 1950er und 1960er Jahre ausgebaut, um sie der gestiegenen Einwohnerzahl anzupassen, und Poppenbüttel dabei noch enger mit dem Hamburger Siedlungsgebiet verzahnt.
Der Alsterwanderweg im Poppenbütteler Abschnitt wurde um 1951/52 geschaffen, der auf die ehemaligen Treidelpfade entlang der Alster zurückgeht. 1969 wurden große Teile des Stadtteils zum Landschaftsschutzgebiet erklärt, um diese als Erholungsraum zu bewahren; die übrigen landwirtschaftlich genutzten Flächen wurden im Laufe der 1970er und 1980er Jahre fast alle zugebaut und das Straßennetz für den stark steigenden Individualverkehr ausgebaut. Dabei wurden die restlichen Gebäude mit dörflichem Charakter fast alle abgerissen.
1970 erhielt Poppenbüttel mit dem Alstertal-Einkaufszentrum (AEZ) auf der linken Alsterseite ein zweites Ortszentrum, das in der Folgezeit gegenüber dem ehemaligen Dorfkern auf der rechten Flussseite zunehmend an Bedeutung gewann. Im Jahr 2006 wurde das AEZ umgebaut und erweitert. Vor dem neuen Eingangsportal steht die von dem kanadischen Künstler Zoyt geschaffene Skulptur, eine ca. acht Meter hohe, in Bronze gegossene Dreiergruppe.
Am 22. Oktober 1971 wurde der Polizist Norbert Schmid beim Versuch, vor dem Alstertal-Einkaufszentrum Mitglieder der Rote Armee Fraktion (RAF) festzunehmen, erschossen. Norbert Schmid war die erste Person, die von der RAF getötet wurde. Im benachbarten Hummelsbüttel wurde ein Platz nach ihm benannt.
Im nördlichen Teil des Stadtteils entstand ab 1975 das Neubaugebiet Hamburg-Bau ’78.
Im Jahr 2018 wurde der Baukomplex Poppenbütteler Berg/Ohlendieckshöhe bezogen. Diese Mehrfamilienhäuser bestehen aus Flüchtlingsunterkünften („Unterkunft mit der Perspektive Wohnen“), Sozialwohnungen und frei finanziertem Wohnungsbau. Dieses Bauvorhaben war – wie viele ähnliche Flüchtlingsunterkünfte in Hamburg – politisch stark umstritten. Ein Bürgerbegehren konnte durch einen sog. „Bürgervertrag“ abgewendet werden. Zur besseren Integration in den Stadtteil wurde dort das Begegnungshaus OHLE geschaffen.
Historische Orte und Gedenkstätten mini|Bronzezeitlicher Grabhügel westlich der Poppenbüttler Landstraße Die Moorfläche Poppenbütteler Graben und andere kleinere Flächen im Norden des Stadtteils sind seit 1986/88 Naturdenkmal. Es handelt sich um die Reste einer Kette von Mooren, die früher in den feuchten Niederungen am West- und Nordrand des Stadtteils bestanden hatten.