Spangenberg ist eine Kleinstadt im Nordosten Hessens im Schwalm-Eder-Kreis. Sie hat etwa 6000 Einwohner und eine Gesamtfläche von 97,7 Quadratkilometern. Die heutige Größe erreichte die Stadt nach der Verwaltungs- und Gebietsreform in Hessen, als in den Jahren 1970 bis 1974 die heutigen Stadtteile mit Spangenberg zusammengeschlossen wurden. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Spangenberg 1261. Im Jahr 1309 verliehen die Herren von Treffurt der Stadt das Stadtrecht.
Über der Stadt steht auf dem Schlossberg das Schloss Spangenberg. Es wurde über zwei Jahrhunderte von den hessischen Landgrafen als Residenz- und Jagdschloss genutzt und diente danach als Gefängnis und als preußische Forstschule.
Spangenberg trägt seit dem 12. Januar 2000 die amtliche Zusatzbezeichnung Liebenbachstadt,Kleine Anfrage der Abg. Faeser, Franz, Rudolph und Siebel (SPD) vom 19.03.2009 betreffend Rechtssicherheit im öffentlichen Straßenverkehr und Antwort des Ministers für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (PDF; 64 kB). Drucksache LT 18/219 vom 5. Mai 2009, S. 2 (Verleihung von Zusatzbezeichnungen zum Gemeindenamen nach § 13 Abs. 2 HGO), abgerufen am 2. Juli 2019. in Bezug auf die sogenannte Liebenbachsage. Die Stadt war um 1995 der „Bevölkerungsmittelpunkt“ Deutschlands.Claus Stephan Rehfeld: In: Deutschlandradio. 5. November 2004.
Geographie Geographische Lage und Geologie Spangenberg liegt im Nordostteil des Schwalm-Eder-Kreises an den Hängen des Stölzinger Gebirges im Südosten und Melsunger Berglandes im Westen, etwa 35 Kilometer Luftlinie südöstlich von Kassel. Es befindet sich unmittelbar nordöstlich der Einmündung des durch die Stadt fließenden Essebachs in die auch hindurch verlaufende Pfieffe, die westwärts zur Fulda fließt.
Der Bevölkerungsmittelpunkt der Bundesrepublik Deutschland liegt seit der Wiedervereinigung ca. 3 km östlich des Ortskerns.
Spangenberg liegt geologisch gesehen im Wesentlichen auf Buntsandstein, aber auch auf Muschelkalk und Zechstein.
Nachbargemeinden mini|Die Nachbargemeinden Spangenbergs Im Norden grenzt die Stadt an Hessisch Lichtenau, im Osten an Waldkappel (beide im Werra-Meißner-Kreis), im Südosten an Rotenburg an der Fulda, im Süden an Alheim (beide im Landkreis Hersfeld-Rotenburg) und Morschen sowie im Westen an Melsungen (beide im Schwalm-Eder-Kreis).
Stadtteile Zur Stadt gehören neben der Kernstadt die folgenden zwölf Stadtteile: Bergheim Bischofferode Elbersdorf mit Siedlung Kaltenbach Herlefeld Landefeld Metzebach Mörshausen Nausis Pfieffe Schnellrode Vockerode-Dinkelberg Weidelbach
Geschichte mini|Spangenberg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655 Mittelalter Die ersten nachgewiesenen Siedlungen in und um Spangenberg wurden auf das achte Jahrhundert nach Christus datiert.Magistrat der Stadt Spangenberg: Spangenberger Zeitreise. In: 700 Jahre Stadt Spangenberg. 2009, S. 15. Es dauerte allerdings noch knapp 200 Jahre, bis Pfieffe 1037 als erste Siedlung im Umland auch urkundlich erwähnt wurde. Bereits 920 nach Christus wurde ein Ort namens Meinbrateshusen erwähnt, ob es sich hierbei allerdings um Mörshausen handelte, ist nicht belegt.
Die älteste im Raum Spangenberg erhaltene Kirche wurde 1150 in Mörshausen erbaut. Zu Beginn des 13. Jahrhunderts belehnte Graf Ludwig I. von Ziegenhain die Ritter von Treffurt mit der Herrschaft über Spangenberg. 1235 begannen diese den Bau der Burg Spangenberg. In den folgenden Jahrhunderten, ab 1350, nahmen die hessischen Landgrafen, die nach ihrem Kauf der Herrschaft Spangenberg auf der dortigen Burg residierten, weitere Um- und Anbauten vor. Die erste Erwähnung Spangenbergs und Bezeichnung als civitas (Stadt) ist auf das Jahr 1261 nach Christus datiert. Im selben Jahr begann der Bau der Stadtkirche St. Johannes.
1309 verliehen die Ritter Hermann (VIII.) und sein Sohn Hermann (IX.) von Treffurt zu Spangenberg dem Ort das Stadtrecht nach dem Lippstädter Recht. Die Originalurkunde befindet sich im Hessischen Staatsarchiv Marburg.Magistrat der Stadt Spangenberg: 675 Jahre Spangenberg. In: 675 Jahre Stadt Spangenberg. 1984, S. 12. Die Neustadt mit Spital und Kapelle St. Elisabeth wurde erstmals im Jahre 1338 in einer Urkunde erwähnt. Die Treffurter zu Spangenberg, Hermann IX. und sein Bruder Friedrich, verkauften Stadt und Burg Spangenberg 1350 wegen Geldmangels und langdauernder Fehden mit ihren Vettern in Treffurt für 8000 Silberlinge an Landgraf Heinrich II.; seither ist Spangenberg hessisch.Magistrat der Stadt Spangenberg: Spangenberger Zeitreise. In: 700 Jahre Stadt Spangenberg. 2009, S. 16. Das Schloss Spangenberg war Residenz des Landgrafensohnes Otto der Schütz, der dort 1366 starb und beigesetzt wurde. Durch die Vereinigung der damaligen Gerichte Morschen, Mörshausen, Schemmern und Auf der Landena mit der Herrschaft Spangenberg entstand 1350 das Amt Spangenberg.
Das Karmeliterkloster Spangenberg wurde 1357 gegründet und im Jahr 1486 wurde die Klosterkirche, von der nach einem Großbrand im Oktober 1888 nur noch Reste erhalten sind, fertiggestellt. Der 1261 begonnene Bau der Stadtkirche wurde erst 1421 abgeschlossen.Magistrat der Stadt Spangenberg: Spangenberger Zeitreise. In: 700 Jahre Stadt Spangenberg. 2009, S. 17. Der Bau des Rathauses begann vermutlich im 15. Jahrhundert. Nach der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen 1526 wurde das Karmeliterkloster im Jahre 1527 aufgelöst.
Neuzeit mini|Das Spangenberger Rathaus Durch einen Tausch mit Quentel kamen Schnellrode, Vockerode-Dinkelberg und Weidelbach 1530 vom Amt Hessisch Lichtenau zum Amt Spangenberg. Im Dreißigjährigen Krieg erlitten fast alle Dörfer des Amtes Spangenberg schwere Schäden und Verluste. Eine wichtige Rolle für Spangenberg spielte im 18. Jahrhundert die Leinenproduktion; das Amt Spangenberg war in den Jahren 1789/1790 im Gebiet der Landgrafschaft Hessen-Kassel führend in der Produktion und im Export von Schockleinen.Magistrat der Stadt Spangenberg: Spangenberger Zeitreise. In: 700 Jahre Stadt Spangenberg. 2009, S. 20. Durch eine Verwaltungsreform entstanden in Hessen 1821 Landkreise, das Amt Spangenberg wurde aufgelöst und gehörte seitdem zum Landkreis Melsungen.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Spangenberg die ersten Vereine gegründet, darunter 1842 der Männergesangverein Liedertafel und 1863 der TSV 1863 Spangenberg.
1874 bekam die Wirtschaft in Spangenberg einen Schub durch den Bau einer Teilstrecke der Bahn Leinefelde–Treysa. Der Bahnhof Spangenberg wurde 1879 eröffnet. Zu dieser Zeit lebten viele jüdische Mitbürger in Spangenberg, sie waren hauptsächlich kaufmännisch aktiv.
Heinrich Salzmann, Sohn der Stadt und Mitgründer des Unternehmens Salzmann & Comp., stiftete 1902 das Liebenbachdenkmal, es stellt die Sage von Kuno und Else dar.
1910/11 wurde mit dem Bau der alten Stadtschule am Eulenturm, der heutigen Burgsitzschule, begonnen.Magistrat der Stadt Spangenberg: Spangenberger Zeitreise. In: 700 Jahre Stadt Spangenberg. 2009, S. 22.
Am 15. Juni 1913 besuchte Kaiser Wilhelm II. die Stadt und das Schloss, das zu dieser Zeit als preußische Forstschule diente.
In den 1930er Jahren verkauften viele Juden ihre Besitzungen, um dem Hitler-Regime zu entgehen. Ostern 1945 wurden mehrere Häuser und das Schloss Opfer amerikanischer Brandbombenangriffe. Das Schloss wurde dabei völlig zerstört. In den 1950er Jahren wurde es mit Mitteln des Landes Hessen wieder aufgebaut.Magistrat der Stadt Spangenberg: Die wechselhaftige Nutzungsgeschichte des Spangenberger Schlosses. In: 700 Jahre Stadt Spangenberg. 2009, S. 50–56. Das Land Hessen ist weiterhin Eigentümer des Schlosses, es wird durch den Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen verwaltet und verpachtet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in den Zeiten des Wirtschaftswunders in Deutschland, wurden in Spangenberg viele Betriebe gegründet, darunterMagistrat der Stadt Spangenberg: Arbeiten in Spangenberg. In: 700 Jahre Stadt Spangenberg. 2009, S. 36. die Wilhelm Kullmann Sägenfabrik, der größte Arbeitgeber der Stadt.
Der Neubau der Burgsitzschule Spangenberg in der Gemarkung Winternot wurde 1972 eröffnet und damit die ständige Raumnot in den Schulen beseitigt. Durch die Verwaltungs- und Gebietsreform in Hessen zwischen 1970 und 1974 wurden zwölf ehemals selbstständige Gemeinden mit Spangenberg zusammengeschlossen.
Ebenfalls 1974 wurde der über 100 Jahre bestehende Personenverkehr auf der Kanonenbahn, einem Teilstück der Berlin-Coblenzer-Eisenbahn, eingestellt. Wenig später folgte auch die Einstellung des Güterverkehrs. Von den alten Gleisanlagen sind nur wenige im Bereich Spangenberg noch sichtbar, die Schienen wurden entfernt. Das alte Bahnhofsgebäude wird seit 1994 als Kindergarten Alter Bahnhof genutzt.
Im Jahr 1975 wurde der Stadt das Prädikat staatlich anerkannter Luftkurort verliehen.Magistrat der Stadt Spangenberg: Spangenberger Zeitreise. In: 700 Jahre Stadt Spangenberg. 2009, S. 24. Dieses wurde jedoch im Jahr 2012 wieder aberkannt.
Hessische Gebietsreform 1971/74 Am 1. Februar 1971 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Bergheim, Metzebach, Schnellrode und Vockerode-Dinkelberg auf freiwilliger Basis eingegliedert. Ebenfalls freiwillig hinzu kamen am 1. April 1971 die Gemeinde Mörshausen und am 1. Dezember 1971 die Gemeinden Elbersdorf, Herlefeld, Nausis und Pfieffe. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der zwangsweisen Eingliederung kraft Landesgesetz von Bischofferode, Landefeld und Weidelbach am 1. Januar 1974 abgeschlossen. Für die eingegliederten Gemeinden wurden je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Spangenberg 6225 Einwohner. Darunter waren 320 (5,1 %) Ausländer, von denen 75 aus dem EU-Ausland, 203 aus anderen europäischen Ländern und 42 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 9,3 %.) Nach dem Lebensalter waren 1009 Einwohner unter 18 Jahren, 2441 zwischen 18 und 49, 1360 zwischen 50 und 64 und 1413 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2747 Haushalten. Davon waren 798 Singlehaushalte, 772 Paare ohne Kinder und 897 Paare mit Kindern, sowie 231 Alleinerziehende und 49 Wohngemeinschaften. In 596 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1782 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1585: 270 Haushaltungen • 1747: 235 Haushaltungen
Religion mini|hochkant|Stadtkirche St. Johannes mini|Die ehemalige Synagoge mini|Der Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof Die Mehrheit der Spangenberger Bevölkerung ist evangelisch. Spangenberg gehört zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Die evangelischen Kirchengemeinden in Spangenberg (Kirchspiel Pfieffe, Kirchspiel Mörshausen, Kirchspiel Spangenberg I und Kirchspiel Spangenberg II) sind dem Kirchenkreis Melsungen im Sprengel Hersfeld zugeordnet.
Die katholische Kirchengemeinde Spangenberg-Morschen ist dem Pastoralverbund St. Brigida Schwalm-Eder-Fulda zugeordnet, der zum Dekanat Fritzlar im Bistum Fulda gehört.
Die Synagoge der Jüdischen Gemeinde befand sich in der heutigen Untergasse. Sie ist noch als Wohnhaus erhalten. Die rituellen Gegenstände wurden vor der Reichspogromnacht in die Synagoge nach Kassel verbracht. Ein Teil des Spangenberger Thorasilbers befindet sich im Jüdischen Museum New York.Synagoge Spangenberg mit Geschichte der jüdischen Gemeinde in Spangenberg. In: Alemannia Judaica. Abgerufen am 22. Juni 2019.