Leopoldshöhe (plattdeutsch: Höchte) ist eine Gemeinde im Kreis Lippe. Sie liegt zentral in Ostwestfalen-Lippe, einer Region im Nordosten des Landes Nordrhein-Westfalen, und grenzt im Westen an die kreisfreie Stadt Bielefeld.

Geografie Geografische Lage mini|Der Marktplatz von Leopoldshöhe im Vordergrund, links neben der ev.-ref. Kirche das Gemeindehaus und das Pfarrhaus

Der Hauptort Leopoldshöhe liegt etwa im Mittelpunkt zwischen den Städten Bielefeld, Bad Salzuflen, Lage und Oerlinghausen. Die höchste Erhebung befindet sich im äußersten Südwesten des Gemeindegebietes mit dem Merkslohberg im Bereich des Osning mit einer Höhe von . Der tiefste Punkt der Gemeinde liegt im äußersten Nordosten des Gemeindegebietes im Ortsteil Krentrup unmittelbar in der Nähe der Einmündung des Siekbachs in die Werre auf . Der Ortsteil Leopoldshöhe, der der Großgemeinde ihren Namen gegeben hat, liegt in etwa im Zentrum und ist mit 1,8 km² der kleinste der acht Ortsteile.

Das Gemeindegebiet wird über die Windwehe, Heipker Bach, Bentgraben (teilweise „Eselsbach“ genannt) und Siekbach über die Werre zur Weser entwässert.

Geologie mini|Geothermische Karte von Leopoldshöhe

Das Gemeindegebiet geht von Süden nach Norden naturräumlich vom Bielefelder Osning-Vorland in das Ravensberger Hügelland über.

Im Untergrund finden sich Festgesteine des Erdmittelalters und die geologisch älteren Schichten des Keupers. Zum Teutoburger Wald hin finden sich Kalksteine des Muschelkalkes. Eiszeitlicher Geschiebemergel und Löß verhüllen zumindest teilweise die Tonsteine des Lias. Die Tonsteine sind etwa 100 Meter stark. Das darunter liegende Grundwasser ist versalzt, insbesondere durch Sulfate. Nach Osten hin fällt Trochitenkalk in die Tonschicht und bietet die Möglichkeiten zur Trinkwasserversorgung. Der Kalk ist teilweise als Werkstoff abgebaut worden, die Tonsteine dienen als Ziegelrohstoff.

Leopoldshöhe eignet sich mittelmäßig bis gut, zum Teil sehr gut, zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und zur Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)

Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets Das Gemeindegebiet umfasst 36,92 Quadratkilometer, es misst circa 5,5 Kilometer in der Ost-West-Ausdehnung und ca. 8 Kilometer in der Nord-Süd-Ausdehnung. Der Merkslohberg ist mit der höchste Punkt der Gemeinde; der tiefste Punkt liegt auf an der Werre im Norden des Ortsteils Krentrup.

Das Gebiet von Leopoldshöhe ist einerseits aufgrund der räumlichen Nähe zur Großstadt Bielefeld durch Wohnbebauung und Verkehrsflächen, andererseits aufgrund seiner Tradition durch landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Waldflächen sind nur unterdurchschnittlich vorhanden.

Seit 1996 wird der Wohnbau durch den Rat der Gemeinde mit Hilfe der Leopoldshöher Immobilien- und Liegenschaftsverwaltung (LIL) gesteuert. Ziel ist es, jungen Familien preiswertes Wohnbauland zur Verfügung zu stellen. Neue Wohnbauflächen werden seither nur noch dort ausgewiesen, wo sich die überwiegenden Flächen im Eigentum der LIL befinden.

Die Flächennutzung ist der folgenden Tabelle zu entnehmen:

Fläche nach Nutzungsart Fläche in ha Anteil an Gesamtfläche Landwirtschaftsfläche 2483 67,2 % Waldfläche 329 8,9 % Siedlungs- und Verkehrsfläche 846 22,9 % Wasserfläche 28 0,8 % sonstige Nutzung 7 0,2 % Stand: 31. Dezember 2024

Nachbargemeinden

Die Gemeinde grenzt (im Uhrzeigersinn) an die Städte Bad Salzuflen (Ortsteile Lockhausen, Wülfer-Bexten und Holzhausen), Lage, Oerlinghausen (alle im Kreis Lippe) und Bielefeld. Aus Bielefeld grenzen die Stadtbezirke Heepen mit dem Stadtteil Brönninghausen sowie Stieghorst mit den Stadtteilen Ubbedissen und Lämershagen-Gräfinghagen an Leopoldshöher Gebiet.

Gemeindegliederung

mini|Ortsteile von Leopoldshöhe

Das Gemeindegebiet gliedert sich in acht Ortsteile. Bis zur Gemeindereform von 1969 waren diese eigenständige Gemeinden.

Ortschaft Einwohner Asemissen 3241 Bechterdissen 1992 Bexterhagen 576 Greste 3174 Krentrup (mit Heipke und Krentruperhagen) 821 Leopoldshöhe 4192 Nienhagen 673 Schuckenbaum 1981

Geschichte mini|Gutshof Niederbarkhausen in Asemissen

Das Gebiet der Gemeinde Leopoldshöhe war vermutlich bereits vor rund 2000 Jahren bewohnt; dafür sprechen Siedlungsreste in Bechterdissen, die auf die Cheruskerzeit datiert wurden.Burkhard Meier: Leopoldshöhe: Aus der Geschichte und Gegenwart einer lippischen Großgemeinde. Detmold 2003. Siedlungen, die um das Jahr 500 bereits bestanden haben, sind in Greste und das Gut Milse in Bechterdissen. Ausgehend von der Endung „-trup“ (= Dorf) wird heute angenommen, dass Krentrup seinen Namen im frühen Mittelalter bereits vor dem Jahr 800 erhalten hat. Diese Endung wird nach überwiegender Auffassung älter eingeschätzt als die Endung „-hausen“ und die aus „-hausen“ entstandene Endung „-issen“.

Die erste urkundliche Erwähnung des Gebietes stammt vom 25. Mai 1036. In der Busdorf-Urkunde wird belegt, dass der Bischof Meinwerk von Paderborn dem Kanonikerstift Busdorf unter anderem den Haupthof Niederbarkhausen im heutigen Leopoldshöher Ortsteil Asemissen mit den dazugehörigen Vorwerken Eckendorf im heutigen Leopoldshöher Ortsteil Schuckenbaum, den Hof Oerlinghausen, das Gut Menkhausen (heute Oerlinghausen), den späteren Meierhof zu Heepen sowie den späteren Meierhof Borgsen in Brackwede zum Lehen übergibt.

Die Besiedlung bestand zunächst aus großbäuerlichen Einzel- und Doppelhöfen sowie aus einzelnen bereits etwas größeren Höfeweilern; im späteren Mittelalter wurde zwischen diesen Höfen zunehmend Land erschlossen, auf dem dann die kleineren Kötterhöfe entstanden.

Erste urkundliche Erwähnungen der heutigen Leopoldshöher Ortsteile, die 1841 aus den bisherigen Bauerschaften entstanden, fanden in folgenden Jahren statt:

1289 Krentrup 1338 Asemissen 1488 Greste (Meier zu Ermgassen erwähnt 1395) mini|Schafscheune auf dem Hof Ermgassen in Greste circa 1500 Bechterdissen circa 1500 Schuckenbaum

Hagensiedlungen wie zum Beispiel Nienhagen, Bexterhagen, Schuckenhagen oder Mackenbruch (erwähnt im Landschatzregister von 1467) entstanden im Hochmittelalter, also etwa von der Mitte des 11. Jahrhunderts bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts.

Weitere Orte, die früh urkundlich erwähnt wurden, sind:

1194 Gut Milse in Bechterdissen (PDF; 1,4 MB) 1251 Gut Hovedissen 1387 Bexterhagen 1421 Evenhausen

Um 1500 war in den Ämtern Oerlinghausen und Schötmar eine größere Zahl Höfe anzutreffen als in anderen Teilen Lippes. Zu diesen Ämtern gehörte auch das heutige Gemeindegebiet. Größere Teile des heutigen Gemeindegebietes mit den Siedlungen Rosenhagen, Hakenheide, Krentruperhagen, Bexterhagen-Nienhagen gehörten zum Zehntbezirk der Villikation Iggenhausen des Klosters Corvey.

Während der Eversteinschen Fehde (1403 bis 1407) wurden besonders die Höfe im Süden der heutigen Gemeinde arg in Mitleidenschaft gezogen. Später fanden unter anderem im Dreißigjährigen Krieg und im Siebenjährigen Krieg verheerende Plünderungen durchziehender Truppen statt.

Die niedere Gerichtsbarkeit und die Verwaltung hingegen waren zwischen den belehnten Amtsmeiern in Niederbarkhausen und Heerse bzw. Bexten aufgeteilt.

Um 1700 werden in dem Gebiet die adeligen Güter Dahlhausen, Eckendorf, Schackenburg, Schuckenhagen und Hovedissen sowie die Bauerschaften Asemissen, Bechterdissen, Greste-Evenhausen, Hovedissen, Nienhagen, Eckendorf und Bexterhagen in einer gedruckten Schrift erwähnt.

Das Kirchdorf Leopoldshöhe selbst wurde hingegen erst 1850/51 auf einer Anhöhe im Bereich von Krentrup und Hovedissen in gleicher Entfernung zu den Kirchen in Schötmar, Oerlinghausen und Heepen gegründet, um den Bewohnern der umliegenden Höfe den Kirchgang zu erleichtern. Der lippische Fürst Leopold II. verlieh ihm bei der Einweihung der neuen Kirche den Namen „Leopoldshöhe“. Am 1. September 1921 wurde der zu diesem Zeitpunkt etwa 800 Einwohner zählende Ort eine eigenständige Gemeinde, die aus Teilen der aufgelösten Gemeinde Hovedissen und Teilen der Gemeinde Greste gebildet wurde. Somit ist die politische Gemeinde jünger als die Kirchengemeinde Leopoldshöhe.

Der Nationalsozialismus traf in den Leopoldshöher Gemeinden auf geteiltes Echo: Während die NSDAP in der damaligen Gemeinde Leopoldshöhe zumeist überdurchschnittliche Ergebnisse erzielte, erhielt sie in der Gemeinde Asemissen noch bei der lippischen Landtagswahl 1933 nur 22 Prozent – weniger als die Hälfte des Ergebnisses der SPD. Aus den südlichen Kleingemeinden sind denn auch zahlreiche Akte des „kleinen Widerstands“ überliefert – etwa Vandalismus gegen NSDAP-Symbole.

Religionen mini|hochkant|links|Ev.-ref. Kirche in Leopoldshöhe mini|Kriegerdenkmal vor der Kirche mini|St. Johannis Baptist

Vor der Reformation war das Land kirchlich unter den Kirchspielen Oerlinghausen und Schötmar aufgeteilt, welche Außenstellen des Bistums Paderborn waren. Zu Oerlinghausen gehörten die heutigen Ortsteile Asemissen, Bechterdissen, Greste, Leopoldshöhe, Schuckenbaum und Krentrup, zu Schötmar die Ortsteile Nienhagen und Bexterhagen.

Im Jahr 1538 wurde die lutherische Kirchenordnung beschlossen. Das Gebiet der Gemeinde Leopoldshöhe wurde ebenfalls lutherisch.

Im Jahre 1607 kamen infolge einer Auseinandersetzung die beiden Kirchspiele Oerlinghausen und Schötmar durch einen Vertrag zwischen dem Bischof Dietrich von Fürstenberg und Simon VI. zum Fürstentum Lippe, sie wurden fortan von der evangelischen Kirche betreut.

Der weit überwiegende Teil der Bevölkerung ist evangelisch-reformiert. Der nördliche Gemeindebereich gehört zur Kirchengemeinde Leopoldshöhe. Ihre Kirche ist die 1850 und 1851 von Ferdinand Ludwig August Merckel erbaute Evangelisch-reformierte Kirche Leopoldshöhe. Der südliche Gemeindebereich gehört zur Kirchengemeinde Asemissen-Bechterdissen, deren Kirche im Ortsteil Bechterdissen steht. Beide Kirchengemeinden gehören zur Klasse Lage der Lippischen Landeskirche.

Ein Indiz für die Verteilung kann die Angabe der konfessionellen Zugehörigkeit der Leopoldshöher Schüler sein. Demnach waren 2008 1.175 der Schüler evangelisch, 185 katholisch, 42 islamisch. 52 gaben an, einer sonstigen Konfession anzugehören, und 253 rechneten sich keiner Konfession zu.

In den Jahren 1966 bis 1968 wurde die katholische Kirche Auferstehung Christi als Filialkirche der Gemeinde St. Michael in Oerlinghausen in Greste gebaut. Erst in den Jahren 2000 und 2001 entstand mit St. Johannes Baptist eine weitere Filialkirche der Oerlinghauser Gemeinde im Leopoldshöher Zentrum. Architekt für diesen Neubau war Dieter Georg Baumewerd. Im Jahre 2018 wurde die Kirche einschließlich der Nebengebäude in Folge von erheblichen Baumängeln abgebrochen. Auf dem Gelände soll der „Johanneshof“, ein Mehrgenerationenprojekt, entstehen.

Im Ortsteil Bechterdissen befindet sich eine mennonitische Kirche, im Ortsteil Asemissen eine neuapostolische Kirche und im Ortsteil Bexterhagen eine evangelisch-freikirchliche Kirchengemeinde.

Eingemeindungen Mit Wirkung vom 1. Januar 1969 trat das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Lemgo (Lemgo-Gesetz) in Kraft und gliederte den Landkreis Lemgo neu. So wurden die ehemals selbstständigen Gemeinden Asemissen, Bechterdissen, Bexterhagen, Greste, Krentrup, Leopoldshöhe, Nienhagen und Schuckenbaum zur neuen Gemeinde Leopoldshöhe mit dann 10.200 Einwohnern zusammengeschlossen.

Einwohnerstatistik