mini|Das Sachl im Freilichtmuseum Finsterau mini|Bei Vorderfirmiansreut Der Landkreis Freyung-Grafenau ist der östlichste Landkreis Bayerns. Er liegt im Regierungsbezirk Niederbayern und grenzt im Nordosten an Tschechien, im Südosten an Österreich und von Südwest bis Nordwest an drei Landkreise Niederbayerns.

Geografie Lage Das Kreisgebiet liegt im Bayerischen Wald und hat etwa 60 % Waldanteil. Seine höchste Erhebung ist der Große Rachel (1453 m), der zweithöchste Berg des gesamten Bayerwaldes. Unweit des Rachel entspringt die Ilz, die das westliche Kreisgebiet in südlicher Richtung durchfließt und in Passau in die Donau mündet.

Nachbarkreise Nachbarkreise bzw. Verwaltungsgebiete sind im Norden und Osten die tschechischen Kreise Klatovy (Klattau) (Bezirk Pilsen) sowie Prachatice (Prachatitz) und Český Krumlov (Krumau) (beide Bezirk Südböhmen), im Südosten der österreichische Bezirk Rohrbach (Oberösterreich), im Süden der Landkreis Passau, im Westen der Landkreis Deggendorf und im Nordwesten der Landkreis Regen.

Geschichte Bis 1800 Wie in vielen Mittelgebirgen im Süddeutschen Raum beginnt die eigentliche Geschichte des Gebiets des heutigen Landkreises Freyung-Grafenau mit der Besiedelung im Mittelalter. Entgegen der weit verbreiteten Meinung, der Bayerische Wald sei schon seit der Steinzeit spätestens aber seit den Kelten bewohnt, ist dies archäologisch nicht nachzuweisen. Zwar zeugen gefundene Silexabschläge und Tonscherben vielerorts von der Anwesenheit von Menschen in prähistorischer Zeit, für dauerhafte Siedlungen aber fehlen gesicherte Hinweise. Viele Silex- (Feuerstein) Bruchstücke wurden seit dem Mittelalter bei der Düngung der Äcker mit Kalk auf die Felder gebracht. Die zahlreichen Funde von Stein- und Bronzebeilen weisen auf den Brauch hin, derartige Beile („Donnerkeile“) als Abwehrzauber gegen Blitz an exponierter Lage in Häusern und Ställen aufzubewahren. Sie wurden zu diesem Zweck von weit her gehandelt und teilweise von Hausierern verkauft. Fest steht, dass schon früh Handelswege in Richtung Böhmen durch den Bayerischen Wald führten. Im Mittelalter wurde hauptsächlich Salz auf den Handelsrouten nach Böhmen transportiert. Diese so genannten „Goldenen Steige“ gehörten bis in die frühe Neuzeit zu den bedeutendsten Handelswegen im süddeutschen Raum.

Bis ins 11. Jahrhundert galt der so genannte „Nordwald“, also das Gebiet zwischen Donau, Rachel und Dreisessel als Königsgut. 1010 gelangte das Gebiet östlich der Ilz durch Schenkung als Rodungsland an das Reichskloster Niedernburg in Passau, mit dem es um die Wende des 13. Jahrhunderts an die Passauer Bischöfe fiel.

Die Passauer Fürstbischöfe hatten großes Interesse daran, diese bis dahin recht dünn besiedelte, dicht bewaldete Region urbar zu machen, und förderten deshalb die Rodungs- und Siedlungsarbeit. Dies schlägt sich in zahlreichen Ortsnamen nieder, die auf -reut (roden) enden. Die Grenzen zu den Nachbarn Bayern, Österreich und Tschechien waren jahrhundertelang umstritten. Erst unter Fürstbischof Kardinal Leopold Ernst Graf von Firmian konnten 1767 die Grenzen nach Böhmen verbindlich festgelegt werden. Diesem Bischof gelang auch der Rückkauf der seit dem 15. Jahrhundert verpfändeten österreichischen Herrschaft Rannariedl mit dem Gebiet der Sieben Künischen Dörfer.

Hauptort des Abteilandes war lange Zeit der Markt Waldkirchen, der direkt an einem der Hauptwege des Golden Steiges lag.

Die fürstbischöflichen Burgen Fürsteneck und Wolfstein, beide um 1200 unter Fürstbischof Wolfger von Erla zur Sicherung der Landesgrenzen angelegt, wurden im 14. Jahrhundert Sitze der fürstbischöflichen Pfleggerichte, denen auch die Märkte Perlesreut und Freyung unterstanden. Eine gerichtliche Sonderstellung konnte dagegen Waldkirchen wahren. Als einziger Ort der Region wurde der Markt 1460–1470 mit einer Ringmauer befestigt. Reste dieser Mauer sind noch heute vorhanden.

Mit der Säkularisation 1803 wurde das Hochstift Passau aufgelöst und fiel zunächst an das Großherzogtum Salzburg-Toskana. Kurz darauf 1806 fiel dieses Gebiet an das neugegründete Königreich Bayern.

Das Gebiet westlich der Ilz, ursprünglich ebenfalls Königsland, war seit 1000 ein Bestandteil der formbachischen Grafschaft Windberg. Als die Formbacher um 1180 ausstarben, fiel das Gebiet an die Grafen von Andechs-Meranien, von denen es 1207 das Hochstift Passau erwarb. Passau teilte die Grafschaft und gab im selben Jahr das Land am Oberlauf der Ilz mit der Burg Bärnstein den Halsern als Lehen. Diese gründeten noch im 13. Jahrhundert den Markt Schönberg und vergaben einzelne Güter und Rodungsbereiche ihren eigenen Dienstleuten.

1375 starben die Grafen von Hals aus. Haupterbe war Landgraf Johann von Leuchtenberg, der ‚im Asang’, einer Brandrodung, den Markt Grafenau anlegen ließ. Auf sein Betreiben und seine Fürsprache hin, verlieh Kaiser Karl IV. dem noch jungen Markt 1376 die Stadtrechte. 1396 stiftete der Leuchtenberger das Kloster Sankt Oswald. Es lag an einem später ‚Gulden Straß’ genannten Handelsweg, der zuerst von Passau-Hals, teilweise von Vilshofen über Grafenau nach Westböhmen führte. 1417 verkauften die Leuchtenberger ihre Ämter Ranfels und Bärnstein mit der Stadt Grafenau und dem Markt Schönberg an die Ortenburger, von denen sie 1438 die Bayernherzöge erwarben. Diese teilten das Grafenauer Land ihrem Rentamt Straubing zu und setzten in den Burgen Bärnstein und Dießenstein Pflegrichter ein.

Die Bewohner des Wolfsteiner und des Grafenauer Landes gingen über Jahrhunderte territorialgeschichtlich getrennte Wege. Dem Volk ist die alte Grenze zwischen „Bayern“ und „Bistümlern“ noch lange bewusst geblieben. Gemeinsam hatten sie jedoch immer ihre ausgeprägte Liebe zu ihrem Wald und ein Erwerbsleben, das hauptsächlich gekennzeichnet war von Landbau, Viehwirtschaft und Waldarbeit sowie seit dem 15. Jahrhundert Arbeitsverhältnissen in Waldglashütten, planmäßiger Holznutzung mit Holztrift (seit dem 18. Jahrhundert) und Holzver- bzw. -bearbeitung. Im 19. Jahrhundert erreichten endlich die Eisenbahnen und neue Straßenbauten das Waldland, verbanden dieses mit der Welt und leiteten eine bescheidene Industrialisierung ein.

Landgerichte 1806 wurde der Landgerichtsbezirk Wolfstein mit Sitz auf Schloss Wolfstein in der Landgemeinde Ort eingerichtet. 1811 entstand das Landgericht Grafenau. Sie gehörten beide zum Unterdonaukreis (ab 1838 Niederbayern). Die Trennung der administrativen und juristischen Aufgaben dieser Landgerichte älterer Ordnung ließ die Bezirksämter (ab 1862) und die Amtsgerichte (Umbenennung erfolgte 1879) entstehen.

Bezirksämter Von 1862 bis ins 20. Jahrhundert umfasste der jetzige Landkreis Freyung-Grafenau die beiden Bezirksämter Wolfstein und Grafenau. Im Zuge der Staatsvereinfachung in Bayern wurden zum 1. April 1932 die Regierungen Niederbayerns und der Oberpfalz zusammengelegt. Verwaltungssitz des neu gegründeten „Kreises Niederbayern und Oberpfalz“ wurde Regensburg.Michael Unger: Vereinfachung der Staatsverwaltung (Weimarer Republik), publiziert am 8. Juli 2006 in: Historisches Lexikon Bayerns, abgerufen am 6. Februar 2018.

Landkreise Grafenau und Wolfstein Am 1. Januar 1939 wurde wie sonst überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Grafenau und Wolfstein.

Bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten die ersten Sommerfrischler den Bayerischen Wald. Doch erst mit Gründung des Nationalparks Bayerischer Wald im Jahr 1970 nahm der Tourismus in den Landkreisen Wolfstein und Grafenau deutlich zu. Er zählt heute zu den wichtigsten Erwerbszweigen der Region.

Mit Inkrafttreten der Bayerischen Verfassung von 1946 (BV) wurden die Regierungsbezirke (Kreise) gemäß Art. 185 BV in der Form von vor 1932/33 formal wiederhergestellt. 1959 wurde entsprechend der Vorgabe des Artikels 185 der Regierungsbezirk Niederbayern (mit seiner Regierung in Landshut) als eigenständiger Regierungsbezirk wiedererrichtet.

Bestrebungen zur Verwaltungsvereinfachung der Bezirksämter des unteren Bayerischen Waldes gab es schon im vorigen Jahrhundert. Im Jahr 1959 war dann erstmals eine Zusammenlegung der Landkreise Grafenau und Wolfstein im Gespräch. Zehn Jahre später begann die Planung der „Kommunalen Neugliederung“ in Bayern.

mini|Landratsamt Freyung-Grafenau Landkreis Freyung-Grafenau Nach Zustimmung des Landtags verfügte die Bayerische Staatsregierung mit Rechtsverordnung vom 27. Dezember 1971 die Zusammenlegung der Landkreise Grafenau und Wolfstein am 1. Juli 1972 zum neuen Landkreis Freyung. Am 11. Juni 1972 wählte die Bevölkerung die 50 neuen Kreisräte sowie den bisherigen Landrat des Altlandkreises Wolfstein, Franz Schumertl, zum neuen Landrat.

Am 27. Oktober 1972 entschied der Kreistag des neuen Landkreises in seiner dritten öffentlichen Sitzung in Grafenau mit 33 zu 15 Stimmen den von der CSU-Fraktion vorgeschlagenen neuen Landkreisnamen Freyung-Grafenau. Die Namensänderung trat am 1. Mai 1973 in Kraft. Als Sitz der Landkreisverwaltung wurde die Stadt Freyung, bisher Sitz der Landkreisverwaltung Wolfstein, bestimmt.

Durch die Öffnung des Eisernen Vorhangs in Richtung Tschechien im Jahr 1989 rückte der Landkreis von der Grenzlage in eine zentralere Position. So wurde kurz darauf der Nachbar-Nationalpark Šumava gegründet, welcher gemeinsam mit dem Nationalpark Bayerischer Wald eines der größten Waldgebiete Europas bildet. Auch die Transitverbindung zwischen Deutschland und Tschechien durch den Landkreis nahm deutlich zu. Besonders seit dem EU-Beitritts Tschechiens 2004 und dem Wegfall der Grenzkontrollen 2007 sind die wirtschaftlichen Verflechtungen stark gestiegen.

Durch eine Wahlkreisreform verlor der Landkreis 2003 seinen direkt gewählten Landtagsabgeordneten. Ein Großteil des Landkreisgebietes wurde mit dem Landkreis Regen zu einem Wahlkreis vereinigt, der südöstliche Teil wurde dem Stimmkreis Passau-Ost zugeteilt. Der direkt gewählte Abgeordnete des Stimmkreises Regen, Freyung-Grafenau ist seitdem Helmut Brunner. In der Legislaturperiode von 2003 bis 2008 zog Helga Weinberger über die CSU-Bezirksliste in den Landtag. 2008 wurde der ehemalige Landrat Alexander Muthmann über die Freie Wähler-Bezirksliste in den Landtag gewählt.

Einwohnerentwicklung rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Freyung-Grafenau (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Freyung-Grafenau, Alter und Geschlecht.)

Von 1988 bis 2008 wuchs der Landkreis Freyung-Grafenau um ca. 4000 Einwohner bzw. um rund 5 %. Seit 2002 ist die Tendenz nach einem Höchststand von rd. 82.500 Einwohnern rückläufig. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Landkreis von 75.941 auf 78.355 um 2.414 Einwohner bzw. um 3,2 %. In den meisten Gemeinden konnte sich der Zuwachs der 1990er Jahre nicht halten und sank seit den 2000er Jahren kontinuierlich. Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 Einwohner 40.717 48.294 57.292 75.499 67.870 72.402 75.564 79.782 81.861 82.434 81.582 79.293 78.122

Politik Kreistag Die Kreistagswahl 2026 führte zu folgendem Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2020 2014 2008 2002 1996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % SitzeCSUChristlich-Soziale Union in Bayern32,82035,02136,12232,32134,92236,624AfDAfD Bayern15,896,54––––––––FWFreie Wähler Bayern11,2710,5610,469,9610,268,75CWG–FWChristliche Wählergemeinschaft – Freie Wähler9,8611,9714,8914,3912,489,66SPDSPD Bayern7,549,4613,9814,3917,71021,013JWUJunge Wähler Union7,447,048,158,457,047,54GrüneGrüne Bayern5,846,545,434,423,925,53BPBayernpartei4,736,246,545,637,245,93ÖDPÖkologisch–Demokratische Partei2,924,124,834,425,233,62FDPFDP Bayern2,113,02––4,12––––REPDie Republikaner––––––2,311,61––gesamt100,060100,160100,060100,060100,16098,460Wahlbeteiligung68,9 %68,7 %66,6 %68,3 %72,0 %74,4 %

Landräte