Der Opal ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“. Als amorpher Festkörper besitzt Opal (ähnlich wie Glas) keine Kristallstruktur und tritt meist als massige Adernfüllung oder knollig ausgebildet auf.
Opale werden ausschließlich zu Schmucksteinen verarbeitet.
Etymologie und Geschichte Das Wort Opal wurde aus dem Lateinischen opalus beziehungsweise dem Griechischen ὀπάλλιος opallios für ‚kostbarer Stein‘ entlehnt und geht vermutlich auf upala aus dem Sanskrit zurück. Laut Allan W. Eckert in dessen Werk The World of Opals wurden damit verschiedene Gesteine bezeichnet, während die frühen Magyaren Opalminen opálbánya nannten.
Opale galten bereits in der Antike als besonders wertvolle Edelsteine, die teilweise sogar höher als der Diamant bewertet wurden. Plinius der Ältere schrieb dazu: „[…] ihm ist ein Feuer eigen, feiner des im Carbunculus, er besitzt den purpurnen Funken des Amethystes und das Seegrün des Smaragdes und eine überhaupt unglaubliche Mischung des Lichts“ (Naturalis historia 37,21).
Klassifikation In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Opal zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung „MO2- und verwandte Verbindungen“, wo er zusammen mit dem bisher als fragliches Mineral geltenden Lechatelierit die „Lechatelierit-Opal-Gruppe“ mit der System-Nr. IV/D.01c bildete.
Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. IV/D.01-080. In der „Lapis-Systematik“ entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Oxide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Sauerstoff = 1 : 2 (MO2 und verwandte Verbindungen)“, wo Opal zusammen mit Bosoit, Chibait, Coesit, Cristobalit, Lechatelierit, Melanophlogit, Mogánit, Quarz, Seifertit, Stishovit, Tridymit die „Quarzreihe“ mit der System-Nr. IV/D.01 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Opal ebenfalls in die Klasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort in die Abteilung der „Metall : Sauerstoff = 1 : 2 und vergleichbare“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und der Verwandtschaftsbeziehung der Minerale bzw. der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit kleinen Kationen: Kieselsäure-Familie“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Tridymit die „Opalgruppe“ mit der System-Nr. 4.DA.10 bildet.
Im Gegensatz zu den Strunz’schen Systematiken ordnet die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana den Opal in die Klasse der „Silikate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikatminerale“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 75.02.01 innerhalb der Unterabteilung „Gerüstsilikate: tetraedrisches Si-Gitter, SiO2 mit H2O und organischen Molekülen“ zu finden.
Eigenschaften Chemische und allgemeine physikalische Eigenschaften Als eines der wenigen amorphen Minerale besteht Opal aus hydratisiertem Kieselgel mit der allgemeinen chemischen Zusammensetzung SiO2·nH2O. Der Wassergehalt beträgt meist zwischen 4 und 9 Prozent, kann aber bis etwa 20 Prozent erreichen. Opale können durch Fluorwasserstoffsäure und Kalilauge aufgelöst werden. Opal schmilzt beim Erhitzen über offener Flamme nicht, sondern wird matt und knistert.
Optische Eigenschaften Viele Opale werden aufgrund ihres buntfleckigen, schillernden Farbenspiels als Schmucksteine verwendet. Dieses sogenannte Opalisieren tritt vor allem bei Edelopalen auf. Es entsteht durch Reflexion und Interferenz der Lichtstrahlen zwischen den Kügelchen aus Kieselgel, die zwischen 150 und 400 Nanometer groß sind. Bei Edelopalen sind diese Kieselgelkugeln etwa gleich groß und liegen in regelmäßiger Anordnung und dicht gepackt vor.
Der ähnlich klingende Ausdruck Opaleszenz bezeichnet einen milchig-bläulichen, dem Perlglanz ähnlichen optischen Effekt der gemeinen Opale.
Vom Farbspiel zu unterscheiden ist die jeweilige Grundfarbe der Opale. Verbreitet sind Schwarz, Weiß, Grau, Blau, Grün und Orange. Die Grundfarbe ist unabhängig vom Farbenspiel und hängt unter anderem von der chemischen Zusammensetzung der Gesteine ab, in denen die Opale entstanden sind. Einen Einfluss haben im Umgebungsgestein enthaltene chemische Elemente wie Eisen, Cobalt, Kupfer, Nickel, Silber.
Varietäten Das Kieselgel selbst ist farblos oder allenfalls schwach gefärbt. Farblose oder wasserklare Varietäten werden entsprechend als Glas- oder Milchopal bezeichnet. Durch verschiedenfarbige Verunreinigungen kann der Opal aber dennoch alle möglichen dunkleren Grundfarben, auch Körperfarbe genannt, annehmen. Graue, bernsteingelbe, rote, braune und seltener schwarze Varietäten kommen vor. In der Schmuckindustrie wird zwischen Edelopalen und Gemeinen Opalen unterschieden.
Angel-Skin-Opal ist dagegen eine irreführende Bezeichnung für ein dem Opal ähnliches Mineral namens Palygorskit von weißer bis rosiger Farbe.
Eine spektakuläre, aber äußerst seltene Varietät sind die sogenannten „Pineapple Opale“ (auch Opal-Pineapple), igel- bzw. ananasförmige Pseudomorphosen von Opal nach Ikait, die bisher nur in Opalfeldern nahe White Cliffs und Andamooka in Australien gefunden wurden.
Edelopal und dessen Handelsnamen mini|Edelopal mit vollem Farbenspiel und Feueropal auf einer Stufe Allgemein werden Opale mit lebhaftem, opalisierendem Farbenspiel in Edelsteinqualität als Edelopale bezeichnet. Im Gegensatz dazu haben Gemeine Opale, die in Australien potch genannt werden, kein Farbenspiel. Eine Besonderheit bilden die Feueropale aus Mexiko, die ohne Farbenspiel eine einheitliche durchsichtige Farbe zeigen und zu den Edelopalen zählen.
Das Hauptvorkommen des seltenen Schwarzen Opals liegt bei Lightning Ridge (New South Wales in Australien), vor allem in den Opalfeldern Coocoran, Grawin und Glengarry. Weitere größere Fundorte in Australien sind Mintabie in South Australia, kleinere Funde sind ebenfalls aus Coober Pedy und Andamooka bekannt. Neuere Funde stammen aus der Stayish Mine in Äthiopien. Unterschieden wird neben dem Schwarzen Opal der Schwarze Kristallopal, der bis zu einem gewissen Grad durchsichtig ist. Daneben gibt es den Dunklen Opal, der auch bei Durchlicht dunkel bleibt, und den Hellgrauen Opal. Die Vorkommen dieser Varietäten liegen vor allem bei Mintabie, sie werden dort gefunden, wo Schwarze Opale vorkommen.
Helle Opale wurden früher Weiße Opale genannt. Die Vorkommen liegen in South Australia bei Coober Pedy, Mintabie, White Cliffs und auch in Brasilien. Die hellen Edelopale werden in Heller Kristallopal und Jelly-Opal unterschieden.
Ein Girasol-Opal ist ein fast farbloser, durchsichtiger Edelopal mit einem bläulichen Schimmer. Die oft verwendete Kurzbezeichnung Girasol ist als Handelsname irreführend, da sich dahinter verschiedene Mineral-Varietäten verbergen können, so unter anderem ein Bergkristall mit milchigem Lichtschimmer (auch Girasol-Quarz) und ein Saphir-Katzenauge (auch Girasol-Saphir oder Orientalischer Girasol).
Eine Besonderheit sind die Opale im australischen Queensland, die unter Boulder-Opal zusammengefasst werden. Es gibt Boulder-Matrix-Opale, die mit dem limonitischen Gestein verbunden, und Yowah-Nuss-Opale, die von einer eisenhaltigen Schale umschlossen sind. Heller, Dunkler und Black Boulder haben das entsprechende Farbenspiel im Gestein. Daneben gibt es den Boulder-Split, einen in Lagerrichtung aufgespaltenen Opal mit identischem Farbmuster.
Die Feueropale aus Mexiko (Jalisco bei Magdalena) und Brasilien (Rio Grande do Sul bei Campos Burgos und Piauí bei Pedro II) gibt es mit und ohne Farbenspiel; die mit Farbenspiel werden für den Handel meist facettiert.
Die Dendritenopale, auch Moosopale genannt, sind durch vielfältige Farben gekennzeichnet. Sie werden in Niederösterreich (Dobersberg), Tschechien (Český Krumlov), Sambia (Lake Kariba), Peru und in Western Australia bei Norseman gefunden. Sie zählen bei vorhandenem Farbenspiel zu den Edelopalen.
Sehr begehrt, äußerst selten und kostbar ist der Harlekin-Opal, bei dem das Farbmuster aus einzelnen Farbflecken nahezu gleich groß sind und rechtwinklig zueinander stehen. Die Farbflecken besitzen jeweils einen charakteristischen „Rolling-Flash-Effekt“ (brillante Farben, die über die Oberfläche des Opals rollen). Funde mit diesem Muster werden überwiegend in den Lagerstätten um Lightning Ridge getätigt.
Häufig werden Opale nach ihren Fundorten benannt, beispielsweise der Lightning-Ridge-Schwarzopal, der Mexikanische Schwarzopal, der Andamooka-Kristallopal oder der Andenopal.
Gemeiner Opal mini|Hyalit-Glas auf Matrix aus Valeč v Čechách mini|Geyserit Zu den Gemeinen Opalen, die auch als „Halbopal“ bezeichnet werden, zählt der Hyalit (von griech. hyalos=Glas) oder auch Glasopal, der als einfacher, wasserklarer Opal mit traubig-nieriger bis krustenförmiger Ausbildung kein Farbenspiel zeigt.
Der ebenfalls den Gemeinen Opalen zugerechnete Hydrophan (aus dem Griechischen: hydor (Wasser) und phanos (scheinen)) oder auch Milchopal entsteht durch alterungsbedingten Wasserverlust aus Edelopal und ist milchigweiß mit nur noch mattem Glanz und schwacher Opaleszenz. Durch Wasseraufnahme wird er für kurze Zeit wieder durchsichtig und erhält sein volles Farbenspiel. Der Stein hieß bei den alten Mineralogen auch Weltauge (oculus mundi). Für eine Nutzung als Schmuck ist er ohne Bedeutung, man kann ihn aber in einer Flüssigkeit als Verzierung verwenden.
Holzopal schließlich entstand durch Verkieselung von Holz und ist von gelblicher bis bräunlicher Farbe.
Weitere zu den Gemeinen Opalen gehörende Varietäten sind der gebänderte Achatopal, der durch Eisenverbindungen rötliche bis braune Jaspopal, der gelbliche Honigopal, der porzellanähnliche, perlmuttglänzende Kascholong (Cacholong, Porzellanopal), der Moosopal mit seinen dendritischen Strukturen, der grüne und oft als Imitation für den Chrysopras verwendete Prasopal (Chrysopal) und der gelblichbraune, wachsglänzende Wachsopal.
Als Kieselsinter oder Geyserit werden lockere, feinkörnige Opal-Krusten (Kieselsinter) bezeichnet, die sich durch die Tätigkeit von Thermalquellen und Geysiren absetzen.
Kieselgur ist die einzige technisch verwendete Varietät. Als lockeres Aggregat mit feinen Poren ist er sehr saugfähig und wärmedämmend und wird daher im Bauwesen eingesetzt.
Bildung mini|hochkant=1.2|Opalisiertes Belemnitenrostrum aus der Oberkreide von Coober Pedy, ca. 95 Mio. Jahre alt Opale bilden sich durch kieselsäurehaltige Flüssigkeitsansammlungen in unterschiedlichen Gesteinen. Sie entstehen entweder in Sedimentiten oder hydrothermal in Vulkaniten wie beispielsweise im Tuff, aber auch durch Sedimentation in organischem Material, wodurch unter anderem Holzopal entsteht. Begleitmineral ist der Chalcedon.
Sedimentär gebildete Opale