Der Vierwaldstättersee (, , , ) ist ein von Bergen der Voralpen umgebener Alpenrandsee in der Zentralschweiz. Er liegt auf dem Gebiet der Kantone Uri, Schwyz, Unterwalden (d. h. Nid- und Obwalden) und Luzern. Die grössten Orte am Ufer sind Luzern, Küssnacht, Horw und Brunnen. Der See ist rund 114 km² gross, liegt auf einer Höhe von und ist 214 m tief. Da es sich um einen charakteristischen Zungenbeckensee mit mehreren Zweigbecken handelt, ist die Uferlänge im Bezug zur Seefläche mit etwa 150 km relativ gross.

Name Seinen Namen hat der Vierwaldstättersee von den vier an ihn angrenzenden Waldstätten (heutige Kantone). Bis ins 16. Jahrhundert wurde die Bezeichnung Luzerner See verwendet, die auch heute in verschiedenen Sprachen – beispielsweise im Englischen als Lake Lucerne – vorkommt.

Entstehung Der Vierwaldstättersee entstand in den Eiszeiten, u. a. der letzten Eiszeit, durch Erosion des Reussgletschers. Der See bildete sich als Gletscherrandsee am Ende der Eiszeit vor rund 12'000 Jahren. Im Gletschergarten Luzern zeigt eine Dokumentation die Geschichte der Alpen, der Eiszeiten und der Gletscher in den Zentralalpen.

Geographie Zuflüsse Zuflüsse des Vierwaldstättersees

Die Hauptzuflüsse des Vierwaldstättersees sind die Reuss mit der Einmündung zwischen Flüelen und Seedorf, die Engelberger Aa zwischen Buochs und Ennetbürgen, die Sarneraa bei Alpnachstad und die Muota bei Brunnen. Die Reuss fliesst mit einem starken Gefälle aus dem Gotthardmassiv und führt grosse Mengen Geschiebe mit sich, so dass sich das Reussdelta im Laufe der Zeit um 10 km nach Norden in den Urnersee hinein erweitert hat.

Im Urnersee im Bereich des Reussdeltas zwischen Flüelen und Seedorf wurde von 2001 bis 2005 mit dem Ausbruchmaterial des Umfahrungstunnels Flüelen und des Gotthard-Basistunnels der Seegrund teilweise wieder aufgeschüttet. Es entstanden Flachwasserzonen, die durch den Kiesabbau verschwunden waren, und einige neue Inseln: die Neptun-Inseln und die Inselgruppe Lorelei. Einige der Inseln sind Vogelschutzgebiet.. In: reussdelta.ch. Abgerufen am 11. August 2016 (PDF; 486 kB). Im Naturschutzgebiet erlaubt der Reussdeltaturm die Beobachtung der Fauna.

Kleinere in den Vierwaldstättersee einmündende Gewässer sind der Gruonbach, der Isentalerbach, der Riemenstaldnerbach, der Choltalbach von Emmetten, der Lielibach bei Beckenried, der Teuffibach, der Mehlbach, die Kleine Schlieren bei Alpnachstad, zehn Bäche am Ostabhang des Pilatus (darunter Mühlebach, Steinibach bei Horw, Widebach, Fridbach, Feldbach und Steinibach bei HergiswilAlfred Helfenstein: Das Namengut des Pilatusgebietes. Keller, Luzern 1982, ISBN 3-85766-004-X, S. 53.) und der Würzebach in Luzern.

Gliederung mini|Blick von Morschach nach Norden. Auf dem See die Uri. mini|Buochser Bucht mini|Blick von Weggis über das Weggiserbecken in Richtung Vitznau. Im Vordergrund die DS Uri. mini|Rad-/Fussweg am Vierwaldstättersee mini|Der Vierwaldstättersee bei Luzern mini|Bürgenstock Kehrsiten

Der Vierwaldstättersee besteht aus mehreren Seebecken und Buchten: Der Urnersee erstreckt sich von der Einmündung der Reuss bei Seedorf 11 km in nördlicher Richtung bis nach Brunnen. Der Gersauer See (auch Gersauer Becken oder Gersauerbecken) führt 14 km von Ost nach West von Brunnen nach Ennetbürgen, wo die Engelberger Aa in den See mündet. In der Mitte zwischen Beckenried und Gersau erreicht der See mit 214 m Tiefe seine tiefste Stelle. Im Gersauer Becken besteht eine Unterteilung durch die Chindli-Moräne, eine über 150 Meter hohe Schwelle. Der östlich davon gelegene Teil wird auch Treib-Becken genannt.So haben Sie Schweizer Seen noch nie gesehen Der Chrüztrichter (Kreuztrichter) bildet im Westen des Weggiserbeckens das eigentliche Zentrum des nördlichen Seeteils. Von ihm zweigen vier Hauptarme (Trichter) ab: Das Weggiserbecken (östlicher Arm des Kreuztrichters) liegt südlich von Weggis und verläuft von Ost nach West. Es führt zwischen Hertenstein im Norden und dem Bürgenstock im Süden hin zur Seemitte. Es wird auch Vitznauerbecken genannt. Der Stanser Trichter (südwestlicher Arm des Kreuztrichters). Im Südwesten davon liegen die Horwerbucht und der Alpnachersee, der zwischen Acheregg und Stansstad durch eine nur 100 Meter breite Engstelle, über die eine Brücke führt, vom restlichen See abgetrennt wird und am Südfuss des Pilatus liegt. Der Küssnachtersee (nordöstlicher Arm aus dem Kreuztrichter) zweigt zwischen Hertenstein und Meggenhorn in nordöstlicher Richtung nach Küssnacht, am Nordrand des Rigimassivs gelegen, ab. Der relativ kurze Luzernersee (auch Luzerner Bucht) ist zugleich nordwestlicher Arm des Kreuztrichters und Schlussteil des Sees. Er verläuft nach Nordwesten nach Luzern.

Dreikantonsecken Dreikantonsecken finden sich im Gersauer Becken (Kantone Nidwalden, Schwyz und Uri) und bei der Seeenge Nas (Kantone Luzern, Nidwalden und Schwyz) .

Abfluss In Luzern verlässt die Reuss den See, kontrolliert mit einem Regulierwehr, und fliesst durch das Mittelland zur Aare.

Strömungen Durch das verhältnismässig warme Wasser der Reuss und den Föhn, der das Wasser ständig umschichtet, ist der Urnersee am Grund wärmer und leichter als das Wasser im Gersauer Becken. Durch diesen Temperaturunterschied strömen jeden Frühling gewaltige Wassermassen vom Gersauer Becken in die Tiefen des Urnersees. Ähnliche Tiefenwasserströmungen bestehen auch vom Alpnachersee in das Gersauer Becken.. In: 4waldstaettersee.ch.

Wasserqualität und Temperaturen Das Wasser bleibt durchschnittlich dreieinhalb Jahre im Seebecken und hat Trinkwasserqualität. Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Limnologie der Eawag überwacht die Wasserqualität. Im Sommer erreicht der See eine Temperatur von 22 °C. 1929 und 1963 froren der Alpnachersee und die Luzerner Bucht zu. Aus dem 17. und 19. Jahrhundert sind Vereisungen des ganzen Vierwaldstättersees dokumentiert. 1684 und 1685 konnte das Gersauer Becken auf dem Eis überquert werden.

Klima und Vegetation Das Klima rund um den föhnbegünstigten und von Bergen geschützten Vierwaldstättersee ist im Vergleich zu anderen Regionen der deutschsprachigen Schweiz relativ mild; die Vegetation gleicht zum Teil derjenigen des Kantons Tessin. Die mittlere Tageshöchst-/-tiefsttemperatur beträgt in Luzern 2,6 °C (Januar) und 23,5 °C (Juli). In Altdorf südlich des Sees liegen die Werte bei 3,9 °C im Januar und 23,0 °C im Juli (Klimamittel der Jahre 1961–1990).. MeteoSchweiz. An den Seeufern wachsen Hanfpalmen, Feigen, Yuccas, Zypressen, Opuntien, Edelkastanien und andere südländische Pflanzenarten.

Die Edelkastanien wurden bis ins 19. Jahrhundert wirtschaftlich als Nahrungsmittel genutzt. Mit der Verbreitung der Kartoffel nahm die Bedeutung der Kastanie jedoch ab. Noch heute findet in Greppen regelmässig ein Kastanienmarkt, die sogenannte Chestene-Chilbi, statt. An den Marktständen werden Kastanienprodukte und regionale Spezialitäten angeboten.

Naturgefahren Nach dem Erdbeben vom 18. September 1601 entstanden Tsunamis im Vierwaldstättersee mit vermutlich bis zu 4 Meter hohen Flutwellen.Noah Businger: Tsunamis auf dem Vierwaldstättersee. Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 17. März 2026. Staatsarchiv Luzern. Ein weiteres solches Ereignis soll im Jahr 1687 stattgefunden haben. Auch vom Genfersee ist ein Binnentsunami-Ereignis aus dem Jahr 563 bekannt, und vom Lauerzersee aus dem Jahr 1806.Tsunami. Nationale Plattform Naturgefahren PLANAT.

Die Folgen der allgemeinen Erderwärmung in den Alpen werden auch für den Vierwaldstättersee und seine Umgebung diskutiert. Das Hochwasser 2005 mit diversen Muren und Erdrutschen könnte als Warnsymptom verstanden werden.In: Neue Luzerner Zeitung. 19. August 2006

Seit 1861 wird der Wasserspiegel des Vierwaldstättersees durch die Reusswehranlage in Luzern etwa zwei bis drei Meter über dem natürlichen mittleren Wasserstand gehalten.. Kanton Luzern – Verkehr und Infrastruktur, abgerufen am 3. August 2018.

Verkehr Schifffahrt Auf dem See verkehren die Schiffe der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) zu den zahlreichen Schiffstationen. Bis zum Bau der Axenstrasse in den Jahren 1863 bis 1865 war der Wasserweg die einzige aus dem Norden mögliche Verbindung zum Kanton Uri, zum Gotthardpass und damit auch der einzige Weg von den Städten im Nordwesten Europas nach Mailand und zu den italienischen Häfen am Mittelmeer. Das gilt auch für die Pilgerwege des Mittelalters nach Rom. Noch heute verkehren auf dieser Strecke die grossen Raddampfer der SGV Stadt Luzern (das Flaggschiff der SGV), Uri, Unterwalden, Gallia und Schiller.

Zwischen Beckenried und Gersau verkehrt die Autofähre Beckenried–Gersau.Website der Autofähre Vierwaldstättersee. Auf dem See fahren ausserdem Lastschiffe privater Transportunternehmen.

Beim Zusammenstoss des Nauens Schwalmis mit dem Motorschiff Schwalbe vor Horw starben am 12. Oktober 1944 zwanzig Gäste einer 33-köpfigen Hochzeitsgesellschaft aus der Region Entlebuch. Die Unfallursache konnte nicht restlos geklärt werden.Dominique Rais: «Mein Opa versuchte noch, seine Braut zu retten». In: Blick.ch. 12. Oktober 2019.Bis dass der Tod euch scheidet. In: SRF DOK. Doku-Drama, 18. November 2020 (YouTube). Es war das bislang grösste Unglück der Schweiz mit einem motorisierten Schiff.

Schiffländen

Orte mit Schifflände der Personenschifffahrt, nach Seeteil, dann von Süden nach Norden, grossteils von der SGV bedient: