Das Verkehrshaus der Schweiz (auch Verkehrshaus Luzern, englisch Swiss transportation museum) ist ein Verkehrsmuseum in Luzern und das meistbesuchte Museum der Schweiz: Es sammelt und bewahrt bedeutende Technik, Fahrzeuge und Objekte zur Verkehrsgeschichte der Schweiz und präsentiert diese in interaktiven Ausstellungen zu den Bereichen Schienenverkehr, Strassenverkehr, Wasserverkehr, Luft- und Raumfahrt, Tourismus, Energie und Kommunikation. Auf dem Gelände befindet sich zudem das Hans Erni Museum. Neben dem Verkehrsmuseum beherbergt das Verkehrshaus auch ein Planetarium, das «Filmtheater» und das «Swiss Chocolate Adventure». Betreiber ist der Verein Verkehrshaus der Schweiz.
Geschichte mini|Luftbild des Verkehrshauses (1972) Die Gründung des Verkehrshauses ging auf den Wunsch zurück, ein Eisenbahnmuseum in der Schweiz zu schaffen. Im Jahr 1942 wurde der Verein Verkehrshaus der Schweiz mit Sitz in Zürich gegründet, dem neben SBB und PTT, Privatbahnen und Verkehrsorganisationen auch grosse Unternehmen aus Handel, Industrie und Tourismus angehörten. Da aber in Zürich kein geeignetes Gelände für das geplante Museum gefunden werden konnte, bot die Stadt Luzern dem Verein ein 22'500 m² grosses Gelände beim Lido an, unmittelbar am Vierwaldstättersee.
Im Jahr 1957 begannen die Bauarbeiten. Der Bau wurde finanziell durch den Bund sowie die Stadt und den Kanton Luzern unterstützt. Am 1. Juli 1959 wurde das Verkehrshaus der Schweiz eröffnet; es wurde schnell zum populärsten Museum der Schweiz. Mitbegründer und Gründungsdirektor war Alfred Waldis. «Egal, wie viele Direktoren noch kommen, Alfred Waldis wird immer Mister Verkehrshaus bleiben», schrieb die Neue Luzerner Zeitung zu dessen Tod.Ein Phänomen ist nicht mehr. In: Neue Luzerner Zeitung, 12. Juli 2013, S. 2.
Einem grösseren Publikum in Deutschland ist das Verkehrshaus durch den Sketch Im Verkehrshaus (1976) des Luzerner Komikers Emil Steinberger bekannt geworden.
Die 2004 gegründete Stiftung Verkehrshaus der Schweiz ist seither Eigentümerin der Sammlungsobjekte. Für die Erweiterung der Sammlung gelten festgelegte Kriterien, um die Mobilitätsentwicklung der Schweiz aufzeigen zu können.
Bei dem Unwetter im Sommer 2005 kam es in der Nacht vom 21. auf den 22. August zu einer Überschwemmung im Museum, die Teile der Ausstellungen überflutete. Die Kellerräume der Abteilungen Schifffahrt und Luftfahrt wurden dabei beschädigt. Meldung der Nachrichtensendung 10vor10 vom 24. August 2005.
2007 wurde der Bahnhof Luzern Verkehrshaus eröffnet.
Architektur Der ursprüngliche Museumsbau wurde 1959 nach zweijähriger Bauzeit nach Plänen des Architekten Otto Dreyer eröffnet. 1969 folgten der Anbau des Planetariums und eines Bürogebäudes nach Entwürfen von Hans U. Gübelin. Ebenfalls von Gübelin stammen die 1972 eröffnete Halle Luft- und Raumfahrt sowie die 1985 fertiggestellte Halle Schifffahrt, Seilbahnen und Tourismus. Das Museum des Künstlers Hans Erni wurde 1979 in Betrieb genommen. 1982 erfolgte eine Erweiterung mit der Halle Schienenverkehr nach einem Entwurf von Uli Huber. Das Architekturbüro Gigon/Guyer entwarf 2008 die Eingangshalle FutureCom, 2009 die Halle Strassenverkehr. 2023 entstand am Standort der ersten Schienenhalle das Mehrzweckgebäude House of Energy.
Direktoren
1957–1979: Alfred Waldis 1979–1985: Arnold Kappler 1986–2002: Fredy Rey 2002–2011: Daniel Suter 2011–2026 Martin Bütikofer seit 2026: Martin Ettlinger
Ausstellungen Das Museum, in dem man viele Gegenstände auch berühren und sich interaktiv beschäftigen kann, besitzt rund 13'000 Objekte. In einem Lager in Rain befinden sich weitere 25'000 Objekte. Das Museum gliedert sich in verschiedene Bereiche:
Schienenverkehr Das Verkehrshaus der Schweiz verfügt über eine umfangreiche Sammlung zum Schienenverkehr. Sie reicht von Dampflokomotiven wie der C 5/6 Nr. 2965 "Elefant" der SBB, dem Tram Vevey-Montreux-Chillon von 1888 der ersten elektrifizierten Bahnlinie der Schweiz, Zahnradbahnen wie dem Dampftriebwagen Bhm 1/2 Nr. 9 von 1889 und dem elektrischen Triebwagen Bhe 1/2 Nr. 21 von 1937 der Pilatusbahn, der Elektrolok Ge 6/6 Nr. 402 "Krokodil" der Rhätischen Bahn von 1921 bis zu zahlreichen weiteren bedeutenden Schienenfahrzeugen.
In der Schienenhalle ist seit Herbst 2024 das Gotthardbahnmodell zurück. Es wurde seit 2020 in einer mehrjährigen Freiwilligenarbeit durch die Modellbaugruppe Gotthard in über 20'000 Stunden weiterentwickelt und auf 32 m verlängert. Bewährtes wurde belassen und Neues wie der Gotthard-Basistunnel, die Luftseilbahn Intschi-Arnisee, die SAC-Leutschachhütte und diverse weitere Details hinzugefügt.
Am 18. Juni 2025 fand die Eröffnung der neuen grossen Ausstellung, das "Bahnerlebnis Schweiz", unter der Projektleitung von Kurator Jean-Luc Rickenbacher statt. Acht interaktive Themeninseln rund um den Schienenverkehr bilden einen roten Faden durch die Schienenhalle. Sie gilt als Meilenstein in der Entwicklung der Bahnausstellung im Verkehrshaus der Schweiz. Höhepunkte sind eine überdimensionierte Schweizer Bahnhofsuhr mit einer digitalen Zeitreise, eine digitale Uniformengarderobe, legendäre Schienenfahrzeuge wie die SBB Re 4/4 II 11108 (1967) Swiss Express (Zug) und das fertiggestellte Gotthardbahnmodell. mini|Parallel nebeneinander aufgestellte Triebwagen (1889 und 1937) der Pilatusbahn
Liste der Schienenfahrzeuge 24px|verweis= Diese Liste ist nicht vollständig. Weitere Nachträge sind willkommen. Elektrolokomotiven BLS Be 5/7 161 (1913) SLM / MFO / BBC, seit 1959 im Verkehrshaus, bei Ablieferung stärkste Elektrolokomotive der Welt RhB Ge 2/4 207 (1913) SLM / BCC, seit 1982 im Verkehrshaus, Déri-Motor RhB Ge 6/6 402, sogenanntes Rhätisches Krokodil (1921), SLM / BBC / MFO SBB Ce 6/8 I 14201 (1919) SLM / BCC, Köfferli-Lok auch SchlotterbeckElektrolokomotive Serie Ce 6/8 I in märklin.de, abgerufen am 25. Februar 2025., seit 2025 im Verkehrshaus, Prototyp der SBB Ce 6/8 II Krokodil-Lokomotiven SBB Re 4/4 II 11108 (1967) SLM / BBC / MFO / SAAS in Swiss Express Farbgebung, seit 2025 im Verkehrshaus, aus der Sammlung SBB Historic BTB De 2/2 2 der Burgdorf-Thun-Bahn (1899) SLM / BBC Triebzüge und Triebwagen
Mockup SBB EC 250 Giruno (2016) mit Führerstandssimulator SBB / Stadler BLS Ce 2/4 727 (1935), damals Bern-Neuenburg-Bahn, Blauer Pfeil oder Chrotteschnurre CFe 2/4 11 (1913), Grütschalp-Mürren-Bahn, elektrischer Triebwagen Bhm 1/2 9 (1889) Pilatusbahn, Dampftriebwagen, Zahnrad System Locher, erste Generation der Triebwagen der steilsten Zahnradbahn der Welt Bhe 1/2 21 (1937) Pilatusbahn, Elektrotriebwagen, Zahnrad System Locher, zweite Generation der Triebwagen der steilsten Zahnradbahn der Welt Dampflokomotiven EB Ed 3/3 3 Langnau (1881) SLM, von 1980 bis 2016 im Verkehrshaus. Ab 2016 Aussenlager Rain, ab 2025 als Leihgabe vom Eigentümer, dem Verkehrshaus, an die DBB abgegeben.LOKI (Zeitschrift) 3/2025, Die Langnau ist zurück in der alten Heimat, Seite 82Eisenbahn Amateur (Zeitschrift) 4/2025, Ed 3/3 Langnau unter Dampf, Seite 200 Ec 2/5 28 Genf (1858) SCB/Maschinenfabrik Esslingen, aus der Sammlung SBB Historic, älteste originale Dampflokomotive der Schweiz HG 3/3 1063, der Brünigbahn (1909) SLM, aufgeschnitten H 1/2 1 der Steinbruchbahn Ostermundigen (1871) SCB / von Roll, erste kombinierte Zahnrad-/Adhäsionslok der Welt SBB C 5/6 2965, genannt Elefant, mit Schlepptender, grösste für die Schweiz hergestellte Dampflokomotive Trams
G 3/3 18 (1894), Berner Tramway-Gesellschaft, Dampftramlok C 4 26 (1894), Berner Tramway-Gesellschaft, Personenwagen Ce 1/2 4 (1888), Tramways Vevey-Montreux-Chillon, genannt Schoggi-Tram, erstes elektrifiziertes Schienenfahrzeug der Schweiz
Rangierloks, Traktoren und Draisinen
SBB/BLS Ta 2/2 3, genannt Tintenfisch, Akkumulatoren-Rangiertraktor Ehemalige, längere Zeit im Verkehrshaus ausgestellte Schienenfahrzeug SBB Ce 6/8 II 13254 (1920) SLM / MFO, von 1982 bis 2025Archive und Sammlungen von SBB Historic, RM_T_0046 Be 6/8 II 13254 (Dokument) in sbbarchiv.ch, abgerufen am 9. Dezember 2024. im Verkehrshaus, Krokodil-Lokomotive, aus der Sammlung SBB Historic
Strassenverkehr mini|Das Schaulager in der Halle Strassenverkehr (2018) An der Fassade der Halle Strassenverkehr sind 344 Signaltafeln aus dem Schweizer Strassenverkehr angebracht. Die Sammlung zum Strassenverkehr zeigt Pferdewagen, Fahrräder, Motorräder und Autos sowie eine Ausstellung zum Thema Verkehrssicherheit. Letztere wurde in Zusammenarbeit mit der bfu realisiert.
Eine Attraktion ist das Autotheater seit 2009, in welchem die Zuschauer in einer Art Fernsehshow eine grosse Auswahl an Fahrzeugen aus allen Bereichen der Autogeschichte präsentiert bekommen. Die ausgewählten Automobile werden dabei mit einem Autolift aus einem Hochregallager geholt und vorgestellt.
Seit Frühling 2020 bestand in der Halle Strassenverkehr eine Ausstellungsinsel zum Thema Logistik. Ein automatisches Kleinteilelager AutoStore, eine animierte Miniaturwelt rund um ein Verteilzentrum, ein Reifenroboter, interaktive Kommissionierstationen und eine virtuelle Reise als Ananas machten Logistik zu einem Erlebnis. Diese wurden 2025 zurückgebaut. Das «Supply Game» zeigt weiterhin auf vier grossen Touchscreens die Lieferkette der Schokolade von Südamerika bis in die Schweiz auf.
Luft- und Raumfahrt mini|Raumfahrt-Ausstellung im Verkehrshaus (2018) mini|Agusta A109 K2 (HB-XWG) (2018) mini|Funkbetrieb an der Amateurfunk-Station HB9O Die Halle Luft- und Raumfahrt wurde am 1. Juli 1972 im Beisein der Astronauten John Glenn und Neil Armstrong eröffnet und stiess auch in den Vereinigten Staaten auf grosses Interesse: Senator Barry Goldwater bezeichnete die neue Ausstellung im Senat der Vereinigten Staaten als gutes Vorbild für das damals in Planung befindliche Smithsonian National Air and Space Museum in Washington, D.C. mini|Meteodrone SUI-9999 Schwerpunkte der aktuellen Luftfahrtausstellung sind die Themen Zivile Luftfahrt, Gebirgs- und Rettungsfliegerei, Schweizer Ingenieurleistungen sowie fliegerischer Nachwuchs. Die Bandbreite der knapp 30 ausgestellten Originalflugzeuge reicht vom Doppeldecker Dufaux 4 (dem ältesten erhaltenen Schweizer Flugzeug von 1909) und einer Blériot XI-b von Flugpionier Oskar Bider über vier Swissair-Flugzeuge und ein Kampfflugzeug Northrop F-5E der Schweizer Luftwaffe in den Farben der Patrouille Suisse bis zu einem Ambulanzjet vom Typ Bombardier Challenger 604 der Rega. Quer durch das Erdgeschoss der Halle zieht sich eine über 40 Meter lange Vitrinenreihe, die die Entwicklung der Luftfahrt von den Anfängen bis in die Gegenwart anhand von Flugzeugmodellen im Massstab 1:40 aufzeigt. Neben bemannten Flugzeugen zeigt die Ausstellung auch eine Meteodrone SUI-9999, eine von der Schweizer Firma Meteomatics patentierte Wetterdrohne, die Wetterdaten aus den mittleren und unteren Schichten der Atmosphäre sammelt.
Als sehr seltenes Beispiel eines Satellit, der intakt aus dem Weltall auf die Erde zurückkehrte, ist die europäische Forschungsplattform EURECA das Glanzstück der Raumfahrtausstellung. Weitere Highlights sind ein Stück der Originalfolie des Sonnenwindexperiments, das im Rahmen der ersten Mondlandung von Apollo 11 noch vor der amerikanischen Flagge auf dem Mond aufgestellt wurde, ein echtes Stück Mondgestein, eine Marslandschaft mit Modellen von drei Mars-Rovern in Originalgrösse sowie Duplikate von Messinstrumenten, die im Rahmen der Rosetta-Mission den Kometen Tschurjumow-Gerassimenko erforschten. Den interaktiven Mittelpunkt der Raumfahrtausstellung bildet der «Space Transformer», ein grosser, begehbarer Würfel, der sich um seine diagonale Achse dreht und, indem der Boden plötzlich zur Wand und die Wand zur Decke wird, den Besucherinnen und Besuchern einen Eindruck von der Orientierungslosigkeit in einer Raumstation vermittelt.