mini|Elbphilharmonie in Hamburg (2016) mini|Israelische Nationalbibliothek in Jerusalem (2023) Herzog & de Meuron ist ein 1978 von den Schweizer Architekten Jacques Herzog (* 19. April 1950 in Basel) und Pierre de Meuron (* 8. Mai 1950 in Basel) gegründetes, international bedeutendes Architekturbüro mit Sitz in Basel in der Schweiz.

Leben und Werk Jacques Herzog und Pierre de Meuron (ein Urenkel des Architekten Auguste de Meuron), die sich bereits seit der Primarschule in Basel kannten, studierten von 1970 bis 1975 Architektur an der ETH Zürich bei den Architekten Aldo Rossi, Luigi Snozzi und Dolf Schnebli. Nach dem Architekturdiplom gründeten sie im Jahr 1978 eine Bürogemeinschaft an der Rittergasse 19a in Basel. 1985 folgte die Umsiedlung des Standorts an die Rheinschanze 6 in Basel.

Seit 1999 waren Herzog und de Meuron zusammen in der Architekturlehre an der ETH Zürich tätig und hatten je eine halbe Professorenstelle inne. An der ETH riefen sie mit Roger Diener und Marcel Meili das Studio Basel, ein Institut für Stadtforschung, ins Leben; unterdessen sind Herzog und de Meuron emeritiert. Zuvor hatten Herzog und de Meuron bereits seit 1989 gemeinsam eine Gastprofessur an der Harvard University.

Ende 2022 erschien ein Artikel über die Nachfolgeregelung von Herzog & de Meuron, nach dem ein seit Jahren bestehender Aktionärsbindungsvertrag regelt, wie das Unternehmen Schritt für Schritt in die Hände der aktiven Partner übergeht. Herzog und de Meuron sind bis auf weiteres «Founding Partners», Adrian Keller leitet weiterhin das operative Geschäft als CEO.Zu Adrian Keller: CEO Adrian Keller, auf herzogdemeuron.com, abgerufen am 12. November 2023. Mit der Umstrukturierung ist eine Erweiterung des Firmensitzes innerhalb von Basel verbunden; die Bauarbeiten für ein siebenstöckiges Architekturbürogebäude auf dem Dreispitzareal (westlich der Merian-Gärten) begannen 2023.

Bürostandorte Neben dem Hauptsitz in Basel unterhält die Firma sieben «Studios» in Berlin, Hongkong, London, München, New York City, Paris und San Francisco. Insgesamt beschäftigt die Firma rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weltweit (Stand November 2022).

Partner Partner und enge Mitarbeiter des Büros Herzog & de Meuron sind u. a. (Stand November 2023): Christine Binswanger (* 1964), Olga Bolshanina, Simon Demeuse (* 1976), Santiago Espitia Berndt (* 1985), Martin Knüsel, Ascan Mergenthaler (* 1969), Stefan Marbach (* 1970), Jason Frantzen (* 1977), Andreas Fries (* 1976), Robert Hösl (* 1965), Steffen Riegas, Christoph Röttinger, Wim Walschap (* 1969) und Tobias Winkelmann.

Ehemalige Partner waren Harry Gugger (1991–2009), Michael Fischer (2016–2020) und Esther Zumsteg (2009–2023).

In mehreren Projekten arbeiteten Herzog & de Meuron mit Ai Weiwei zusammen: So etwa beim Bau des Nationalstadion Pekings für die Olympischen Sommerspiele 2008 oder dem fehlgeschlagenen Architekturprojekt Ordos 100, einer Wohnsiedlung in der Nähe der Stadt Ordos in der Inneren Mongolei. Dabei sollten 100 Villen von 100 Architekten aus 27 Ländern, ausgewählt von Herzog & de Meuron, entworfen werden.

Bauprojekte (Auswahl) Seit der Gründung 1978 haben Herzog & de Meuron verschiedene Projekte auf nationalem und internationalem Niveau realisiert. Das Dominus Weingut (1996–1998) im kalifornischen Napa Valley stellte dabei das erste aussereuropäische Projekt des Architekturbüros dar. Herzog & de Meuron verwendeten dabei Gabionen als gestalterisches Element bei Gebäudefassaden. Die Gabionen wurden als hinterlüftete Fassade angeordnet, zum Teil mit Glasbruch anstatt mit Bruchstein gefüllt, womit sie lichtdurchlässig wurden.

International bekannt wurden Herzog & de Meuron mit dem Umbau der Tate Gallery of Modern Art in London, deren Aussenraumgestaltung die Architekten – wie in vielen anderen Projekten – zusammen mit dem Zürcher Landschaftsarchitekten Dieter Kienast (1945–1998) entwickelten. Die Kunstgalerie wurde in die alte Bankside Powerstation, ein ehemaliges Ölkraftwerk, eingebaut und im Jahre 2000 eröffnet. Aufgrund des unerwartet grossen Besucheransturms wurde in den Jahren 2010 bis 2016 ein Erweiterungsbau errichtet. Zudem entwarfen Herzog und de Meuron die beiden Stadionbauten St. Jakob-Park in Basel (2001) und Allianz Arena in München (2005). Für die Olympischen Spiele 2008 planten und bauten sie das Nationalstadion in Peking. Sie befassten sich ebenso mit der Planung eines grossen, neuen Stadtteils in derselben Stadt (der Tree Village Campus), um neue Akzente in die gleichförmige chinesische Städtebau-Architektur zu bringen. Wie beim Stadionbau wurde versucht, Geschichte, Tradition und heutige Ansprüche miteinander zu vereinen und in die Bauten einfliessen zu lassen. Das Städtebauprojekt stiess bei Fachleuten auf Begeisterung, weil es eine Identifizierung seiner Bewohner mit ihrem Stadtteil versprach.

Ihre Arbeit in der Volksrepublik China löste eine Welle an Kritik aus. Chinesische Fachleute werfen den Architekten «Effekthascherei» und «einen Missbrauch Chinas als Experimentierfeld» vor, während Menschenrechtler die Zusammenarbeit mit China aufgrund der Menschenrechtsverletzungen durch das Regime kritisieren. Ein weiterer Kritikpunkt sind die hohen Kosten der Bauprojekte.

Im Jahr 2005 stimmte der Hamburger Senat dem Bau der Elbphilharmonie zu. Oberhalb des Kaispeichers A in der Elbe ist eine mächtige Glaswelle entstanden, die unter anderem drei Konzertsäle, ein Tagungszentrum, Wohnungen und ein Hotel beherbergt; der Raum hinter der Fassade des alten Speichers wird unter anderem als Parkhaus genutzt. Ähnlich wie bei der Tate Modern entstand durch Aus- und Umbau eines alten Gebäudes ein neues. Die Elbphilharmonie wurde teilweise schon während der Bauzeit zum neuen Wahrzeichen der Hansestadt hochstilisiert. Auch hier werden Herzog und de Meuron laut Untersuchungsbericht für die stark gestiegenen Kosten als mitverantwortlich bezeichnet, z. B. wegen mehrfach nicht eingehaltener Fristen.

Für den Pharmaziekonzern Roche entwarfen Herzog & de Meuron in Basel ein Hochhaus von 154 Metern. Dessen Gebäudeform sollte an die Doppelhelix erinnern. Das Projekt wurde von Roche zurückgezogen.nzz-Online: Roche verzichtet auf geplanten Turmbau zu Basel. Ein neuer Entwurf für das Bürogebäude, das nunmehr 178 Meter erreichen sollte, wurde am 17. Dezember 2009 von Roche bekanntgegeben. Dieser sogenannte Roche-Turm, ebenfalls von Herzog & de Meuron entworfen, wurde 2015 fertiggestellt. Es war vor dem Prime Tower in Zürich das höchste Hochhaus der Schweiz.Badische Zeitung: Roche stellt neues Bürohochhaus vor. Ein zweiter, 205 Meter hoher Roche-Turm wurde seit 2017 erbaut und im September 2022 fertiggestellt. Auch der Entwurf für diesen Turm stammt von Herzog & de Meuron. Ende 2020 wurde bekannt, dass statt «drei kleinerer Büroturme mit max. 130 Metern Höhe, Roche mit einem neuen einzelnen Turm liebäugelt».In: Telebasel, Wirtschaftsmeldung, 14. Oktober 2020, abgerufen am 25. Juni 2025. Bereits in der Planung war das Hochhausprojekt umstritten.Bau Eins in Basel. In: Bauwelt, Heft 11, 8. März 2016. Nicht nur wegen der städtebaulichen Auswirkungen,Basel wird wie Frankfurt., Interview mit Carl Fingerhuth in: Aargauer Zeitung, 26. Oktober 2014, abgerufen am 17. Dezember 2022. sondern auch aus denkmalpflegerischen GründenDenkmalschutz-Debatte: Türme und Trümmer beim Roche-Areal in Basel., Alexandra von Ascheraden in: Baublatt, 8. Juni 2022, abgerufen am 17. Dezember 2022. und nicht zuletzt weil der gewaltige Hochhauskomplex mit dem dritten Roche-Turm als visuelle MachtdemonstrationDie Roche-Türme als Projektionsfläche., SWR Aktuell, 29. September 2021, abgerufen am 17. Dezember 2022. des weltgrössten Pharmakonzerns empfunden wird.Der Roche-Clan und sein Vermögen — Der grösste Pharmakonzern in Basler Familienhand., SRF-Doku, 2021, abgerufen am 17. Dezember 2022.

Im Februar 2020 wurde ein Vorprojekt der ersten Autobahnkirche der Schweiz bei Andeer vorgestellt. Es orientiert sich äusserlich an den mittelalterlichen Wegkapellen und verbirgt die weit grösseren drei geplanten Räume unter dem Boden. Diese Kirche war der erste Kirchenentwurf des Architekturbüros, welcher realisiert wurde (frühere Projekte – wie ein Sakralbau für die Griechisch-Orthodoxe Kirche in Zürich – wurden nicht realisiert). Man habe «nach einer Architektur gesucht, welche die sinnliche Wahrnehmung des Menschen schärfe» und zwar «Im Bezug auf den Ort, die Natur und sich selbst», so Jacques Herzog.Stille Oase neben lärmiger Strasse, pöschtli, 27. Februar 2020.

Fertiggestellte Bauten mini|Tenerife Espacio de las Artes Santa Cruz de Tenerife, 2007 mini|Nationalstadion Peking, 2003–2007 mini|Allianz Arena in München, 2002–2005 mini|Prada Aoyama Epicenter, Tokio, 2001–2003 mini|St. Jakob-Park, Fussballstadion in Basel (2001) mini|IKMZ in Cottbus (2004) mini|Erweiterung der Tate Gallery – Tate Gallery of Modern Art, London; 1995–1999 mini|Zentrales Stellwerk der SBB Basel (1994–1998) mini|ICT und Apotheke des Universitätsspitals, Basel (1995–1997) mini|56 Leonard Street, New York

Titlis Tower; 2023–2026 Hauptsitz der Bank Lombard Odier & Co, Bellevue GE; 2017–2025 Campus der Helvetia AG, Basel; 2013–2024 Israelische Nationalbibliothek, Jerusalem; 2013–2023 Hauptsitz Christoph Merian Stiftung, Basel; 2018–2023 Powerhouse Arts, Brooklyn NY; 2016–2022 Meret Oppenheim Hochhaus; 2016–2019 160 Leroy Street, Wohnhochhaus im West Village, –2017 Museum M+, West Kowloon Cultural District, Hongkong, 2013–2017Kulturquartier In: FAZ. 3. Juli 2013, S. 28. Arena do Morro, Mãe Luiza, Natal, Brasilien; 2011–2012 Elbphilharmonie, Hamburg, 2007–2017 Vitra Schaudepot auf dem Vitra Campus, Weil am Rhein, 2016 Restaurant und Bergstation auf dem Chäserrugg (2262 m), Wildhaus-Alt St. Johann, 2015; ausgezeichnet mit dem Architekturpreis Hase in Bronze 2015 Seilbahnstationen der Stöfelibahn, Wildhaus-Alt St. Johann, 2015 Roche-Turm (Bau 1), Basel, 2012–2015 Blavatnik School of Government, Universität Oxford, Oxford, England Erweiterungsbau des Unterlinden-Museums, Colmar, 2011–2015 Ausbau Stadtcasino Basel; 2012–2020 Naturbad Riehen bei Basel, Entwurf 2007/08, Ausführung 2010–2014 Parrish Art Museum, Water Mill, Long Island, New York 2012M wie Minimalismus. In: FAZ. 30. November 2012, S. 33. 1111 Lincoln Road, Parkhaus mit Geschäften und Wohnungen, Miami Beach, 2010 Erweiterungsbau des Museums Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg, 2009–2010 56 Leonard Street, New York City, 2008–2016 (Bau war bis 2012 unterbrochen) Südpark, Basel, 2008–2012 40 Bond Street, New York City, 2008 Actelion Headquarters, Allschwil, 2007–2010 VitraHaus auf dem Vitra Campus, Weil am Rhein, 2007–2009 Plaza de España, Santa Cruz de Tenerife, 2006–2007 Instituto Óscar Domínguez de Arte y Cultura Contemporánea, Santa Cruz de Tenerife, 2007 Miami Art Museum, Miami, 2006–2010 Neue Messehalle, Basel, 2006–2013 Tate Gallery of Modern Art, Anbau, London, 2005–2011 Astoria Kongresshotel, Luzern, 2005 St. Jakob-Turm, Basel, im Zuge der Erweiterung des St. Jakob-Parks, 2005–2008 St. Jakob-Park, Basel, 1998–2001, Ausbau für die Euro 2008, 2006–2007 Nationalstadion für die Olympischen Sommerspiele 2008, Peking, 2003–2007 (siehe auch den Dokumentarfilm Bird’s Nest – Herzog & de Meuron in China) Neubau REHAB, Basel, 2002 CaixaForum, Madrid, 2001–2007 Allianz Arena, München; 2002–2005 Prada Aoyama Epicenter, Tokio, 2001–2003 Erweiterungsbau des Aargauer Kunsthauses, Aarau; 2001–2003 & 2022–2023 Forum 2004, Barcelona, 2000–2004 Geschäftshaus Elsässertor, Basel, 2000–2004 De Young Museum, Golden Gate Park, San Francisco, 1999–2005 Walker Art Center, Minneapolis, 1999–2005 Informations-, Kommunikations- und Medienzentrum an der BTU-Cottbus, Cottbus, 1998–2004 Laban Dance Centre, Deptford Creek, London, 2003 Schaulager, Münchenstein (bei Basel), 2003 Museum Küppersmühle für Moderne Kunst – Sammlung Grothe, Duisburg; 2000 Hauptsitz Gruppe Helvetia Versicherungen, St. Gallen, 2002