mini|Jungferkättlbrunnen mini|Altes Rathaus mini|hochkant|Evangelische Dreieinigkeitskirche Weißenbrunn ist eine Gemeinde im Landkreis Kronach (Oberfranken, Bayern).

Geographie Geographische Lage Weißenbrunn liegt am südwestlichen Rand des Frankenwaldes im Tal des Leßbachs an der Bier- und Burgenstraße (B 85) zwischen Kronach und Kulmbach. Es ist von bis zu 500 Meter hohen, dicht bewaldeten Bergen eingerahmt.

Kurz hinter Gössersdorf entspringt der Leßbach, der sich durch Weißenbrunn, Reuth und Hummendorf schlängelt. Wildenberg liegt hoch über Weißenbrunn und dem Rodachtal; Thonberg breitet sich hauptsächlich in einer Hanglage über Reuth aus.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Weißenbrunn hat 29 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Auf dem Gemeindegebiet befanden sich noch weitere Orte, die mittlerweile alle Wüstungen sind: Lochhaus Mittlere Schneidmühle Obere Schneidmühle Schieferhaus Schiefermühle Steinbrunn Untere Schneidmühle

Geschichte miniatur|Bronzehelm der Urnenfelderzeit aus Thonberg im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg Frühgeschichte Auf einer Terrasse über der Rodach bei Hummendorf konnten ergiebige steinzeitliche Bodenfunde, die zwischen 50.000 und 20.000 v. Chr. datiert werden, gesichert werden.

Um 1900 wurden bei Wildenberg Waffen und Schmuck gefunden, die in der Archäologischen Staatssammlung in München ausgestellt werden. Es wird vermutet, dass sie aus einem Hügelgrab der frühesten Bronzezeit um 1500 v. Chr. stammen. Der spätere Fund einer Lanzenspitze wurde in die Frühhallstattzeit, etwa um 1200 v. Chr. datiert.

Der sogenannte Thonberger Helm, ein bronzener Kappenhelm ist im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ausgestellt. Der in die Zeit der Urnenfelderkultur um 1200 v. Chr. datierte Helm wurde 1906 von einer Frau im Thonberger Gemeindeteil Sachspfeife beim Umgraben eines Gemüsebeets gefunden und achtlos in eine angrenzende Sandgrube geworfen. Ein Alteisenhändler erwarb das vermeintlich wertlose schalenförmige Metallgebilde, das später für 1500 Goldmark an das Nationalmuseum verkauft wurde. Der im Gussverfahren hergestellte und mit dem Hammer nachbearbeitete Helm, dessen Form einem seitlich zusammengedrückten Kegelabschnitt entspricht, misst 16 Zentimeter in der Höhe, 22 Zentimeter im größeren Durchmesser und 17 Zentimeter im kleineren. Die Wandstärke schwankt zwischen drei und vier Millimetern. Um den Rand herumlaufende Löcher dienten vermutlich zur Befestigung eines Futters. Eine Nachbildung wird in einer Vitrine im Rathaus Weißenbrunn gezeigt.

Diese Funde dürften lediglich Spuren einer frühen Begehung durch Jäger und Sammler oder Relikte durchziehender Krieger gewesen sein, sicherlich nicht aber Zeugnisse einer frühen Besiedlung, da dafür weitere Funde und Belege fehlen.

Bis zur Gründung der heutigen Gemeinde Der Ort wurde in einer Urkunde aus dem 13./14. Jahrhundert als „Wizenbrunnen“ erwähnt. Der Ortsname leitet sich von einem Flurnamen ab mit der Bedeutung helle Quelle.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 238.

Bis auf Gössersdorf waren die Gemeindeteile über Jahrhunderte durch die überwiegende Grundherrschaft des Rittergeschlechts derer von Redwitz und der mit ihnen stammesverwandten Marschalk von Ebneth zu Wildenberg geprägt. Auch in Gössersdorf hatten die von Redwitz beziehungsweise das adelige Rittergut Weißenbrunn Besitz.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Weißenbrunn 54 Anwesen. Das Hochgericht übte das Rittergut Weißenbrunn aus, es hatte aber ggf. an das bambergische Centamt Kronach auszuliefern. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Rittergut Weißenbrunn inne. Grundherren waren das Rittergut Weißenbrunn (34 Anwesen: 1 Gut, 2 Gütlein, 4 Fronsölden, 3 Wirtshäuser, 17 Tropfhäuser, 1 halbes Tropfhaus, 5 Häuser, 1 Mahl- und Schneidmühle), das Rittergut Ebneth (4 Anwesen: 2 Fronsölden, 1 Tropfhaus, 1 Haus), die bambergische Verwaltung Wildenberg (8 Anwesen: 7 Gütlein, 1 Gütlein mit Wirts- und Bräuhaus), das Domkapitel Bamberg (3 Gütlein) das Spital Kronach (5 Anwesen: 4 Gütlein, 1 Gütlein mit Wirts- und Bräuhaus). Neben diesen Anwesen gab es noch 1 Schloss, 1 Ökonomiegut, 1 Schäferhaus, 1 Wohnhaus, 1 Bräuhaus, 1 Pfarrkirche, 1 Pfarrhof, 1 Schulhaus und 1 Gemeindehaus.H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 518. Hier werden unter Einberechnung von herrschaftlichen, kirchlichen und kommunaler Gebäude 61 Anwesen als Gesamtzahl angegeben.

Mit dem Gemeindeedikt wurde 1808 der Steuerdistrikt Weißenbrunn gebildet, zu dem Bieber, Böhlbach, Flöhberg, Grün, Hohenwart, Holzhaus, Plösenthal, Rangen, Rucksgaße, Rucksmühle, Schleyreuth, Schlottermühle und Sorg gehörten. 1818 entstand die Ruralgemeinde Weißenbrunn, die deckungsgleich mit dem Steuerdistrikt war. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kronach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kronach (1919 in Finanzamt Kronach umbenannt). In der freiwilligen Gerichtsbarkeit unterstanden einige Anwesen bis 1848 dem Patrimonialgericht Weißenbrunn oder dem Patrimonialgericht Ebneth. Ab 1862 gehörte Weißenbrunn zum Bezirksamt Kronach (1939 in Landkreis Kronach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Kronach (1879 in das Amtsgericht Kronach umgewandelt).H. Demattio: Kronach – Der Altlandkreis, S. 605 f. Die Gemeinde hatte ursprünglich eine Fläche von 10,473 km².

Eingemeindungen Am 1. April 1971 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinde Reuth eingegliedert. Am 1. Juli 1971 kam Eichenbühl hinzu. Thonberg folgte am 1. Januar 1972, Hummendorf am 1. Juli 1972. Gössersdorf gehört seit dem 1. Juli 1976 zu Weißenbrunn. Schließlich kam am 1. Januar 1978 Wildenberg hinzu.

Einwohnerentwicklung Gemeinde Weißenbrunn Jahr 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 1995 2005 2010 2017Einwohner 783 756 765 766 848 911 987 998 969 937 875 880 889 918 943 1006 1091 1073 1564 1597 1601 1626 1545 3084 3228 3106 3011 2886HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Von 1871 bis 2017 wurden diese als Wohngebäude bezeichnet. 138 159 138 144 158 205 272 830 964Quelle

Ort Weißenbrunn Jahr 1818 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 Einwohner 320 410 554 587 525 640 1152 1160 1078 1286Häuser 64 105 83 96 140 190 344Quelle

Politik Gemeinderat Die Kommunalwahlen 2002, 2008, 2014 und 2020 führten zu folgenden Sitzverteilungen im Gemeinderat: 2002 2008 2014 2020 CSU5554 SPD6666 Freie Wähler5 554 Gesamt16161614

Bürgermeister Am 3. März 2002 wurde Egon Herrmann (SPD) mit 53,70 Prozent der gültigen Stimmen zum Ersten Bürgermeister der Gemeinde Weißenbrunn gewählt. Er wurde am 2. März 2008 mit 89,49 Prozent ohne Gegenkandidaten wiedergewählt. Sein Nachfolger Jörg Neubauer (SPD) wurde am 29. März 2020 in der Stichwahl gewählt und trat am 14. Mai 2020 das Amt an.

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist grün-weiß-rot.

Religion Bis auf Gössersdorf, das zur evangelischen Pfarrei Kirchleus gehört, und Hummendorf, das damals zur Pfarrei Küps gehörte, sind die übrigen Orte schon seit vorreformatorischer Zeit kirchlich der Pfarrei Weißenbrunn (seit 1557 evangelisch-lutherisch) zugeordnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg richteten sich die katholischen Neubürger 1946 einen Betsaal im Saal der Gastwirtschaft Paradies ein. In Thonberg wurde 1948 eine katholische Kirche gebaut, die heute von den Katholiken des Gemeindegebietes besucht wird. Die Kirche ist eine Filiale der katholischen Pfarrei Küps.

Bau- und Bodendenkmäler

Verkehr Über Fernstraßen bestehen Anfahrtsmöglichkeiten aus Richtung Nürnberg (A 9 oder B 173), Berlin (A 9), Chemnitz (A 72), Erfurt (erst A 4, dann B 85 oder A 9) und Dresden (A 4, dann A 72). Aus Richtung Kronach (6 km) oder Kulmbach (15 km) gelangt man dann über die B 85 nach Weißenbrunn. Weißenbrunn liegt an der 1995 stillgelegten Bahnstrecke Neuses–Weißenbrunn, auf der hauptsächlich Güterzüge verkehrten. Von 1947 bis 1954 gab es auch Personenzugverkehr, eine Fahrt nach Kronach dauerte 30 Minuten.

Die Bundesstraße 85 führt nach Thonberg (1,9 km nordwestlich) bzw. nach Kirchleus (4,4 km südöstlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen nach Wildenberg (2,3 km südwestlich), über die Schlottermühle nach Grün (2,6 km südlich) und zu einer Gemeindeverbindungsstraße (1,6 km westlich) zwischen Reuth im Norden und Eichenbühl im Südwesten.

Persönlichkeiten

Theodor Heublein (1888–1983), Politiker, Landrat

Literatur Klaus Barnickel, Peter Jurczek: Weißenbrunn, Landkreis Kronach|Strukturanalyse u. Ortsgestaltung. München 1987.

Jürgen Hacker, Helmut Schuberth, Wolfgang Bouillon: Die Evang.-Luth. Kirchengemeinde Weißenbrunn. Perspektiven einer oberfränkischen Dorfgemeinde. Weißenbrunn 1998.

Dieter Runzer: Weißenbrunn und seine Gemeindeteile Eichenbühl, Gössersdorf, Hummendorf, Reuth, Thonberg, Wildenberg. Horb am Neckar 2010, ISBN 9783865953629. Dieter Runzer: 725 Jahre Weißenbrunn. Weißenbrunn 2010. Monika Segerer, Jörg Maier: Möglichkeiten und Chancen der wirtschaftlichen Entwicklung der Gemeinde Weißenbrunn in Verbindung mit neuen Konzepten und Strategien der Dorferneuerung unter besonderer Berücksichtigung eines Nachbarschaftsladens bzw. eines dörflichen Informations- und Fortbildungszentrums. Bayreuth 1993.

Weblinks

Gemeinde Weißenbrunn (PDF; 1,66 MB)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Kronach Kategorie:Frankenwald Kategorie:Ersterwähnung im 13. Jahrhundert Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)