Die Ritterlinge (Tricholoma) sind eine Pilzgattung mit relativ dickfleischigen Arten aus der Familie der Ritterlingsverwandten. Die Herkunft des wissenschaftlichen Namens Tricholoma (= haariger Rand) bezieht sich auf den Bärtigen Ritterling. Der deutsche Name „Ritterling“ spielt auf den bei den meisten Ritterlingen vorhandenen „Burggraben“ an, einer Ausbuchtung zwischen Lamellen und Stiel.

Merkmale Die Hutoberfläche kann schuppig, schmierig, trocken oder haarig beschaffen sein. Im Unterschied zu den sprödbrüchigen Täublingen ist das Fleisch der Ritterlinge immer faserig-brüchig. Für einige Arten ist mitunter ein strenger Geruch charakteristisch. Der Stiel ist fleischig und brüchig, bis auf wenige Ausnahmen ringlos und an der Basis niemals knollig. Die Lamellen sind am Stiel angewachsen, dort typisch ausgebuchtet und nicht herablaufend. Das Sporenpulver hat eine weiße Farbe.

Ökologie und Phänologie Ritterlinge wachsen immer auf der Erde und in der Nähe von Bäumen, da sie Mykorrhiza-Bildner sind.

Viele Arten fruktifizieren typischerweise im Spätherbst oder Frühwinter.

Arten Die Gattung Tricholoma umfasst weltweit etwa 200 Arten, wovon in Europa rund 50 vorkommen.

Ritterlinge (Tricholoma) in Europa Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat Gerippter Ritterling Tricholoma acerbum Galliger Ritterling Tricholoma aestuans Weißbrauner Ritterling Tricholoma albobrunneum Strohblasser Ritterling Tricholoma album Gilbender Erd-Ritterling Tricholoma argyraceum Weißer Erd-Ritterling Tricholoma argyraceum var. albidum Orangebrauner Ritterling Tricholoma arvernense Schwarzschuppiger Erd-Ritterling Tricholoma atrosquamosum Orangeroter Ritterling Tricholoma aurantium Bitterer Buchen-Ritterling Tricholoma bresadolanum Falscher Krokodil-Ritterling Tricholoma caligatum Beringter Erd-Ritterling Tricholoma cingulatum Riesen-Ritterling Tricholoma colossus Seidiger Ritterling Tricholoma columbetta Goldgelber Ritterling Tricholoma coryphaeum Grünling Tricholoma equestre Pappel-Grünling Tricholoma equestre var. populinum Halsband-Ritterling Tricholoma focale Fastberingter Ritterling Tricholoma fracticum Olivbrauner Ritterling Tricholoma fucatum ss. Bresadola, Saccardo Gelbblättriger Ritterling Tricholoma fulvum Großer Erd-Ritterling Tricholoma gausapatum Schwarzschneidiger Ritterling Tricholoma hordum Feinschuppiger Ritterling Tricholoma imbricatum Lästiger Ritterling Tricholoma inamoenum Spitzgebuckelter Erd-Ritterling Tricholoma inocybeoides Heide-Ritterling Tricholoma josserandii Unverschämter Ritterling Tricholoma lascivum Graublättriger Ritterling Tricholoma luridum Sellerie-Ritterling Tricholoma luteovirens Echter Krokodil-Ritterling oder Matsutake Tricholoma matsutake Rötender Erd-Ritterling Tricholoma orirubens Rosafüßiger Erd-Ritterling Tricholoma orirubens var. basirubens Tiger-Ritterling Tricholoma pardinum Getropfter Ritterling Tricholoma pessundatum Pappel-Ritterling Tricholoma populinum Schwarzfaseriger Ritterling Tricholoma portentosum Lärchen-Ritterling Tricholoma psammopus Blassfleischiger Fichten-Ritterling Tricholoma pseudonictitans Gerippter Rosa-Ritterling Tricholoma roseoacerbum Seifen-Ritterling Tricholoma saponaceum Bunter Seifen-Ritterling Tricholoma saponaceum var. lavedanum Schuppiger Seifen-Ritterling Tricholoma saponaceum var. squamosum Schwefelgelber Seifen-Ritterling Tricholoma saponaceum var. sulphurinum Schärflicher Ritterling Tricholoma sciodes Grüngelber Ritterling Tricholoma sejunctum Rotfleckender Kiefern-Ritterling Tricholoma stans Weißer Birken-Ritterling Tricholoma stiparophyllum Falbgrauer Ritterling Tricholoma sudum Salziger Ritterling Tricholoma sulphurescens Gemeiner Schwefel-Ritterling Tricholoma sulphureum Violettbrauner Schwefel-Ritterling Tricholoma sulphureum var. bufonium Gemeiner Erd-Ritterling Tricholoma terreum Rußstieliger Erd-Ritterling Tricholoma triste Seidiggrauer Ritterling Tricholoma umbonatum Brandiger Ritterling Tricholoma ustale Bitterer Eichen-Ritterling Tricholoma ustaloides Bärtiger Ritterling Tricholoma vaccinum Brennender Ritterling Tricholoma virgatum

Systematik

Die Gattung der Ritterlinge umfasst in Mitteleuropa über 50 Arten. Die nachfolgenden Arten stellen nur eine Auswahl dar. Die Unterteilung nach Sektionen erfolgt nach Marcel Bon (1988).

Sektion Saponacea: Pilze mit normaler, glatter oder seidiger Huthaut. Geruch und Geschmack werden als unangenehm empfunden. Hyphen mit Schnallen. Seifen-Ritterling (Tricholoma saponaceum) – Geruch nach Waschküche, Seife. Unverschämter Ritterling (Tricholoma lascivum) – Geruch sehr aufdringlich. Sektion Inamoena: Pilze mit matter oder feinsamtiger Huthaut. Der Geruch wird als widerlich empfunden. Wenige Schnallen. Lästiger Ritterling (Tricholoma inamoenum) – mit abstoßendem Geruch. Gemeiner Schwefel-Ritterling (Tricholoma sulphureum) – von schwefelgelber Farbe, Geruch nach Gas.

Sektion Virgata: Die Hutoberfläche ist faserig bis schuppig. Mit scharfem oder bitterem Geschmack. Der Geruch wird als eher unangenehm empfunden. Brennender Ritterling (Tricholoma virgatum) Bitterer Buchen-Ritterling (Tricholoma bresadolianum) Sektion Pardinocutis: Die Hutoberfläche trägt breite, wenig gedrängte Schuppen. Hyphen mit Schnallen und Pigmenten. Tiger-Ritterling (Tricholoma pardinum, syn. Tricholoma tigrinum) – große, stark giftige Art!

Sektion Atrosquamosa, Erd-Ritterlinge: Mit samtig bis filzig-schuppiger Hutoberfläche und dunkelbrauner bis dunkelgrauer Farbe. Geruch meist angenehm und Geschmack mild. Hyphen ohne Schnallen. Viele essbare Arten. Schwarzschuppiger Erd-Ritterling (Tricholoma atrosquamosum) – essbar Gemeiner Erd-Ritterling (Tricholoma terreum) – essbar. Sektion Tricholoma: Der Hut ist mehr oder weniger schmierig, meist kräftig gelb oder grünlich, seltener weiß oder grau gefärbt. Meist sind die Hyphen ohne Schnallen. Grünling (Tricholoma equestre, syn. Tricholoma flavovirens) – tödlich giftig für entsprechend disponierte Menschen. Grüngelber Ritterling (Tricholoma sejunctum) Seidiger Ritterling (Tricholoma columbetta) – reinweiß, essbar aber Verwechslungsgefahr mit Knollenblätterpilzen! Schwarzfaseriger Ritterling, Rußkopf (Tricholoma portentosum) – rau, unter Kiefern, essbar. Sektion Imbricata: Mit trockener und faserschuppiger Hutoberfläche. Gelbbraune bis rostbraune Farben. Braunschuppiger Ritterling (Tricholoma imbricatum) Bärtiger Ritterling (Tricholoma vaccinum) – mit fransigem („bärtigem“) Hutrand Sektion Albobrunnea: Kahle, mehr oder weniger schmierige Huthaut. Braune Farben. Einige Arten mit Ring. Pappel-Ritterling (Tricholoma populinum) – unter Pappeln Riesen-Ritterling (Tricholoma colossus) – größter Ritterling, Hut bis 30 cm Durchmesser Orangeroter Ritterling (Tricholoma aurantium) – unter Kiefern und Fichten Kupferbrauner Halsband-Ritterling (Tricholoma robustum) – mit Ring Falscher Krokodil-Ritterling (Tricholoma caligatum) – mit Ring, nördlich der Alpen sehr selten. Echter Krokodil-Ritterling oder Matsutake (Tricholoma matsutake) – dem Falschen Krokodil-Ritterling sehr ähnlich, evtl. die gleiche Art. Vorkommen in Ostasien. Einer der beliebtesten und teuersten Speisepilze Japans.

Bedeutung Viele Ritterlinge sind aufgrund ihres Geschmacks oder Geruchs ungenießbar. Wenige Ritterlinge sind essbar (beispielsweise der Schwarzfaserige Ritterling), jedoch besteht eine große Verwechslungsgefahr mit ungenießbaren oder giftigen Arten. Nicht wenige Ritterlinge sind giftverdächtig oder sogar giftig bis stark giftig (beispielsweise der Tigerritterling), das gilt insbesondere für die häufigeren Arten mit braunen Hüten. Beim Grünling, der lange Zeit als guter Speisepilz galt, muss inzwischen vor dessen Genuss gewarnt werden, nachdem sich vor wenigen Jahren einige Todesfälle in Frankreich ereignet hatten. Inzwischen weiß man, dass bei derartigen Vergiftungsfällen sehr wahrscheinlich eine nicht sehr häufige genetische Prädisposition beim Menschen vorliegen muss.

Quellen Literatur

German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 3: Ständerpilze. Blätterpilze I. Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3536-1.

Josef Breitenbach, Fred Kränzlin (Hrsg.): Pilze der Schweiz. Beitrag zur Kenntnis der Pilzflora der Schweiz. Band 3: Röhrlinge und Blätterpilze. Teil 1: Strobilomycetaceae und Boletaceae, Paxillaceae, Gomphidiacea, Hygrophoracea, Tricholomataceae, Polyporaceae (lamellige). Mykologia, Luzern 1991, ISBN 3-85604-030-7.

Einzelnachweise

Weblinks

http://www.infochembio.ethz.ch/links/mykologie_tricholomataceae_tricholoma.html