mini|Sankt Johannis im Luftbild von Süden Die St.-Johannis-Kirche in Magdeburg ist ein ehemaliges Kirchengebäude im Stadtteil Altstadt mit der Adresse Johannisbergstraße 1. Sie war bis zu ihrer Profanierung dem Evangelisten Johannes geweiht. Seit 1999 wird sie als Festsaal und Konzerthalle der Stadt Magdeburg genutzt. Von Januar bis Juni 2014 diente sie dem Landtag von Sachsen-Anhalt als Tagungsort.Hendrik Kranert-Rydzy: In: Mitteldeutsche Zeitung vom 4. Oktober 2013.

Geschichte Bau im 11. Jahrhundert und erste Zerstörung 1207 Das genaue Datum der Grundsteinlegung ist nicht bekannt. Dagegen ist überliefert, dass 936–941 eine erste Pfarrkirche in diesem Bereich errichtet wurde. Erstmals erwähnt wird diese am 23. April 941: König Otto I. schenkte den Mönchen des von ihm gestifteten Moritzklosters eine als plebeiam ecclesiam (Volkskirche) bezeichnete Kirche. Es gibt keine Darstellungen oder Beschreibungen dieses Bauwerks. Mit einer Urkunde vom 29. Juli 946 bestätigte der König nochmals die Schenkung einer popularem ecclesiam. Thietmar von Merseburg erwähnte die Kirche 1015 als Kaufmannskirche, aecclesia mercatorum. Historiker vermuten, dass unter Erzbischof Hartwig 1082 ein neues Kirchengebäude an der bisherigen Stelle errichtet wurde.

Abt Arnold erwähnte die Kirche als Sankt Johannis erstmals 1160 in einer Urkunde Albrechts des Bären. Im Jahr 1170 übereignete Erzbischof Wichmann die Kirche dem Prämonstratenserstift Unser Lieben Frauen. In dieser Urkunde wird das Gotteshaus als ecclesiam forensem in Magdeborg in honore beati Johannis evangelistae consecratam (Marktkirche zu Magdeburg, zu Ehren von Johannes dem Evangelisten geweiht) bezeichnet.

Nachdem das Kirchengebäude bei einem Stadtbrand im Jahr 1188 bereits beschädigt worden war, brannte sie bei einem neuerlichen Stadtfeuer 1207 nieder.

1208 bis 1451: Wiederaufbau und zweite Zerstörung Bereits kurz nach dem vernichtenden Brand begann der Wiederaufbau: Zunächst entstand der Unterbau der Turmgeschosse, die 1213 fertiggestellt wurden. Bis 1218 kamen die oberen Turmgeschosse hinzu, 1238 war der Bau, inklusive einer Türmerwohnung, abgeschlossen. Die Kirche war im Stil einer Basilika errichtet. Bereits 1239 führte ein neuer Großbrand zu Beschädigungen.

Im Jahr 1301 stellte das Kölner Makkabäerkloster Reliquien der 11.000 Jungfrauen in der Johanniskirche aus.

Ab 1438 unterstand auch das nahegelegene Hospital St. Gertraud der Johanniskirche.

Am 22. Juli 1451 schlug ein Blitz in den Nordturm ein. Es brach ein Feuer aus, das auch auf den südlichen Turm und das Kirchenschiff übergriff. Ein Drittel des Kirchenschiffes brannte ab und das Haus war nicht mehr nutzbar.

1451 bis 1631: Wiederaufbau und dritte Zerstörung Der zweite Wiederaufbau fand in den Jahren 1452/1453 statt, wobei statt einer Basilika eine dreischiffige Hallenkirche mit einer Vorhalle an der Westseite entstand. Auf Zierformen wurde verzichtet. Statt Haustein kam überwiegend Bruchstein zum Einsatz. Das Kirchendach erhielt ein Kupferdach, die Türme Bleidächer.

Am 26. Juni 1524 predigte der Reformator Martin Luther in der Johanniskirche. Magdeburg wurde daraufhin protestantisch. Erster lutherischer Prediger der Johanniskirche wurde Melchior Miritz, der zuvor Mönch im Augustinerkloster war.Oppermann, Das Armenwesen und die mildtätigen Stiftungen in Magdeburg, Creutzsche Buchhandlung, Magdeburg 1821, Seite 131

Während des Dreißigjährigen Kriegs stürzte am 26. November 1630 eine der Turmspitzen infolge eines Orkans auf das Kirchendach und verursachte erhebliche Schäden.

Am gleichen Tag beschloss in Hameln der kaiserliche Generalissimus Tilly den Angriff auf das belagerte Magdeburg, der am erfolgte. Magdeburg wurde eingenommen und infolge von ausgebrochenen Bränden fast vollständig vernichtet. Tillys Truppen brachen die Türen der Johanniskirche auf, raubten das Gotteshaus aus und brannten es nieder. Die Eroberer ermordeten Geistliche und Mitglieder der Gemeinde, darunter Pfarrer M. Ritter. Pfarrer Andreas Kramer verteidigte den Altar und sich mit einem Evangelienbuch. Durch das Eingreifen eines auf Seiten der Angreifer kämpfenden ehemaligen Schülers Kramers wurden Kramer und weitere Personen gerettet. Das von Kramer zur Verteidigung genutzte und dabei beschädigte Buch wurde als Magdeburger Blutbibel bekannt.

1631 bis 1945: Wiederaufbau und vierte Zerstörung mini|hochkant|Altar der Johanniskirche mini|links|hochkant|Blick von Westen im Jahr 1927 mini|Ruine der Johanniskirche (1954) Der Pfarrer von Sankt Johannis Petrus Hecht kehrte 1632 als erster Pfarrer aus der Gefangenschaft nach Magdeburg zurück. Er predigte im Magdeburger Dom, da die Stadtkirchen zerstört waren.

Erst im Jahr 1641 begannen die Enttrümmerung der Kirche und eine Reparatur der Türme. 1642 erließ Georg Kühlewein ein Dekret zum Wiederaufbau der Johanniskirche. Der Seidensticker Johann Niesing und der Rektor Christian Wellmann unternahmen 1643 weite Reisen zur Einbringung einer Kollekte zum Wiederaufbau der Kirche, die sie auch nach Hamburg, Lübeck, Livland, Riga, Breslau, Königsberg und Danzig führten. Die Kollekten dauerten bis 1645 an und erbrachten 1311 Thaler, 10 Groschen und 3 Pfennig.

Zunächst entstand auf dem Kirchengelände eine provisorische hölzerne Kirche. Am 1. Februar 1644 wurde Richtfest gefeiert, am 10. Mai 1648 wurde ein Taufbecken geweiht.

Um 1654 hatte sich Magdeburg soweit von den Kriegsfolgen erholt, dass wieder ein geordnetes christliches und kommunales Gemeindeleben stattfand. Die hölzernen Behelfswohnungen wichen festen Wohnhäusern, die Gemeinde verfügte über eigene Einnahmen. In den Jahren 1656/1657 entstand auf dem Johanniskirchhof ein Pfarrhaus, nebst Küsterei.

Ab 1662 begann der eigentliche Wiederaufbau der Kirche mit der Aufrichtung einzelner Pfeiler. Am 12. September 1663 beschloss die Gemeinde offiziell den Neubau. Mithilfe der ersten Kollekte und dem sichtbaren Baubeginn konnten weitere Spenden gesammelt werden. Bereits am 25. November 1669 schloss der Baumeister Heinrich Harder die Bauarbeiten ab.

Im Jahr 1670 schuf Tobias Wilhelmi einen neuen Altar, den Christof Fensterer mit Bildern verziert hatte. Am 1. Advent des Jahres erfolgte die Weihe der neuen Johanniskirche. Die Predigt hielt Ernestus Bake, Sohn des Dompredigers Reinhard Bake.

In den folgenden Jahren fanden weitere Arbeiten, insbesondere an den Türmen, statt. 1672 erhielten die Türme welsche Hauben. 1674 wurde der südliche Turm, vollständig aus Holz bestehend, fertiggestellt. 1675 folgte der Nordturm, ebenfalls zu einem großen Teil aus Holz. Im Jahr 1676 übergab schließlich Tobias Wilhelmi die von ihm geschaffene Kanzel. 1689–1694 erbaute der berühmte Hamburger Orgelbauer Arp Schnitger eine dreimanualige Orgel für die St. Johanniskirche.

Mit einer vierten Glocke für St. Johannis und den zwei Uhrenglocken, die schon vorhanden waren, entstand das umfassendste Geläut der Stadt. Im Nordosten der Kirche wurde 1687 noch ein Treppenturm zum Dachstuhl errichtet.

Am 2. Dezember 1710 heiratete der Bildhauer Severin Gottlieb Ziegenbalg in der Johanniskirche. Im Jahr 1746 wurde der Komponist Johann Heinrich Rolle hier Organist.

Nach der Besetzung Magdeburgs durch französische Truppen 1806 diente die Johanniskirche zeitweilig als Pferdestall. 1814 fand in der Kirche anlässlich des Wiedereinzugs der preußischen Armee ein Gottesdienst statt. Am 31. Oktober 1817 fand in der Johanniskirche ein gemeinsames Heiliges Abendmahl nach einem unierten Ritus aller protestantischer Geistlichen der Stadt, sowohl lutherischer als auch reformierter Konfession, statt. Die Deutsch-reformierte Gemeinde schloss sich aber letztlich, trotz der Anwesenheit ihres ersten Predigers Schäffer beim gemeinsamen Abendmahl, dieser Union nicht an.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Zweiter Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 86

Zwischen 1832 und 1850 diente das Dach der Kirche als amtliche preußische Telegrapheneinrichtung.

Im Jahr 1874, der elektrische Feuermelder war eingeführt, wurde der Türmer der Kirche von seiner Feuermeldepflicht entbunden. Er hatte bis dahin etwaiges Feuer und die Richtung des Brandes anzugeben.

Im Jahr 1885 wurde Wilhelm Faber erster Pfarrer an der Kirche. 1886 wurde westlich der Kirche in Erinnerung an die Predigt Martin Luthers das von Emil Hundrieser geschaffene Lutherdenkmal eingeweiht.

1892 bekamen die Kirchenfenster Bleiverglasungen und 1900 die Fenster des Altarraums zusätzliche Glasmalereien.

In den folgenden Jahren hielten vor allem technische Neuerungen Einzug. 1892 wurde eine Heizungsanlage eingebaut, 1928 durch eine Niederdruckdampfheizung ersetzt. Die 1903/1904 erweiterte Orgel erhielt eine elektrische Windanlage. mini|links|hochkant|Zeichnung von Hermann Adami mit Lutherdenkmal, ca. 1910 In der Johanniskirche befanden sich mehrere Kriegsgedenkstätten. Eine Tafel erinnerte an 31 Magdeburger, die 1813 in den Befreiungskriegen gefallen waren. Weitere Gedenktafeln gedachten dreier Gemeindemitglieder, die im Jahr 1866 im Deutschen Krieg, und sieben Gemeindeangehörigen, die 1870/71 im Deutsch-Französischen Krieg umgekommen waren. Für die 438 Mitglieder der Johanniskirchgemeinde, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren, wurde 1923 eine als Holzrune bezeichnete hohe Stele errichtet. Geschaffen wurde das aus Spenden finanzierte Mahnmal vom Architekten Karl Hermann Scheibe. In die Seiten der Stele waren 438 Kerben geschlagen worden. Sie symbolisierten die 438 tödlichen Schläge in den Stamm der Gemeinde. An den Kerben war jeweils der Name vermerkt. Oberhalb der Namen befand sich ein Eisernes Kreuz und der biblische Satz: Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde! Ganz oben thronte nach Osten blickend ein großer, als Johannisadler bezeichneter Adler. Am Fuß der Stirnseite des Mahnmals befand sich die an den in der Kriegszeit tätigen Pfarrer erinnernde Inschrift: Johannes Müller, Pastor an St. Johannis 1906 - 1921.Alfred Frantz, St. Johannis die Hauptpfarr- und Ratskirche der Stadt Magdeburg, Lichtenberg und Bühling Magdeburg 1931, Seite 135 f. mini|hochkant|Trauernde Magdeburg 1923 wurde die elektrische Beleuchtung eingeführt, in der Vorhalle wurde 1924 das Denkmal Trauernde Magdeburg aufgestellt.

Am 28. September 1944 erlitt die Johanniskirche bei einem alliierten Luftangriff fünf schwere Treffer, die das Gebäude erheblich beschädigten. Beim großen Luftangriff auf Magdeburg am 16. Januar 1945 wurde die Johanniskirche erneut schwer getroffen, lediglich die Außenmauern, die nördliche Pfeilerreihe des Mittelschiffs mitsamt der von ihr getragenen Bögen sowie die Reste der Türme blieben stehen.

1945 bis 1990: Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg Die Johanniskirche blieb nun über viele Jahre eine Ruine. Erst 1953 begannen in der westlichen Vorhalle Aufräumarbeiten und sie erhielt bis 1956 statt des ursprünglichen Gewölbes ein Flachdach. Die Türme wurden aufgebaut, wobei der nördliche Turm wieder vollständig entstand, der Südturm lediglich gesichert wurde. In Hettstedt und Wilhelmsburg fanden sich zwei eigentlich für Kriegszwecke eingezogene Glocken der Johanniskirche wieder, die in den Nordturm ihrer zerstörten Kirche zurückkehrten.

Die Reparaturarbeiten waren aber nicht solide ausgeführt worden, so dass die Baupolizei 1961 die Vorhalle sperren ließ. Weil in der DDR den Kirchen kaum Geld zur Verfügung gestellt wurde, schenkte die Johannisgemeinde am 22. August 1968 die Reste der Kirche samt Grund und Boden der Stadt. mini|hochkant|Westseite Die Stadtverwaltung ließ 1975 bis 1977 die Außenwände restaurieren und durch einen Ringanker aus Beton sichern. Am 1. Mai 1980 wurde der Südturm als Aussichtsturm für die Bevölkerung freigegeben.

Im Jahr 1987 schloss sich die bis dahin noch bestehende evangelische Johannisgemeinde mit der Luthergemeinde zur Trinitatisgemeinde zusammen.

Im Jahr 1989 erhielt die Trauernde Magdeburg wieder einen Platz in der Vorhalle.