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Der SAVAK (, eine Abkürzung der persischen Schreibung von „Sazman-e ettela'at va amniyat-e keschvar“, )Es handelt sich hierbei um die (persischen) Anfangsbuchstaben der fünf (geschriebenen) Wörter (nach DMG) Sāzmān (), Eṭṭelāʿāt (, aber in diesem Zusammenhang als „E“ ausgesprochen), Va (), Amnīyat () und Kešvar (). Die Transliteration sieht gemäß dem persischen Schriftbild folgendermaßen aus: S’ZM’N ’ṬL’ʿ’T V ’MNYT KŠVR; die daraus abgeleitete (persische) Abkürzung: S’V’K. war von 1957 bis 1979 die Bezeichnung für den iranischen Geheimdienst. Nachfolgeorganisation ist seit 1984 der VEVAK (heute Ministerium für Nachrichtenwesen, VAJA).

Geschichte Vorgeschichte Die erste Politische Polizei in Iran wurde von Premierminister Mohammad Mossadegh errichtet.Erfan Qaneei: Dar Damgah Hadeseh (In the Net of Events). Ketab Corp., Los Angeles 2012, S. 56 f. Am 11. November 1952 unterrichtete Mossadegh das iranische Parlament per Brief, dass in Iran seit einiger Zeit eine politische Polizei mit dem Namen Amniat Edschtemai (; „Gesellschaftsschutz“) operiere.Brief von Premierminister Mohammad Mossadegh an das iranische Parlament vom 11. November 1952 zur Errichtung einer Organisation zum Schutz der Gesellschaft. Die Amniat Edschtemai sollte vor allem politische Unruhen und illegale Streiks verhindern. Mossadegh führt in seinem Brief an das Parlament drei Begründungen für den Aufbau einer politischen Polizei an: Die Unschuldsvermutung verhafteter politischer Gegner, die auf Kaution freikommen können, ist ein Fehler in der gesetzlichen Regelung und muss aufgehoben werden. Fundamentale Reformen erzeugen immer Gegnerschaft. Um diese Reformen durchführen zu können, müssen die Reformgegner eliminiert werden. Gegner der Regierung müssen mit Gewalt gestoppt werden, um Gefahren für die öffentliche Sicherheit abzuwenden. Sie müssen auf der Stelle bestraft werden, um weitere Komplotte zu verhindern. Für die Amniat Edschtemai wurden eigene Gefängnisse eingerichtet, in denen Verhaftete nach einem gerichtlichen Schnellverfahren abgeurteilt wurden. Anwälte, die die Angeklagten rechtlich vertreten, waren nicht erlaubt.Erfan Qaneei: Dar Damgah Hadeseh (In the Net of Events). Ketab Corp. 2012, S. 56f.

Gründung und Direktoren Bis zur Gründung des Amniat Edschtemai gab es in Iran lediglich einen militärischen Geheimdienst (G2), der, so die Vorstellung von britischen und amerikanischen Geheimdienstexperten nach dem Sturz Mossadeghs, durch einen zivilen Nachrichtendienst ergänzt werden sollte. Als Vorbild für den Aufbau des SAVAK diente der Geheimdienst der Türkei, bei dem Inlands- und Auslandsgeheimdienst in einer einzigen Behörde vereint waren. Nach dem ursprünglichen Konzept sollte der SAVAK Informationen sammeln und Berichte zur politischen Entscheidungsfindung erstellen.Gholam Reza Afkhami: The life and times of the Shah. University of California Press, 2009, S. 381. Das Gesetz zur Gründung des SAVAK wurde am 20. Januar 1957 vom Senat und am 20. März 1957 vom Parlament verabschiedet. Der SAVAK sollte dem Gesetzestext zufolge „die Interessen des Staates schützen und jede Verschwörung gegen das öffentliche Interesse verhindern“.Amad Farughy, Jean-Loup Reverier: Persien: Aufbruch ins Chaos? München 1979, S. 163. Der Aufbau des Geheimdienstes geschah mit maßgeblicher Hilfe der US-amerikanischen CIA und des israelischen Mossad.Hans-Georg Ebert u. a.: Die Islamische Republik Iran. Historische Herkunft – ökonomische Grundlagen – staatsrechtliche Struktur. Akademie-Verlag, Berlin 1987, ISBN 3-05-000079-1, S. 60.

Der erste Direktor des Dienstes war General Teymur Bachtiar. Bachtiar wurde nach dem Sturz Mossadeghs Kommandeur der königlichen Garde und Militärgouverneur von Teheran. Als Militärgouverneur hatte er in den letzten drei Jahren die kommunistische Tudeh-Partei nahezu zerschlagen und sich damit als Leiter des neu zu schaffenden SAVAK empfohlen. Als Direktor des SAVAK stellte Bachtiar zahlreiche ihm ergebene Offiziere als Mitarbeiter ein, die die Geheimdienstarbeit weniger durch eine explizite Ausbildung, sondern mehr durch „training on the job“ erlernt hatten. Bald entwickelte sich der Geheimdienst unter der Führung Bachtiars zu einem Staat im Staate und zu einem persönlichen Machtinstrument von Teymour Bachtiar. Waren die Agenten des SAVAK erst einmal überall installiert, war Teymour Bachtiar der heimliche Herrscher des Landes.Ehsan Naraghi: From Palace to Prison. I. B. Tauris, 1994, S. 176. 1961 wurde Teymour Bachtiar wegen Vorbereitung eines Staatsstreiches entlassen und 1962 des Landes verwiesen. Am 11. August 1970 kam Bachtiar im Irak unter mysteriösen Umständen ums Leben. Er wurde, wie Gérard de Villiers schreibt, durch ein Werkzeug hingerichtet, das er selber geschaffen hatte.Gérard de Villiers: Der Schah. 1976. S. 395.

Nachfolger von Bachtiar wurde sein Stellvertreter Hassan Pakravan. Eine seiner ersten Entscheidungen war es, bei Verhören jede Art von Folter zu unterlassen.Abbas Milani: Eminent Persians. Syracuse University Press, 2008, S. 478. Darüber hinaus änderte Pakravan die Arbeitsweise des SAVAK vollständig. Es war Pakravan, der es erreichte, dass Chomeini 1964 nach seiner Verhaftung und Verurteilung im Zusammenhang mit den gewalttätigen Juni-Demonstrationen 1963 nicht exekutiert wurde, sondern 1964 aus dem Gefängnis freigelassen ins Exil in die Türkei und später in den Irak abgeschoben wurde.Ehsan Naraghi: From Palace to Prison. I. B. Tauris, 1994, S. 177. Im Januar 1965, wenige Tage vor dem Jahrestag der Weißen Revolution, dem Reformprogramm von Mohammad Reza Schah, das 1963 zu den von der Geistlichkeit organisierten gewalttätigen Demonstrationen geführt hatte, wurde auf Premierminister Hassan Ali Mansour von einem Mitglied der Fedajin-e Islam geschossen. Mansour starb am 27. Januar 1965 an den Folgen des Attentats. Nach der Ermordung Premierminister Mansours war klar geworden, dass die Vorstellung Hassan Pakravans, den SAVAK nach den Grundsätzen liberaler Rechtsstaatlichkeit zu führen, gescheitert war. General Nematollah Nassiri wurde neuer Chef des SAVAK. Die Ablösung Pakravans, so de Villiers, „bedeutete die Ablösung eines gebildeten Intellektuellen durch einen Mann mit Schneid.“Gérard de Villiers: Der Schah. 1976. S. 396. General Nassiri machte dann aus dem SAVAK die Organisation der Unterdrückung, wie sie in vielen Berichten der Opposition beschrieben wurde.

Am 6. Juni 1978, nach 13 Jahren an der Spitze des SAVAK, wurde Nassiri vom Schah durch Nasser Moghadam ersetzt. Nassiri galt während seiner Amtszeit als meistgehasster Mann Irans, dem ein Hang zu Grausamkeit und Sadismus nachgesagt wurde. Im Zuge der Islamischen Revolution wurde er am 16. Februar 1979 als einer der ersten SAVAK-Angehörigen hingerichtet.

Liste der Direktoren Teymur Bachtiar (1957–1961) Hassan Pakravan (1961–1965) Nematollah Nassiri (1965–1978) Nasser Moghadam (1978–1979)

Arbeitsweise Formal war der Direktor des SAVAK dem Premierminister unterstellt. Faktisch erhielt der Premierminister aber nur ausgewählte Informationen. Zweimal in der Woche empfing der Schah den Direktor des SAVAK und hörte sich dessen Bericht an.

Meist wird der SAVAK mit dem dritten Büro, der Inlandsaufklärung, gleichgesetzt. Dieses Büro war es, das für die Überwachung der Opposition und hier vor allem der kommunistischen Bewegungen zuständig war, und das Bild des SAVAK vor allem in den letzten Jahren seines Bestehens unter der Leitung von Parviz Sabeti im Inland und Ausland prägen sollte. Die Erfolge der Auslandsaufklärung und der Gegenspionage, die General Ahmad Mogharebi als Topspion der Sowjetunion enttarnte, gerieten dabei vollkommen in Vergessenheit.

Überwachung Die Inlandsaufklärung des SAVAK infiltrierte nahezu alle Oppositionsgruppen in Iran, von der von Mossadegh mitbegründeten Nationalen Front bis zur kommunistischen Tudeh-Partei, von den muslimischen VolksmudschahedinAbrahamian: Radical Islam. The Iranian Mojahedin. 1989, S. 1. bis zu den Fedajin-e Islam, die den schiitischen Geistlichen um Ajatollah Ruhollah Chomeini nahestanden. Kleinere Gruppierungen, wie die maoistische Union der Iranischen Kommunisten (Sarbedaran), oder größere Gruppierungen, wie die dem bewaffneten Kampf verpflichteten Terrorgruppen der Organisation der Volksfedajin-Guerilla Iran, der Volksfedajin-Guerilla Iran oder der Union der Volksfedajin Iran standen unter ständiger Beobachtung. Tausende dieser vor allem linken, islamistischen oder marxistisch-islamistischen Regimekritiker wurden verhaftet, verhört, gefoltert und, wenn sie in Terroraktivitäten verwickelt waren, auch hingerichtet. Amnesty International schätzte 1977 die Zahl der aus politischen Gründen Inhaftierten in Iran auf einige Tausend. Andere Quellen aus der Opposition sprachen von 25.000 bis 100.000 politischen Gefangenen. Diese Anzahl wurde allerdings nicht von unabhängigen Organisationen bestätigt.

Von 1973 bis 1979 führte der SAVAK zusammen mit dem Bundesnachrichtendienst die Operation Vogelkäfig durch, bei der die Botschaft der DDR in Teheran akustisch überwacht wurde.

Prozesse Die Prozesse waren Militärtribunale, nach dem Paragraphen für Landesverrat aus dem Jahre 1931, in denen die Erkenntnisse des Geheimdienstes oder unter Folter erzwungene Geständnisse als unumstößliche Beweise galten. Der Angeklagte hatte kein Recht auf einen selbst gewählten Anwalt.Bahman Nirumand: Persien, Modell eines Entwicklungslandes, Hamburg 1967, S. 128f Die Verteidigung des Angeklagten oblag dem Militär. Der Schah konnte im Zeitraum von 6 Tagen einer Berufung zustimmen. Wurde die Berufung abgelehnt, wurde die Todesstrafe innerhalb von 48 Stunden durch Erschießen vollzogen.Ulrich Gehrke: Iran. S. 253

Einen Ausschnitt einer Verhandlung zeigt eine Videoaufnahme des angeklagten Schriftstellers Khosrow Golsorkhi, die im staatlichen Fernsehen gezeigt wurde. Khosrow Golsorkhi wurde vorgeworfen, als Mitglied der Volksmudschahedin an der Planung der Entführung und Geiselnahme des Schahs, der Königin und des Kronprinzen beteiligt zu sein.Gholam Reza Afkhami: The life and times of the Shah. University of Califormia Press, 2008, S. 402.

Zensur Neben der direkten Überwachung der politischen Opposition gegen den Schah war der SAVAK zunächst auch für die Zensur der Medien und Literatur zuständig. Dafür wurde das Pressegesetz vom 30. Juli 1955 so ausgelegt, dass kritische Äußerungen gegen die Religion und die Monarchie per Gerichtsbeschluss untersagt werden konnten. Nach 1963 unterlag die Vorzensur dem neu geschaffenen Informationsministerium.Ulrich Gehrke: Iran. 1975. S. 106

Bücher, Zeitungen Die Zeitungen durften aktuelle Ereignisse nicht kommentieren und lediglich die offizielle Darstellung wortgetreu abdrucken. Verstöße bedeuteten für die Journalisten mitunter Gefängnis und Folter. Schriftsteller, die kritische oder politisch zweideutige Werke vorlegten, mussten ebenfalls mit einem Verbot rechnen. Bis 1970 hatte sich die iranische Presselandschaft auf 60 verschiedene Zeitungen reduziert, von denen der Schah nochmals 37 mit Hinweis auf zu geringe Auflage verbot. Dem Verlagswesen erging es ähnlich. Von 4.000 neuen Büchern im Jahr 1970 sank die Zahl der Neuerscheinungen bis 1975 auf 1.000.Amad Farughy, Jean-Loup Reverier: Persien: Aufbruch ins Chaos? München 1979, S. 171ff Der SAVAK zensierte Bücher erst dann, wenn die ganze Auflage fertiggestellt war. Wenn ein Buch ihr Mißfallen erregte, mussten alle Exemplare eingestampft werden, die Kosten hatte der Verleger zu tragen. Auf diese Weise wurden die meisten Verlage zugrunde gerichtet.Ryszard Kapuściński: Schah-in-Schah. S. 113

Film, Theater