mini|Eine alte Darstellung von Kircheip aus dem Jahr 1607 mit dem Dreiherrenstein

Kircheib ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld an.

Geographie Kircheib ist ein Straßendorf an der Bundesstraße 8 zwischen Hennef (Sieg) und Altenkirchen. Es liegt am Rande der Leuscheid, einem Waldgebiet im nördlichen Rheinland-Pfalz. Einen Großteil des etwa 600 Hektar großen Ortes macht die sogenannte „Altenkirchen-Asbacher Hochfläche“ aus, die im Frühjahr und Herbst den Zugvögeln als Rastplatz dient.

Zur Gemeinde gehören außer dem namensgebenden Ort auch die Ortsteile Bleckhausen, Eckenbach, Grünewald, Neuenhof, Reisbitzen und Tente.

Unweit des Ortes, am Dreiherrenstein, verläuft die Grenze der (Land-)Kreise Altenkirchen, Neuwied und Rhein-Sieg.

Geschichte Die vermutlich erste urkundliche Erwähnung als Eipe (auch Eype) datiert aus dem Jahre 1268. Aus der gleichen Zeit sind eine kleine romanische Basilika und Reste der Motte Broichhausen, einer mittelalterlichen Fliehburg erhalten. Unterhalb Kircheibs bei Vierwinden grenzte die alte Grafschaft Sayn-Altenkirchen an das Herzogtum Berg und das Kurfürstentum Köln. Der Grenzpunkt Vierwinden war durch den „Dreiherrenstein“ kenntlich gemacht, der vor ein paar Jahren wieder neu errichtet wurde. In früheren Zeiten stießen hier auch drei Landwehren zusammen, die bergische, die kölnische und die saynische; davon zeugen noch die alten Landwehren, die früher bis an die Wehrkirche heranreichten. Die saynische Landwehr zog sich über die Eyper Heide in der Höhe von Bleckhausen über Neuenhof bis ins Mehrbachtal. Umfangreiche Reste von spätmittelalterlichen Wallanlagen im Bereich der sogenannten Kircheiber Heide (Naturschutzgebiet) an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen (im Lindscheider Wäldchen an der heutigen Kreisgrenze) komplettieren die historischen Besonderheiten des Ortes auf einer Wasserscheide von Sieg und Wied.

1796 kam es um das Dorf zur Schlacht bei Kircheib zwischen Franzosen unter General Kléber und Österreichern unter General Kray. Der Bajonettkampf tobte auf dem „Köppchen“ östlich von Kircheib, wo heute die Straße in kurzem Anlauf zum großen Wald des Leuscheider Höhenrückens ansteigt.zit. nach: Hanna Hoffmann: Kircheib und sein romanisches Gotteshaus.

Kircheib gehörte bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zur Grafschaft Sayn-Altenkirchen, von 1803/06 an zum Herzogtum Nassau und von 1815 an zum Königreich Preußen. Nach der damals neu gebildeten Verwaltungsstruktur gehörten die Ortschaften der heutigen Ortsgemeinde zur Bürgermeisterei Weyerbusch im Kreis Altenkirchen und zum Regierungsbezirk Koblenz. Kircheib mit den Ortschaften Eckenbach, Grünewald, Bleckhausen und Reisbitzen und Neuenhof mit den Ortschaften Burg, Röttgen und Tente waren zwei eigenständige Gemeinden. 1931 erhielt Kircheib eine eigene Poststelle der Klasse II im Bezirk des Postamts Asbach.Theo Winterscheid: Aus der Geschichte der Post im Windhagener Raum. In: Windhagen – Ein Heimatbuch, Economica Verlag, Bonn 1994, S. 113.

Am 16. November 1618 wurde nach neuerer Literatur Friedrich III. von Wied in Neuenhof („Auf dem Berg zu Syeburgh auf dem neuen Hof“) nahe dem Westerwalddorf Kircheib geboren. Seine Geburt fand während der Rückreise seiner Eltern, Hermanns II. von Wied (1581–1631), der von 1613 bis 1631 die Obere Grafschaft Wied regierte und Juliana Dorothea Elisabeth zu Solms-Hohensolms (1592–1649), von Westfalen nach Dierdorf statt. Die ältere Literatur nennt dagegen „Seeburg“ nahe Dreifelden. Der spätere Graf gründete 1653 die Stadt Neuwied.

Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Kircheib, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten Jahr Einwohner 1815 240 1835 257 1871 336 1905 331 1939 302 1950 334 Jahr Einwohner 1961 376 1970 399 1987 400 1997 502 2005 543

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Kircheib besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Bürgermeister Lothar Bellersheim wurde am 9. Juli 2019 Ortsbürgermeister von Kircheib. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit einem Stimmenanteil von 90,08 % gewählt worden. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er als einziger Bewerber mit 94,5 % für weitere fünf Jahre wiedergewählt.

Bellersheim ist Nachfolger von Karl-Heinz Sterzenbach.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Inschrift an der Kirchenfassade

mini|hochkant|Die romanische Basilika aus dem 12. Jahrhundert war neben dem Eipbach namensgebend Sehenswürdigkeiten Die Evangelische Pfarrkirche in Kircheib ist eine romanische, dreischiffige Basilika mit einem von einem Kreuzgratgewölbe überdeckten Altarraum. Sanierung und Wiederherstellung der Basilikaform von Architekt Ludwig Hofmann 1902. Die Ursprünge der Kirche mit dem markanten Wehrturm liegen im 12. Jahrhundert. In der Reformationszeit wurde die Kirche protestantisch.Zur konfessionellen Entwicklung vgl. Daniel Schneider: Die Entwicklung der Konfessionen in der Grafschaft Sayn im Grundriss, S. 74–80. Im Jahre 1589 erscheint sie als Filiale von Mehren. Sie wurde 1879 von dort abgetrennt und der evangelischen Gemeinde Asbach (Landkreis Neuwied) unterstellt, zu der sie noch heute gehört. In der Kirche befindet sich ein alter romanischer Taufstein der aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts stammt. Bei Kircheib erinnert ein Denkmal an den früheren Dreiherrenstein Meisenbach. Die Eibbach Quelle am Zeit-Reise-Weg.

Wirtschaft und Infrastruktur In der Tradition als historischer Marktflecken an der Bundesstraße 8 ist der Haupterwerb der Bewohner auch heute noch von Handel und Handwerk geprägt. Bei einer Einwohnerzahl von nur etwa 500 Kircheibern haben sich dennoch mehr als 30 kleine und größere Betriebe angesiedelt.Umfangreiche Informationen zur weiteren Entwicklung des Ortes sind einer Chronik zu entnehmen, die anlässlich der 725-Jahr-Feier im Jahre 1990 von Peter Krah, Frances de Schrevel und anderen verfasst wurde.

Literatur Ortsgemeinde Kircheib (Hrsg.): Kircheib – in Bildern und Dokumenten. Eine Chronik, 1. Auflage, Kircheib 1993.

Weblinks

Internetauftritt der Ortsgemeinde Kircheib Ortsgemeinde Kircheib auf den Seiten der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld Kurzporträt von Kircheib bei SWR

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) Kategorie:Ersterwähnung 1268