Die Liste der größten Gebirge der Erde führt Gebirge aller Kontinente der Erde nach zwei verschiedenen Größenkriterien auf. Die Größe eines Gebirges kann als Begriff für die Zahl besonders hoher und prominenter Berge (hier „Mächtigkeit“ genannt) oder für die Ausdehnung beziehungsweise Länge einer Gebirgskette aufgefasst werden.
Problematik von Rankings für Gebirge Die Aufstellung von Rangfolgen für Gebirge ist problematisch. Beliebt sind Ranglisten nach Gebirgslängen. Populäre Vergleiche von Gebirgen nutzen zumeist die bekannten Gebirgsnamen in den üblichen Grenzen, ohne geologische oder geomorphologische Realitäten zu berücksichtigen und sind damit gänzlich unwissenschaftlich und willkürlich. Einige Beispiele:Beispiel: Die 10 längsten Gebirgszüge der Welt auf bergwelten.com vom 2. August 2020, abgerufen am 9. Januar 2021.
Die Anden sind eine durchgängige, eindeutig begrenzte Gebirgskette, die durch die Überschiebung einer ozeanischen Erdkrustenplatte unter eine kontinentale Platte (Nazca-Platte und Südamerikanische Platte) entstanden ist. Im Gegensatz dazu ist der Himalaya nur ein künstlich begrenzter Ausschnitt des hochasiatischen Gebirgssystems, das durch die Überschiebung der indischen und eurasischen Platte entstand. Insofern ist ein Vergleich der Kettenlängen von Anden und Himalaya willkürlich und ohne Aussagekraft. Die Gebirgsbildung der Appalachen, des Urals oder der Great Dividing Range sind wesentlich älter als etwa der Alpen oder der Rocky Mountains. Es handelt sich dabei um Rumpfgebirge, die auf großen Strecken so stark erodiert sind, dass sie dort kaum noch Gebirge genannt werden können. So entsteht ein falsches Bild, wenn solche Bereiche (ohne Erläuterung) mit ausgemessen werden. Ebenso fraglich ist es, ob die Begrenzung einer sogenannten „Sumatra-Java-Kette“ auf die beiden größten Inseln passend ist, da sie Teil des viel größeren Sundabogens sind, der sich über ein dutzend größere und hunderte kleinere Inseln erstreckt und sich untermeerisch fortsetzt. Dies wirft im Umkehrschluss jedoch die Frage auf, ob Inselbögen wie die Kurilen- oder Aleutenkette, bei denen sich nur die Gipfelregionen über der Meeresoberfläche befinden, mit Gebirgsketten an Land verglichen werden sollten.
Sinnvolle Anpassungen wie etwa die Einführung des Begriffes Hindukusch-Karakorum-Himalaya-Kette (HKH-Kette) oder gar Hochasien als geologische Gesamt-Einheit werden in den üblichen Rankings nicht berücksichtigt.
Zudem werden Begriffe wie „Länge“ und „Ausdehnung“ häufig nur unzureichend definiert, beziehungsweise unterschieden, und die Kilometerangaben erscheinen oft grob geschätzt, sodass eine Vielzahl von unbelegten Maßen von Gebirgen kursiert, die jeweils auf anderen Grundlagen beruhen. Nur wenige wissenschaftliche Schriften beschäftigen sich mit dieser Trivialität, die den Laien jedoch leicht irreführt.Beispiel für exakte Bemessungen und Begriffsverwendungen bei der Beschreibung von Gebirgen: J. L. Lozán, S.-W. Breckle, H. Escher-Vetter, D. Kasang: Übersicht über die wichtigsten Gebirge der Erde. In: J. L. Lozán, S.-W. Breckle, H. Graßl et al. (Hrsg.): Warnsignal Klima: Hochgebirge im Wandel. S. 33–40 (klima-warnsignale.uni-hamburg.de) Abgerufen am 9. Januar 2021.
Realistischere Vergleiche mini|hochkant=1.5|Verschiedene Begriffe von „Größe“ am Beispiel der Alaskakette
Bezieht man Gebirgsvergleiche auf die tatsächlichen Verhältnisse – wie in diesem Artikel –, entstehen meist andere Ergebnisse als bei unterhaltsamen Vergleichen in den Medien. Dennoch ist zu beachten, dass auch diese Zahlen keine absoluten Größen sind: Die Erdoberfläche lässt in den seltensten Fällen eindeutige Begrenzungen zu, da geologische Strukturen als Folge sehr langer, sich immer wieder überlagernder erdgeschichtlicher Prozesse eine große Komplexität aufweisen. Insofern sind auch seriösere Vergleiche auf die Bildung (künstlicher) Cluster angewiesen. Betrachtet man nur die Geomorphologie, ist es etwas einfacher. Die folgenden drei informellen Listen sind beispielhaft.
Korrekte Abmessungen (siehe auch Abbildung): Ausdehnung: Die Länge zweier Geraden zwischen dem nördlichsten und südlichsten und dem östlichsten und westlichsten Punkt eines Gebirges (wird die Richtung nicht angegeben, handelt es sich immer um die längste der beiden Geraden) maximale Ausdehnung: Die längstmögliche Gerade zwischen zwei entgegengesetzten Punkten an den Grenzen eines Gebirges Länge: Beziffert die Distanz zwischen „Anfang“ und (dem entferntesten) „Ende“ einer Gebirgskette entlang des Hauptkammes oder einer gedachten Mittellinie, die der Gebirgsstruktur folgt
Lokalisierung aller großen Gebirgsregionen der Erde Die längsten Gebirge mini|hochkant=3.7|links|Weltkarte der längsten Gebirgsketten
In der folgenden Liste sind die 47 längsten Bergsysteme der Erde ab einer Länge von rund 1000 Kilometern erfasst (Die Sortierung erfolgt nach der eindeutigeren maximalen Ausdehnung).
Vorgaben: Gelistet sind übermeerisch verbundene Gebirgsketten und deutlich ausgeprägte Plateauränder mit weitgehend gemeinsamer Entstehungsgeschichte (Orogene, sowie Randbereiche alter Schilde und Magmaprovinzen mit hoher Reliefenergie),Florian Neukirchen: Bewegte Bergwelt: Gebirge und wie sie entstehen. Spektrum, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-2754-0. S. 81–108 (Südamerika), 109–111 (Neuseeland), 112–116, 172–180 (Nordamerika), 117–150 (Asien), 156–165 (Afrika), 166–171, 181–204 (Europa).United States Geological Survey, Earthquake Hazards Program: Geologic Province and Thermo-Tectonic Age Maps, 1997, Geologic Province Map – online, abgerufen am 26. Januar 2021. die in den Grenzen der Online-Karte Mountain Ranges des Global Mountain Biodiversity Assessment der Universität Bern (Schweiz) ohne Unterbrechung direkt aufeinander folgenGrenzen nach Map of Life, Map Data 2020, abgerufen am 21. Dezember 2020; Auflösungsmaßstab ca. 1:16,7 Mio.; basierend auf (Ausnahme: Fjorde, Seen, Flüsse, Grabenbrüche sowie Meerengen außerhalb von Inselbögen) Die (idealisierten) Kammlinien entstehen in der Regel durch die Verbindung der „schroffesten“ Gipfelregionen (Ruggedness) Bei großflächigen, stark gegliederten Gebirgssystemen werden nur die Randketten betrachtet Bei Verzweigungen der Hauptrichtung zählt immer der längste Zweig
In der abgebildeten Karte sind diese Bergketten als helle schattierte Linien dargestellt und über die ovalen Nummernfelder mit der Rangstelle lokalisierbar.