mini|hochkant=1.5|Die Schlacht zwischen der Spanischen Armada und der englischen Flotte (Gemälde der Englischen Schule, 16. Jahrhundert) Der englisch-spanische Krieg von 1585 bis 1604 wurde insbesondere als Seekrieg geführt. Ursachen waren die wachsenden religiösen, ökonomischen und politischen Gegensätze. Diese manifestierten sich in der Unterstützung der englischen Katholiken durch Spanien und umgekehrt in der englischen Hilfe für die aufständischen Niederländer in der ersten Phase des Achtzigjährigen Krieges. Das Eindringen englischer Kaufleute und Piraten in die spanische Interessensphäre in Westindien trugen das ihre zur Verschärfung der Gegensätze bei. Als Beginn des nie offiziell erklärten Krieges gilt die Unterstützung der aufständischen Niederländer 1585 durch englische Truppen und der englische Überfall auf spanische Besitzungen in Westindien. Der Höhepunkt des Krieges war der gescheiterte Invasionsversuch der spanischen Armada 1588. Eine englische Armada unternahm 1589 einen Gegenangriff auf Lissabon mit einem vergleichbaren Aufwand an Schiffen und Soldaten, auch dieser blieb erfolglos. Es kam noch zu weiteren ähnlichen englischen Unternehmen gegen spanische Kolonien in Übersee (Westindien 1595) oder gegen die iberische Halbinsel (Eroberung von Cádiz 1596) selbst. Die Spanier versuchten ihrerseits mehrfach, Truppen in Irland zur Unterstützung der dortigen Aufständischen gegen die Engländer zu landen. Dies gelang erst 1601 am Ende des neunjährigen Krieges, ohne dass dem Unternehmen ein Erfolg beschieden war. Während des gesamten Verlaufes des Krieges spielten neben den größeren Unternehmungen Kaperfahrten kleiner Verbände oder einzelner Schiffe eine wichtige Rolle. Der Krieg endete mit dem Vertrag von London im Jahr 1604.
Vorgeschichte Religiöse und ökonomische Interessenunterschiede mini|König Philipp II. von Spanien (unbekannter Maler um 1580) mini|Königin Elisabeth von England um 1580 Es hatte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts über längere Zeit gute Beziehungen bis hin zu Bündnissen zwischen England und Spanien gegeben. So war Heinrich VIII. mit Katharina von Aragón verheiratet. Maria I. war mit Philipp II. verheiratet gewesen. Auch gab es intensive wenn auch letztlich vergebliche Bemühungen, Elisabeth I. durch Heirat an das Haus Habsburg zu binden.
Belastet wurde die Beziehung durch Reformation und Gegenreformation. Von Spanien aus wurden die verbliebenen Katholiken in England unterstützt. Bereits 1559 spielte Philipp II. mit dem Gedanken einer Besetzung Englands. Zudem unterstützte Spanien in den Jahren von 1569 bis 1572 Erhebungen in England.
In wirtschaftlicher Hinsicht beherrschten englische, niederländische und teilweise Schiffe aus Hansestädten den Handel zwischen der iberischen Halbinsel und dem nördlichen Europa. Auch in Westindien waren die Spanier nicht mehr konkurrenzlos. John Hawkins unternahm 1562/63 eine erste Reise, um afrikanische Sklaven in den spanischen Kolonien zu verkaufen. Die Spannungen entluden sich 1567/68 auf dessen dritter Reise in der Schlacht von San Juan de Ulúa.Friedrich Edelmayer: Die spanische Monarchie der Katholischen Könige und der Habsburger (1474–1700). In: Peer Schmidt (Hrsg.): Kleine Geschichte Spaniens. Bonn 2005, S. 174f.Michael Maurer: Kleine Geschichte Englands. Bonn 2005, S. 136.Josef Engel: Von der spätmittelalterlichen republica christiana zum Mächteeuropa der Neuzeit. In: Theodor Schieder (Hrsg.): Die Entstehung des neuzeitlichen Europa. (Handbuch der Europäischen Geschichte, Bd. 3). 4. Auflage. Stuttgart 1994, S. 251.
Englische Freibeuter Es gab in England neben der normalen Piraterie seit längerem staatlich subventionierte und teilweise von der Krone mitfinanzierte Kaperunternehmen. Francis Drake überfiel 1572/1573 Nombre de Dios und einen Schatztransport bei Panama. Besonders spektakulär war etwa die Weltumsegelung des Francis Drake zwischen 1577 und 1580, bei der er unter anderem an der Küste des Pazifik reiche Beute machte. Elisabeth I. bestritt den spanisch-portugiesischen Entdeckeranspruch und die päpstliche Aufteilung der neuen Länder zwischen Spanien und Portugal. Die Kaperunternehmen ließen eine Gefahr für die spanische Vorherrschaft auf dem Meer am Horizont erscheinen. Dies wurde nach der Annexion Portugals durch Spanien 1580 noch verschärft. Die früheren portugiesischen Besitzungen wurden zu einem bevorzugten Angriffsziel von Freibeutern aus verschiedenen Ländern. Die Freibeuteraktionen haben erheblich zur Ausbildung der Feindschaft zwischen England und Spanien beigetragen. 1577 begann auf Betreiben von John Hawkins der Bau hochseetüchtiger Kriegsschiffe in England.Jürgen Klein: Elisabeth I. und ihre Zeit. München 2004, S. 141.Ernst Schulin: England und Schottland vom Ende des hundertjährigen Krieges bis zum Protektorat Cromwells. In: Theodor Schieder (Hrsg.): Die Entstehung des neuzeitlichen Europa. (Handbuch der Europäischen Geschichte Bd. 3). 4. Auflage. Stuttgart 1994, S. 926.Friedrich Edelmayer: Philipp II. (1527–1598): Die Biographie eines Weltherrschers. Stuttgart 2009, S. 252.Friedrich Edelmayer: Die spanische Monarchie der Katholischen Könige und der Habsburger (1474–1700). In: Peer Schmidt (Hrsg.): Kleine Geschichte Spaniens. Bonn 2005, S. 175.
Weg zum Krieg Zunächst half England den Aufständischen gegen Spanien in den Niederlanden heimlich. Das Land gewährte Glaubensflüchtlingen eine Zuflucht. Mit Blockaden und Gegenblockaden wurde der wichtige Handel zwischen England und den Niederlanden weitgehend unterbunden. Im Jahr 1574 kam es zu einem englisch-spanischen Abkommen. Der Handel zwischen beiden Ländern wurde wieder aufgenommen. Gleichzeitig fanden niederländische Schiffe keine Zuflucht in englischen Häfen mehr. Außerdem wurden die Gegner Elisabeth I. aus dem spanischen Herrschaftsbereich ausgewiesen. Im Jahr 1570 erließ der Papst eine Bulle gegen Elisabeth I. Daraufhin kam es zu päpstlich-spanischen Versuchen Unruhen in Irland weiter zu schüren und es kam 1579 und 1580 sogar zu Invasionsversuchen. In dieser Zeit entwickelte sich in England die verbreitete Vorstellung, dass Spanien ein Feind des Landes sei. Verstärkt wurde dies durch eine Konfessionalisierung der Politik und den wachsenden Einfluss der Puritaner und die ökonomische Konkurrenz im Seehandel.Michael Maurer: Kleine Geschichte Englands. Bonn 2005, S. 137.
Im europäischen Mächtegeflecht wurde England der Hauptgegner Spaniens. Sollte England besiegt werden, hätte dies den Zusammenbruch der aufständischen Niederländer bedeutet. Auch ein möglicherweise protestantisch werdendes Frankreich wäre damit neutralisiert worden. Seitdem Spanien den Krieg mit den Osmanen beendet und sich mit Portugal vereinigt hatte, war die Flotte für einen Schlag gegen England stark genug. In den Niederlanden waren die Spanier unter Farnese zu dieser Zeit erfolgreich. Seit 1582/83 begannen daher in Spanien ernsthafte Überlegungen für ein groß angelegtes militärisches Unternehmen.Josef Engel: Von der spätmittelalterlichen republica christiana zum Mächteeuropa der Neuzeit. In: Theodor Schieder (Hrsg.): Die Entstehung des neuzeitlichen Europa. (Handbuch der Europäischen Geschichte Bd. 3). 4. Auflage. Stuttgart 1994, S. 304.Friedrich Edelmayer: Philipp II. (1527–1598): Die Biographie eines Weltherrschers. Stuttgart 2009, S. 252.
In England begann man sich auf eine Verteidigung auch zu Land einzurichten. Es wurden in erheblichem Umfang Truppen ausgehoben. Insbesondere Walter Raleigh plädierte jedoch dafür, vor allem die Verstärkung der Flotte voranzutreiben.Jürgen Klein: Elisabeth I. und ihre Zeit. München 2004, S. 142.
Die Beziehungen beider Länder zerbrachen 1584, als der spanische Botschafter ausgewiesen wurde. Der Vorwurf lautete, dass dieser in einen Mordanschlag auf Elisabeth I. verwickelt gewesen sei, mit dem Ziel Maria Stuart auf den englischen Thron zu bringen.Friedrich Edelmayer: Philipp II. (1527–1598): Die Biographie eines Weltherrschers. Stuttgart 2009, S. 252.Friedrich Edelmayer: Die spanische Monarchie der Katholischen Könige und der Habsburger (1474–1700). In: Peer Schmidt (Hrsg.): Kleine Geschichte Spaniens. Bonn 2005, S. 175.
Verlauf Englische Landung in den Niederlanden Im Jahr 1585 versprach Elisabeth I. den aufständischen Niederländern im Vertrag von Nonsuch offen ihre Unterstützung. Die Engländer sagten die Unterstützung der Aufständischen mit Truppen und Material zu. Die Kosten waren nach dem Krieg zu erstatten. Die Nichterfüllung dieser Bedingung war ein Grund für den englisch-niederländischen Krieg von 1652. Umgekehrt verpflichteten sich die Niederländer, auf Anforderung Schiffe zu stellen.Rudolph Rittmeyer: Seekriege und Seekriegswesen in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Berlin 1907, S. 113.
Eine Militärexpedition unter Robert Dudley, 1. Earl of Leicester wurde in die Niederlande entsandt. Die Spanier internierten daraufhin englische und holländische Fahrzeuge und Schiffe der Hanse in spanischen Häfen. Leicester betrieb als Generalgouverneur in den Niederlanden eine Politik weniger im Interesse der englischen Regierung als vielmehr zu eigenen Gunsten. Er versuchte vergeblich die Stellung des verstorbenen Wilhelms von Oranien einzunehmen und machte sich unter den Niederländern Feinde. Er musste nach England zurückkehren und Elisabeth I. bemühte sich vergeblich um Frieden.Josef Engel: Von der spätmittelalterlichen republica christiana zum Mächteeuropa der Neuzeit. In: Theodor Schieder (Hrsg.): Die Entstehung des neuzeitlichen Europa. (Handbuch der Europäischen Geschichte Bd. 3). 4. Auflage. Stuttgart 1994, S. 142f.
Überfall auf Westindien mini|Angriff auf Santo Domingo, handkolorierter Kupferstich von Giovanni Battista Boazio, 1589 Zu einer Beilegung des englisch-spanischen Gegensatzes kam es nicht, vielmehr kam es bald zu offenen Feindseligkeiten und Elisabeth I. entsandte als Vergeltung für spanische Übergriffe Drake zum Angriff auf die spanischen Kolonien und zur Kaperung spanischer Schiffe. Dieser unternahm 1585 einen groß angelegten Überfall auf die spanischen Besitzungen in Westindien.
Dieser Angriff war kein privates Kaperunternehmen mehr, sondern ein offiziell von Elisabeth I. befohlener Flotteneinsatz. Daran beteiligt waren mindestens 25 Schiffe. An Bord waren neben den Seeleuten auch 2300 Soldaten. Es gelang der Flotte nicht, die spanische Silberflotte abzufangen. Stattdessen griff sie Vigo an der Küste Galiciens an und plünderte Santiago auf den Kapverdischen Inseln. Die Flotte fuhr in die Karibik und plünderte Santo Domingo und Cartagena. Weitere Pläne scheiterten an einer Fieberepidemie auf den Schiffen. Die Flotte nahm Kurs auf Virginia und nahm dort die gescheiterten ersten Siedler an Bord und kehrte nach England zurück.
Die Expedition hatte 750 Mann das Leben gekostet und war für die Aktionäre ein Verlustgeschäft. Die Aktion hat aber das spanische Ansehen gemindert. Insbesondere aber hat sie den Entschluss Philipp II. zu einer Invasion verstärkt.John Hampden (Hrsg.): Sir Francis Drake. Pirat im Dienst der Queen. München 1971, S. 396f.Friedrich Edelmayer: Philipp II. (1527–1598): Die Biographie eines Weltherrschers. Stuttgart 2009, S. 252.
Invasionsvorbereitungen und Überfall auf Cadiz Philipp II. plante ein breit angelegtes militärisches Vorgehen gegen England. Dies Vorhaben wurde vom Papst sanktioniert. Philipp wollte zum einen England wieder rekatholisieren und zum anderen seine Ansprüche auf den englischen Thron durchsetzen. Die Hinrichtung von Maria Stuart 1587 verschärfte den Gegensatz noch.Michael Maurer: Kleine Geschichte Englands. Bonn 2005, S. 137f. mini|Karte von William Borough, die das Handeln von Francis Drake in Cadiz 1587 zeigt