Die (, ; MINUSMA) war eine Friedensmission der Vereinten Nationen, in der im Juli 2013 die afrikanisch geführte Stabilisierungsmission AFISMA aufging. Malis Militärregierung forderte Mitte Juni 2023 den Abzug aller UN-Friedenssoldaten. Ende Juni 2023, als das Mandat der Mission auslief, beschloss der UN-Sicherheitsrat einstimmig dessen letztmalige Verlängerung für eine Dauer von sechs Monaten, so dass die Mission zum Jahresende 2023 beendet wurde. Bis Ende 2023 kamen insgesamt 310 der 17.420 UN-Angehörigen bei der Mission zu Tode.

Mandat Laut der Resolution 2584 des UN-Sicherheitsrates umfasst das Mandat der MINUSMA Mission folgende Aufgaben (nach Prioritäten geordnet): Unterstützung bei der Umsetzung des Friedensabkommens (2015), Sicherung des Waffenstillstands sowie Unterstützung des politischen Transitionsprozesses (gemeint ist die Übergabe der Staatsgewalt von der aktuell regierenden Militärjunta an eine zivile Regierung), Unterstützung bei der Wiederherstellung staatlicher Autorität (insbesondere in Zentralmali), Schutz der Zivilbevölkerung, Förderung und Schutz der Menschenrechte, Unterstützung bei der Absicherung humanitärer Hilfe.

Vorherige Mandate der Mission umfassten zudem: Stabilisierung wichtiger Bevölkerungszentren, Schutz des kulturellen Erbes und von Anlagen in Zusammenarbeit mit der UNESCO.

Resolution 2584 fordert zudem die Ausarbeitung dreimonatiger Berichte des UN-Generalsekretärs über die Lage in Nord- und Zentralmali sowie zur Mandatserfüllung der MINUSMA Mission. Neben der MINUSMA operierten weitere multilaterale Missionen in Mali: Zwei Missionen der Europäischen Union (EUCAP Sahel (zivil) und EUTM Mali (militärische Ausbildung)) sowie die Mission MISAHEL der Afrikanischen Union. Darüber hinaus waren bis Juni 2021 französische Kräfte der Opération Barkhane im Land.

Diskurs Die UN-Truppen wurden bereits kurz nach ihrem Eintreffen zum Ziel sunnitischer Extremisten. Die UN-Einheiten waren nicht auf einen Anti-Terror-Einsatz vorbereitet und erlitten durch ungeeignete Ausrüstung und unzureichende Eigensicherung Verluste durch Autobomben und Sprengfallen. Nach Ansicht von Beobachtern verfügten die Truppen der Vereinten Nationen weder über die Ausrüstung noch über die Militärdoktrin, um Terroristen erfolgreich zu bekämpfen. 2015 stellte eine Expertenkommission der UN fest, dass Friedenstruppen nicht für Anti-Terror-Operationen geeignet seien.

Geschichte Vorgeschichte

2012 benutzte die Terrororganisation Al-Qaida (AQIM), gestärkt durch Kämpfer und Waffen aus dem Bürgerkrieg in Libyen 2011, einen Aufstand der Tuareg, um sich im Norden Malis festzusetzen. Die Kämpfer wurden zunächst von französischen Truppen in der Opération Serval aus den von ihnen besetzten Dörfern vertrieben und tauchten unter.

UN-Mission mini|Niederländischer Soldat der MINUSMA im September 2013 Die UN-Mission wurde mit der Resolution 2100 des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen vom 25. April 2013 gegründet. Ziel ist die Stabilisierung des Staates Mali im Anschluss an die Opération Serval. Das Mandat umfasste 11.000 Soldaten. Es war zunächst auf ein Jahr bis zum 1. Juli 2014 befristet und wurde in den folgenden Jahren jeweils im Juni für ein weiteres Jahr verlängert, zuletzt 2019 bis Juni 2020.

Am 31. März 2014 betrug die Stärke des MINUSMA-Kontingents 6.483 Soldaten und 986 Polizisten. Ein Jahr später (31. März 2015) betrug die Stärke des MINUSMA-Kontingents 9.142 Soldaten und 1.178 Polizisten.

Die Schwedischen Streitkräfte beteiligen sich seit 2013 an MINUSMA. Sie stellen eine gemischte verstärkte Aufklärungskompanie (zuerst im Camp Nobel bei Timbuktu, Ende des Jahres 2020 nach Gao verlegt), ein Transportfliegerdetachment mit einer Transportmaschine von Typ Lockheed-Martin C-130 Hercules (temporär in Rotation, siehe unten) im Camp Bifrost in Bamako sowie Stabsoffiziere im Missionshauptquartier. Die Gesamtstärke des schwedischen Kontingents beträgt etwa 310 Mann.

Von Oktober 2015 bis Oktober 2016 stellten die indonesischen Streitkräfte ein Helikopterdetachment aus drei Mil Mi-17 sowie 140 Mann für die Mission bereit. Dieses Heeresfliegerkontingent wurde aus der Friedensmission UNAMID in Darfur abgezogen und MINUSMA unterstellt.

Seit dem Jahr 2016 stellen Norwegen, Schweden, Dänemark, Portugal und Belgien der MINUSMA auf Rotationsbasis abwechselnd eine Transportmaschine vom Typ Lockheed-Martin C-130 Hercules/Super Hercules beziehungsweise vom Typ CASA C-295 zur Verfügung.

Seit dem 1. Februar 2019 ist in Bamako zusätzlich ein Transportdetachment der tunesischen Luftstreitkräfte mit jeweils einer C-130 Hercules/Super Hercules und 75 Mann stationiert. Der Einsatz war vorerst für ein Jahr geplant, wurde aber verlängert. Er gilt als der erste Auslandseinsatz der tunesischen Luftstreitkräfte. Tunesien plant außerdem, eine 750 Mann starke Quick Reaction Force, bestehend aus Spezialkräften des tunesischen Heeres, für den MINUSMA-Einsatz zur Verfügung zu stellen.

Seit Januar 2020 stellt die britische Armee der MINUSMA eine verstärkte Aufklärungskompanie zur Verfügung. Diese 250 Soldaten starke Einheit (davon 16 Frauen) ist in Gao stationiert. Die Bundeswehr errichtete zur Unterbringung der Briten das Camp Bagnold. Der Einsatz des britischen Kontingents wurde auf drei Jahre begrenzt. Die ersten eingesetzten Kräfte stammen hauptsächlich von den Light Dragoons sowie vom Royal Anglian Regiment. Des Weiteren gehören EOD[=Explosive Ordnance Disposal, international verwendete Bezeichnung für Kampfmittelbeseitigung]-, Sanitäts- und Drohnenkräfte zum britischen Kontingent.

Pakistan war bereits Ende 2018 von den Vereinten Nationen gebeten worden, Hubschrauber für MINUSMA zur Verfügung zu stellen. Nach Erkundung im März 2019 und Eintreffen der Vorauskräfte im Januar 2020 kamen im Februar 2020 auch die Hauptkräfte mit drei Mi-17-Transporthubschraubern des pakistanischen Heeres im Land an. Die drei Maschinen wurden mit Transportflugzeugen vom Typ Antonow An-124 nach Bamako geflogen und dort innerhalb von drei Tagen wieder flugbereit gemacht. Sie verlegten über Mopti nach Timbuktu, von wo sie seitdem (?) als Pakistan Army Unit-1 (PAU-1) im gesamten Missionsgebiet der MINUSMA eingesetzt werden.

Sicherheitslage 2020 Sieben Jahre nach Start der MINUSMA zum Stand 2020 hat sich die Zahl der Anschläge in Burkina Faso, Mali und Niger seit 2016 verfünffacht. Mehr als 4.000 Menschen starben allein 2019. In Burkina Faso stieg die Zahl der Opfer von 80 Toten 2016 auf über 1800 Tote im Jahr 2019 an. Den an MINUSMA beteiligten Streitkräften des Sahelbündnisses G5 werden zahlreiche Menschenrechtsverletzungen durch willkürliche Hinrichtungen und Verschwindenlassen von Menschen vorgeworfen.

Die im Jahr 2021 an die Macht geputschte malische Militärjunta, die enge Beziehungen zu Russland unterhält, behinderte Personalwechsel der Truppen und nahm ivorische Soldaten gefangen. Frankreich zog am 15. August 2022 seine Soldaten aus Mali ab.

Aussetzen der deutschen Beteiligung und offizielles Ende der Mission Am 19. Januar 2022 verweigerten lokale malische Behörden einem deutschen Militärtransporter mit 75 Soldaten an Bord den Überflug. Die Transportmaschine musste daraufhin nach Gran Canaria ausweichen.

Die malische Militärjunta verweigerte der UN-Mission trotz vorheriger gegenteiliger Versprechen im August 2022 erneut die Überflugrechte; daraufhin beschloss die deutsche Bundesregierung, den MINUSMA-Einsatz auszusetzen und die Bundeswehr bis Mai 2024 aus Mali abzuziehen. Um trotzdem in der Region präsent zu bleiben, stimmte der Bundestag Ende April 2023 einer Beteiligung an der neuen Partnerschaftsmission der Europäischen Union in Niger (EUMPM Niger) zu, für die bis zu 60 Bundeswehrsoldaten eingesetzt werden.https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/bundeswehr-mali-niger-102.htmlhttps://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/bundeswehr-eu-mission-niger-2181660

Im Juni 2023 beschloss der UN-Sicherheitsrat einstimmig das Ende der MINUSMA-Mission, nachdem zuvor die malische Regierung den vollständigen Abzug aller Blauhelmsoldaten gefordert hatte. Im Rahmen der Resolution 2690 wurde eine schrittweise Beendigung der Mission beschlossen, wodurch die beteiligten Soldaten das bewaffnete Mandat bis 30. September weiter ausführen durften. Zugleich sicherten die truppenstellenden Staaten zu, bis zum 30. Dezember des Jahres ausnahmslos alle Truppen abzuziehen. Am 12. Dezember 2023 verließen die letzten deutschen Soldaten Mali.

Todesfälle und Verletzte Soldaten und Missionsangehörige sind ständiger Bedrohung durch terroristische Gruppierungen ausgesetzt, beziehungsweise können Opfer von zwischenethnischen Konflikten oder von Kriminalität werden. Die folgende Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Insgesamt starben 310 der insgesamt 17.420 UN-Angehörigen (Stand Oktober 2023). Damit ist die Mission eine der verlustreichsten der Vereinten Nationen seit dem Koreakrieg.Kevin Sieff: "The world’s deadliest U.N. mission" Washington Post vom 17. Februar 2017

2013 Am 23. Oktober 2013 fielen zwei tschadische Blauhelme bei einem komplexen Angriff, sechs weitere wurden verwundet. Drei der Verwundeten erlagen später ihren Verletzungen. Der UN-Checkpoint an der Kreispräfektur Tessalit wurde zuerst mit einem Selbstmordattentäter in einem Fahrzeug angesprengt. Unmittelbar darauf griffen drei weitere Selbstmordattentäter zu Fuß, mit Sprengstoffwesten, welche chinesische 60-mm-Mörsergranaten enthielten, die Blauhelme an. Auch drei Zivilisten, darunter ein Kind wurden verletzt. Französische Soldaten kamen zur Unterstützung der Blauhelme. In der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 2013 wurden bei einem Selbstmordattentat mit einem Fahrzeug auf eine Bank in Kidal zwei senegalesische UN-Soldaten getötet. Sieben weitere wurden verwundet, einer davon schwer. Auch mehrere malische Soldaten wurden verwundet.

2014 Am 20. Januar 2014 kamen sechs tschadische Blauhelme ums Leben, nachdem sie mit ihrem Fahrzeug nahe Kidal auf eine Mine aufgefahren waren. Am 16. März 2014 wurde ein weiterer Blauhelm aus dem Tschad bei Tessalit durch die Explosion einer Mine schwer verwundet. Am 25. April 2014 wurde ein guineischer Peacekeeper bei Kidal durch die Explosion einer Mine schwer verwundet. Am 13. Mai 2014 wurden drei senegalesische Blauhelme nahe Kidal schwer verwundet. Am 2. Juni 2014 wurden drei malische MINUSMA-Angestellte durch eine Minenexplosion bei Aguelhok schwer verletzt. Am 10. Juni 2014 verstarben zwei kambodschanische Blauhelmsoldaten durch eine Lebensmittelvergiftung nach Verzehr verdorbener Einsatzrationen. Am 11. Juni 2014 fielen vier tschadische Soldaten bei einem Selbstmordanschlag in Aguelhok in der Region Kidal. Am 30. Juni 2014 starb ein Blauhelm aus Burkina-Faso durch eine Minenexplosion auf der Strecke zwischen Goundam und Timbuktu, sechs weitere wurden verwundet. Einer der Verwundeten erlag später seinen Verletzungen.

2015 hochkant|mini|General Lollesgaard (Dänemark), Force Commander 2015 bis 2017 Am 17. März 2015 stürzte ein Kampfhubschrauber AH-64D Apache der niederländischen Luftwaffe bei einem Trainingsflug 47 Kilometer nördlich von Gao ab. Hierbei wurde der Kommandant Hauptmann René Zeetsen sofort getötet, das zweite Besatzungsmitglied, Oberleutnant Ernst Mollinger, erlag kurz darauf im französischen Role-2-Lazarett in Gao seinen schweren Verletzungen.

2016 Am 4. Juli 2016 kam es in Kidal bei einem Übungsschießen mit einem Mörser zu einem Schießunfall, bei dem zwei niederländische Blauhelmsoldaten getötet sowie ein dritter schwer verletzt wurde.

Bei einem islamistischen Angriff der Ansar Dine am 12. Februar 2016 auf das Camp der MINUSMA in Kidal wurden sechs Blauhelmsoldaten aus Guinea getötet und 30 weitere verletzt.

2017 mini|links|Kräfteansatz der MINUSMA im Juni 2017