Die Kirche in Georgenburg in Ostpreußen war bis 1945 evangelische Pfarrkirche im heutigen Majowka in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)). Das Gotteshaus wurde 1693 als Ziegelbau errichtet und ist heute – bei mannigfacher Fremdnutzung – lediglich eine Ruine mit angebauter Lagerhalle.
Geographische Lage Majowka liegt zwei Kilometer nördlich des Stadtzentrums der Rajonhauptstadt Tschernjachowsk (Insterburg) an der russischen Fernstraße A 197 (frühere deutsche Reichsstraße 137) am Flüsschen Inster (russisch: Instrutsch). Die nächste Bahnstation ist Tschernjachowsk an der Bahnstrecke Kaliningrad–Nesterow (Königsberg–Stallupönen/Ebenrode) – Teilstück der einstigen Preußischen Ostbahn – zur Weiterfahrt nach Litauen und in das russische Kernland.
Kirchengebäude Bereits im Jahre 1429 gab es in Georgenburg eine KircheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung, Hamburg, 1968, Seite 41. Der heute noch vorhandene, jedoch ruinöse ZiegelbauWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen, 1968, Seite 102, Abb. 440 und 441 mit polygonal geschlossenem Chor wurde im Jahre 1693 errichtet und erhielt im Jahre 1847 einen erhöhten Turm.
Der Innenraum war flach gedeckt. Der Altar und die Kanzel waren reichhaltig mit Schnitzereien verziert. Beide stammten aus der Zeit um 1700 und wurden später zu einem Kanzelaltar vereinigt. Das Schnitzwerk hatte seine Entsprechungen an den Emporenbrüstungen. Der gesamte Innenraum wurde 1857 aufwändig restauriert.
Um 1770 erhielt die Kirche eine Orgel. Das Geläut bestand aus zwei Glocken.
Die Kirche stand westlich vom Schloss auf einer Anhöhe über dem InstertalGeorgenburg bei wiki.genealogy.net (mit Bildern der Kirche und des heute noch vorhandenen Pfarrhauses). Der Blick von den Flusswiesen auf das Ensemble von Burg, Pfarrkirche und den hohen Gutsgebäuden war ansehnlich. In diesem Panorama fehlt heute das Gotteshaus.
Kirchengemeinde Bereits in vorreformatorischer Zeit war Georgenburg ein KirchdorfWalther Hubatsch, Die Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen, 1968, Seite 481. Die reformatorische Lehre hielt hier bereits sehr früh Einzug. Zwischen 1542 und 1564 wurde Georgenburg von der Kirche Saalau (russisch: Kamenskoje) aus verwaltet. Schon bald war der Ort der Inspektion Insterburg zugeordnet und blieb bis 1945 im Kirchenkreis Insterburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
Im Jahr 1925 zählte das weitflächige Kirchspiel 5200 Gemeindeglieder. Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung sowie restriktiver Kirchenpolitik der Sowjetunion kam nach 1945 das kirchliche Leben hier zum Erliegen. Heute liegt Majowka im Einzugsbereich der in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Pfarrgemeinde in Tschernjachowsk (Insterburg) innerhalb der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Kirchspielorte Das Kirchspiel Georgenburg gliederte sich neben dem Pfarrort in 42 einzelne Orte, Ortschaften und WohnplätzeWalther Hubatsch, wie oben, Band III, Seite 481 (* = Schulort): Name Namensänderung1938–1946 Russischer Name Name Namensänderung1938–1946 Russischer Name Augustlauken Lindenhof *Auxkallen Ringelau Nettienen Krasnaja Gorka Auxkallnehlen Blumenbach Neugrün Blumental Owraschnoje Neusorge Budwethen Schönwaldau(seit 1931) Woronino Neuteich Eszergallen (Eßergallen) Padrojen Drojental Gornostajewo Freiwalde *Pagelienen Perelesnoje Georgenburgskehlen Kleingeorgenburg Timirjasewo *Pleinlauken Rosenthal Nismennoje Geswethen Landwehr Nagornoje Pawarutschen *Gillischken Insterblick Priretschnoje Reckeitschen *Groß Kalkeningken Kalkhöhe Saborje Roßthal Krugloje Guttawutschen Lipowka Stagutschen Kammergut Ischdaggen Brandenau Berestowo *Sterkeninken Starkenicken Sowchosnoje Justinenhof Szacken (Schacken) Schackenau Lipowka *Kamputschen Szieleitschen (Schieleitschen) Kamszarden Bergental(seit 1928) Priwolnoje Tarputschen Tarpen Brjanskoje *Kauschen Horstenau(seit 1928) Tobacken Klein Kalkeningken Uszeszernab 1928: Roßthal Krugloje Klein Reckeitschen Blüchersdorf Waldhaus *Leipeningken Georgental(seit 1928) Dowatorowka Werxnen Tonfelde Leppienen Zwion Dowatorowka
Pfarrer An der Georgenburger Kirche amtierten von der Reformation bis 1945 als evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, wie oben, Seite 41: NN. N. Arnoldi, ab 1538 NN., 1541 Laurentius Scheyer, ab 1564 Johann Walther, 1568–1572 NN., ab 1573 Johann Bilauck, 1576–1603 Valentin Feuerstock, 1604–1626 Georg Kewnick, 1626–1659 Georg Pusch, 1659 Johann Rebentisch d. Ä., ab 1659 Christoph Rebentisch, 1679–1680 Johann Rebentisch d. J., 1680–1710 Georg Friedrich Dressler, 1709–1710 Chr. Friedrich Weißermel, 1710–1725 Peter Gottlieb Mielcke, 1726–1735 Johann Samuel Hassenstein, 1736–1755 Christian Lowin, 1755–1771 Hohann Wilhelm Vorhoff. 1771–1819 Abraham Hart, 1798–1801 Ludwig Böhmer, 1802–1812 Gottfried Ludwig Hirsch, 1812–1833 Leopold Jacob Krüger, 1833–1857 Ernst Adolf Jacob Krüger, 1850–1857Krüger († 1858), Passauer († 1876) und Neßlinger († 1938) waren Angehörige des Corps Littuania Franz Theodor W. Passauer, 1857–1876 Friedrich Oskar Meder, 1876–1894 Franz Martin Neßlinger, 1894–1933 Erich Riedel, 1933–1940 Herbert Drews, 1940–1945
Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut in den 1690er Jahren Kategorie:Kirchenruine in Russland Kategorie:Kirchengebäude in der Oblast Kaliningrad Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Rajon Tschernjachowsk Georgenburg