mini|Logo der Bezirksregierung Münster Der Regierungsbezirk Münster ist einer von fünf Regierungsbezirken in Nordrhein-Westfalen, besteht seit 1816 und gehörte bis 1946 zur preußischen Provinz Westfalen. Erster Regierungspräsident war Ludwig von Vincke. Verwaltungssitz ist Münster.
Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf der Europäischen Union, ausgedrückt in Kaufkraftparität, erreichte der Regierungsbezirk Münster im Jahr 2015 einen Index von 105 (EU-28: 100).
Geographie Der Regierungsbezirk Münster liegt im Norden Nordrhein-Westfalens. Innerhalb des Landes grenzt er an die Regierungsbezirke Detmold im Osten, Arnsberg im Süden und Düsseldorf im Südwesten, ansonsten an das Land Niedersachsen im Norden und die Niederlande im Westen. Der Bezirk umfasst zum größeren Teil das überwiegend ländlich geprägte Münsterland. Im Nordosten befindet sich das Tecklenburger Land. Im Südwesten hat er Anteil am städtischen Ballungsraum Ruhrgebiet mit einer deutlich höheren Bevölkerungsdichte. Zum Regierungsbezirk Münster gehört eine Exklave der Stadt Gelsenkirchen im Stadtgebiet von Bochum (Regierungsbezirk Arnsberg).
Die höchste Erhebung des Regierungsbezirks Münster ist der Westerbecker Berg in der Gemeinde Lienen mit einer Höhe von und liegt im Teutoburger Wald.
Verwaltungsgliederung Der Regierungsbezirk besteht aus fünf Kreisen mit insgesamt 75 kreisangehörigen Gemeinden und drei kreisfreien Städten. Kreise Borken Coesfeld Recklinghausen Steinfurt Warendorf Kreisfreie Städte Bottrop Gelsenkirchen Münstermini|hochkant=1.5|Der Regierungsbezirk Münster (BOT=Bottrop, GE=Gelsenkirchen, MS=Münster)
Geschichte Vor dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 bestanden auf dem Gebiet des heutigen Regierungsbezirks das Hochstift Münster, die Grafschaften Tecklenburg, Ober-Lingen und Steinfurt, die Herrschaften Anholt und Gemen sowie das Vest Recklinghausen, das zu Kurköln gehörte. Nachdem das Stift Münster säkularisiert und als Erbfürstentum Münster an Preußen gefallen war, wurde als Vorläufer der späteren Bezirksregierung 1803 in Münster eine Kriegs- und Domänenkammer unter Leitung des Freiherrn vom Stein eingerichtet. Während der Franzosenzeit war Münster von 1808 bis 1811 Verwaltungssitz des Departement der Ems im Großherzogtum Berg und von 1811 bis 1813 des Département Lippe im französischen Kaiserreich. Von 1813 bis 1815 gehörten Münster und das Münsterland zum Generalgouvernement zwischen Weser und Rhein.
Die Geschichte des heutigen Regierungsbezirks Münster geht auf die preußische Verordnung über die verbesserte Einrichtung der Provinzialbehörden vom 30. April 1815 zurück. Damals wurde Preußens Verwaltung nach dem Wiener Kongress neu geordnet und zunächst in zehn Provinzen eingeteilt, denen jeweils zwei oder mehr Regierungsbezirke angehören, diese in mehrere Kreise untergliedert werden sollten.Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzial-Behörden vom 30. April 1815. In: Gesetz-Sammlung für die königlichen Preußischen Staaten, Nr. 9 vom 8. Juli 1815, S. 85 ff., Digitalisat und weitere Informationen im Internet-Portal "Westfälische Geschichte". Eine der neu gebildeten Provinzen war die Provinz Westfalen. Die Einteilung der Provinz Westfalen und die Bildung der Regierungsbezirke Münster, Minden und Arnsberg wurde mit Bekanntmachung vom 25. Juli 1816 verfügt.Amts-Blatt für die Provinz Westfalen vom 20. Juli 1816, S. 310 (Landesbibliothek Münster) Im Verlauf der Gründung nahm der von Friedrich Wilhelm III. zum Oberpräsidenten ernannte Ludwig Freiherr von Vincke bereits am 25. Mai 1815 seine Amtsgeschäfte in der Provinzialhauptstadt auf.
Die Verwaltungsgliederung sah ab 1816 wie folgt aus:
Kreise:
Kreis Ahaus (bis zum 31. Dezember 1974, anschließend im Kreis Borken) Kreis Beckum (bis zum 31. Dezember 1974, anschließend im Kreis Warendorf) Kreis Borken (ab dem 1. Januar 1975 mit dem Kreis Ahaus und der Stadt Bocholt) Kreis Coesfeld (ab dem 1. Januar 1975 mit großen Teilen des Kreises Lüdinghausen und Gebietsteilen des Kreises Münster) Kreis Lüdinghausen (bis zum 31. Dezember 1974, anschließend Aufteilung auf die Kreise Coesfeld, Warendorf und Unna [im Regierungsbezirk Arnsberg]; Bockum-Hövel wurde in die Stadt Hamm [im Regierungsbezirk Arnsberg] eingemeindet) Kreis Münster (bis zum 31. Dezember 1974, dann Aufteilung auf die kreisfreie Stadt Münster und die Kreise Coesfeld, Steinfurt und Warendorf) Kreis Recklinghausen (ab dem 1. Januar 1975 mit den bisher kreisfreien Städten Recklinghausen und Castrop-Rauxel [bisher im Regierungsbezirk Arnsberg], ab dem 1. Juli 1976 auch mit der bisher kreisfreien Stadt Gladbeck) Kreis Steinfurt (ab dem 1. Januar 1975 mit dem Kreis Tecklenburg und Gebietsteilen des Kreises Münster) Kreis Tecklenburg (bis zum 31. Dezember 1974, anschließend im Kreis Steinfurt) Kreis Warendorf (ab dem 1. Januar 1975 mit großen Teilen des Kreises Beckum und Gebietsteilen der Kreise Münster und Lüdinghausen)
Kreisfreie Städte: Bocholt (seit 1923 kreisfrei, ab dem 1. Januar 1975 wieder im Kreis Borken) Bottrop (seit 1921 kreisfrei, ab dem 1. Januar bis zum 5. Dezember 1975 um die kreisfreie Stadt Gladbeck und Kirchhellen, Kreis Recklinghausen, vergrößert, ab dem 1. Juli 1976 kam Kirchhellen endgültig zu Bottrop) Buer (von 1912 bis 1928 kreisfrei, ab dem 1. April 1928 Teil von Gelsenkirchen) Gelsenkirchen (bis einschließlich März 1928 Teil des Regierungsbezirks Arnsberg, ab dem 1. Januar 1975 mit kleinen Gebietsteilen der ehemaligen Gemeinde Altendorf-Ulfkotte, Kreis Recklinghausen) Gladbeck (seit 1921 kreisfrei, ab dem 1. Januar bis zum 5. Dezember 1975 in der Stadt Bottrop, anschließend wieder kreisfrei, ab dem 1. Juli 1976 wieder im Kreis Recklinghausen) Münster (ab dem 1. Januar 1975 mit etlichen Gemeinden des Kreises Münster) Osterfeld (von 1922 bis 1929 kreisfrei, ab dem 1. August 1929 Teil von Oberhausen, Regierungsbezirk Düsseldorf) Recklinghausen (seit 1901 kreisfrei, ab dem 1. Januar 1975 wieder im Kreis Recklinghausen)
Nach dem Gesetz über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets vom 29. Juli 1929 bewirkte die nordrhein-westfälische Gebietsreform 1975 eine weitgehende Neuordnung der Kreise und kreisfreien Städte und brachte die aktuelle Einteilung hervor.
Regierungspräsidenten mini|Sitz der Bezirksregierung am Domplatz Münster Zeitraum Regierungspräsident(in) Partei 1816–1844 Ludwig von Vincke 1845–1846 Justus Wilhelm von Schaper 1846–1849 Eduard Heinrich von Flottwell 1850–1871 Franz von Duesberg 1871–1882 Friedrich von Kühlwetter 1883–1889 Norbert Eduard von Hagemeister 1887–1890 August von Liebermann 1890–1897 Hermann Schwarzenberg 1897–1909 Alfred Gescher DKP 1909–1913 Jaroslaw von Jarotzky 1913–1922 Felix von Merveldt DNVP 1922–1926 Heinrich Haslinde 1926 Carl Hettlage 1926–1932 Rudolf Amelunxen Zentrum 1932–1933 Hermann Pünder Zentrum 1933–1934 Kurt Matthaei NSDAP 1934–1941 Kurt Klemm NSDAP 1941–1943 Günther von Stosch NSDAP 1943 Theodor Fründt NSDAP 1944–1945 Walter Ruhs NSDAP 1945 Clemens von Oer 1945–1956 Franz Hackethal 1957–1958 Bernhard Reismann Zentrum 1959–1973 Josef Schneeberger CDU 1973–1978 Egbert Möcklinghoff CDU 1978–1995 Erwin Schleberger CDU 1995–2007 Jörg Twenhöven CDU 01.09.2007–31.05.2011 Peter Paziorek CDU 01.06.2011–30.09.2011 Dorothee Feller (kommissarisch) parteilos 01.10.2011–31.08.2017 Reinhard Klenke CDU 31.08.2017–29.06.2022 Dorothee Feller CDU 29.06.2022–31.08.2022 Ansgar Scheipers (kommissarisch) parteilos seit 01.09.2022 Andreas Bothe FDP
Einwohnerentwicklung Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen des Regierungsbezirks Münster nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bei den Zahlen handelt es sich bis 1970 um Volkszählungsergebnisse und ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes. Die Zahlen für 1975, 1980 und 1985 sind geschätzte Werte, die Zahlen ab 1987 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987. Die Angaben beziehen sich für 1837 auf die „Zivilbevölkerung“, ab 1861 auf die „Ortsanwesende Bevölkerung“, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und ab 1987 auf die „Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung“. Jahr Einwohner 1819 360.762 1837 402.144 1861 (3. Dez.) 442.397 1867 (3. Dez.) 439.213 1871 (1. Dez.) 435.805 1880 (1. Dez.) 470.644 1885 (1. Dez.) 494.275 1890 (1. Dez.) 536.241 1900 (1. Dez.) 699.583 Jahr Einwohner 1910 (1. Dez.) 989.119 1925 (16. Juni) 1.283.281 1939 (17. Mai) 1.602.720 1950 (13. Sep.) 1.909.791 1961 (6. Juni) 2.259.344 1970 (27. Mai) 2.402.124 1975 (31. Dez.) 2.404.220 1980 (31. Dez.) 2.416.680 1985 (31. Dez.) 2.402.257 Jahr Einwohner 1987 (25. Mai) 2.389.192 1990 (31. Dez.) 2.476.470 1995 (31. Dez.) 2.573.490 2000 (31. Dez.) 2.612.301 2005 (31. Dez.) 2.622.623 2008 (31. Dez.) 2.605.365 2011 (31. Dez.) 2.572.221 2013 (31. Dez.) 2.574.148 2014 (31. Dez.) 2.580.664
Bevölkerungsreichste Städte
Regionalrat
Der Regionalrat wird nach jeder Kommunalwahl aufgrund der Kommunalwahlergebnisse (Stadtrats- bzw. Gemeinderatswahl) der kreisangehörigen Gemeinden der Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf sowie der kreisfreien Stadt Münster gebildet. Die kreisfreien Städte Bottrop und Gelsenkirchen sowie der Kreis Recklinghausen sind nicht im Regionalrat repräsentiert, da für sie die Verbandsversammlung des Regionalverbands Ruhr die Funktion des Regionalrats übernimmt.
Aktuell gibt es im Regionalrat folgende Sitzverteilung nach Fraktionen (Stand September 2020):
CDU GRÜNE SPD Fraktionslos Gesamt 8 4 4 1 17 FDP 1
Weblinks
Website der Bezirksregierung Münster Website des Landes Nordrhein-Westfalen Geschichte und Karten des Bezirks
Einzelnachweise
Munster
Munster Kategorie:Geographie (Münster) Kategorie:Verwaltungsgliederung Nordrhein-Westfalens Munster Kategorie:Luftfahrtbehörde (Deutschland) Kategorie:Domplatz (Münster)