Dalneje (, ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gwardeisk im Rajon Gwardeisk.
Zu Dalneje gehören auch die Überbleibsel der ehemaligen Orte Drusken (russisch zunächst Bykowskoje), Groß Aßlacken (Klewernoje), Guttschallen (Sarutscheinoje) und Szorkeninken/Schorkenicken.
Geographische Lage Dalneje liegt etwa 25 Kilometer nordöstlich der Rajonstadt Gwardeisk (Tapiau) an der Föderalstraße A216 (auch Europastraße 77) auf dem Wege von Talpaki (Taplacken) nach Bolschakowo (Groß Skaisgirren/Kreuzingen). Eine Bahnanbindung ist nicht vorhanden.
Ungewöhnlich ist, dass nur fünf Kilometer weiter nordöstlich von Dalneje an der Straße nach Bolschakowo, allerdings bereits im Rajon Polessk, ein weiterer Ort gleichen Namens liegt: Dalneje (Bittkallen/Bitterfelde). Ein dritter Ort gleichen Namens lag nur sieben Kilometer weiter westlich – bei Olchowka (Köllmisch Damerau): Dalneje (bis 1946 Pettkuhnen), ist jetzt aber nicht mehr existent.
Geschichte Für Groß Schirrau liegen zwei Gründungsdaten vor: um 1400 sowie eine Zweitgründung im Jahre 1534.D. Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Groß Schirrau Von 1874 bis 1945 war der Ort namensgebend für einen neu errichteten Amtsbezirk,Rolf Jehke, Amtsbezirk Groß Schirrau der zum Kreis Wehlau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Im Jahre 1910 zählte Groß Schirrau 358 Einwohner. Am 30. September 1928 wurde durch Zusammenschluss umliegender Ortschaften die Landgemeinde Schirrau gebildet, in die neben dem Hauptort Groß Schirrau die Ortschaften Drusken (russisch nach 1945 zunächst Bykowskoje), Eichenberg, Espenhain, Klein Schirrau (Surikowo, nicht mehr existent), Neu Schirrau (Kawkasskoje, nicht mehr existent) und Reußwalde eingemeindet waren. Im Jahre 1933 waren hier 493 Einwohner ansässig, im Jahre 1939 waren es 492.
In Folge des Zweiten Weltkrieges kam Groß Schirrau mit dem nördlichen Ostpreußen 1945 zur Sowjetunion. 1947 erhielt der Ort die in Russland vielfach vorkommende Ortsbezeichnung „Dalneje“ und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Talpakinski selski Sowet (dem späteren Kuibyschewski selski Sowet) im Rajon Gwardeisk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 17. November 1947) Von 2005 bis 2014 gehörte Dalneje zur Landgemeinde Sorinskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Gwardeisk.
Amtsbezirk Groß Schirrau (1874–1945) Zum 1874 neu geschaffenen Amtsbezirk Groß Schirrau gehörten anfangs 19 Landgemeinden (LG) bzw. Gutsbezirke (GB): Name Russischer Namenach 1945 Bemerkungen Eichenberg (LG) später zur LG Schirrau gehörig Groß Aßlacken (LG) Klewernoje 1928 umbenannt in LG Aßlacken Groß Papuschienen (LG),1938–1945: Groß Grauden Romaschowo 1931 umbenannt in LG Papuschienen Groß Schirrau (LG) Dalneje 1928 umbenannt in LG Schirrau Guttschallen (LG) Sarutscheinoje Klein Aßlacken (LG) Klenewoje vor 1883 in die LG Groß Aßlacken eingegliedert Klein Papuschienen (LG),1938–1945: Kleingrauden Tichoje 1931 in die LG Papuschienen eingegliedert Klein Schirrau (GB) Surikowo 1928 in die LG Schirrau eingegliedert Lapischken (LG),1938–1945: Fuchshügel Dubrowskoje Lieneballen (LG),1938–1945: Liene 1931 umbenannt in LG Stadthausen Neu Schirrau (LG) Kawkasskoje später zur LG Schirrau zugehörig Pareyken (LG) Bolschije Topki 1928 in die LG Reinlacken (Amtsbezirk Parnehnen) eingegliedert Pesseln (LG) 1928 in die LG Reinlacken eingegliedert Puschienen (LG),1938–1945: Reimersbruch 1928 in die LG Reinlacken eingegliedert Schorkeninken (LG),1938–1945: Schorkenicken Stadthausen (GB) Doroschnoje 1928 in die LG Lieneballen (ab 1931 Stadthausen) eingegliedert Ußballen (LG),1938–1945: Warstädt 1928 in die LG Reinlacken eingegliedert Ußjauern (GB),1938–1945: Michelsheide 1928 in die LG Lapischken eingegliedert Wachlacken (GB) Malyje Topki 1928 in die LG Reinlacken eingegliedert Aufgrund der mannigfachen Umstrukturierungen bildeten am 1. Januar 1945 lediglich noch sieben Gemeinden den Amtsbezirk Groß Schirrau: Aßlacken, Fuchshügel, Grauden, Guttschallen, Schirrau, Schorkenicken und Stadthausen.
Kirche Groß Schirrau Kirchengebäude In den Jahren 1908/1909 erhielt Groß Schirrau eine eigene evangelische KircheWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band II: Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 84, die am 21. Dezember 1909 feierlich eingeweiht wurdeDalneje - Schirrau bei ostpreussen.net. Zu diesem Bau hatte die Gastwirtschaft Ragnit das Grundstück gestiftet und von vielen Bauern stammte das Baumaterial. Kaiserin Auguste Viktoria vermachte der Kirche eine wertvolle Altarbibel mit eigenhändiger Widmung.
Den Zweiten Weltkrieg überstand die KircheBild der Kirche vor 1945 weitestgehend unbeschadet. 1994 begann man zwecks Beschaffung von Baumaterial das Kirchenschiff abzureißen. Heute steht nur noch der seitwärts gesetzte Turm als RuineTurm der Kirche im März 2012Turm der Kirche im Mai 2012. Die Kirche Groß Schirrau (russisch: Кирха Гросс ШиррауKirche Groß Schirrau bei prussia39.ru) soll restauriert werden und steht unter staatlichem Schutz.
Kirchengemeinde Bis 1902 war Groß Schirrau in das Kirchspiel der Kirche in Plibischken (heute russisch: Gluschkowo) eingepfarrt.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III: Dokumente, Göttingen 1968, S. 475. Erst dann wurde hier eine eigene Kirchengemeinde errichtet, die aber noch bis 1909 mit Plibischken verbunden und durch einen Hilfsprediger von dort versorgt wurde. Im Jahre 1911 wurde das Pfarrhaus neben der Kirche errichtet. Die Kirche Groß Schirrau war patronatlos. Im Jahre 1925 zählte die Pfarrei 2.506 Gemeindeglieder, die in 40 Kirchspielorten wohnten. Bis 1945 war die Kirchengemeinde Groß Schirrau dem Kirchenkreis Wehlau in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zugeordnet. In der Zeit des Dritten Reiches war die Gemeinde der Bekennenden Kirche zugehörig.
Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung und der nachfolgenden restriktiven Religionspolitik der Sowjetunion brach das kirchliche Leben auch im vormaligen Kirchspiel Groß Schirrau ein. Heute liegt der Ort im Einzugsbereich der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Talpaki (Taplacken). Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad (russisch/deutsch) der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland.
Kirchspielorte Das im Jahre 1902 geschaffene Kirchspiel Groß SchirrauWalther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band III (wie oben) wurde durch Umpfarrung von Orten aus den Kirchspielen Petersdorf (heute russisch: Kuibyschewskoje) und Plibischken (Gluschkowo) gebildet. Es gliederte sich in 40 Ortschaften, darunter auch das Dorf Köllmisch Damerau (bis 1931 Königlich Damerau, russisch: Olchowka), wo 1911 eine eigene kleine Kirche errichtet wurde (* = Schulorte): Name Russischer Name Name Russischer Name Alt Löbkojen,1938–1946: Altlepkau Lapischken,1938–1946: Fuchshügel Dubrowskoje Drusken Lieneballem,1938–1946: Liene Eichenberg Luderwalde Espenhain Muplacken,1938–1946: Moptau Saltykowo *Groß Aßlacken Klewernoje Neu Löbkojen,1938–1946: Neulepkau Orechowo Groß Budlacken Kurortnoje Neu Schirrau Kawkasskoje Groß Papuschienen,1938–1946: Groß Grauden Romaschowo Obszerninken,1936–1938: Obscherninken,1938–1946: Dachsrode Partisanskoje *Groß Schirrau Dalneje Pareyken Bolschije Topki Groß Skaticken1938–1946: Skaten Bolschaja Olchowka Pesseln Guttschallen Sarutscheinoje Plompen Rajewskoje Kawerninken,1938–1946: Kawernicken Olchowka Puschienen,1938–1946: Reimersbruch Kerulaten,1938–1946: Kerlaten Saltykowo Reinlacken Malaja Olchowka Klein Aßlacken Klenewoje Reußwalde Klein Budlacken Saltykowo Ringlacken Klein Papuschienen,1938–1946: Kleingrauden Tichoje Schorkeninken,1938–1946: Schorkenicken Klein Schirrau Surikowo Stadthausen Doroschnoje Klein Skaticken,1938–1946: Kleinskaten Ußballen,1938–1946: Warstädt Knäblacken Meschdulessje Ußjauern,1938–1946: Michelsheide *Köllmisch Dameraubis 1931: Königlich Damerau Olchowka Wachlacken Malyje Topki Kukers Meschdulessje *Weidlacken Jelniki
Pfarrer Bis 1911 war Groß Schirrau eine Hilfsgeistlichenstelle der Kirche Plibischken (russisch: Gluschkowo). Danach amtierten bis 1945 an der Kirche Groß Schirrau eigene evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 47:
bis 1911: Franz Max Connor, 1900–1906 Bruno Walter Paul Rößler, 1907–1909 Bernhard Rouselle, 1909–1911
nach 1911: Bernhard Rouselle, 1911–1913 Alfred Vorrrath, 1913–1916 Otto Rosinski, 1917–1927 Helmut Graemer, 1928–1936 Alexander Bansi, 1938–1945
Weblinks Dalneje bankgorodov.ru Dalneje bei prussia39.ru Bildergalerie Groß Schirrau (bis 1945) Bildergalerie Groß Schirrau/Dalneje (nach 1945)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Rajon Gwardeisk